Aufbruch?

Ein Hauch von Aufbruch hat die SZ vorgestern geschrieben, als Horst Seehofer zum neuen Parteivorsitzenden gewählt wurde. Vor der Wahl noch ordentlich Pfiffe und Buhrufe für Edmund Stoiber. Sowas hat es wohl bei der CSU noch nie öffentlich gegeben. Pfiffe aus den eigenen Reihen für den ehemaligen Chef und nun Ehrenvorsitzender der Ex-Einheitspartei. 90 Prozent für Seehofer sind dann trotzdem ganz ordentlich, wenn man bedenkt, wie zerrissen die CSU derzeit ist. Zerrissen, wie man es sonst nur von der Bundes-SPD gewohnt ist. Die Frankenpost drückt es ganz dramatisch aus:

Durch die Stuhlreihen der Halle C1 auf der Münchner Messe führt ein Gang so breit, wie die Gräben tief sind in der CSU. Auf der einen Seite sitzen die Franken und Oberpfälzer, auf der anderen die Ober- und Niederbayern mit den Schwaben. Wie eine Demarkationslinie verlaufen auf dem Boden auch noch zwei knallrote Striche quer durch die Halle. Als ob die Parteitagsregie – die frischen Verwundungen zwischen Franken und Altbayern vor Augen – durch die strikte Trennung der Stämme einer Keilerei vorbeugen wollte.

Nein, den Seehofer wollte vor ein paar Wochen noch keiner. Warum also jetzt? Weil ein paar Oberbayern unter Stoibers Führung eine Konterrevolution angezettelt haben und Beckstein die Folgschaft verwehrten? Ich muss zugeben, dass mir von den ganzen Schwarzen der Seehofer noch der Liebste ist. Trotzdem ist es so, dass nicht einer im Freistaat ihn gewählt hat. Der Niederbayer Peter Erl drückte es dabei recht blumig aus:

„Wir haben Günther Beckstein gewählt und bekommen jetzt Horst Seehofer. Das ist, wie wenn man einen BMW bestellt und dann steht ein Audi vor der Tür.“

Autotechnisch ist man in Ingolstadt wohl wirklich besser dran, beim Ministerpräsident wird es sich noch zeigen müssen. Einen Vorteil hat der Seehofer auf jeden Fall. Er weiß, wie Koalitionsarbeit geht. Der ganze Rest der Fraktion im Landtag wird sich daran erst noch gewöhnen müssen, dass auf einmal die FDP mitreden darf. Ich bin mal gespannt, wann es da zum ersten Mal krachen wird. Und da sich aber ein Einknicken der CSU bei verschiedenen Themen schon andeutet, wird die FDP einige Punkte als ihre Leistung verkaufen können. Gerade beim Raucherschutz befinden sich die Liberalen ja eher auf der Seite der Tabaklobby und mich würde es nicht wundern, wenn das der FDP schon bei der Bundestagswahl nutzen würde.

Zwei Tage nach dem Sonderparteitag zeigte die CSU heute zumindest schon fast wieder den gewohnten Zusammenhalt. Nur vier (fränkische?) Abweichler gab es, die nicht für Seehofer votierten. Damit kann er leben. Messen lassen muss er sich aber, ob er in Zukunft endlich mal Linie halten wird. Zu sehr Fähnchen im Wind war er im Berlin der letzten Jahre. Vom Gegner zum Befürworter der Gentechnik hat es nur ein paar Wochen gedauert. Vom Raucherlobbyist zum -gegner und zurück ging es auch recht flott. Das wird er sich als Regierungschef nicht mehr leisten können.

Ein Gedanke zu „Aufbruch?“

  1. Achja, mein werter Herr Vizelandrat, der Herr Erl hat ja ziemliche Töne dort gesprochen…
    Wenn man sich aber mal ansieht wie zerrissen die CSU in seiner Heimatgemeinde ist, dann bekommen die Aussagen irgendwie ein ganz anderes Gesicht.

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