Das gab es nicht einmal in Wackersdorf

Überforderter Polizist mit Pistole
(c) Rafael Wehrspann

Ich kann mich noch gut an die Krawalle zu Pfingsten 1986 erinnern, als am Bauzaun in Wackersdorf eine völlig unzureichend vorbereitete und unprofessionell arbeitende Polizei auf ein paar gewaltbereite Chaoten und zehntausende friedliche Demonstanten traf. Als die Situation den knapp 1000 Polizisten damals ausser Kontrolle geriet ging die Staatsmacht dann mit Gummiknüppeln vor und schoss ziellos Reizgasgranaten in die Menge. Aber selbst damals ist keinem Polizisten das passiert, was sich ein offenbar überforderter junger Polizist bei einer Demo vom Anti-Atom-Treck geleistet hat. Er zog seine Dienstwaffe und richtete sie gegen unbewaffnete Demonstranten.

Ein Demonstrant wird festgenommen. Auf meine Nachfrage, warum, erklärt der Sicherheitschef: Er habe Verkehrshütchen umgestoßen. Ein schweres Vergehen angesichts der Atommüllgefahr, der wir hier gegenüberstehen. Es kommt zum Handgemenge. Ein Landwirt weigert sich, seine Personalien anzugeben und wird vom Traktor gezogen. Demonstranten helfen ihm. Ein Polizist zieht seine Dienstwaffe und richtet sie auf Menschen! Ein Kamerateam vom mdr-Fernsehen filmt.

Der wohl gleiche Polizist auf einem anderen Foto beim pfeffersprayen und dazu ein Kollege, der sich scheinbar gerade tierisch über einen Volltreffer freut.

5 Gedanken zu „Das gab es nicht einmal in Wackersdorf“

  1. Na, da freuen wir uns doch jetzt schon auf den Einsatz der Bundeswehr im Innern, den Schäuble ja unbedingt in der nächsten Legislaturperiode ermöglichen will. Mit einem G36 lässt sich schließlich noch viel besser einschüchtern.

  2. Unsere großen Vorbilder USA machen uns genau das vor. Wir müssen eigentlich mehr Kindergärten bauen und Schulen fördern, aber die Bundeswehr auf unseren Straßen ist natürlich auch sehr wichtig.
    Vor allem in der heutigen Zeit wo man nur noch mit Kontrolle Herr der Lage werden kann ist es unumgänglich eine vernünftige Armee im Inneren des Landes bereit stehen zu haben.
    Alles ergibt so langsam einen Sinn und nun verstehe ich auch das große und ganze.
    All die Arbeitslosen können kein Zufall sein.

    Siehe Karl Marx die Hilfsarmee / “Kapitalismus par excellence”

  3. Ich bin viel mehr darüber erstaunt, dass die Polizisten so selten ihre Dienstwaffe ziehen. Oft werden die Beamten von Randalierern mit Steinen und Brandsätzen beworfen, und damit in Lebensgefahr gebracht. Und in den meisten Fällen reagieren die Polizisten sehr besonnen. Unsere Polizei leistet im allgemeinen gute Arbeit, trotz Personal- und Austattungsmangel. Natürlich gibt es wie in jeder Firma auch bei der Polizei gute und weniger gute Mitarbeiter. Dass der Beamte auf dem Foto seine Dienstwaffe aus reiner Überforderung gezogen hat, sieht man allerdings schon an der Körperhaltung.

    Nein, ich bin kein Polizist.

  4. Das ist wirklich unglaublich schwierig aus diesem Bild auch nur irgendetwas abzuleiten. Der enge Beschnitt scheint die Aussage zwar zu unterstreichen, er habe die Waffe gegen unbewaffnete Demonstranten erhoben, aber mit Bildern ist das wie mit der Atomkraft – you can use it for good and for evil.

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