Für die Tour de France interessiert sich ja eigentlich kein Mensch mehr. Mit dem “Comeback” von Lance Armstrong und lascheren Dopingkontrollen hat der Veranstalter dieses Jahr versucht, wieder auf die Erfolgsspur zu kommen. Und auch wenn niemand mehr den Sportlern abnimmt, ihre Leistung auf saubere Art erbracht zu haben, eines ist sicher: Die Berge und Pässe, die bei der Tour abgefahren werden, sind legendär. Kein Wunder also, wenn Hobbyradler auf den Spuren der gedopten Stars strampeln. Und wenn dann sowas passiert, dann hat man zumindest ein unvergessliches Erlebnis!
Nebenbei bemerkt. Der Fahrradhersteller “Ghost Bikes” kommt aus Waldsassen, was bei mir hier gleich um die Ecke liegt. Dementsprechend viele Räder dieser Marke fahren bei uns durch die Gegend. Mit Sabine Spitz, der MTB-Olympiasiegerin von Peking, hat man eine Fahrerin unter Sponsorenvertrag, die die Marke ordentlich gepusht hat. Heute lese ich aber in der Zeitung, dass man sich den guten Namen jetzt wohl ruinieren will, indem man Jan Ullrich als Berater engagiert hat. Zur Erinnerung zitiere ich mal eben Oberstaatsanwalt Fred Apostel: „Unsere Ermittlungen über 21 Monate haben ergeben: Ullrich hat gedopt.“ Unternehmerisches Fingerspitzengefühl nennt man sowas wohl eher nicht, oder?
Gibt es eigentlich noch sehenswerte Sportarten? Die diesjährige Tour de Farce war angeblich dopingfrei, kein Wunder, wenn man nicht mehr richtig kontrolliert und sich die Dopingkontrolleure gar vom Team des späteren Gewinners zum Kaffeeklatsch einladen läßt. Bei der Schwimm-WM schlägt mit Paul Biedermanneinfach ein Nobody den achtfachen Olympiasieger von Peking. Dass dabei Michael Phelps Weltrekord pulverisiert wurde ist schon fast nebensächlich. Weltrekorde sind im Schwimmen nämlich seit der Einführung der Ganzkörperkondome eh nichts mehr wert und interessieren keine Sau mehr. Ich glaub, ich schau mir jetzt nur noch Dart an. Die Spieler mit ihrem Bauchansatz kommen da mit ihrem Pausenbierchen allemal glaubwürdiger rüber.
Schade, dass ich es nicht gesehen habe. War scheinbar eine echt interessante Sendung, als Triathlonstar Normann Stadler in Blickpunkt Sport auf Ex-Radprofi Jörg Jaksche und Ex-Triathletin Lisa Hütthaler traf. Ersterer ließ sich zum gläsernen Athleten machen und setzt sich freiwillig weit öfter als nötig Dopingkontrollen aus. Die beiden anderen hingegen wurden beim Doping erwischt und wurden gesperrt. Lisa Hüttenthaler erklärte dann, dass sie wohl noch immer dopen würde, wäre sie nicht erwischt worden. Und weil sie jetzt ja keinen Sport mehr machen darf, hat sie mal eben die Seiten gewechselt und geht jetzt in die Schulen um die Kinder vor den Dopinggefahren zu warnen. Den Bock zum Gärtner machen nennt man das wohl. Kein Wunder, dass Normann Stadler da irgendwann sauer wurde und meinte, dass es schlimm sei, dass den beiden in der Sendung eine Plattform geboten werde.
Ich hoffe mal, der Mitschnitt erscheint bald irgendwo auf einer Videoplattform, dann reiche ich das hier nach. Muss echt heftig abgegangen sein.
Nachtrag: Bei YouTube gibt es den Beitrag in vier Teilen:
“Wir waren im Einzelfall am Einsatz unterstützender pharmazeutischer Substanzen beteiligt. Uns war bekannt, dass diese den Regeln des Sports widersprach, doch fühlten wir uns durch die Vorgaben des Staates legitimiert. Bei einer Weigerung, diese Mittel weiterzugeben, hätten uns der Ausschluss aus dem Leistungssport und damit erhebliche berufliche Nachteile gedroht.”
Warum kommt mir diese Ausrede nur so bekannt vor? Haben wir solche Sätze nicht schon so oft in der Geschichte gehört? Nach dem Krieg hat ja entweder keiner was gewußt oder war nur in der Partei, weil er mußte. Nach der Wende beteuerten die IMs der Stasi immer wieder, dass sie zur Mitarbeit gezwungen waren, weil sie sonst Repressalien zu erwarten gehabt hätten oder die Kinder nicht auf die Uni hätten gehen dürfen. Oder, oder, oder.
Schon immer hat sich die Spreu vom Weizen getrennt, wenn die Wahl zwischen Karriere und persönlichem Gewissen zu treffen war. Die Dopingtrainer der DDR haben wohlwissend im System mitgespielt. Ihnen war der persönliche Erfolg wichtiger als die Grundwerte des Sports. Sie haben damals die Entscheidung getroffen, dass sie Ihrem Erfolg durch Betrug auf die Sprünge helfen wollen.
Jetzt haben diese fünf Dopingtrainer ihre Schuld in einem Brief zugegeben. Wenn dies nach so langer Zeit geschieht, liegt der Verdacht nahe, dass sie eine mögliche Aufdeckung befürchten und einer Suspendierung zuvorkommen wollen. Für die Funktionäre des DLV ist damit die Sache scheinbar erledigt. Schließlich beteuern die fünf ja, seit 1991 rein gar nichts mehr mit Doping zu tun gehabt zu haben. Was auch sonst? Ist das die Art, wie wir in Deutschland das Dopingproblem angehen wollen? Einfach lang genug warten, dann ein wenig bedauern und gut ists?
Jetzt tun sie wieder alle so furchtbar überrascht, obwohl sich doch jeder denken kann, dass es im Biathlon nicht sauber zugeht. Kamen doch letztes Jahr erst deutsche Sportler in Verruf, doch zwecks endgültigen Beweisen passierte weiter nichts. Wenn jetzt die drei Russinnen erwischt wurden, zeigt das nur einmal mehr: Wo Geld im Sport ist, wir gedopt und je mehr Geld im Spiel ist, desto weniger Interesse besteht, dass aufgeklärt wird. Was glaubt Ihr, warum im Fuentesskandal kein spanischer Fußballer gesperrt wurde, obwohl doch überall zu lesen war, dass einige Spieler verwickelt waren? Nee, wenn dem Biathlonverband wirklich was daran gelegen wäre, dann würden wohl ein paar Fälle mehr bekannt. Dafür greifen die üblichen Abwehrmechanismen. Kati Wilhelm, die jetzt das gelbe Trikot übernimmt, ist überrascht und geschockt, die Österreicher dementieren und alle behaupten, dass es sowas in der eigenen Mannschaft nie geben würde. An welche Sportart erinnert mich das nur alles?
Eine der größten Gefahren beim Blut- und EPO-Doping sind Thrombosen und Embolien. Grund ist das eingedickte Blut, das durch den erhöhten Anteil der roten Blutkörperchen im Blut entsteht (erhöhter Hämatokritwert).
Es gibt viele Zeugen, die berichten, dass bei großen Rundfahrten Anfang der 90er Jahre die Radler nachts in den Hotelgängen auf und ab gehen mussten, um ihre Blutzirkulation wieder in Gang zu bringen. Auch ein 20 minütiger Kopfstand war geeignet den Wert um bis zu 3,1 % zu verringern, aber die Fahrer versuchten es am Abend dann doch lieber mit längerem Hochstellen der Beine. Ein Pulsmessgerät diente während des Schlafs als Alarmgerät sobald der Puls auf einen besorgniserregend niedrigen Wert sank.
Quelle: Cycling4Fans
Der Radsport hat es derzeit alles andere als leicht. Die Sponsoren und die Fernsehsender springen ab und jetzt hat auch noch Lance Armstrongverkündet, bei der Tour de France 2009 wieder an den Start zu gehen. Zuvor will er noch den Giro d’Italia bestreiten. Zwar möchte er bei der Tour nicht als Teamleader fahren, doch seine Mitstreiter sind ja auch nicht gerade unbeschriebene Blätter im Thema Doping.
Die Macher der Tour täten gut daran, Astana (wie 2008) auch dieses Jahr nicht einzuladen. Rüdiger meint, die Tourleitung hat vor, “aus der Leiche noch ein letztes Mal Kapital zu schlagen” und dass Lance Armstrong zum Türöffner für Astana wird. Für mich würde aber ein Armstrong und ein Team Astana am Start das endgültige aus der Tour bedeuten. Die Glaubwürdigkeit des Radsports ist augenblicklich dahin, wenn es aber nicht bald gelingt, den alten Ballast abzuwerfen, wird es mit diesem wunderschönen Sport bald ganz vorbei sein.
Lass es bitte eine Ente sein, der Radsport erholt sich doch gerade wieder ein wenig. Und dann auch noch für Astana!
Lance Armstrong coming back
Lance Armstrong will come out of retirement next year to compete in five road races with the Astana team, according to sources familiar with the developing situation.
Armstrong, who turns 37 this month, will compete in the Amgen Tour of California, Paris-Nice, the Tour de Georgia, the Dauphine-Libere and the Tour de France — and will race for no salary or bonuses, the sources, who asked to remain anonymous, told VeloNews.
In diesem Jahr hat war die Tour de France spannend wie nie. Kein Superstar, der frühzeitig alles klar gemacht hat. Und trotzdem hat sich heuer eigentlich kein Schwein mehr interessiert. Zu viele gedopte Radfahrer in den letzten Jahren, zu viele Skandale und uneinsichtige Ex-Stars, die sich noch immer als Opfer statt als Täter sehen. Seit bei Fuentes die Blutbeutel von Jan Ullrich gefunden wurden und die Geständnisse von Zabel und Alldag kamen, ist der Radsport in Deutschland engültig im Keller der Zuschauergunst gelandet. Heute kann man nicht einmal sicher sagen, ob seit 1996 (als Mr. 60 Prozent gewann) überhaupt auch nur einmal die Tour sauber gewonnen wurde.
Und wie es eben so ist, wenn ein Sport in der Zuschauergunst gesunken ist, es zog sich ein Sponsor nach dem anderen zurück – trotz “Neuanfang”. Kein Unternehmen möchte sein Produkt im Umfeld von Lug und Betrug präsentiert sehen. Heute hat es auch Team Gerolsteiner um Hans-Michael Holczer erwischt. Der Getränkehersteller zieht sich zurück und kein Nachfolgesponsor möchte das Risiko eingehen. Schade, denn den Jungs von Gerolsteiner mochte man noch am ehesten glauben. Eine langjährige Aufbauarbeit ohne Skandale hatten die geleistet und alle sauberen Sportler müssen nun den Kopf für die schwarzen Schafe hinhalten. Schade
Grad noch kurz ein wenig durchs Programm gezappt und entsetzt festgestellt, dass Boris Becker eine eigene TV-Show hat. Extrem überrascht war ich über seinen Gast. Hat er für pro7 doch tatsächlich Jan Ullrich besucht. Gemeinsam wurde das Haus besichtigt, der Trophäenraum und die Höhenkammer darin bewundert und dann seine Mutter in Rostock besucht. Es gab ein Wiedersehen mit alten Schulkameraden und dann noch ein paar Radrunden auf einer Bahn. Ganz so als wäre da nie etwas mit Doping gewesen.
Dann doch noch ein kritischer Moment. Boris Becker fragt schonungslos nach der Dopingvergangenheit: “Du wurdest ja wegen Doping supendiert, mittlerweile rehabilitiert. Wie denkst Du heute darüber?” (sinngemäß). Hä? Hab ich da irgendetwas falsch mitbekommen? Anschließend schimpft Ullrich auf jeden Fall wie gewohnt über die deutsche Presse und alle, die ihm Doping vorgeworfen haben. “Ich verstehe bis heute nicht, wie gute Leute kaputt gemacht werden“
Am 14. April 2008 stellte die Staatsanwaltschaft Bonn ihre Ermittlungen gegen Ullrich wegen der Betrugsvorwürfe seines ehemaligen Arbeitgebers Team T-Mobile ein. Ullrich müsse eine Zahlung „in sechsstelliger Höhe an gemeinnützige Institutionen und die Staatskasse“ leisten, dafür werde auf eine Klageerhebung verzichtet. Oberstaatsanwalt Fred Apostel sagte: „Unsere Ermittlungen über 21 Monate haben ergeben: Ullrich hat gedopt.“