Brückentag ist Cold Call Tag

Am Freitag war Brückentag und da ist bei uns in der Firma grundsätzlich dicht. Da ich ja heute sportlich unterwegs war, fiel das Radfahren am Freitag aus. Stattdessen hab ich im Freien gearbeitet und endlich unsere Terasse mit Holz belegt. Nebenberuflich betreibe ich noch eine kleine EDV-Firma, hauptsächlich um für mich selbst günstig einkaufen zu können. Allerdings haben das auch irgendwann mal listige Adressenhändler mitbekommen und seitdem rufen ständig irgendwelche Firmen an, die mir Werbeanzeigen in Fachzeitschriften, Einträge in Branchenverzeichnissen oder ähnlichen Käse verkaufen wollen. Unter der Woche stört mich das nicht weiter, da kriegen die nur den Anrufbeantworter dran. An solchen Tagen wie am Freitag erwischen die einen natürlich kalt.

Ich also beim Telefonklingeln ins Haus geflitzt, im Display „Rufnummer unterdrückt“. Hm, könnte auch die Tante meiner Frau sein, gehe also ran. „Guten Tag, Firma Public News, Agentur für Kommunikationsberatung“. Nie gehört denke ich mir. „Spreche ich mit Ihnen als Geschäftsführer der Firma?“ „Danke, kein Interesse“ unterbreche ich die Dame sofort. „Aber …“ versucht sie es nochmal. Nach ein paar Sätzen hin und her, „Schönen Tag noch“ und lege auf.

Insgesamt viermal kriegen sie mich so über den Tag zu einem Sprint ans Telefon, drei weitere Male steht nur „Anruf in Abwesenheit“ im Display. Natürlich auch von unbekannt. Dem dritten Anrufer habe ich dann erzählt, meine Firma existiert nicht mehr. Ich glaube ich mach das jetzt immer so, evtl. hilft das ja für die Zukunft.

Die Leute, die in einem Callcenter arbeiten, sind die ärmsten Schweine, das ist mir durchaus bewusst. Meist sind es Studenten, die sich ein paar Kröten dazuverdienen oder Hausfrauen, die sich auf 400 Euro Basis an solche Firmen verkaufen. Generell denke ich mir, dass Firmen, die über Callcenter und gekaufte Adressen aquirieren lassen sowieso nicht recht seriös sind.

Im speziellen Fall von Public News (den Namen konnte ich mir zufällig merken) vom Freitag habe ich mir die Arbeit gemacht und mal die Webseite angeschaut. In meinen Augen eine typische nichtssagende Seite, manche der verwendeten Grafiken hat man schon auf zahlreichen Webseiten gesehen und vorallem verwenden die auch noch den Nervkiller Nummer 1 – ein Layer-Ad. Die Referenzen sind zwar große Firmen, was die eigene Arbeit jeweils aber war, nur mäßig rauszukriegen. Es finden sich Sätze wie:

Im Rahmen einer gemeinsamen Imagekampagne haben wir die Neupositionierung durch Presse- und Medienarbeit in Norddeutschland kommuniziert.

oder

Aus dieser Schnittmenge formulieren wir klar umrissene Profilierungsthesen, mit denen das Unternehmen in der öffentlichen Diskussion wahrnehmbar wird.

Wer bitte springt auf solche Floskeln noch an? Zusätzlich sollte man sich in diesem Haus dann noch folgendes überlegen: Ein durchschnittliches EDV-Unternehmen hat selten mehr als fünf, fast nie mehr als zehn Mitarbeiter. Wie gross ist da die Chance, einen PR-Vertrag abzuschliessen? Noch dazu für eine Hamburger Firma in der Oberpfalz? In Bayern? Wenn man sich schon über Kaufadressen die Kunden an Land ziehen möchte, sollte man sich doch die Arbeit machen, einfach mal auf die Webadresse der Firma zu gucken. Dann kann man sich schon 95% der Anrufe sparen. Marktanalyse mangelhaft würd ich mal meinen, oder?

Lustig am Rande: Auf der Webseite findet sich nicht mal ein Datenschutzhinweis, ist doch bei dem Geschäftsgebahren schon fast eine Abmahnung wert, oder?

Eigentlich wollte ich ja schon lange mal über solche Firmen schreiben, war aber immer zu faul. Heute hat mich Peter dazu inspiriert.

Nachtrag: Gerade lese ich, dass Rufnummerunterdrückung in Zukunft bei Cold Calls verboten werden soll. Hoffentlich geht das durch, dann wird wieder ein wenig erträglicher. Ich denke sowieso, das es seriöse Firmen doch sowieso nicht nötig haben, die Rufnummer zu unterdrücken.

Ein Gedanke zu „Brückentag ist Cold Call Tag“

  1. Toller Beitrag von 3-Bein, hat viel Spaß gemacht. Ich schrei‘ (noch freundlich) ja auch schon immer nach dem ersten halben Satz: „Nein danke!“. Schade um die kostbare Lebenszeit!

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