Nur noch mal für mich zur Vergewisserung: Ich dürfte also mit 14 Jahren anfangen, großkalibrige Waffen zu benutzen und dann als 21jähriger Sportschütze mit einem Kofferraum voller halbautomatischer Waffen und 0,4 Promille auf der Autobahn mit 320 km/h vom Schützenfest zum CSU-Parteitag fahren – aber Computerspiele sollen verboten werden?
Computerspiele zocke ich jetzt seit mittlerweile rund 15 Jahren. Wenn man beruflich eingebunden ist, hat man aber leider nicht so viel Zeit, wie die Jungs, die nach der Schule den ganzen Nachmittag an der Kiste sitzen. Seit meinem Fußbruch und der damit verbundenen Sportunfähigkeit habe ich aber ein wenig mehr Muße, mich meinem neuen Lieblingsshooter “Call of Duty – World at war” hinzugeben. Schließlich ist demnächst auch unsere LAN-Party und als Orga möchte man ja auch nicht unbedingt nur Kanonenfutter abgeben.
Da es in meinem Dorf nur DSL1000 gibt und mangels Fastpath auch nur einen mäßigen Ping, gurke ich immer nur im Mittelfeld herum und bin schon froh, wenn ich ausnahmsweise mal ein positives Kill/Dead Verhältnis habe. Vor drei Tagen habe ich einen Server gefunden, der bei mir recht gut geht und so bin ich seitdem immer auf dem gewesen, wenn ich mal eine Stunde zum Spielen abzwacken konnte.
Was mir aber heute untergekommen ist, das habe ich noch nicht erlebt. Der erwähnte Server wird von den |EU|-Helden (Webseite) betrieben. Der Admin dazu ist [EU]-Otto, der auch immer fleißig mitspielt. Der Otto hatte wohl heute einen ganz miesen Tag. Vielleicht hat er einen Sechser in der Matheschulaufgabe geschrieben, vielleicht ist ihm die Freundin davon oder vielleicht hat ihm seine Mutter das Taschengeld gekürzt. Ich hab keine Ahnung was es war. Auf jeden Fall wunderte ich mich während des Spiels schon, warum ständig Spieler vom Server gebannt wurden. Alle paar Minuten flog einer raus. Dann war an meiner Knarre das Magazin leer und vor lauter Panik ging ich mit dem Messer auf meinen Gegner los und hatte Glück. Oder eigentlich nicht. Denn ich erwischte ausgerechnet [EU]-Otto, der das scheinbar gar nicht lustig fand. Zehn Sekunden später flog ich vom Server und kam nicht mehr rein.
Ein wenig angepisst war ich dann ja schon und so habe ich mich bei den EU-Helden im Gästebuch verewigt und reingeschrieben, dass ich das relativ bescheiden finde, was da grad passiert ist. Ich blieb auch höflich, schließlich wollte ich ja keinen Flamewar vom Zaun brechen. Grad eben, zwei Stunden später wollte ich nachsehen, ob ich vielleicht eine Antwort bekommen hätte. Stattdessen kam beim Aufruf der Webseite nur folgende Meldung:
Benutzeraccount/IP-Adresse gesperrt
Ihnen wird der Zugang zur Webseite verwehrt. Ihr Benutzeraccount bzw. Ihre IP-Adresse wurde von den Verantworlichen gesperrt!
Hat der Otto doch glatt meine IP - falsch, den ganzen IP-Bereich – per .htaccess geblockt. Lieber [EU]-Otto, Du bist wirklich ein Held! Ich hoffe nur, dass Du später im Leben Deine Konflikte besser in den Griff kriegst. Und Euch Eltern empfehle ich eines: Lasst Euere Kids nicht den ganzen Tag allein und unbeaufsichtigt vor dem PC spielen.
Nachtrag: Mein Gästebucheintrag bei den Helden wurde gelöscht. Stattdessen hat jemand (ohne seinen Namen zu nennen) bei meiner Frau angerufen, sich über diesen Beitrag beschwert und mit “seinen Anwälten” gedroht.
Nachtrag 2: Auch andere haben Ihre Erfahrungen gemacht.
Seit ich meinen ersten Computer (ein 486 SX 25 von Vobis war das damals) bekommen habe, spiele ich gerne auch damit. Von Duke Nukem 3D über Unreal Tournament und Age of Empire bin ich mittlerweile bei Call of Duty gelandet. Seit Jahren treffen wir uns regelmäßig in meinem Keller zum Zocken. 2002 haben wir dann zusammen mit den Jusos (!) eine LAN-Party im Jugendheim veranstaltet. Leider kamen nur 30 Mann, scheinbar meinten alle, sie müßten bei der SPD eintreten. Ein Jahr später (ohne Jusos) belagerten wir ein Wochenende unser Dorfwirtshaus, das brechend voll war. Zu der Zeit spielten wir Age of Empire und auf Einladung kam ein Clan deutscher Spitzenspieler, der uns Nasen mal gezeigt hat, wo der Barthel den Most holt. Leider waren auch Leute da, die mehr gesoffen als gezockt haben und aufgrund des Ärgers haben wir dann beschlossen, erstmal nur noch wieder interne LANs zu machen oder LAN-Partys anderer zu besuchen. Aber der Wunsch nach einer eigenen LAN war schon noch im Herzen.
Und jetzt kommts! Nach fünf Jahren Pause haben wir das Schützenheim in Wernberg-Köblitz gemietet und veranstalten vom 27.03. bis 29.03.2009 das LSN Shooting #3. Wer also irgendwie aus der Umgebung kommt und gerne spielt, ist herzlichst eingeladen. Platz ist für 60 Mann/Frau. Zur Anmeldung und mehr Infos geht es hier:
Computer- oder zumindest Killerspiele sind in den Augen unserer Politiker der fast alleinige Grund für Gewalt und Amokläufe. Sieht man sich den Altersschnitt der Mitglieder im Deutschen Bundestag so an, stellt man schnell fest, dass die fast alle zu einer Zeit jung waren, als es noch gar keine Computer gab. Nun mögen Ballerspiele in den Händen von verwahrlosten Kindern durchaus im Einzelfall dazu beitragen, dass ein vorhandenes Gewaltpotential gefördert wird. Von all den Auslösern für jugendliche Gewalt, die es sonst noch gibt – ich zähle jetzt nur mal unser marodes Schulsystem, das Fernsehen, die Schützenvereine oder die Bundeswehr auf – ist die Computerspielbranche die mit der kleinsten zahlungsschwächsten Lobby. Die Richtung ist also klar vorgegeben und das nachfolgende Beispiel ist mal wieder typisch für das vorherrschende Schubladendenken.
Die Bundeszentrale für politische Bildung hat unter dem Titel “Computerspiele(r) verstehen” eine Broschüre rausgebracht, die Computerlaien und wohl auch interessierten Eltern ein wenig aufzeigen sollte, wie Computerspieler so ticken und was der Reiz am Spielen ist. Anhand von Fakten und mit wissenschaftlicher Unterstützung sollten vorhandene pauschale Vorurteile relativiert werden. Natürlich passt so eine Broschüre nicht zur politischen Ausrichtung unseren Innenministeriums und so wundert es nicht weiter, dass unter fadenscheinigen Plagiatsvorwürfen gegenüber einem der Autoren gestoppt wurde.
Außerdem werfe das seit langem für seine Anti-Gaming-Haltung bekannte Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen dem Werk vor, Risiken für Spieler zu verharmlosen. Laut Spiegel unterstellt dessen Leiter, Christian Pfeiffer, der für das Buch verantwortlichen Kölner Fachhochschule zu große Nähe zur Industrie, weil sie immer wieder von der Spieleindustrie finanziell unterstützt wurde, insbesondere von Electronic Arts. Im Interview mit Golem.de hatte Winfried Kaminski von der FH Köln im März 2008 zu dem Thema gesagt: “Der Betrag, über den wir reden, nimmt 0,005 Prozent des Hochschulbudgets ein. Das ist doch absurd. Das Geld wird von uns in den FH-Haushalt eingespeist und dort öffentlich verwaltet. Damit bezahlen wir einen Mitarbeiter.”
Als hätten führende deutsche Politiker keine Nähe zu Industrie oder Wirtschaft. Der Unterschied wird nur sein, dass die das Geld selbst einstecke.
Wenn in unseren Bildungseinrichtungen die Schüler durchdrehen und wild um sich ballern, haben die Medien immer gleich den Schuldigen ausgemacht. Fast immer sind es die Ballerspiele, an denen alles liegen soll. Wer selbst spielt, der weiß, dass Egoshooter nicht in den Hände von Jugendlichen gehören, er weiß aber auch, dass die Berichterstattung in den Medien alles andere als objektiv und teilweise einfach falsch ist.
Beim Datenstrolch habe ich ein Video entdeckt, wo der 21 jährige Student Matthias Dittmayer vier Sendungen von ARD und ZDF unter die Lupe nimmt und einige Darstellungen richtig stellt. Gerade bei dem Bericht in Panorama, den ich bei der Erstaustrahlung schon im TV gesehen habe, war ich damals schon entsetzt, wie unseriös Panorama da berichtet wird. Wer jemals CoD gespielt hat, entlarvt die Szenen sofort als gestellt. Wenn ich mir vorstelle, dass die Redakteure der Sendung immer so recherchieren und die Realität verzerren, frage ich mich, warum die nicht lieber zu Unterschichtensendern gehen.
Bemerkenswert auch ein Satz in einem Interview, dass Dittmayer der SZ gibt (Killerspiele im TV – SZ vom 28.11.2007):
Wie bist du an das Material von den Sendungen gekommen? Das findet sich alles auf den Webseiten der Sender. Das ist ganz interessant: Der Beitrag von Panorama ist nicht mehr online. Man konnte das Video zur Sendung eine ganze Weile anschauen, aber ausgerechnet das wurde entfernt. Man findet noch Sendung von vor drei Jahren, aber diese eine Sendung fehlt.