An Fototapeten kann ich mich seit meiner Jugendzeit erinnern. Ein Freund hatte sowas in seinem Zimmer und irgendwie fand ich das damals selten kitschig. Gleich nach einem aufgeklebten Puzzle rangierte sowas auf Platz zwei meiner Skala für unmöglichen Wandschmuck. Zu dieser Zeit gab es allerdings auch nur furchtbar spießige Stand- und Bergmotive. Und eigentlich ist in unserem Hüthaus gar kein Platz für eine Tapete. Die Wände sind 250 Jahre alt und durch ihre vielen Buckel eher tapetenungeeignet. Lediglich in meinem Kellerbüro der neugebauten Garage sind die Wände so, wie man es von einem modernen Bau gewohnt ist.
Was also tun, mit einem Guschein über 100,- Euro, den ich von Berlintapete geschenkt bekommen habe? Motivmäßig hat sich seit damals viel getan. Durch heutige Computertechnik gibt es Möglichkeiten, die damals undenkbar waren. Und so kann man nicht nur wie früher zwischen Motiven aussuchen, die besser in “Der Jäger von Fall“, “Kaiserjagd im Salzkammergut” oder “Das Traumschiff in der Dominikanischen Republik” aufgehoben wären. Nein, heute kann man zwischen hunderten verschiedenen hochwertigen Motiven wählen, die farblich auch zur Einrichtung passen. Und schaut man sich an, was da im Showroom von Berlintapete an Referenzen gezeigt wird, wird man echt überzeugt, dass Fototapeten mittlerweile eher für Individualität als für Spießigkeit stehen.
Aber zurück zu meinem Gutschein und meinem Kellerbüro. Dass ich gerne Fische fotografiere, habt Ihr ja hoffentlich mittlerweile mitbekommen. Was liegt also näher, als eines dieser Fischfotos für meine Tapete zu verwenden? 340 x 110 Zentimeter ist die Wand, an die die Tapete später soll. Da brauchte es also was, was vom Format eher nicht dem Standard entspricht. Nachdem ich mein ganzes Fotoarchiv rauf- und runtergeklickt hatte, bei Flickr gestöbert habe, was andere so in petto haben, habe ich mich dann doch für einen meiner Anemonenfische entschieden.
Der Bestellprozess war schnell durch. Im Tapetenshop einfach das Bild hochgeladen und danach die Maße eingegeben. Zwar hab ich eine Warnmeldung bekommen, dass mein Bild mit 3080 Pixel Breite ein wenig zu schlecht sei, aber das Riskio bin ich dann doch eingegangen, da ich einfach keine bessere Qualität hatte. 1000 Pixel pro Meter sollen es eigentlich mindestens sein und die fehlenden 320 Pixel wird man da nicht so merken, hab ich mir gedacht. Also Bestellung abgeschickt und gewartet. Am nächsten Morgen dann folgende Meldung:
Ihre Bestellung wird nun in die Produktion weitergeleitet und innerhalb von 14 Werktagen an Sie geliefert.
Oje, das wird dieses Jahr wohl nichts mehr. Doch eine Stunde später kam bereits die nächste Mail, dass meine Bestellung auf der Druckmaschine sei. Heute dann nach vier Tagen bereits die Lieferung und ich muss sagen, ich bin begeistert. Das Material ist superstabil, eine Anleitung zu Verarbeitung erklärt alles und die acht Bahnen anständig nummeriert. Allerdings habe ich jetzt ein Problem. Noch nie in meinem Leben habe ich etwas tapeziert und mein Haus- und Hofmaler hat vor Weihnachten keine Zeit mehr. Daher habe ich mal einen Teil auf dem Boden ausgelegt und ein Foto gemacht. Ich fürchte zwar, die erste Zeit werde ich erschrecken, wenn ich ins Büro komme und mich Nemo anstarrt, aber es wird sicherlich nicht lange dauern und wir werden gute Freunde.

Zur Erläuterung: Der Spaß ist 110 cm hoch und ich habe zwecks Platzmangel nur die Hälfte der Bahnen ausgelegt. Bei dem Fisch auf dem Bild handelt es sich um einen falschen Clownfisch in seinem Anemonenstock. Das Bild gibt es auch zum Download. Und um alle aufkommenden Anschuldigungen wegen bezahlter Werbung entgegenzutreten: Den Gutschein habe ich auf Anfrage bekommen, weil ich über das Produkt schreiben wollte. Was ich hier geschrieben habe, ist mit drei Glas Rotwein, aber ohne inhaltlichen Einfluß von Berlintapete entstanden.
Achja! Und als ich eben recherchiert hatte, ob noch andere über Berlintapete geschrieben haben, entdeckte ich ein Motiv, das mir eigentlich besser gefallen hätte.