China ist scheinbar überall

Gestern habe ich noch geschrieben, dass Arcor mehr oder weniger freiwillig zensiert. Heute legt EU-Kommissar Franco Frattini los und möchte mit den Providern klären, „wie es möglich ist, mit technischen Mitteln die Menschen daran zu hindern, gefährliche Wörter wie Bombe, Töten, Genozid oder Terrorismus zu verwenden oder nach ihnen zu suchen.“ Gesperrt werden sollten nicht Meinungen, Analysen oder historische Informationen, sondern nur konkrete Anweisungen. Da soll er mal erst erklären, wie das technisch überhaupt möglich sein soll. Ein typischer Fall, wo einer bestimmen darf, wo es lang geht und von Tuten und Blasen keinen Ahnung hat. (Quelle: Heise)

Mehr dazu auch bei Adger und Thomas

3 Gedanken zu „China ist scheinbar überall“

  1. Daß Politiker vollkommen kompetenzfrei sind, ist offenbar Grundvorraussetzung für eine Politkarriere. Wenn es ums Internet geht, wird es überdeutlich. Nicht nur bei Politikern, auch bei Richtern läßt es sich beobachten, daß sie nicht die leiseste Vorstellung von der Materie haben. Mein Lieblingsbeispiel ist allerdings die Kryptographie-Debatte im Deutschen Bundestag. Befragt, worum es hierbei gehe, antworteten die meisten Politiker:“um Kopierschutz für Video.“

  2. Wer das als Eingriff in die Meinungs- und Informationsfreiheit ansieht, der hat wohl noch nicht begriffen, was es mit diesen „Freiheiten“ auf sich hat. „Meinungsfreiheit“ war schon immer die Freiheit des Redakteurs, das zu schreiben, was sein Chefredakteur für gut befindet, der seinerseits nur für gut befinden darf, was der Herausgeber lesen will, der wiederum nur das verbreiten kann, was seine Anzeigenkunden lesen wollen. Es ist gängige Praxis aller (!) Medien, nur Meinungen zu verbreiten, die mit der allgemeinen Linie des Mediums übereinstimmen. Es ist also nichts prinzipiell neues, was Arcor da aufzieht, bestenfalls eine Ausdehnung auf das Internet. Was wir brauchen ist freier Zugang für jedermann zu allen Medien, vielleicht kriegen wir dann ja eine wirkliche „Ausgewogenheit“ der Berichterstattungen und nicht eine so verlogene Karikatur derselben wie derzeit.

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