Die Angst vor der Kampfabstimmung

Es ist schon eigenartig. Eine Woche ist es her, seit die Herren Beckstein und Huber mit ihrem Noch-CSU-Chef in Wildbad Kreuth gemauschelt haben. So schön hatte man es sich ausgedacht. Der Stoiber geht aufs Altenteil und Beckstein teilt sich mit Huber den Kuchen. Den Seehofer, den setzt man mal schnell vor vollendete Tatsachen und gibt noch schnell der Bild-Zeitung … angeschlagen ist er ja jetzt sowieso. Von dem Skandal mit der Geliebten und dem Kind erholt der sich schon nicht so schnell. Ist doch wurscht, ob es stimmt oder nicht. Den Theo haben sie ja damals auch die Augenbrauen rasiert und mitsamt seiner Irene aufs Abstellgleis gestellt. Pustekuchen – der Seehofer, der macht jetzt auf stur und jetzt nach ein paar Tagen möchte der noch immer Parteichef werden! Herrgott, so geht es doch nicht! Mist nur, dass alle ausgemacht haben, dass sie schön lieb zueinander sind. Weil, die Partei, die hat ja schon genug gelitten. Wenn es noch zu lange dauert mit dem Streiten, kann es sich der CSU-Wähler am Ende noch bis zur Landtagswahl merken. Vielleicht fängt er dann am Ende noch an nachzudenken, was er da überhaupt tut. Und das will ja nun wirklich keiner.

Ich frage mich die letzten Tage schon, was für eine demokratische Partei so schlimm wäre, wenn es zwei Kandidaten geben würde. Was sollen das für Wahlen sein, wo immer nur ein Kandidat von den Deligierten abzunicken ist. Ist das nicht die Grundidee der Demokratie? Hallo? Dem Stoiber wurde immer vorgeworfen, er herrsche zu autoritär und keiner dürfe einen Piep machen. Zu abgehoben von der Basis sei er gewesen, habe nicht mehr mitbekommen, was andere meinen. Jetzt soll es also genauso weitergehen? Die CSU kriegt einfach einen Ministerpräsidenten und einen Parteichef vorgesetzt? Na Mahlzeit, ich seh da keinen Unterschied zu vorher. Angeblich hat der Huber mehr Rückhalt in der Fraktion und würde wohl gewählt werden. Der Seehofer ist aber der Liebling der Bevölkerung. Da liegt der Hase Franke Kanarienvogel Hund begraben. Steigen nämlich die Medien auf den Seehofer ein und pushen den, könnten auch die Abgeordneten unter Druck geraten und dann, ja dann wird es knapp für den Erwin.

Die Süddeutsche spekuliert inzwischen in eine ganz andere Richtung:

Inzwischen wird in der CSU angeblich eine spektakuläre politische Teil-Auferstehung Stoibers nicht mehr ausgeschlossen. Stoiber könne doch nur als Ministerpräsident abtreten, als Parteichef aber noch ein Weilchen bleiben.

Naja. Welchen Hinterbänkler haben sie da denn gefragt?

5 Gedanken zu „Die Angst vor der Kampfabstimmung“

  1. Ich hab so langsam das Gefühl, dass man vergessen hat, was eigentlich demokratische Wahl heißt. Man hat die freie Wahl zwischen mehreren Möglichkeiten. Und was anderes will doch Seehofer gar nicht. Aber so wie sich jetzt alle aufregen… wie kann er nur…scheint die Allgemeinheit das als ganz normal anzusehen, dass nur ein Kandidat von einem elitären Kreis bestimmt wird und der wird dann gewählt. Das is doch ein Witz. Gestern abend hab´ ich die letzte halbe Stunde von dem Interview „Was nun, Herr Seehofer?“ im ZDF gesehen. War gut. Seehofer hat da einiges Wahres gesagt.

    Wenn eine „Auferstehung“ Stoibers kommt, dann wär das noch der krönende Abschluss dieses ganzen Theaters.

  2. Das Problem an Kampfabstimmungen ist, dass sie einem Demokratie vorgaukeln, wo keine Demokratie ist. Das ist im kleinen Verein genauso wie im großen. Wie der CSU. Und dass jahrzehntelanges Regieren ohne nennenswerte Opposition nicht gerade das Demokratieverständnis stärkt, ist ja auch ziemlich klar. Sieht man ja am (noch) König…

  3. Also wie dem Seehofer von Seiten seiner „Parteifreunde“ mal wieder mitgespielt wird ist kurz und knapp unter aller Sau. Dabei kann ich mich nicht erinnern, dass dieser Mann jemals eine „Personalpolitik“ auf diesem Niveau betrieben haette. Ich hoffe nur, er laesst sich von seiner Kandidatur nicht abbringen und es gibt auf dem Parteitag eine Kampfabstimmung unter mehr als einen herausgedeuteten Kandidaten, wie dies in der CSU auf hoechstem Niveau seit den Zeiten von FJS leider so ueblich ist. Ein bischen mehr Mitgliedernaehe (ueber die Buergernaehe dieser Partei fuer den ganzen Rest Andersdenkender schweigen wir uns lieber aus) braechte nicht nur frische Luft in den etwas verstaubten Kreis alternder Herren, sondern wuerde wahrscheinlich auch den hoechst wuenschenswerten Nebeneffekt haben, dass auch in dieser Partei mehr eigensinnige Koepfe (wie eben Seehofer) sich zu Wort melden und die politische Debatte beleben wuerden, die beim Waehler meist nur als Streit in Personalentscheidungen ankommt. Fuer mich ist jedenfalls klar, dass der allgemeinen Parteienverdrossenheit nur durch inhaltliche Debatte, mehr Buergernaehe und mehr Aufrichtigkeit von Politikern entgegengewirkt werden kann. Zu letzt noch eine Bemerkung zu seinem Privatleben: Ein jeder hat ein Recht darauf, sein Privatleben so zu gestalten, wie er es moechte. Dies gilt uneingeschraenkt auch fuer Politiker, unabhaengig davon, welcher Partei sie auch angehoeren. Und in diesem Punkt sind Politiker nicht besser und auch nicht schlechter als der Durchschnittsbuerger und muessen es in Bezug auf Privates auch gar nicht sein.

Kommentare sind geschlossen.