Das Ende der Scheinheiligkeit

Die Lawine war schon am Rollen und nun hat auch der sympathischte Fahrer ausgepackt. Erik Zabel hat, wohl auch um seinen engen Freund Rolf Aldag zu unterstützen, die Einnahme von EPO im Jahr 1996 gestanden. Damit brechen die beiden mit dem jahrelangen Lügen. Immer wieder haben sie beteuert, dass sie immer sauber waren und sicherlich wäre es jetzt einfach, die beiden zu verdammen und sich darüber aufzuregen.

So einfach ist es aber nicht. Im Jahr 1996 war EPO noch nicht nachweisbar und der maximale Hämatokritwert noch nicht festgelegt. Ein Wundermittel war auf einmal da. Ein Jahr zuvor stand Team Telekom schon fast vor dem Aus. Die Leistungen stimmten nicht, man fuhr ständig nur hinterher. Der Druck vom Sponsor auf das Team war enorm, in den Medien las man nur vom zweitklassigen Team. Jeder Fahrer hatte Angst um seinen Arbeitsplatz und jedem war bewusst, dass die Top-Leistungen der anderen Teams nicht auf regulärem Weg zustande kamen. “Man nahm es, weil es ging” hat Rolf Aldag vorhin gesagt und wahrscheinlich haben es alle genommen. Wem muss man jetzt den Vorwurf machen? Nimmt selbst ein Spitzenfahrer nichts, fährt er nur hinterher und irgendwann fliegt er aus dem Team, weil er zu schlecht ist. Was bleibt ihm anderes übrig? Jeder fordert Top-Leistungen von ihm, das Team, der Sponsor und vorallem die Öffentlichkeit.

Man denke nur daran, als Ulle nach seiner Diskosperre auf einmal bei Bianchi wieder wie Phönix aus der Asche kam und zweiter bei der Tour wurde. Er war der große Held. Wäre es nur Zehnter geworden, jeder hätte ihn abgeschrieben, Sponsoren wären weggeblieben, die Karriere bald vorbei. Keinen interessierte damals, wie Leistungen zustande kamen.

Das Ganze ist eine Spirale und Teammanager Bob Stapleton hat es heute schon gesagt, dass nicht nur Team Telekom betroffen ist. Als Festina 1998 aufflog, waren es noch “die anderen”. Wahrscheinlich hätte man aber damals bei jeder Mannschaft was gefunden. Die Schuld würde ich nicht hauptsächlich bei den Fahrern suchen. Es ist das ganze System, wo es um sehr viel Geld und weniger um den Sport geht. Solange sich die Verbände, Dopingagenturen und vorallem die Gesetzgeber nicht einig werden, werden die Sportler immer gezwungen werden, wieder zu manipulieren. Die Sportler haben nur eine Wahl: Bescheissen oder aufhören zu fahren.

Vor Rolf Aldag und Erik Zabel habe ich hohen Respekt. Sie haben den Weg in die Öffentlichkeit getan und das war sicherlich nicht einfach. Andere lügen seit Monaten und bestreiten noch immer alles.

Bei allem Doping muß einem aber eines immer bewußt sein: Wenn es alle tun – und davon gehe ich aus – sind trotzdem wieder die Besten vorne.