Archiv der Kategorie: Medien

Der Schal des Taliban

Mal abgesehen, dass es ein Mann und eine Frau sind, was ist wohl der Unterschied zwischen den beiden nachfolgenden Fotos?

Halstuch im ZDF

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Beide Reporter berichten über die israelische Bombardierung des  Gazastreifens. Auch im Mittleren Osten ist Winter und daher sind die beiden warm angezogen. Während das ZDF aber am Schal von Frau Storch nichts Verwerfliches entdecken kann, hat das Schweizer Fernsehen mit dem Halswärmer von André Marty ein Problem, das an Lächerlichkeit wohl kaum zu überbieten ist:

Derweil kommt aus der Redaktion in der fernen Schweiz die dringende Bitte, doch auf ein Halstuch zu verzichten, mache mich irgendwie zum Palästinenser, einer meint gar zum Taliban… – Feedback vom Feinsten.

André Marty arbeitet übrigens schon lange Zeit fürs Schweizer Fernsehen in Israel und Palästina, darf aber derzeit nicht aus dem Gazastreifen berichten. Die israelische Regierung sperrt die Journalisten, trotz richterlicher Verfügung aus. Ein Schelm wer Böses denkt.

Die beiden Standbilder sind übrigens vom Henusode-Blog

Nen guten Rutsch!

Ich denke mal, jeder von Euch ist partymäßig heute gut versorgt. Und wenn nicht, dann reicht eigentlich ein einziger TV-Sender um den Abend zu retten. 3Sat hat das ultimative TV-Programm und überträgt einen Konzertmitschnitt nach dem anderen! Nachdem ich gestern in der Alten Mälze in Regensburg war und mir die AC/DC Revival Band gegeben habe (war das laut – ich glaub, ich bin zu alt für so nen Scheiß), musste vorhin AC/DC: No Bull – The Directors Cut folgen. Genau die richtige Einstimmung für das Open Air im Mai.

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Sprachprobleme?

Vor ein paar Wochen habe ich im Radio ein Interview mit dem schweizer Schriftsteller Nicola Bardola gehört, der seit langer Zeit in München lebt. Viel ist davon nicht in meinem Kopf hängengeblieben, aber ein Satz doch. Sinngemäß meinte er, dass es wohl für einen Deutschschweizer nichts Schlimmeres gäbe, als wenn er dem deutschen Fernsehen ein Interview in vermeindlichem Hochdeutsch gibt und das dann bei der Ausstrahlung trotzdem untertitelt wird.

Bildquelle: Wikipedia

Durch so manchen Besuch in St. Gallen (zugegeben, die Ostschweiz sehen viele Eidgenossen nicht Schweiz an) verstehe ich zumindest ein wenig Schwizzerdütsch und brauche mich in Geschäften nicht immer sofort als Ausländer outen. Muss ich dann nachfragen, schwenkt so mancher Schweizer sofort auf Hochdeutsch um. Dabei geht es ihnen nicht anders als so manchen Bayern, Franken oder Sachsen. Der Sprecher meint, er würde nicht mehr Dialekt reden, was natürlich fast nie stimmt.

In Zürich ist das wohl ein wenig anders. Das Bemühen der Schweizer, sich ihrem Gegenüber verständlich auszudrücken ist da nicht so verbreitet. Viele Tüütschi versuchen da scheinbar ihre Herkunft zu vertuschen. Daniela Jaschob beschreibt heute in der NZZ ihren Leidensweg als Exilhamburgerin in Zürich, ihr Beinahescheitern beim Bäcker und ihrer Isolierung vom Rest der Zürcher Bevölkerung. Konsequenz war natürlich ein Züritüütsch-Kurs. [lesenswert!]

In der Grundschule hatten wir eine Lehrerin aus dem hohen Norden, die meinte, uns das Bayerische abzuerziehen. Wir würden uns später viel leichter tun und vorallem leichter schreiben lernen. Mittlerweile weiß man, dass das Käse ist und man trotz gesprochenem Dialekt richtig schreiben kann. Nur im gesprochenen Wort kommt da die lokale Verwurzelung immer wieder durch. Als Beispiel möchte ich nur die Vereidigung unsere neuen Landesvaters Horst Seehofer anführen, der für diesen feierlichen Moment alle hochdeutschen Register zog, die ein Ingolstädter zu bieten hat.

Seit ich die Neue Züricher Zeitung (NZZ) im Feedreader habe, gibt es auch immer Floskeln, die man bei uns nicht kennt und bei denen man immer wieder kurz stutzt. Beispiel gefällig?

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann ans Bundesgericht in Lausanne gezogen werden.


Mit Beharrlichkeit zum Boom

Letzte Woche war im BR ein Beitrag über die Oberpfalz und warum die Wirtschaft derzeit hier so erfolgreich ist. Waren wir doch früher immer das Armenhaus Bayerns und von der Regierung in München vergessen. Das hat sich geändert und Quer hat in einem fünfminütigen Bericht gezeigt, warum das so ist. Und da ich weiß, dass es hier einige Fans von Sheepworld gibt, möchte ich vorallem denen den Bericht ans Herz legen.

Weil es keiner wissen darf

Seit Monaten lässt Israel die palästinensische Bevölkerung in Gazastreifen hungern und verweigert medizinische Hilfe für Todkranke. Und wohl weil das ganze Elend keiner in der westlichen Welt mehr sehen soll, wird seit ungefähr zwei Wochen kein ausländischer Journalist mehr in den Gazastreifen reingelassen. Daher haben jetzt jede Menge Chefredakteure westlicher Medien in einem offenen Brief an Ehud Olmert gegen die israelische Zensur protestiert.

Dear Mr. Prime Minister,

 

We are gravely concerned about the prolonged and unprecedented denial of access to the Gaza Strip for the international media. For nearly two weeks, the Israeli authorities have prevented journalists accredited by the Israeli Government Press Office from crossing into Gaza. Israel has long facilitated international coverage of Gaza even during times of significant violence, including in the immediate vicinity of the Erez crossing.

 

We are particularly dismayed by the government’s decision to include international journalists among the categories now barred from crossing into Gaza. Throughout this period, Erez has remained open to some traffic. We would welcome an assurance that access to Gaza for international journalists will be restored immediately in the spirit of Israel’s longstanding commitment to a free press.

Sincerely,

 

– David Westin, President of ABC News 

– Pierre Louette, President Directeur Général de l’AFP

– Tom Curley, President and CEO, The Associated Press

– Helen Boaden, Director of BBC News

– Parisa Khosravi, CNN Senior Vice-President of International Newsgathering.

– Robert Hurst, President of News, CTV – Canadian Television

– Bill Keller, Executive Editor, New York Times

– David Schlesinger, Editor-in-Chief, Reuters

– Nikolaus Brender, editor-in-chief of ZDF German Television, Mainz

– David Mannion, Editor-in-Chief, ITV News

– Jörg Schierenbeck, Managing Director, epa european pressphoto agency b.v.

– John Cruickshank, Publisher, CBC News

– John Walcott, Washington Bureau Chief, McClatchy Newspapers

– Russ Stanton, Editor, Los Angeles Times

– Fritz Raff, Chairman ARD German Radio TV

Report: H&M schwer in der Kritik

Report Mainz hat schweres Geschütz (mit Video) gegen Hennes & Mauritz aufgefahren. Von Misshandlungen, sexueller Nötigung und Hungerlöhnen wurde da gestern berichtet. Das alles passiert bei einem Zulieferer in Dhaka, Bangladeschs Hauptstadt, wo die Angestellten der Fabrik „Haus des Sonnenscheins“ seit 2006 gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen und Hungerlöhne protestieren.

Ich mein, man muss ja nur ein wenig überlegen. H&M findet man häufig in besseren Einkaufszentren, Ladenpassagen oder in den Innenstädten. Überall da, wo die Mieten also eher teuer sind. Die Preise sind aber fast auf einem Discountniveau. Dass das nicht ganz zusammengehen kann und dann in Billiglohnländern unter enormen Leistung- und Preisdruck produziert wird, ist irgendwo einleuchtend. Da hilft es auch nicht, wenn HundM einen Verhaltenskodex für Lieferanten aufstellt. Wenn dieser nur halbherzig umgesetzt wird, ist der das Papier nicht wert, auf den er gedruckt wurde.

“House of Sunshine” produziert übrigens auch für C&A und CARREFOUR.

Via Kristen Brodde, die sich seit 2006 Beiträgen für Grüne Mode einsetzt und durch ihre Aktion bei Tchibo bekannt wurde.

Obama-Tag

Gestern war Werbetag für Barack Obama. Zur besten Sendezeit um 20 Uhr und direkt vor der Eröffnung der neuen Saison der Major League im TV wurde über 30 Minuten ein Werbevideo auf sieben (!) amerikanischen TV-Sendern gleichzeitig ausgestrahlt. Rund 5 Million kostete diese Gehirnwäsche dem Kandidaten der Demokraten. Im Radio habe ich gestern dazu schon einen Vorbericht gehört. Dabei wurden Zahlen genannt, die einem als deutscher Kleingeist ein wenig schaudern lassen. Allein für Fernsehspots hat Barack Obama bisher rund 250 Millionen Dollar ausgegeben. Bei John Pommes Frites McCain sind es bisher 130 Millionen. Da sind ja die 150.000 Dollar für Sarah Palins Miniröcke und die 23.000 Dollar für Tapetenkleister echte Peanuts dagegen.

Das Obama Werbevideo gibt es übrigens natürlich auch bei YouTube:

[youtube GtREqAmLsoA]

Ab wann ist ein Krieg ein Krieg?

Verteidigungsminister Jung vermeidet es in jedem Interview, das Wort Krieg auch nur in den Mund zu nehmen. Stattdessen betont er immer wieder, das deutsche Engagement sorge für eine “vernetzte Sicherheit” in Afghanistan. Die Soldaten müssten helfen, schützen und vermitteln, gegebenenfalls aber auch kämpfen, um Sicherheit zu gewährleisten. Ein Krieg ist das in seinen Augen anscheinend aber nicht, was wohl nicht nur mir komisch anmutet. In der Radiowelt heute morgen hatte Thomas Dänzer-Vanotti daher ein Interview mit Andreas Paulus, dem Professor für Völkerrecht an der Universität Göttingen.

[audio:http://www.br-online.de/imperia/md/audio/podcast/import/2008_10/2008_10_22_09_30_32_podcastatdrandreaspaulus_a.mp3]

Leider brachte das Gespräch keine Klärung. Der Herr Professor verstand es perfekt, sich so auszudrücken, am Ende jeder wieder so schlau war wie vorher. Unweigerlich mußte ich an einen Beitrag von Larko letzte Woche denken: German language should be banned

Wesentlich aufschlußreicher war da schon der gestrige  Tagesschau-Chat mit Christian Thiels. Der Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio Berlin, zuständig für die Themen Verteidigung und Äußeres, stellte sich zahlreichen Fragen zur Lage der Bundeswehr in Afghanistan. Zum Beispiel:

Wie erleben die Soldaten vor Ort die Situation?

Christian Thiels: Für die Soldaten ist das ein Krieg, in dem sie stehen. Für sie ist es unwichtig, wie die Politik das nennt.

iTunes macht nur bei Scheißalben Sinn!

AC/DC-Sänger Brian Johnson hat 1live ein Interview gegeben. Darin gibt er Auskuft zur Entstehung vom neuen Album Black Ice und wie er sich auf ein Livekonzert vorbereitet. Am aufschlußsreichsten war allerdings die Antwort auf die Frage, warum man AC/DC nicht bei iTunes findet:

Und wir sind die einzige Band der Welt, die noch nicht bei iTunes unterschrieben hat. Worauf ich weder stolz bin, noch schäme ich mich dafür. Mir ist es nur wichtig, dass unsere Fans ein richtiges, physikalisches Album kaufen können, statt eines Downloads, was ja die aktuelle Entwicklung ist. Und für mich nur Sinn macht, wenn ein Album richtig scheiße ist und es reicht, sich da zwei Stücke rauszupicken und die zu brennen. Aber wir glauben, dass die Leute in unserem Fall ein komplettes Album hören sollten. Deshalb ist es auch das günstigste auf dem Markt. Es hat 15 Songs, und wird in den USA für 11,90 Dollar angeboten – was sieben Euro entspricht. Von daher ist es billiger als iTunes. Und das sollen die erst mal unterbieten. Ganz abgesehen davon, dass es immer gut ist, den großen Jungs den Mittelfinger zu zeigen.

via cimddwc

Wahlwerbung mal anders

Eigentlich sind es ja die Politiker der ödp, die keine Lobbygelder annehmen dürfen. Dass die Freien Wähler als zweite Partei scheinbar auch ohne meinungsbildenden Geldspenden auskommen können/wollen, ist vorbildlich. Gäbe es bei den großen Parteien auch diese Einsicht, hätte vielleicht sogar die aktuelle Bankenkrise verhindert werden können. Seis drum: Dieser Wahlspot der Freien Wähler hat es in sich. Man muss aber genauer hinschauen, um die genaue Botschaft zu erkennen, was wahrscheinlich die flächendeckende Ausstrahlung verhindert hat. Schade eigentlich. Sexy, aber nicht käuflich

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=NS5DrFNrURs

via Matthias

Aus gegebenen Anlass

Sicherlich ist “Aus gegebenen Anlass” ein nicht gerade prickelnder Name für eine Diskussionsrunde. Aber natürlich möchte das ZDF die Gunst der Stunde ausnutzen und die versprochene Sendung mit Marcel Reich-Ranicki kurzfristig ins Programm nehmen, bevor das Publikum den angeblich so großen Eklat wieder vergessen hat. Das Unterschichtenfernsehen hat eines auf den Deckel bekommen und nun möchte selbiges wenigstens Kapital daraus schlagen. Die Gesprächsrunde wird natürlich von Thomas Gottschalk moderiert werden und man darf gespannt sein, wer da noch kommen wird. Elke Heidenreich zumindest hat sich schon in Position gebracht.

Auf RTL habe ich grad vorhin zufällig in eine Sendung reingezappt, wo dann auch gleich wildeste Verschwörungstheorien gesponnen wurden, die ganze Sache wäre inszeniert gewesen wäre. Naja.

Schief gewickelt

Joschka Fischer schreibt jeden Montag für Die Zeit zum aktuellen Politikgeschehen. Natürlich war seine Meinung heute in Sachen Bayernwahl gefragt. Leider hatte er am Wochenende wohl ein paar andere Termine und wenig Zeit für diesen Beitrag. Da passenderweise gestern auch in Österreich gewählt wurde, konnte er sich gleich bei ein paar Klischees bedienen, die man wohl nördlich des Weißwurstäquators so hat:

Es empfiehlt sich, diese beiden Wahlen im Zusammenhang zu analysieren, und zwar nicht nur wegen der engen Verwandtschaft von Bayern und Österreichern, sondern weil damit auch der hinter diesen Ergebnissen liegende Trend für die kommenden Bundestagswahlen sichtbarer wird.

Auf dieser Grundlage schreibt er dann einige haarsträubende Sätze, über die man nur den Kopf schütteln kann. Scheinbar hatte er vorher nie von den Freien Wählern gehört und sie aus Unwissenheit einfach mal mit den Rechtspopulisten von Österreichs FPÖ und BZÖ in einen Topf geworfen. Zusammen mit den 4,3 Prozent der Linken in Bayern zimmert er eine Abwanderungswelle hin zu den Extremen.

Besser macht es da schon die NZZ. Sie erkundigt sich bei Professor Edgar Grande von der Universität München, der eine recht gute Charakterisierung abgibt.

Wo stehen die Freien bezüglich den Dimensionen Progressiv-Liberal-Konservativ? In ihrem eigenen Selbstverständnis ist die Politik der Freien Wähler nicht durch ideologische Prinzipien, sondern durch Sachorientierung, Pragmatismus und Bürgernähe gekennzeichnet. Aus diesem Grund passen die üblichen politischen Etiketten nur bedingt auf die Freien Wähler. Der Blick auf ihre Themenschwerpunkte macht dies deutlich. Dazu zählen «fortschrittliche» bildungspolitische Forderungen, wie sie auch von der FDP, den Grünen und der SPD im Landtagswahlkampf formuliert wurden.

“In ihrer Zielsetzung fehlen extreme Positionen.”

Mit der FDP teilen die Freien liberale Themen wie den Abbau von Bürokratie und Überregulierung; mit den Grünen gemeinsam haben sie umweltpolitische Ziele wie die Ablehnung der grünen Gentechnik und die stärkere Förderung erneuerbarer Energien. Schließlich finden sich unter den Themenschwerpunkten aber auch eher konservative Anliegen wie der Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft und Kulturlandschaft.

Nicht die feine Art

DIE ZEIT gehört eigentlich zu meinen bevorzugten Seiten in den Weiten des Internets. In den Blogs habe ich auch gelegentlich schon kommentiert. Allerdings habe ich definitiv noch nie meine Zustimmung für Werbemails gegeben oder mich für einen Newsleter angemeldet. Umso überraschter war ich heute, als ich eine Umfrage mit Gewinnspiel in meinem Maileingang hatte. Spam schickt sich eigentlich nicht für ein seriöses Blatt, oder?

Spammail von DIE ZEIT
Spammail von DIE ZEIT

Mehr um die Nachbarn kümmern

Gestern war Helmut Schmidt bei Beckstein Beckmann und ich war überrascht, wie gut in Form “Besterbundeskanzlerallerzeiten” war. Gut gelaunt und geradezu jugendlich präsentierte sich der älteste Kettenraucher Deutschlands, der wohl mittlerweile auch der größte Werbeträger von Pöschl´s Gletscherprise (Schmalzler/ hochdt: Schnupftabak) sein dürfte. Lediglich als Jehan al Sadat, die Witwe des ermordeten Anwar as-Sadat eingeblendet wurde und Helmut Schmidt über den Schellnkönig lobte, wurde der kurzzeitig sentimental. Sadat bezeichnete er als sehr großen Freund und Held, von dem er viel über den Islam gelernt hatte. Direkt danach forderte er mehr Toleranz gegenüber anderen Religionen, schließlich basieren die drei monotheistischen Religionen alle auf dem gleichen Fundament. Den Kirchen gab er eine Mitschuld daran, dass weltweit eine Abneigung gegen alles herrscht, was anders ist.

Und dann gab es noch eine kleine Schelte für die deutsche Aussenpolitik. Man solle sich mehr um die direkten Nachbarn kümmern. Wichtiger als Georgien sei doch für die Deutschen Polen oder Frankreich. Die hätten daher auch mehr Aufmerksamkeit verdient. Eine Natositzung in Georgien abzuhalten empfand er als Provokation gegenüber Rußland und erinnerte daran, dass sich sowas der Warschauer Pakt in Kuba früher nie hätte trauen dürfen.

Alles in allem sah man einen sehr entspannten und offenen Helmut Schmidt, der weit lockerer daherkam als in den vielen früheren Interviews mit Sandra Maischberger. Mit dem Beckmann kann er scheinbar besser. Zum Ende gab es dann noch ein paar Videobotschaften von Gerhard Schröder, Valéry Giscard d’Estaing und Angela Merkel. Dabei war letztere fast ein wenig peinlich anzusehen, reden kann sie einfach nicht.

Wiederholungen der Sendung (wenn auch zu unmöglichen Zeiten) gibt es übrigens einige:

Montag, 22. September, 1.00 Uhr (NDR)
Dienstag, 23. September, 9.35 Uhr (MDR)
Dienstag, 23. September, 0.40 Uhr (rbb)
Freitag, 26. September, 10.15 Uhr (3sat)
Samstag, 27. September, 7.45 Uhr (hr-fernsehen)

Maget gegen Beckstein

Nein, ich habe mir das Rededuell nicht angesehen. Rededuelle sind ja seit ein paar Jahre “in” und die beiden wird es gefreut haben, dass sie sich für eine Stunde richtig wichtig vorkommen durften. Wahlentscheidend wird das TV-Geplänkel nicht werden. Glaubt man der Süddeutschen, ist Franz Maget besser davon gekommen. Günther Beckstein hat sich wohl zu oft verhaspelt, Franz Maget war souverän. Etwas anderes war allerdings auch kaum zu erwarten. Der bessere Redner ist Maget schon immer, wenn er auch inhaltlich oft ein wenig die Phantasie mit ihm durchgeht. Als Herausforderer hatte er für so ein Rededuell sowieso die bessere Ausgangsposition. Aber ist er eigentlich ein Herausforderer? Heute kamen noch pünktlich neue Umfragewerte heraus. 47% soll die CSU noch kriegen, die SPD kaum mehr als die miserablen 21% bei der letzten Wahl. Auch wenn ein Wert unter 50% ein Debakel für die CSU sein wird, weiterregieren wird sie trotzdem. Im schlimmsten Fall muss sie eben mit der FDP koalieren, die angeblich auch wieder in den Landtag kommen soll. So ein schlechtes Wahlergebnis mag Beckstein und Huber zwar langfristig das Amt kosten, mit 47% gebe ich ihnen keine ganze Legislaturperiode, dem Machtanspruch der CSU wird das aber leider keinen Abbruch tun.

Nachtrag: Eine genaue Auswertung gibt es von Erwin Pelzig:

[audio:http://www.br-online.de/imperia/md/audio/podcast/import/2008_09/2008_09_19_09_24_49_podcastpelzigtv_duell199_a.mp3]

AC/DC – Black Ice

Es gibt Suchanfragen, da muß man sofort recherchieren. “AC/DC neues Album morgen auf Antenne” gehört da eindeutig dazu. Zwar hab ich keinerlei Infos gefunden, dass das Album morgen in irgendeinem Sender gespielt wird, aber dafür die Info, daß das neue Album am 17. Oktober 2008 in die Läden kommt.

Die Platte entstand unter Regie von Star-Produzent Brendan O’Brian  und wurde in den bekannten „Warehouse Studios“ in Vancouver aufgenommen. 15 brandneue Songs haben Angus und Malcolm Young, Brian Johnson, Cliff Williams und Phil Rudd eingespielt.

Black Ice wird es heißen und beinhaltet folgende Songs:

01. Rock ‘N Roll Train
02. Skies On Fire
03. Big Jack
04. Anything Goes
05. War Machine
06. Smash ‘N Grab
07. Spoilin’ For A Fight
08. Wheels
09. Decibel
10. Stormy May Day
11. She Likes Rock ‘N Roll
12. Money Made
13. Rock ‘N Roll Dream
14. Rocking All The Way
15. Black Ice

Vorher soll es noch Ende August die Singleauskopplung von „Rock’n’Roll Train“ geben. Wenn AC/DC jetzt noch eine Deutschland-Tour ankündigt, wäre es perfekt.

Boris Becker meets

Grad noch kurz ein wenig durchs Programm gezappt und entsetzt festgestellt, dass Boris Becker eine eigene TV-Show hat. Extrem überrascht war ich über seinen Gast. Hat er für pro7 doch tatsächlich Jan Ullrich besucht. Gemeinsam wurde das Haus besichtigt, der Trophäenraum und die Höhenkammer darin bewundert und dann seine Mutter in Rostock besucht. Es gab ein Wiedersehen mit alten Schulkameraden und dann noch ein paar Radrunden auf einer Bahn. Ganz so als wäre da nie etwas mit Doping gewesen.

Dann doch noch ein kritischer Moment. Boris Becker fragt schonungslos nach der Dopingvergangenheit: “Du wurdest ja wegen Doping supendiert, mittlerweile rehabilitiert. Wie denkst Du heute darüber?” (sinngemäß). Hä? Hab ich da irgendetwas falsch mitbekommen? Anschließend schimpft Ullrich auf jeden Fall wie gewohnt über die deutsche Presse und alle, die ihm Doping vorgeworfen haben. “Ich verstehe bis heute nicht, wie gute Leute kaputt gemacht werden“

Zur Erinnerung ein Auszug aus Wikipedia:

Am 14. April 2008 stellte die Staatsanwaltschaft Bonn ihre Ermittlungen gegen Ullrich wegen der Betrugsvorwürfe seines ehemaligen Arbeitgebers Team T-Mobile ein. Ullrich müsse eine Zahlung „in sechsstelliger Höhe an gemeinnützige Institutionen und die Staatskasse“ leisten, dafür werde auf eine Klageerhebung verzichtet. Oberstaatsanwalt Fred Apostel sagte: „Unsere Ermittlungen über 21 Monate haben ergeben: Ullrich hat gedopt.“

Rehabilitiert?