Archiv der Kategorie: Politik

Die Lügen des Krieges

Zu leicht tun wir uns, das zu glauben, was uns im Fernsehen vorgesetzt wird oder was uns eine Bundesregierung erzählt, die sich aus geschichtlicher Tradition hütet, auch nur ansatzweise Israel zu kritisieren. Schuld sind immer die Terroristen der Hamas und uns wird erzählt, wenn die Hamas erst einmal vernichtet ist, dann gibt es Frieden oder ist das Volk befreit. Telepolis hat gestern einen schönen Bericht vom ehemaligen Knesset-Abgeordneten Uri Avnery gebracht, wo erklärt wird, warum die Hamas nicht verlieren kann. Er zieht auch einen provozierenden Vergleich mit der Churchillbande. “Der Krieg – jeder Krieg – ist ein Lügenreich.” Wie wahr! Immer wenn dann eine Moschee oder ein Flüchtlingslager zerbombt wurde, erklärte man sofort, es wäre ein Stützpunkt der Terroristen gewesen. Wenn dann am Tag darauf die Wahrheit ans Licht und das Eingeständnis des Fehlers kommt, interessiert es schon keinen mehr. Dann wurde schon der nächste “Terrorkommandoposten” in einer Schule zerstört.

Foto: Amir Farshad Ebrahimi
Foto: Amir Farshad Ebrahimi

Gewalt bringt wieder Gewalt. Diese Wirklichkeit müßte doch mittlerweile schon jeder kapiert haben, würde man meinen. Und trotzdem will weder die eine noch die andere Seite die Spirale der Gewalt beenden. Heute morgen habe ich einen interessanten Beitrag in Bayern 2 gehört. Da wurde der Vergleich mit Nordirland gezogen. Der Bürgerkrieg zerstörte das Land und das Volk, bis dann irgendwann Tony Blair auf die Sinn Féin zuging und sie nicht mehr als Terrorgruppe abstempelte, sondern als Verhandlungspartner akzeptierte und so den Frieden ermöglichte.

Bei uns hört man nur, die Hamas sei als Verhandlungspartner unakzeptabel und müsse zerstört werden. Nun darf man aber nicht vergessen, dass diese demokratisch gewählt wurde und im Augenblick wird geschätzt, dass sie mindestens zu 30% Rückhalt in der palästinensischen Bevölkerung hat. Das wären dann gut 400.000 Menschen. Sind das alles Terroristen? Will Israel die alle erst töten? Nein, ein Frieden kann nur mit der Hamas in einem eigenen Palästinenserstaat entstehen, den auch Israel akzeptiert und nicht künstlich auf Steinzeitniveau hält, indem es die Grenzen blockiert.

Allerdings habe ich wenig Hoffnung, dass sich bei den Israeli etwas bewegt. Jetzt wo fast nur Hardliner zur Wahl stehen und auch noch die arabischen Parteien von der Wahl ausgeschlossen werden sollen. Sind ja schließlich alles Verbrecher bei den Arabern, die den Terror unterstützen. Nur zu Erinnerung: 20% der israelischen Bevölkerung sind arabischer Herkunft. 1947 gab es mal einen Teilungsplan der U.N. Bereits damals wurden dem jüdischen Staat viele Gebiete zugesprochen, die eigentlich palästinensisch waren. Der Grundstein für den Konflikt war gelegt. Israel hat sich dann noch so manchen Landstrich unter den Nagel gerissen und die aggressive Siedlungspolitik im palästinensischen Westjordanland tat den Rest.

Eines ist für mich sicher. Die Hamas wird gestärkt aus diesem Konflikt hervor gehen und der Frieden rückt mit jedem Tag der israelischen Bomben weiter in die Ferne. Meine Hoffnung setze ich auf den neuen amerikanischen Präsidenten, der die kriegsversessenen Boims, Aschkenasis, Baraks und wie sie alle heißen ein wenig in die Schranken weist. Und wenn ich höre, dass Israel letztes Jahr allen Ernstes bei den USA angefragt hat, ob sie Unterstützung für einen Angriff auf iranische Atomanlagen bekommen, könnte ich Galle spucken.

Und weil es zu dem Thema passt. Den André Marty hab ich seit knapp einem Jahr im Reader und bei der augenblicklichen Situation in palästinensischen Autonomiegebieten kann ich Euch nur nahelegen, ihn auch zu abonieren. Auch wenn er aufgrund der israelischen Zensur nicht in der ersten Reihe sein kann – kein anderer erscheint mir dieser Tage so glaubhaft, wie er. Heute hat ihn übrigens sogar der Robert Basic entdeckt. Und was ein Link von dem an Traffic bringen kann, habe ich selbst schon einmal verspürt. Wobei ich fürchte, dass die ganzen SEOs und (wie schreibt Matthias immer so schön?) WebZwoNullen dort, sich derzeit kaum für etwas anderes interessieren als eine bestimmte EBAY-Auktion. 😉

Nichts als Propaganda

Censorship causes blindness

In diesem Konflikt die richtigen Worte zu finden ist nicht einfach. Einem Konflikt, in dem keine der beteiligten Parteien jemals wirklich Frieden wollte. Ein Volk, das dauernd unterdrückt wird, sich im Gegensatz zu asiatischen Bergvölkern aber nicht auf friedlichen Widerstand beschränkt. Je mehr dieses Volk gegängelt wird, je mehr ihm Land weggenommen wird, je mehr es hungern muss, desto mehr haben radikale Gruppierungen Zulauf. Israel muss sich also eigentlich nicht wundern, wenn die Hamas Gas gibt. Die kämpft indes mit ungleichen Waffen. Sie schießt im Prinzip mit auffrisierten Silvesterraketen, die ungelenkt ihre Ziele in Israel finden sollen, was sie ab und zu auch tun. Dagegen steht die hochausgerüstete israelische Armee, die mit feinster US-Technik zielgenau treffen könnte. Ich sage könnte, denn was ist nicht schon alles getroffen worden, was eigentlich kein Kriegsziel ist? Die Bombenlast der Israelis auf den Gazastreifen dürfte in der ersten Angriffswelle sowieso schon die der Hamas des ganzen letzten Jahres überstiegen haben. Von der Anzahl der Toten mal ganz zu schweigen.

Sich als Europäer zu informieren ist schwierig. Zu stark die israelische Zensur, schließlich dürfen Journalist nicht einmal rein nach Gaza. Könnten sie doch Dinge sehen, die schlecht fürs israelische Opferimage sind. Deshalb gibt es dann auch den Journalistenhügel am Kriegerdenkmal zwei Kilometer vor der Grenze zum Gaza-Streifen. Da tut es gut, wenn man wenigstens bei ein paar Kollegen mitlesen kann, die seit Jahren von dort berichten und ein wenig die Richtigkeit der vorgesetzten “Wahrheiten” beurteilen können, die man von unseren Fernsehsendern vorgesetzt bekommt.

Ach’ übrigens: was wir Journalisten „an der Front“ Konkretes wissen über den Kriegsverlauf, über die Opferzahlen, über die „diplomatischen Bemühungen“? Kaum etwas.  Wir sind einem einmaligen Propaganda-Konzert ausgesetzt – immer wieder erstaunlich, wie viele Spokesperson’s so ein Krieg kreieren kann. Am Journalistenhügel stehen sie täglich bereit, brauchst bloss dein Mikrophon hinzuhalten, Armee, Aussenministerium, Government Press Office, Lobby-Organisationen wie The Israel Project, Zivilisten, religiöse Gruppierungen. Kannst sie in deutscher, russischer, spanischer, englischer, französischer Sprache haben – hebräisch spricht eh’ kaum einer der Journalisten.

Der Schal des Taliban

Mal abgesehen, dass es ein Mann und eine Frau sind, was ist wohl der Unterschied zwischen den beiden nachfolgenden Fotos?

Halstuch im ZDF

andre_sftv

Beide Reporter berichten über die israelische Bombardierung des  Gazastreifens. Auch im Mittleren Osten ist Winter und daher sind die beiden warm angezogen. Während das ZDF aber am Schal von Frau Storch nichts Verwerfliches entdecken kann, hat das Schweizer Fernsehen mit dem Halswärmer von André Marty ein Problem, das an Lächerlichkeit wohl kaum zu überbieten ist:

Derweil kommt aus der Redaktion in der fernen Schweiz die dringende Bitte, doch auf ein Halstuch zu verzichten, mache mich irgendwie zum Palästinenser, einer meint gar zum Taliban… – Feedback vom Feinsten.

André Marty arbeitet übrigens schon lange Zeit fürs Schweizer Fernsehen in Israel und Palästina, darf aber derzeit nicht aus dem Gazastreifen berichten. Die israelische Regierung sperrt die Journalisten, trotz richterlicher Verfügung aus. Ein Schelm wer Böses denkt.

Die beiden Standbilder sind übrigens vom Henusode-Blog

Gaza is a crisis of human dignity

Der Sauerei, die Israel da gerade durchführt ist wohl das Allerletzte. Königin Rania von Jordanien bringt es auf den Punkt.

Queen Rania speaks about the tragedy unfolding in the Gaza strip since the Israeli offensive began last week. Hundreds of people have been killed, including unarmed civilians, women and children.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=y7y0Be6QMC4

via Thomas

Alles nur gerecht?

Die Hamas ist der Erzfeind der Israelis. Weil man sie treffen wollte, wurden monatelang, ja jahrelang die Palästinenser im Gazastreifen ausgehungert. Die Treibstoff- und Stromlieferungen wurden immer wieder eingestellt und die Bewohner regelrecht ghettoisiert. Im Westjordanland wurden Mauern gezogen, die auf palästinensischen Gebiet stehen und einfach fremdes Land annektiert. Schaut man sich die israelische Statistik der Opferzahlen durch Terror an, so fällt vorallem auf, dass diese stark gesunken sind. Jetzt sind wieder ein paar Raketen der Hamas in Richtung Israel geflogen und schon fährt Israel alles auf, was der Militärapparat zu bieten hat. Bereits am ersten Tag der Luftoffensive haben die Israeli so viele Palästinenser umgebracht, wie umgekehrt im ganzen Jahr 2007.

Tote Israeli durch Terror

Jetzt steht der Einmarsch kurz bevor und es sind noch viel mehr Tote zu erwarten. Alles nur gerecht?

So ist Krieg: Israel and Gaza – The Big Picture

Nicht überzeugungsfähig

Die CSU hat derzeit 46 Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Einige kennt man, von vielen bekommt man auch als Bayer nie etwas mit. Von Daniela Raab zumindest habe ich bisher nie etwas gehört. Wenn ich mir aber ihre jüngste Rede durchlese, sollte ich sie am besten auch gleich wieder vergessen. Der beste Satz:

Herr Kollege, weder bin ich hier überzeugungsfähig, noch will ich Sie von meiner Meinung überzeugen.

Alles Gute Helmut Schmidt!

Helmut Schmidt hat 90. Geburtstag

Er ist der erste Politiker, an den ich mich aus meiner Kindheit erinnern kann und in meinen Augen auch gleichzeitig der letzte seiner Art aus deutschen Landen, vor dem man wirklich Respekt haben muss. Nichts was nach ihm kam, kann dem Bestenbundeskanzlerallerzeiten auch nur ansatzweise das Wasser reichen. Heute wird Helmut Schmidt neunzig Jahre. Alles Gute!

Nachtrag: Gestern Abend kam im Ersten noch eine Biografie namens Helmut Schmidt – Mein Jahrhundert (ein Film von Reinhold Beckmann und Christoph Weinert). Aufgrund von vorweihnachtlichen Stress habe ich nur die letzten 15 Minuten gesehen. Irgendwie kam das Ganze rüber, als würde er nicht Geburtstag feiern, sondern wäre schon gestorben. Die Musikauswahl war alles andere als gelungen.

Heute vor zwanzig Jahren

Das ist mein Beitrag zu Horsts Blogparade gegen Nazis.

Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben“ hat Franz-Josef Strauß mal verkündet und die bayerische Staatsregierung hat sich auch immer an dieses Motto gehalten und die Umtriebe der Neonazis in Bayern lange ignoriert, als Einzelfälle deklariert oder zugereisten Ossis in die Schuhe geschoben. In Wirklichkeit gibt es aber diese rechte Szene in Bayern schon viel länger als Deutschalnd wiedervereint ist. In Wunsiedel feierten sie schon am Grab von Rudolf Hess, da wußten die Sachsen noch nicht einmal, dass es die NPD auf dem Stimmzettel gibt.

Heute vor zwanzig Jahren, am 17.12.1988 hat in Schwandorf der Neonazi Josef Saller das “Habermeierhaus” angezündet. In den Flammen kam eine dreiköpfige türkische Familie um – Osman Can (49), Ehefrau Fatma (43) und Sohn Mehmet (11). Getötet wurde auch  Jürgen Hübener (47). Das Landgericht Amberg verurteilte den Autolackierer Saller damals zu einer Haftstrafe von zwölf Jahren und sechs Monaten. Wegen Brandstiftung wohlgemerkt!

Wenn also vor ein paar Tagen in Passau Polizeichef Alois Mannichl von rechtem Gesocks fast umgebracht worden wäre, brauchen unsere Politiker nicht zu tun, als wäre das etwas, was gänzlich unerwartet kam. Nicht einmal die nachfolgenden Forderungen sind neu. NPD-Verbot tönt es einmal mehr und ich garantiere Euch, in zwei Wochen hören wir wieder kein Wort mehr von denen, die jetzt das Maul so aufreissen. Bringen würde das Verbot sowieso nichts. Bis es durch wäre, hätte sich schon längst eine Nachfolge”partei” gegründet. An der Behebung der Ursachen indes möchte sich dagegen keiner die Finger verbrennen. Eine zu ausländerfreundliche Politik, die auf Toleranz und Miteinander setzt, würde Stimmen kosten. Zwar wird das keiner offen sagen, aber das rechte Gedankengut ist weit verbreitet. Ihr erinnert Euch?

„Wenn eines Tages ein Bus voller Türken im Ort ankäme, würde keiner eine Wohnung vermietet bekommen.“ Dafür sorge er persönlich. „Für solche Fälle gibt es nämlich eine Kasse in der Gemeinde, aus der die leer stehenden Wohnungen ein halbes Jahr bezahlt werden.“ (AZ)

Leute wie Frieder Herold gibt es viele in bayerischen Landen.

Kanzlerinnenlogik

Geschlosssen waren sich CDU und SPD einig, dass Fahrten zur Arbeit erst ab dem zwanzigsten Kilometer abgerechnet werden dürfen. Die CSU war aus Wahlkampfgründen zwar angeblich dagegen, hat aber trotzdem brav mitgestimmt. Jetzt haben sie alle zusammen eine Klatsche vom Bundesverfassungsgericht bekommen und was sagt Frau Merkel, die bis dahin eifrigste Verfechterin der neugeregelten Penderlpauschale?

“Ich halte es für absolut richtig, dass wir das Geld angesichts der Wirtschaftslage jetzt den Menschen direkt zurückgeben.” Die Beibehaltung der alten Pendlerpauschale sei “die richtige Antwort auf die jetzige Wirtschaftssituation”, sagte sie am Dienstag in Warschau. Die Kanzlerin erklärte das Urteil damit quasi zum Konjunkturprogramm: Sie erwarte von den Milliarden-Rückzahlungen an Berufspendler einen Schub für den Konsum in Deutschland.

Wie ist das eigentlich? Darf man Politiker als verlogen bezeichnen, wenn sie so vom Stapel lassen?

Wunhenge = Plastikhenge in Wunsiedel

Seit drei Tagen ringe ich um Fassung. Da habe ich nämlich bei der Sennerin gelesen, was der Unternehmer Kai Hammerschmidt in Wunsiedel machen möchte. Dachte ich zuerst noch, die Sennerin macht eine Satire, mußte ich schnell feststellen, dass es bitterernst ist.

Ein keltisches Dorf, ein Druidenwald, ein Hügelgrab und das mitten an der B 303 in der Nähe der Luisenburg? Wenn es nach dem Unternehmer Kai Hammerschmidt geht, soll bis spätestens Mitte 2010 dort ein oberfränkisches Stonehenge entstehen.

Mit künstlichen Pflanzen, Bäumen und Felsen haben der Wunsiedler Unternehmer und sein Geschäftspartner Klaus Gohl bereits Erfahrung. Ob in der Therme Obernsees, in der Dominikanischen Republik oder im Zoo von Wuppertal: überall sind ihre Kunstfelsen gefragte Elemente, um Landschaften zu gestalten. Nun also das Fichtelgebirge.

Für alle, die Wunsiedel nur von den Neonaziaufmärschen her kennen: Die Stadt liegt im Fichtelgebirge und ihre Luisenburg-Festspiele sowie das Felsenlabyrinth sind beliebte Ausflugsziele. Die ganze Gegend ist durch Granit geprägt, überall sieht man immer wieder große Blöcke, die frei aus Wald und Berggipfel ragen. Was soll also Wunhenge, eine Nachbildung von Stonehenge aus Kunstfelsen, wenn ich schon ein echtes Felsenlabyrinth habe?

Dass ein Unternehmer sein Produkt publikumswirksam präsentieren möchte, ist vielleicht noch verständlich. Als positives Beispiel kann man da den Teichfolienhersteller Naturagart nennen, der in Ibbenbüren einen künstlichen Tauchsee baute. Was aber Plastikfelsen in einer Gegend zu suchen haben, die durch echte Granitfindlinge geprägt ist, ist mir schleierhaft. Wie gesagt, den Unternehmer kann ich vielleicht noch verstehen. Wenn aber der Stadtrat beim Projekt Wunhenge mitziehen möchte, kann ich nur den Kopf schütteln. Wie war das nochmal mit den Schildbürgern?

Weil es keiner wissen darf

Seit Monaten lässt Israel die palästinensische Bevölkerung in Gazastreifen hungern und verweigert medizinische Hilfe für Todkranke. Und wohl weil das ganze Elend keiner in der westlichen Welt mehr sehen soll, wird seit ungefähr zwei Wochen kein ausländischer Journalist mehr in den Gazastreifen reingelassen. Daher haben jetzt jede Menge Chefredakteure westlicher Medien in einem offenen Brief an Ehud Olmert gegen die israelische Zensur protestiert.

Dear Mr. Prime Minister,

 

We are gravely concerned about the prolonged and unprecedented denial of access to the Gaza Strip for the international media. For nearly two weeks, the Israeli authorities have prevented journalists accredited by the Israeli Government Press Office from crossing into Gaza. Israel has long facilitated international coverage of Gaza even during times of significant violence, including in the immediate vicinity of the Erez crossing.

 

We are particularly dismayed by the government’s decision to include international journalists among the categories now barred from crossing into Gaza. Throughout this period, Erez has remained open to some traffic. We would welcome an assurance that access to Gaza for international journalists will be restored immediately in the spirit of Israel’s longstanding commitment to a free press.

Sincerely,

 

– David Westin, President of ABC News 

– Pierre Louette, President Directeur Général de l’AFP

– Tom Curley, President and CEO, The Associated Press

– Helen Boaden, Director of BBC News

– Parisa Khosravi, CNN Senior Vice-President of International Newsgathering.

– Robert Hurst, President of News, CTV – Canadian Television

– Bill Keller, Executive Editor, New York Times

– David Schlesinger, Editor-in-Chief, Reuters

– Nikolaus Brender, editor-in-chief of ZDF German Television, Mainz

– David Mannion, Editor-in-Chief, ITV News

– Jörg Schierenbeck, Managing Director, epa european pressphoto agency b.v.

– John Cruickshank, Publisher, CBC News

– John Walcott, Washington Bureau Chief, McClatchy Newspapers

– Russ Stanton, Editor, Los Angeles Times

– Fritz Raff, Chairman ARD German Radio TV

Altersstarrsinn

40 Jahre war Wolfgang Clement in der SPD und hat uns unter Gerhard Schröder solche tollen Dinge wie Hartz IV gebracht. Seit rotgrün abgewählt wurde, ist der Lobbyist der Energiewirtschaft und alles weitere in Bezug auf Frau Ypsilon ist bekannt. Andere Meinungen in der Partei zu vertreten ist die eine Sache, die kaum zu beanstanden ist. Zur Nichtwahl der eigenen Partei aufzurufen ist aber eher nicht so toll.

Der ganze Zirkus der letzten Monate war dann ein weiterer Beitrag in der Selbstzerfleischungskampagne der SPD. Es wäre so einfach gewesen für Clement. Einmal “Sorry, kommt nicht wieder vor” gesagt und die Sache wäre vom Tisch gewesen. Aber nein, lieber macht man den Dickkopf und beteuert, das man ganz und gar im Recht ist. Und weil er vom Schiedsgericht der SPD nicht ganz und gar freigesprochen wurde, sondern eine Rüge erhalten hat, tritt er jetzt aus der SPD aus. Für die SPD ist das gut, nachweinen muss ihm die Sozialdemokratie sicher nicht. Schließlich stehen einige Wahlen an und ein unkalkulierbarer Ex-Minister kann nochmal ein paar Prozente extra kosten. In NRW nennen sie ihn Graf Rotz habe ich heute in Bayern 2 gehört. Kein Wunder denke ich. Im Alter werden Männer eben wieder zu Kindern heißt es. Trotzig und bockig.

Schari’a in Bayern?

Georg Barfuß von der FDP ist der designierte Integrationsbeauftragte, ein ganz neues Amt in Bayern. In verschiedenen Interviews hat er das böse Wort Schari’a in den Mund genommen und gemeint, die könne man da anwenden, wo sie mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Wo sie dagegen verstößt, ist sie ein Fall für den Verfassungsschutz. Ich mein ich bin ja kein Theologe, aber das was die Landtags-CSU und das Landeskomitee der Katholiken da gleich wieder vom Zaun brechen ist doch wohl reines Theater.

Hört man etwas von der Schari’a in den Medien, hat man immer den Eindruck, dass das ein Regelwerk sei, was ausschließlich die Abtrennung von Körperteilen oder die masochistische Art der Tötung von Menschen regelt. Dabei würden 5 Minuten reichen um den Eintrag bei Wikipedia  zu lesen und man hätte ein wenig Ahnung von dem, worüber da alle ganz erzürnt schimpfen.

Im Gegensatz zur Zeitungsinterpretation der SZ machte mir Georg Barfuß in dem Interview einen recht vernünftigen Eindruck und gegen seine Argumentation mag ich nichts einwenden. Wer mag, kann es hier übrigens auch nachhören.

[audio:http://gffstream-8.vo.llnwd.net/e1/imperia/md/audio/podcast/import/2008_10/2008_10_28_17_22_57_podcastradiowelttel_georgbarfu_a.mp3]

Mal abgesehen davon glaube ich außerdem, dass die meisten Islamgläubigen sich eher an die katholischen zehn Gebote halten, als der Großteil der Katholiken in Deutschland. Sofern die ihr Regelwerk überhaupt kennen.

Erdrutschwahl

Na, das war ja richtig eindeutig mit dem Barack Obama und gleichzeitig eine ordentliche Klatsche für John McCain. Jetzt steht dem “change” also nichts mehr im Wege und Obama kann anfangen die Trümmer aufzuräumen die George W. Bush hinterlässt. Er wird es schwer haben, die versprochenen Änderungen umzusetzen, wo das Land wirtschaftlich so in der Krise ist und Soldaten in zwei Kriegen mitmischen, die sie nie wirklich gewinnen können. Aber er wird die Richtung wechseln und für mich persönlich hoffe ich, dass es seine erste Amtstat sein wird, dieses illegale Gefängnis auf Kuba aufzulösen und die Inhaftierten endlich einer ordentlichen Rechtssprechung zuzuführen.

Im ZDF hat sich gestern Otto Schily als schlechtester Witzeerzähler der Nation bewiesen, als er den Herald Tribune zitiert hat. Aber irgendwie drückt das wohl wirklich die Lage aus:

Kommt der Wahlkampfberater nach der Wahl zu Barack Obama:

Berater: “Ich hab zwei Nachrichten für Dich, welche möchtest Du zuerst hören?”

Obama: “Die Gute”

Berater: “Du wurdest zum Präsident der Vereingten Staaten gewählt!”

Obama: “Super! Und die Schlechte?”

Berater: “Du wurdest zum Präsident der Vereingten Staaten gewählt!”

Ich für meinen Teil hab immer gesagt, dass es nach Schorsch aus dem Busch nicht noch schlimmer werden kann. Ich bin mir sicher, Obama wird zwar auch uns Deutsche fordern wollen, aber wenn einer der Welt wieder ein wenig Frieden bringen kann, dann er. Und alle die, die meinen, er wäre zu wenig erfahren, die sollen sich mal bitte ansehen, wie die ganzen “erfahrenen” Politiker das Land hinterlassen haben. Nein, ein frischer Wind tut wirklich gut. Yes, he can!

Visumtipp Hurghada

Weil es gerade erst wieder aktuell war, ein kleiner Hinweis zur Einreise nach Ägypten über den Flughafen Hurghada. Bucht man über die großen Reiseveranstalter (bei TUI weiß ich es sicher) ist das Touristenvisum oft schon im Reisepreis inbegriffen. Bei vielen kleineren und vorallem bei den “Billig”-Veranstaltern muss man vor Ort noch ein Visum kaufen. Daran verdienen die Veranstalter dann nochmal ordentlich. Die Taktik ist nämlich immer gleich. Kommt man vom Gate/Bus in die Abfertigungshalle, lotsen einen die Angestellten der Reiseveranstalter gleich nach links zu ihren eigenen Schaltern. Dort verkaufen sie einem dann das Visum für Preise zwischen 20 und 30 Euro. In Wirklichkeit kostet es aber nur 11,50 Euro und kann am ägyptischen Bankschalter gekauft werden, der sich direkt geradeaus befindet, wenn man die Halle betritt. Also nicht unterkriegen lassen und zielstrebig zum Bankschalter gehen und dort kaufen!

Ein neuer Präsident

Eine gefühlte halbe Ewigkeit diktatorischer Regierung ist vorbei. Staatsterror, Umweltverschmutzung, eingeschränkte Pressefreiheit, verletzte Menschenrechte – das alles war an der Tagesordnung. Der Präsident sah das Land als sein Privateigentum an. Der Neue verspricht Freiheit und Wahrung der Menschenrechte, was dem Alten nie einen Pfifferling wert war.

Gerade an die USA gedacht? Ja? Ertappt! Lassen wir uns überraschen, was in den Staaten übermorgen passiert sein wird. Heute meine ich aber die Malediven. 30 Jahre herrschte dort Maumoon Abdul Gayoom. Gewaltenteilung gabe es keine, eine Opposition lange Zeit verboten. Bedingung für die maledivische Staatsbürgerschaft ist das muslimische Glaubensbekenntnis. Der Islam ist die alleinige Staatsreligion.

2004 begehrte das Volk gegen ihren Tyrannen auf. Viele Demonstranten wurden weit abseits der Touristeninseln weggesperrt. Die Herausgeber des unabhängigen Internetmagazins „Sandhaan“ wurden wegen Hochverrats zu lebenslanger Haft verurteilt. Aber die Aufstände fruchteten letztendlich doch. Im Juni 2005 stimmten die Abgeordneten des Parlaments einstimmig für einen Antrag, der die Etablierung eines Mehrparteiensystems ermöglichen sollte.

Und so wurde jetzt der Kandidat der Maldivian Democratic Party im zweiten Wahlgang mit 54,21 Prozent zum neuen Staatsoberhaupt gewählt. Mohamed Nasheed ist der Name des neuen Präsidenten der Malediven und mit dem 41jährigen kommt die Hoffnung auf Freiheit und Menschenrechte. Auch er war schon in politischer Gefangenschaft und als erste Amtshandlungen versprach er die Beschränkungen der Reisefreiheit zu beenden und den Präsidentenpalast in die erste Universität des Landes umzuwandeln. Hoffen wir dass der Wechsel an der Spitze des Landes unblutig vollzogen werden kann, die Korruption ein Ende findet und die Bevölkerung endlich etwas von den Tourismusdevisen abbekommt.

Mehr bei NZZ und Diveinside.

Operation “Equipment retrieval”

Beim olivfarbenen Faschingsverein wollten sie mich ja Gott sei Dank nie haben. Den Herren bei der Bundeswehr hat es damals schon gereicht, dass meine beiden Brüder bei ihnen waren. Aber immer wieder wenn deutsche Wehrdienstleistende von ihrer Zeit beim Barras erzählen, hört man, wie penibel genau Patronen bei Ausgabe und Rücknahme gezählt werden und dass auch die abgegebenen Schüsse aufgeschrieben werden. Gibt es da eine Differenz, ist es ein riesiges Drama.

In der Schweiz geht es da schon wesentlich lockerer zu. Kurzerhand nimmt der Soldat nach seiner Wehrdienstzeit das Sturmgewehr mit nach Hause und behält es für einen möglichen Verteidigungsfall im Besitz. Da kann es schon mal passieren, dass einem ein Vaterlandsverteidiger mit Knarre im Zug begegnet, weil der vielleicht grad wieder zu einer der regelmäßigen Wehrübung einrücken muss.


Bild: Haaretz

Was ich aber heute bei André entdeckt habe, ist richtig heftig. Einmal im Jahr gibt es in Israel eine Aktion, wo jeder Israeli das abgeben kann, was er noch zu Hause hat, weil er irgendwann “vergessen” hat, es zurückzugeben. Ohne Angst vor Strafen kann man bei Armee oder Polizei das abgeben, was man zufällig noch zu Hause gefunden hat. Die diesjährige Operation “Equipment retrieval” ging heute zu Ende und es wurden Waffen im Wert von schlappen 1,2 Millionen Euro abgegeben.

Die Liste der im Militärdienst versehentlich mitgenommenen Ausrüstung: Uzi-Maschinenpistolen, AK-47 und M-16-Schnellfeuerwaffen, Panzerfäuste, schwere Maschinengewehre, Pistolen, Panzer-Ersatzteile. Eine brachte zwei Minenwerfer-Granaten zurück.

Man stelle sich in Deutschland vor, wenn jemand bei der Polizei anrufen und mitteilen würde, der Nachbar hat eine Panzerfaust und eine AK-47 im Keller. Anklage wegen Planung einer terroristischen Aktion wäre wohl das Mindeste. Vorausgesetzt, man würde überhaupt die vorherige Stürmung durch die Sondereinsatzkräfte überleben.

Obama-Tag

Gestern war Werbetag für Barack Obama. Zur besten Sendezeit um 20 Uhr und direkt vor der Eröffnung der neuen Saison der Major League im TV wurde über 30 Minuten ein Werbevideo auf sieben (!) amerikanischen TV-Sendern gleichzeitig ausgestrahlt. Rund 5 Million kostete diese Gehirnwäsche dem Kandidaten der Demokraten. Im Radio habe ich gestern dazu schon einen Vorbericht gehört. Dabei wurden Zahlen genannt, die einem als deutscher Kleingeist ein wenig schaudern lassen. Allein für Fernsehspots hat Barack Obama bisher rund 250 Millionen Dollar ausgegeben. Bei John Pommes Frites McCain sind es bisher 130 Millionen. Da sind ja die 150.000 Dollar für Sarah Palins Miniröcke und die 23.000 Dollar für Tapetenkleister echte Peanuts dagegen.

Das Obama Werbevideo gibt es übrigens natürlich auch bei YouTube:

[youtube GtREqAmLsoA]

Aufbruch?

Ein Hauch von Aufbruch hat die SZ vorgestern geschrieben, als Horst Seehofer zum neuen Parteivorsitzenden gewählt wurde. Vor der Wahl noch ordentlich Pfiffe und Buhrufe für Edmund Stoiber. Sowas hat es wohl bei der CSU noch nie öffentlich gegeben. Pfiffe aus den eigenen Reihen für den ehemaligen Chef und nun Ehrenvorsitzender der Ex-Einheitspartei. 90 Prozent für Seehofer sind dann trotzdem ganz ordentlich, wenn man bedenkt, wie zerrissen die CSU derzeit ist. Zerrissen, wie man es sonst nur von der Bundes-SPD gewohnt ist. Die Frankenpost drückt es ganz dramatisch aus:

Durch die Stuhlreihen der Halle C1 auf der Münchner Messe führt ein Gang so breit, wie die Gräben tief sind in der CSU. Auf der einen Seite sitzen die Franken und Oberpfälzer, auf der anderen die Ober- und Niederbayern mit den Schwaben. Wie eine Demarkationslinie verlaufen auf dem Boden auch noch zwei knallrote Striche quer durch die Halle. Als ob die Parteitagsregie – die frischen Verwundungen zwischen Franken und Altbayern vor Augen – durch die strikte Trennung der Stämme einer Keilerei vorbeugen wollte.

Nein, den Seehofer wollte vor ein paar Wochen noch keiner. Warum also jetzt? Weil ein paar Oberbayern unter Stoibers Führung eine Konterrevolution angezettelt haben und Beckstein die Folgschaft verwehrten? Ich muss zugeben, dass mir von den ganzen Schwarzen der Seehofer noch der Liebste ist. Trotzdem ist es so, dass nicht einer im Freistaat ihn gewählt hat. Der Niederbayer Peter Erl drückte es dabei recht blumig aus:

„Wir haben Günther Beckstein gewählt und bekommen jetzt Horst Seehofer. Das ist, wie wenn man einen BMW bestellt und dann steht ein Audi vor der Tür.“

Autotechnisch ist man in Ingolstadt wohl wirklich besser dran, beim Ministerpräsident wird es sich noch zeigen müssen. Einen Vorteil hat der Seehofer auf jeden Fall. Er weiß, wie Koalitionsarbeit geht. Der ganze Rest der Fraktion im Landtag wird sich daran erst noch gewöhnen müssen, dass auf einmal die FDP mitreden darf. Ich bin mal gespannt, wann es da zum ersten Mal krachen wird. Und da sich aber ein Einknicken der CSU bei verschiedenen Themen schon andeutet, wird die FDP einige Punkte als ihre Leistung verkaufen können. Gerade beim Raucherschutz befinden sich die Liberalen ja eher auf der Seite der Tabaklobby und mich würde es nicht wundern, wenn das der FDP schon bei der Bundestagswahl nutzen würde.

Zwei Tage nach dem Sonderparteitag zeigte die CSU heute zumindest schon fast wieder den gewohnten Zusammenhalt. Nur vier (fränkische?) Abweichler gab es, die nicht für Seehofer votierten. Damit kann er leben. Messen lassen muss er sich aber, ob er in Zukunft endlich mal Linie halten wird. Zu sehr Fähnchen im Wind war er im Berlin der letzten Jahre. Vom Gegner zum Befürworter der Gentechnik hat es nur ein paar Wochen gedauert. Vom Raucherlobbyist zum -gegner und zurück ging es auch recht flott. Das wird er sich als Regierungschef nicht mehr leisten können.