Archiv der Kategorie: Medien

Surviving in Germany

Gestern habe ich zufällig entdeckt, dass ich AFN Bavaria neuerdings über UKW empfangen kann. Heute habe ich mir dann mal die Webseite angesehen und bin über ein paar Tipps gestolpert, wie Amerikaner in Bayern überleben können.

Germany may appear very strange sometimes, especially if you’ve never been to Europe before. But don’t be afraid to go out and mix with your German neighbours! We’ll give you some tips on how to survive in Germany:

Have you ever had a German tell you something like: „you will come here“ or „you must sign there“? It sounds horribly impolite in English, like they’re ordering you around, but trust me, they are not (except, perhaps, if you’re married to one)

Neben jeder Menge nützlicher Tipps für Hillbillies, die einen zum Schmunzeln bringen, gibt es zu guter Letzt dann noch ein paar übersetzte bayerische Vokabeln. Unter anderem endlich die wissenschaftliche Erklärung für den:

Wolpertinger:  this very rare animal (photos) is only found in Bavaria (mostly by Bsuffana). It is a crossing of several native animals. According to statements of witnesses, it also lives in the JMTC Training Area.

Check this out: Surviving in Germany

Was wirklich wichtig ist

Was ist diese Tage wirklich wichtig? In Afghanistan kommen drei bayerische Soldaten ums Leben. Naja, unserer Heimatzeitung war das ne Seite wert, in den überregionalen Medien hört man davon aber nur beiläufig. Gabs ja schon mehrmals. In Lybien geht das Volk auf die Straße und wird zum Hunderten erschossen. Gähn, ist ja schon das dritte Land, wo es einen Aufstand gegen das führende Regime gibt. Und Urlaub kann man da doch auch nicht machen, oder?

Nein, wirklich wichtig ist, ob die Doktorarbeit eines Ministers abgeschrieben ist oder nicht. Ich bin ganz bestimmt kein Freund vom Guttenberg, doch was da derzeit abgeht, ist so widerlich, dass einem schlecht werden könnte. Ich möchte mal behaupten, dass 90 Prozent der deutschen Bevölkerung das Thema am Allerwertesten vorbeigeht, doch die Medien machen das Thema zum Großpolitikum. Und während sich in der CDU alle Neider heimlich die Hände reiben, dass dem Emporkömmling mal ein wenig die Federn gerupft werden, macht sich die SPD gerade so lächerlich, dass alles zu spät ist. Statt dass man sich für den faulen Hartz IV Kompromiss schämt, macht man auf dicke Hose und fordert ein aktuelle Stunde im Bundestag zu den Plagiatsvorwürfen.

Sagt mal, habt Ihr nichts Wichtigeres zu tun? Und wehe es beschwert sich jetzt nochmal einer, das Volk wäre politikverdrossen.

Heimspiel – 20 Jahre Fanta4

Seit 1989 gibt es Die Fantastischen Vier. Mit Die da?! kam 1992 der Durchbruch und die CD „Vier gewinnt“ hab ich damals rauf und runter gehört. Den Text zum Titelsong kann ich noch heute perfekt auswendig und im Laufe kamen legendäre Singleauskopplungen (mein Alltime-Favourite ist „Der Picknicker„) und Live-Konzerte. Im Sommer hatten die Jungs ihr 20-jähriges und gaben am 25.07.2009 vor rund 60.000 Fans in ihrer Heimatstadt Stuttgart ein grandioses Konzert. Zusammen mit einem Symphonie-Orchester spielten sie fast drei Stunden, ein Heimspiel eben. Von diesem Konzert gibt es jetzt den Mitschnitt auf CD und DVD und natürlich hab ich mir die gleich geordert!

Zitat des Tages

In der Radiowelt in Bayern2 ging es heute morgen um den Wahlkampf der CDU nach den Schlappen bei den Landtagswahlen und wie jetzt alles auf Angela Merkel ausgerichtet wird. Am Ende des Beitrages dann folgende Bemerkung vom Anchorman Thomas Meyerhöfer:

Ein Interview mit der Kanzlerin finden Sie übrigens auch in der aktuellen Apotheken Umschau, nur für den Fall, dass Sie es noch nicht im Seniorenfernsehen des ZDF gesehen haben.

Das perfekte (Promi-?) Dinner

An verregneten Sonntagnachmittagen kommt man ja gelegentlich in die Verlegenheit, ins perfekte Promidinner reinzuzappen. Wenn man Glück hat, kennt man einzelne der beteiligten Akteure. Manchmal denke ich mir, dass ich vielleicht ein zu großer Fernsehbanause bin, weil ich Schauspieler, Moderatoren  oder Boxenluder mit zu niedrigen IQ einfach gar nicht beachte. Aber scheinbar geht es nicht nur mir so, denn bei Frau Schnutinger habe ich eben den passenden Cartoon zur Sendung entdeckt:

Das perfekte Promidinner

Auf ein Neues

Ich mein, es soll ja Leute im engeren Bekanntenkreis geben, die waren ausser in Leipzig auch bei AC/DC in München schon dabei. München musste ich leider wegen einer Feier sausen lassen. Aber Brückentag und AC/DC am Hockenheimring. Da muss man doch einfach ein zweites Mal hingehen, oder? Also noch schnell EBAY geplündert und ab geht es am Freitag! Und weil doch grad Freund und Tauchlehrer Hany aus Ägypten bei uns ist, kriegt der auch gleich eine Lektion in Sachen Rock´n´Roll. Ich glaub ich darf nur die Ohrstöpsel für ihn nicht vergessen!

We salute you!

Der StoiBär in Lummaland

Oje, ich habs in die SZ geschafft. In dem Beitrag geht es über die Webauftritte der Parteien, die fehlende politische Vernetzung und warum die Amis mal wieder ein Vorbild sind. Unter anderem schreibt Tobias Moorstedt:

Das mag daran liegen, dass in Deutschland die Lebensläufe und DSL-Leitungen nicht ganz so verschlungen sind wie in anderen Hightech-Nationen. Oder daran, dass der techno-politische Bodensatz einer engagierten Blogosphäre trotz netzpolitik.org und carta.info hierzulande weiterhin fehlt (unter den Top-Ten der deutschen Politik-Blogs finden sich tatsächlich Seiten mit Namen wie StoiBär, Lummaland und Weissgarnix). Vielleicht sind die Amerikaner einfach besser für das Zeitalter der digitalen Demokratie gerüstet als die aufgeklärten Mittelschichts-Ironiker der BRD.

Ich mein, ich habe mich noch nie als den tollen Politikblogger gesehen. Dieses Zitat zeigt eher, wie mangelhaft die Hitlisten sind. Vermutlich nimmt Tobias Moorstedt das Politikranking von Wikio als Referenz. Das ist ein Newsdienst, den ich schon lange mit einem Grinsen beobachte. Ich habe mich dort nie selbst angemeldet, im Gegenteil. Anfangs sah ich die als Contentklauer an, nachdem aber immer wieder Besucher von dort kamen, habe ich auf Gegenmaßnahmen verzichtet. Sieht man sich aber an, wie Wikio die Platzierungen errechnet, ist es weiter kein Wunder, dass ich in den Top10 stehe:

Die Position eines Blogs im Wikio-Ranking hängt von der Anzahl und dem Gewicht der Links ab, die von anderen Blogs eingehen.

Es werden ausschliesslich im Résumé des RSS-Feeds enthaltene Links berücksichtigt. Links aus Blogrolls werden beim Ranking nicht berücksichtigt und der Wert der Links nimmt mit der Zeit ab. Auf diese Weise möchten wir ein Ranking erstellen, das so repräsentativ wie möglich aktuelle Blogs und Entwicklungen aufzeigt. Das Ranking wird jeden Monat aktualisiert.

Das Gewicht eines Links hängt vom Ranking des verlinkenden Blogs ab. Bei unserem Algorithmus hat ein Link, der von einem Top-Blog im Rankig ausgeht, mehr Gewicht als eine Link von einem schlechter gewerteten Blog.

Die drei erwähnten Blogs sind gut verlinkt und wenn wir „aufgeklärten Mittelschichts-Ironiker“ vor diversen Abgeordneten unserer tollen Parteien stehen, dann zeigt das doch nur, dass die Blogszene eine politikereinheitsbreifreie Zone bleiben möchte. Warum sollten wir auf Seiten von etablierten Politikern gehen, deren Ergüsse wir doch sowieso ständig im Fernsehen ertragen müssen?

via Perlentaucher

My first war

Während ein deutscher Soldat nicht in die Gefahr kommt, in seiner Zeit als Reservist, in den Krieg ziehen zu müssen, schaut das in Israel ganz anders aus. Immer wenn ein benachbartes Land angegriffen werden soll, müssen Ärzte, Studenten, Arbeiter oder Geschäftsleute ran. Als Israel im Zweiten Libanonkrieg 2006 (auch „33-Tage-Krieg“) die Hisbollah vernichten wollte, wurde auch der Filmemacher Yariv Mozer an die Front beordert. Er sollte einen Offizier ersetzen, der von der Front mit Angstattacken geflüchtet war. Mit der Kamera im Gepäck dokumentierte er die Planlosigkeit der israelischen Armeeführung, das Sterben seiner Kameraden und den Gegensatz zum normalen Leben in Tel Aviv, das gerade drei Stunden entfernt lag. Er filmte die Gefühle der normalen Soldaten und die Diskussionen der Offiziere zu dem verlorenen Krieg.

Herausgekommen ist der beeindruckende Dokumentarfilm „My first war“, der gerade auf ARTE lief. Wie immer kommt die Doku noch eine Woche im Internet auf ARTE +7. Ich kann Euch nur empfehlen sie anzusehen!

Die übliche Routine

Nach Emsdetten, Freising und Erfurt hat es jetzt in Winnenden die vierte Bluttat an einer Schule gegeben. Alle reden von einem Amoklauf, was eigentlich nicht stimmt, da es ja keine unkontrollierte Tat aus blinder Wut war, sondern eher ein geplantes Verbrechen (vergleiche auch „künstliches Koma“). Aber das ist letztendlich egal, jeder weiß was gemeint ist.

Und wieder ist der Ablauf nach der Tat der gleiche, wie die letzten Male. Zuerst Fassungslosigkeit und alle Politiker dürfen im Fernsehen ihr Mitgefühl ausdrücken. Spätestens einen Tag nach der Tag geht es dann ans politische Ausschlachten. Und wie immer, wenn man einen First Person Shooter auf der Festplatte des Täters gefunden hat, kommen sofort die Forderungen nach einem Verbot von Killerspielen. Ist ja alles so einfach. Natürlich ist das Computerspiel schuld an dem Drama, die 16 legalen Schusswaffen im Schrank des Vaters sind da nicht mehr so wichtig. Aber das sind wir ja gewohnt.

Einstweilen laufen die berichtenden Medien zur Hochform auf. Allein von der SZ hatte ich heute elf Artikel zu dem Thema im Feedreader. Alle Onlinemedien bieten Klickstrecken mit trauernden Menschen, Videos von der Trauerfeier oder interaktive Karten vom Schulgelände. Aus dem „Schüler“ wurde bereits „Tim K.“ und morgen wird man dann wohl auch den Nachnamen erfahren. Wie bescheuert neuigkeitsgeil Journalisten sein können, zeigt dieses Beispiel von der Twitterin „tontaube“

Hat sich eigentlich schon einmal jemand gefragt, ob es nicht die mediale Aufmerksamkeit ist, die Jugendliche zu solchen Taten bewegt? Eine Castingshow nach der anderen redet uns ein, wir wollen, sollen oder müssen berühmt sein. Jugendliche machen sich zum Affen, nur um ins Fernsehen zu kommen. So wie jetzt über diese Tat berichtet wird, da kann jeder Superkaspar und jedes Topmoppel einpacken. Was man so liest, soll Tim K. keine gescheiterte Existenz gewesen sein. Vielleicht war es eine andere Situation, die ihm aussichtslos erschien. Wir werden es sicherlich erfahren. Für die Zukunft sehe ich aber schon die Gefahr von frustrierten Jugendlichen, die sich durch solche Taten wenigstens einmal im Leben Ruhm erhoffen. Und darum glaube ich, wir brauchen eher eine Wertediskussion im Fernsehen und im Miteinander, als Forderungen nach neuen Waffengesetzen, Killerspielverboten oder abgeriegelten Schulen, in die man nur mit Chipkarte reinkommt.

Nachtrag: Genau sowas meinte ich im letzten Absatz.

Italienische Verhältnisse?

Nikolaus Brender ist Chefredakteur beim ZDF. Sein Vertrag läuft im März 2010 ab und es ist wohl üblich, ein Jahr vor Ablauf zu bestimmen, ob es eine Verlängerung gibt oder jemand anderes den Job übernehmen soll. So erklärt sich dann also, warum derzeit Roland Koch und Edmund Stoiber am Stuhl von Brender sägen. Es soll die späte Rache für etwas werden, was sieben Jahre zurück liegt. Damals seien nämlich ARD und ZDF die Schuldigen an der Niederlage Stoibers gegen Gerhard Schröder gewesen. Und im Sinne der politischen Gleichschaltung der Medien mit der regierenden Partei soll jetzt jemand anderes Chef beim Zweiten werden. Berlusconis Italien soll wohl als Vorbild dienen. Gott sei Dank regt sich bereits Widerstand bei den anderen Redakteuren und auch ZDF-Promis wie Maybrit Illner und Claus Kleber protestieren.

Mehr dazu:
Wo stehst du politisch? (FAZ)
Schwerwiegender Eingriff in die Rundfunkfreiheit (SZ)

Oberflächlichkeit und Ignoranz

Liegt man mit lädiertem Sprunggelenk auf der Couch, stellt man schnell fest, dass tagsüber im Fernsehen nur die Zuschauer bedient werden, die nicht unverschuldet Hartz IV empfangen. Da hat man dann umso mehr Zeit, sich den Onlineangeboten der großen Tageszeitungen zu widmen. Recht lange findet man daran allerdings auch kein Gefallen. Beispielhaft möchte ich nur zwei Artikel der Süddeutschen Zeitung von heute nennen.

In „Es muss nicht immer Bali sein“ werden andere indonesische Inseln vorgestellt. Ein paar Sätze zu den Tempeln und Vulkanen auf Java, eine Insel, die rund 800 Kilometer lang ist. 90 Wörter zu Lombok, das ungefähr so groß ist wie Bali und wo man locker zwei Wochen verbringen kann (und die nicht nur faul am Stand). Dazu eine Klickstrecke mit den miserabelsten Fotos, die man wohl finden kann. Ich nehme mal an, der Artikel wurde nur eingestellt, damit man die Werbekunden bedienen und ihre Reiseanzeigen einblenden kann.

Zum anderen ist heute die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes ein Thema. Der Geflügelbauer Georg Heitlinger hat dabei gegen die CMA, den Marketingverband der deutschen Agrarwirtschaft geklagt, weil die eine Zwangsabgabe von den Bauern erhebt.

Ein Landwirt, der Bauer Georg Heitlinger aus dem baden-württembergischen Eppingen, hat sich ziemlich öffentlich mit dem mächtigen Marketingverband angelegt. Auf einer Internetseite macht er Stimmung gegen die CMA

Jetzt würde den Leser vielleicht auch noch interessieren, was die genauen Beweggründe Georg Heitlingers waren. Was liegt da näher, als einen Link auf die erwähnte Internetseite zu setzen. Nicht so bei der SZ, wo man den Leser lieber zur nächsten Suchmaschine schickt. Aber so ist es scheinbar, wenn Zugriffszahlen wichtiger als Qualität ist. (Besser macht es übrigens heute mal wieder Die Zeit. Die ist zwar wie immer ein wenig später dran, dafür ist der Beitrag dann aber auch fundierter.)

Wären da nicht solche geniale Kommentare eines Heribert Prantl, die Süddeutsche wäre bei mir schon lange aus dem Feedreader geflogen.

Bitte nicht nochmal!

Zwischen 16 und 17 Uhr kommt in Bayern 2 immer „Eins zu Eins. Der Talk“. Da werden immer eine Stunde lang Leute verhört, die meist super interessant sind. Vom Gorillaforscher bis zum Krisenreporter, vom Ex-Politiker bis zum Forscher. Querbeet ist da alles dabei und wenn ich zeitig aus dem Büro komme, kriege ich da am Heimweg immer was mit. Am meisten beindruckt hat mich übrigens letztes Jahr Ernst Prost, der Chef der Firma Liqui Moly (Auschnitte hier). Heute hatte ich noch was vor und bin pünktlich um vier aus der Firma raus. Im Auto hätte mich fast der Schlag getroffen. Hatte Achim „60“ Bogdan doch heute echt Daniel Kübelböck da, diesen Vogel, der den Bayern das Fremdschämen beigebracht hat. In der ersten Staffel von Deutschland sucht den Superstar quiekte er sich fast bis zum Sieg und war sich anschließend für keine Show im Unterschichtenfernsehen zu schade.

Ein paar Minuten konnte ich es durchhalten. Als sie aber dann seine Single aus dem letzten Jahr einspielten, musste ich kapitulieren: „I was born, born in Bavaria, the place where the cutest Madln are, die Buam san strong und fesch san’s a“. Das kann keiner aushalten.

Und weil es grad so schön zum Thema passt, noch ein Titel von Haindling.

Grölemeyer Schlagerstar

Ich mußte heute morgen schon ein wenig schmunzeln, als ich in meinem erklärten Lieblingsradiosender das Interview mit Dieter Thomas Heck hörte. Aus Anlass des 40. Geburtstag der ZDF-„Hitparade“ hatten sie ihn aus dem Bett seines spanischen Urlaubsdomizils geholt. Dabei hat er dann Tranrocker Herbert Grönemeyer als Schlagersänger bezeichnet, womit er meiner Meinung bestimmt nicht unrecht hat. SpOn hat auf jeden Fall gleich einen Artikel daraus fabriziert und schreibt gar von einem Tiefschlag.  Da sie es aber natürlich mal wieder nicht fertig gebracht haben, die Quelle zu verlinken, gibt es den Podcast hier zu hören:

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Die Arroganz der Süddeutschen Zeitung

Man kann zum Blogverkauf von Basic Thinking stehen, wie man möchte. Ein gewisses Interesse hat die Versteigerung bei vielen geweckt. Robert Basic tingelte durch alle Medien, die ihn haben wollten und in so manchem wichtigen klassischen Medium, sprich Onlinepräsenz von Zeitung war etwas zu lesen. Was macht aber den Unterschied zwischen meinetwegen einer Zeit und einer Süddeutschen Zeitung aus? Während sich erstere herabläßt, auch ein Interview mit dem Verkäufer zu führen und dabei die betreffende Seite im Bericht dann auch zu verlinken (es wird ja auch Leute geben, die mit der Bloggerei nicht so viel anfangen können), bringt die SZ drei Beiträge, in denen sie es gerade einmal schafft, den Leser auf die Seite zu führen, um die es geht. Im heutigen „Abschlußbericht“ gab es nicht einmal den richtigen Namen des Blogs, sondern nur eine Nennung des Domainnamens ohne Link dahinter. Aber was will man schon verlangen von einer Zeitung, die Kommentare nur zu Bürozeiten zuläßt? Nein, wie das mit dem Internet heutzutage funktioniert, müssen sie noch lernen bei der SZ. Mit Bilderklickstrecken, zum künstlichen erzeugen von Hits, ist es nämlich nicht getan.

Nichts als Propaganda

Censorship causes blindness

In diesem Konflikt die richtigen Worte zu finden ist nicht einfach. Einem Konflikt, in dem keine der beteiligten Parteien jemals wirklich Frieden wollte. Ein Volk, das dauernd unterdrückt wird, sich im Gegensatz zu asiatischen Bergvölkern aber nicht auf friedlichen Widerstand beschränkt. Je mehr dieses Volk gegängelt wird, je mehr ihm Land weggenommen wird, je mehr es hungern muss, desto mehr haben radikale Gruppierungen Zulauf. Israel muss sich also eigentlich nicht wundern, wenn die Hamas Gas gibt. Die kämpft indes mit ungleichen Waffen. Sie schießt im Prinzip mit auffrisierten Silvesterraketen, die ungelenkt ihre Ziele in Israel finden sollen, was sie ab und zu auch tun. Dagegen steht die hochausgerüstete israelische Armee, die mit feinster US-Technik zielgenau treffen könnte. Ich sage könnte, denn was ist nicht schon alles getroffen worden, was eigentlich kein Kriegsziel ist? Die Bombenlast der Israelis auf den Gazastreifen dürfte in der ersten Angriffswelle sowieso schon die der Hamas des ganzen letzten Jahres überstiegen haben. Von der Anzahl der Toten mal ganz zu schweigen.

Sich als Europäer zu informieren ist schwierig. Zu stark die israelische Zensur, schließlich dürfen Journalist nicht einmal rein nach Gaza. Könnten sie doch Dinge sehen, die schlecht fürs israelische Opferimage sind. Deshalb gibt es dann auch den Journalistenhügel am Kriegerdenkmal zwei Kilometer vor der Grenze zum Gaza-Streifen. Da tut es gut, wenn man wenigstens bei ein paar Kollegen mitlesen kann, die seit Jahren von dort berichten und ein wenig die Richtigkeit der vorgesetzten „Wahrheiten“ beurteilen können, die man von unseren Fernsehsendern vorgesetzt bekommt.

Ach’ übrigens: was wir Journalisten „an der Front“ Konkretes wissen über den Kriegsverlauf, über die Opferzahlen, über die „diplomatischen Bemühungen“? Kaum etwas.  Wir sind einem einmaligen Propaganda-Konzert ausgesetzt – immer wieder erstaunlich, wie viele Spokesperson’s so ein Krieg kreieren kann. Am Journalistenhügel stehen sie täglich bereit, brauchst bloss dein Mikrophon hinzuhalten, Armee, Aussenministerium, Government Press Office, Lobby-Organisationen wie The Israel Project, Zivilisten, religiöse Gruppierungen. Kannst sie in deutscher, russischer, spanischer, englischer, französischer Sprache haben – hebräisch spricht eh’ kaum einer der Journalisten.

Der Schal des Taliban

Mal abgesehen, dass es ein Mann und eine Frau sind, was ist wohl der Unterschied zwischen den beiden nachfolgenden Fotos?

Halstuch im ZDF

andre_sftv

Beide Reporter berichten über die israelische Bombardierung des  Gazastreifens. Auch im Mittleren Osten ist Winter und daher sind die beiden warm angezogen. Während das ZDF aber am Schal von Frau Storch nichts Verwerfliches entdecken kann, hat das Schweizer Fernsehen mit dem Halswärmer von André Marty ein Problem, das an Lächerlichkeit wohl kaum zu überbieten ist:

Derweil kommt aus der Redaktion in der fernen Schweiz die dringende Bitte, doch auf ein Halstuch zu verzichten, mache mich irgendwie zum Palästinenser, einer meint gar zum Taliban… – Feedback vom Feinsten.

André Marty arbeitet übrigens schon lange Zeit fürs Schweizer Fernsehen in Israel und Palästina, darf aber derzeit nicht aus dem Gazastreifen berichten. Die israelische Regierung sperrt die Journalisten, trotz richterlicher Verfügung aus. Ein Schelm wer Böses denkt.

Die beiden Standbilder sind übrigens vom Henusode-Blog