Archiv der Kategorie: Politik

Das gab es nicht einmal in Wackersdorf

Überforderter Polizist mit Pistole
(c) Rafael Wehrspann

Ich kann mich noch gut an die Krawalle zu Pfingsten 1986 erinnern, als am Bauzaun in Wackersdorf eine völlig unzureichend vorbereitete und unprofessionell arbeitende Polizei auf ein paar gewaltbereite Chaoten und zehntausende friedliche Demonstanten traf. Als die Situation den knapp 1000 Polizisten damals ausser Kontrolle geriet ging die Staatsmacht dann mit Gummiknüppeln vor und schoss ziellos Reizgasgranaten in die Menge. Aber selbst damals ist keinem Polizisten das passiert, was sich ein offenbar überforderter junger Polizist bei einer Demo vom Anti-Atom-Treck geleistet hat. Er zog seine Dienstwaffe und richtete sie gegen unbewaffnete Demonstranten.

Ein Demonstrant wird festgenommen. Auf meine Nachfrage, warum, erklärt der Sicherheitschef: Er habe Verkehrshütchen umgestoßen. Ein schweres Vergehen angesichts der Atommüllgefahr, der wir hier gegenüberstehen. Es kommt zum Handgemenge. Ein Landwirt weigert sich, seine Personalien anzugeben und wird vom Traktor gezogen. Demonstranten helfen ihm. Ein Polizist zieht seine Dienstwaffe und richtet sie auf Menschen! Ein Kamerateam vom mdr-Fernsehen filmt.

Der wohl gleiche Polizist auf einem anderen Foto beim pfeffersprayen und dazu ein Kollege, der sich scheinbar gerade tierisch über einen Volltreffer freut.

GM oder ein Land wird verarscht

Da sind sie die letzten Wochen alle zur Hochform aufgelaufen, die Steinbrücks und Guttenbergs. Rettungsaktionen für Traditionsunternehmen wie Opel kommen im Wahlkampf schließlich gut an und auch wenn man letztendlich gar nichts zu melden hat, kann man trotzdem so tun als ob. Wenn dann die Arbeitsplätze gesichert sind, lacht man in die Kamera und hat vielleicht ein paar Wählerstimmen gewonnen.

So hat man wochenlang verhandelt und Bieterkonzepte bewertet. Und diejenigen, die dann trotzdem alles entscheiden, nämlich die Chefs von General Motors, haben auf Zeit gespielt und verkünden jetzt, dass sie Opel behalten wollen. Das Ganze ist so traurig, dass es schon wieder zum lachen ist. So wundert es auch nicht, dass sich Torsten heute über die Geschichte ein wenig lustig macht:

26. August 2030, ein Montag:

Deutschland: Wie die Bundesregierung am heutigen Montag in einer offiziellen Stellungnahme mitteilte, liegen für die inzwischen auf Gummistiefel und Lakritzschnecken spezialisierte Adam Opel AG mit Sitz in Tallinn (Estland) weiterhin Übernahmeangebote von 187 verschiedenen Bieterfirmen vor. Wie innerhalb der letzten 21 Jahren täglich verkündet, wird innerhalb der nächsten Stunden eine verbindliche Entscheidung getroffen, wer zukünftiger Eigentümer von Opel werden wird. Regierungskreise sind sehr zuversichtlich, dass der neue Eigentümer der Opel AG den vollständigen Erhalt der aktuell noch 17 Mitarbeiter sicherstellen wird.

to be continued

Wer nichts zu verbergen hat …

“Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten”. War das nicht immer das Lieblingsargument von Wolfgang Schäuble, wenn es um die Einführung von Überwachungsmaßnahmen, Terrorabwehr und Vorratsdatenspeicherung ging? Scheinbar ist dieser Grundsatz bei seiner Ministerkollegin Ursula von der Leyen nie angekommen. Weil die hat nämlich Angst vor der Presse und möchte sie gerne von Ihren Wahlkampfauftritten aussperren.

[youtube 2cyy5KTYAnU]

via XSized, Oldblog und Nicht spurlos

Transparenz in Bayern

Nun wurden sie also doch veröffentlicht, die Agrarsubventionen, die die bayerischen Bauern erhalten. Lang hatte sich die CSU gewehrt, wohlwissend, dass sie mit ihrer Weigerung doch nicht durchkommen würde. Gerne hätte man es noch über die Bundestagswahl geschafft, aber letztendlich wollte man dann doch keine Strafzahlungen riskieren. Und schließlich konnte man es am Ende doch noch als Erfolg verkaufen, steht doch jetzt bei jeder einzelnen Zahlung dabei, wofür der Landwirt sie erhalten hat.

So besteht der Förderkuchen bei allen Bauern in meinem direkten Umkreis beispielsweise aus drei Teilen. Das größte Stück sind die Direktzahlungen der EU – 1. Säule. Dazu gibt es noch Zahlungen für Agrarumweltmaßnahmen und Ausgleichszulage in benachteiligten Gebieten. Letztendlich sind die Erläuterungen also für die Katz, weil sowieso jeder Landwirt sein Geld aus den gleichen Programmen bekommt. Lediglich die Summen unterscheiden sich und werden reichlich Stoff für die Neiddiskussionen der kommenden Stammtischwochen geben. Und damit das auch sicher so kommt, hat die SZ gleich mal ein paar rausgekramt, denen es der Kleinbürger bestimmt nicht gönnt.

Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) erhält etwa 7000 Euro aus dem EU-Agrarfonds, der Sohn von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis bezieht etwa 575.000 Euro.

Wer selber ein wenig wissen möchte, was der Bauer nebenan wofür bekommt, der wird hier fündig:
Empfänger EU-Agrarfonds in Bayern

Billigpopulismus zur Europawahl

Wahlplakat zur Europawahl

Ich mein, ich bin ja auch kein Freund von ungebremsten EU-Wachstum. Die Osterweiterung 2004 lief irgendwie suboptimal ab. Aber mit so billigen Sprüchen auf Wählerfang zu gehen, ist schon ziemlich dürftig. Vorallem weil ja in diesem Fall nicht die CSU selbst wirbt, sondern die JU vorgeschickt wird. Bin ja mal gespannt, ob es die CSU überhaupt wieder ins Parlament schafft.

Das harte Brot der Moderation

Bisher sind bei mir kaum politische Fundamentalisten aufgeschlagen, die ihre Propaganda verbreiten wollten. Ich ärgere mich eher mit Backlinkjägern herum, deren Adressangaben ich dann einfach hierhin oder hierhin umbiege. Betreibt man ein Blog in einem der Krisengebiete dieser Welt, sieht das natürlich ganz anders aus. Wenn man dann noch regelmäßig im Fernsehen präsent ist erst recht.

André Marty bloggt bekanntlich aus Israel und den besetzten Palästinensergebieten. Dort wo offiziell zwar Waffenstillstand herrscht, gibt es scheinbar wenige, die noch klar und unvoreingenommen denken können. Bist Du nicht mein Freund, kannst Du nur mein Feind sein, ist leider meist das Motto. Und so muss sich André gelegentlich einiges gefallen lassen. Heute gibt es bei ihm einen Beitrag, wo er erklärt, warum er gelegentlich Kommentare nicht freischaltet. Bereits die Einleitung lässt tief blicken, was man ertragen muss, wenn man in Israel und Palästina nicht blind durchs Leben läuft.

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs,

nein, ich bin kein Arschloch, kein Israelfeind, kein Mossad-Agent und auch kein geistig einseitig Kastrierter.

Da bin ich dann doch wieder froh, dass ich mich nur mit Spammern rumärgern muss und freue mich, dass es Blogger wie André gibt.

Im Einzelfall beteiligt

Mit Klaus Baarck, Gerhard Böttcher, Rainer Pottel, Maria Ritschel und Klaus Schneider haben jetzt fünf Leichathletiktrainer Ihre Beteiligung am staatlich organisiertes Dopingsystem der DDR zugegeben:

“Wir waren im Einzelfall am Einsatz unterstützender pharmazeutischer Substanzen beteiligt. Uns war bekannt, dass diese den Regeln des Sports widersprach, doch fühlten wir uns durch die Vorgaben des Staates legitimiert. Bei einer Weigerung, diese Mittel weiterzugeben, hätten uns der Ausschluss aus dem Leistungssport und damit erhebliche berufliche Nachteile gedroht.”

Warum kommt mir diese Ausrede nur so bekannt vor? Haben wir solche Sätze nicht schon so oft in der Geschichte gehört? Nach dem Krieg hat ja entweder keiner was gewußt oder war nur in der Partei, weil er mußte. Nach der Wende beteuerten die IMs der Stasi immer wieder, dass sie zur Mitarbeit gezwungen waren, weil sie sonst Repressalien zu erwarten gehabt hätten oder die Kinder nicht auf die Uni hätten gehen dürfen. Oder, oder, oder.

Schon immer hat sich die Spreu vom Weizen getrennt, wenn die Wahl zwischen Karriere und persönlichem Gewissen zu treffen war. Die Dopingtrainer der DDR haben wohlwissend im System mitgespielt. Ihnen war der persönliche Erfolg wichtiger als die Grundwerte des Sports. Sie haben damals die Entscheidung getroffen, dass sie Ihrem Erfolg durch Betrug auf die Sprünge helfen wollen.

Jetzt haben diese fünf Dopingtrainer ihre Schuld in einem Brief zugegeben. Wenn dies nach so langer Zeit geschieht, liegt der Verdacht nahe, dass sie eine mögliche Aufdeckung befürchten und einer Suspendierung zuvorkommen wollen. Für die Funktionäre des DLV ist damit die Sache scheinbar erledigt. Schließlich beteuern die fünf ja, seit 1991 rein gar nichts mehr mit Doping zu tun gehabt zu haben. Was auch sonst? Ist das die Art, wie wir in Deutschland das Dopingproblem angehen wollen? Einfach lang genug warten, dann ein wenig bedauern und gut ists?

Blamieren für Fortgeschrittene

In bester Manier englischer oder amerikanischer Krimis, tat das Phantom von Heilbronn sein Unwesen in ganz Süddeutschland. DNS-Spuren an 40 Tatorten stellten den Zusammenhang für ein Serienverbrechen her, wie es noch keines in Deutschland gab. Und nach jahrelanger vergeblicher Fahndung stellt sich nun heraus, dass die Probewattestäbchen von einer Arbeiterin in der Herstellerfirma verunreinigt wurden. Von heute auf morgen sind ganze Ermittlungsmannjahre ad absurdum geführt. Der DNA-Analyse wurde blind vertraut und wie so oft ist einfach menschliches Versagen der Grund für eine Riesenpanne. Und mit dem menschlichen Versagen meine ich nicht die Arbeiterin, die da wohl mal in einen Karton geniest hat oder der eine Kollegin eines auswischen wollte. Vielmehr haben sich die Ermittlungsbehörden einmal mehr, ich erinnere nur an die Aktion Himmel, blamiert bis auf die Knochen.

Und jetzt darf jeder weiter ans Schäuble´sche Märchen glauben, das da heißt: “Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten“. Wenn bei der Vorratsdatenspeicherung nur halb so schlampig gearbeitet wird, wie in diesem Fall, dann braucht sich zukünftig niemand mehr wundern, wenn auf einmal die Polizei vor der Tür steht und man Handschellen angelegt bekommt.

My first war

Während ein deutscher Soldat nicht in die Gefahr kommt, in seiner Zeit als Reservist, in den Krieg ziehen zu müssen, schaut das in Israel ganz anders aus. Immer wenn ein benachbartes Land angegriffen werden soll, müssen Ärzte, Studenten, Arbeiter oder Geschäftsleute ran. Als Israel im Zweiten Libanonkrieg 2006 (auch „33-Tage-Krieg“) die Hisbollah vernichten wollte, wurde auch der Filmemacher Yariv Mozer an die Front beordert. Er sollte einen Offizier ersetzen, der von der Front mit Angstattacken geflüchtet war. Mit der Kamera im Gepäck dokumentierte er die Planlosigkeit der israelischen Armeeführung, das Sterben seiner Kameraden und den Gegensatz zum normalen Leben in Tel Aviv, das gerade drei Stunden entfernt lag. Er filmte die Gefühle der normalen Soldaten und die Diskussionen der Offiziere zu dem verlorenen Krieg.

Herausgekommen ist der beeindruckende Dokumentarfilm “My first war”, der gerade auf ARTE lief. Wie immer kommt die Doku noch eine Woche im Internet auf ARTE +7. Ich kann Euch nur empfehlen sie anzusehen!

Die spinnen die Franken!

Dem Oberpfälzer wird ja gemeinhin nachgesagt, dass er eher zur Gattung Frankenhasser gehöre. Ich persönlich toleriere so manche Randgruppe und habe daher auch nichts gegen Franken. Ja, ich oute mich sogar einmal mehr als Fan vom Glubb! Wenn ich mir aber so die aktuellen Bauvorhaben mancher fränkischer Gemeinden ansehe, bin ich schon am überlegen, ob ich nicht lieber die Separationsbestrebungen der Franken aktiver unterstützen soll.

Über das Plastikhenge in Wunsiedel habe ich schon einmal geschrieben. Bei der Sennerin muss ich leider gerade lesen, dass der Stadtrat von Wunsiedel wohl tatsächlich dafür gestimmt hat, dass der Unternehmer Kai Hammerschmidt seine Plastikteile aufstellen darf.

Dass es noch viel schlimmer geht, will aber gerade der Stadtrat von Wassertrüdingen beweisen. Der will dem Hamburger Unternehmer Harry Vossberg genehmigen, eine 55 Meter hohe Jesus-Statue aufzustellen. In Bad Reichenhall sollte die Statue zuerst stehen. Dort wollte aber niemand den Gipfel des Predigtstuhl verschandeln und so soll jetzt Wassertrüdingen zur Rio-Kopie werden. Mehr zum Thema auch im Frankenblog.

Man kann nur den Kopf schütteln!

“Führerwein”

Südtirol und die angrenzenden Dolomiten sind für uns skifahrtechnisch die erste Wahl. Günstigere Preise, Rauchverbot auf den Hütten, bestens präparierte Pisten und nicht zuletzt das super Essen sind für uns immer wieder ein Grund, lieber ein paar Kilometer weiter zu fahren und Österreich zu meiden. Und immer, wenn wir südlich vom Brenner sind, nutzen wir auch die Chance, ein paar lokale Spezialitäten einzukaufen. So auch heute auf unserem Rückweg von Sterzing. Am Brenner waren wir in einem kleinen Laden, vollbepackt mit Pasta, Kaffee und Grissini, schon fast auf dem Weg zur Kasse, als mein Blick in die oberste Reihe im Weinregal fiel:

Führerwein in einem Lebensmittelgeschäft in Südtirol

Natürlich haben wir sofort unsere Waren wieder abgeladen, ein Foto gemacht und das Geschäft verlassen. Auf dem Weg nach draussen mußten wir uns dann noch beschimpfen lassen.

Zu Hause habe ich dann nach Führerwein gegoogelt und scheinbar ist das ein bekanntes Problem, dem sich auch die Sendung Kontraste vor vier Jahren schon angenommen hat. Genug Kundschaft wird es unter all dem braunen Gesocks hierzulande wohl geben und seit heute wissen wir ja auch, wo in Österreich die Besucher solcher Läden wohnen dürfte.

 

Spende – Raed Athamna aus dem Gazastreifen

Im Januar gab es von Trigami 90,- Euro für diesen Beitrag über das Affiliatenetzwerk Bee5. Dazu dann nochmal 54,- Euro für eine Rezension über Travelfeedback.com.

Wie schon erwähnt ging davon ein Zwanziger heute an Jens Weinreich gegen Zwanziger. Die restlichen 124,- Euro spende ich diesen Monat an Raed Athamna aus Beit Hanoun im Gazastreifen.

Raed Athamna
Raed Athamna in den Resten seines Hauses

Raed lebt im Gazastreifen. Dort hatte er ein Haus, bis die israelische Armee es zerstörte. Man kann nur spekulieren, welchen Grund die israelische Armee dafür gehabt hat. Vielleicht war es wirklich nur ein Versehen, dass die Geschosse der Artellerie ihr Ziel um Hunderte von Metern verfehlten und unter anderem 13 Mitglieder seiner Familie getötet haben. Der offizielle Bericht liest sich so:

Ein „rares und ernsthaftes technisches Versagen eines Feuerkontrollsystems“ seien, so der Untersuchungsbericht, die Ursache für die fehlgeleiteten Artillerie-Geschütze. Es handle sich nicht um Absicht. Aus diesem Grund sei keine weitergehende Untersuchung angebracht. Niemand sei verantwortlich zu machen.

Vielleicht wollte man aber auch seine Dienste für die Presse stoppen. Wer kann es schon sagen? Raed ist nämlich Taxifahrer. Mit seinem Auto riskierte er oft sein Leben, wenn er ausländische Journalisten fuhr. Mit diesen Jobs ernährte er zuletzt rund 50 Menschen. Aber eben nur bis zu dem Tag, als ein israelischer Panzer sein Taxi überrollte und ihm seine Einkommensgrundlage nahm.

Sicherlich ist Raeds Geschichte nur eine von vielen in Gaza. Doch ihn möchte ich unterstützen, damit er auch in Zukunft wieder dabei helfen kann, der Weltöffentlichkeit die Wahrheit über das Geschehen im Ghetto von Gaza zu berichten.

Wer von Euch mithelfen will, kann auf das Konto der Grünhelme unter dem Stichwort “Gaza” Geld überweisen.
Die Kontonummer der GRÜNHELME lautet: 2000008
BLZ: 70070024
(Deutsche Bank München)
Bitte Stichwort “Gaza” nicht vergessen.

Wer noch ein paar Infos mehr zu Raed haben möchte, findet einen Brief von Bettina Marx bei den Grünhelmen oder einen Beitrag bei André Marty.

Italienische Verhältnisse?

Nikolaus Brender ist Chefredakteur beim ZDF. Sein Vertrag läuft im März 2010 ab und es ist wohl üblich, ein Jahr vor Ablauf zu bestimmen, ob es eine Verlängerung gibt oder jemand anderes den Job übernehmen soll. So erklärt sich dann also, warum derzeit Roland Koch und Edmund Stoiber am Stuhl von Brender sägen. Es soll die späte Rache für etwas werden, was sieben Jahre zurück liegt. Damals seien nämlich ARD und ZDF die Schuldigen an der Niederlage Stoibers gegen Gerhard Schröder gewesen. Und im Sinne der politischen Gleichschaltung der Medien mit der regierenden Partei soll jetzt jemand anderes Chef beim Zweiten werden. Berlusconis Italien soll wohl als Vorbild dienen. Gott sei Dank regt sich bereits Widerstand bei den anderen Redakteuren und auch ZDF-Promis wie Maybrit Illner und Claus Kleber protestieren.

Mehr dazu:
Wo stehst du politisch? (FAZ)
Schwerwiegender Eingriff in die Rundfunkfreiheit (SZ)

Schmalzlocke statt Glos?

Ich mein, dass Michel Glos keine Ahnung von Wirtschaft hat, war von Anfang an bekannt und machen wollte er den Job ja nie. Notgedrungen sprang er ein, als Edmund Stoiber seinerzeit Muffensausen bekam. Jetzt wirft unser “Handy ist schon viel“-Minister hin und gleich werden fleißig die nächsten Notlösungen für das Amt präsentiert. Bei aller Begeisterung für eine Verjüngung im Kabinett. Ob ein 37-jähriger als Wirtschaftsminister die notwendige Erfahrung mitbringt, wage ich mal zu bezweifeln. Allerdings: Sollte Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Wilhelm Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg wirklich Wirtsschaftsminister werden, würde vielleicht was in Sachen Altbauisolierung vorwärts gehen. Schließlich soll doch die Familie auch was vom Konjunkturpaket abbekommen, oder? 😉

Deutsch-ägyptischer Blogger in Ägypten inhaftiert

Am vergangenen Freitag wurde Philip Rizk nördlich von Kairo verhaftet. Er beteiligte sich an einer Kundgebung für die Palästinenser im Gaza-Streifen, wo ihn Polizisten erst mehrere Stunden blockieren und dann verschleppt hatten. Philip bloggt ausschließlich über Gaza. Bevor er an der American University in Kairo zu studieren anfing, lebte er zwei Jahre in Gaza, wo er für eine christliche Hilfsorganisation arbeitete.

via André Marthy

Nachtrag: Hier gibt es auch was dazu.

Nachtrag 2: Schön langsam kommen die Blogger in die Pötte: iRaff

Eine Onlinepetition gibt es auch schon. Mehr bringt vielleicht ein Protestbrief an diese Adresse:

          Botschaft der Arabischen Republik Ägypten
          Stauffenbergstrasse 6-7, 
          10785 Berlin 
          Tel: (030) 477 54 70, (030) 4790 1880 
          Fax: (030) 477 10 49, (030) 477 44 00 

          Ausserordentlicher und bevollmächtigter Botschafter: S.Exc. Herr Ramzy Ezz Eldin Ramzy  
          website: www.egyptian-embassy.de 
          Email: embassy@egyptian-embassy.de oder: consularsection@egyptian-embassy.de

Vom sinnlosen Töten und Zerstören

Raed Athamna

Nur eine Geschichte von vielen dürfte die von Raed Athamna sein. Aber sie ist beispielhaft für das, was sich seit Jahren im Gazastreifen abspielt. Bereits 2006 wurde ein Großteil seiner Familie durch eine fehlgeleitete israelische Artillerie-Granate getötet. Es gab keinerlei Entschuldigung seitens Israels.

Ein „rares und ernsthaftes technisches Versagen eines Feuerkontrollsystems“, befindet eine armee-interne Untersuchung. Keine Entschuldigung, kein Wort des Bedauerns. Schuld  für das „technische Versagen“ ist niemand.

Während der israelischen Offensive im Januar mußte Raed aus seinem Haus in Asbed Abed Rabo fliehen. Jetzt konnte er zurückkehren und was er vorgefunden hat, ist ein Dorf, das es nicht mehr gibt. Sein Haus, sein Taxi – alles von der isarelischen Armee systematisch mit Bulldozern plattgemacht oder gesprengt. Alles nur israelische Selbstverteidigung oder doch eher systematische Vernichtung?

via André Marthy: Eine Geschichte aus dem Gaza-Streifen

Ein Vergleich der nicht hinkt

Der britisch-jüdische Parlamentsabgeordnete, Sir Gerald Kaufmann, vergleicht das israelische Massaker an den Palästinensern in Gaza mit den Nazis, die seine Vorfahren zwangen aus Polen zu flüchten.

[youtube qMGuYjt6CP8]

Ein Ausschnitt:

Auf Sky-News vor einigen Tagen, wurde die Sprecherin des israelischen Militärs, Major Avital Liebovich, über die Tötung von bis dahin 800 Palästinensern gefragt, die Summe ist jetzt 1.000. Sie antwortete sofort darauf, 500 von denen waren Militante. Das ist die Antwort eines Nazis. Ich nehme an, die Juden die im Warschauer Getto um ihr Leben kämpften, hätte man auch als Militante bezeichnen können.

Die ganze Übersetzung gibt es hier.

via Martin

Zeit für Sanktionen gegen Israel

Man könnte meinen, die israelische Führung glaubt, sie hätte Narrenfreiheit. Stand die westliche Weltöffentlichkeit anfangs ziemlich geschlossen hinter Israel, so ist diese Stimmung in den letzten Tagen langsam gekippt. Schuld waren sinnlose Angriffe auf Schulen, Flüchtlingslager und Moscheen. Denn obwohl Israel keine ausländischen Reporter ins Kriegsgebiet läßt, kamen immer wieder schreckliche Bilder vom israelischen Tun aus Gaza heraus. Reuters und Al Jazeera sei Dank. Weil man aber scheinbar mit dem Kampf gegen die Hamas nicht weiterkommt, verlegt man sich auf andere Gegner. Und so wurde heute dann zielgenau das Stockwerk beschossen, wo sich der technischen Kontrollraum von Reuters befand.

Der technischen Kontrollrau von Reuters, der sogenannte MCR, wird zerstört. Zwei Kameraleute werden verletzt, die anderen werden den heutigen Tag nie mehr vergessen. Alle Journalisten, Techniker und Kameraleute sind nun auf der Strasse, Reuters Gaza gibt es nicht mehr.

Kurz danach wurde dann das Hauptqurtier der U.N. beschossen und am Nachmittag, als unser Aussenminister Frank-Walter Steinmeier zusammen mit Tzipi Livni in einem Luxushotel beim Crème brulée sitzt, wird noch das Al-Aksa-Spital des Roten Kreuz bombardiert. Die israelische Armee ist technologisch bestens ausgestattet. Wer da noch an Versehen glaubt, muss naiv sein. Ich bin ja gespannt, wie lange sich die Welt noch auf der Nase herumtanzen lassen läßt.