Die Sprache der Oberpfalz

Wörterböijchl Oberpfälzisch - DeutschEin paar haben ja schon gemeint, die Oberpfalz ist irgendwo in Rheinland-Pfalz. Die Oberpfalz ist in Wirklichkeit aber ein Regierungsbezirk in Bayern, wo man schön Urlaub machen kann und es noch eine hohe Dichte an kleinen Privatbrauereien gibt. Wir haben einen Dialekt, der sich ein wenig vom gängigen Bayerisch abhebt. Damit meine ich aber nicht das Gestottere unseres Noch-Landesfürsten.

Weil unser Dialekt so besonders ist, hat der Verlag Stangl & Taubald ein Wörterbuch (Wörterböijchl) auf den Markt gebracht, das manchen Ausdruck ins Hochdeutsche übersetzt. Das Buch „Wörterböijchl Oberpfälzisch – Deutsch“ gibt es im oberpfälzer Buchhandel, direkt im Onlineshop des Verlages „Stangl & Taubald“.

Wissen Sie, was ein Höidlbrummer oder eine Rotzgloggn ist? Fühlen Sie sich beleidigt, wenn man zu Ihnen Muhaagl oder Winslguggan sagt? Jetzt hat das Raten ein Ende: in diesem ersten Wörterbuch der oberpfälzer Sprache werden rund 1400 Stichwörter übersetzt, die sowohl dem Touristen als auch dem Einheimischen das Überleben in einer der schönsten Regionen Deutschlands sichern!

Wikipedia erklärt die Sprachunterschiede ganz genau und ein wenig erschreckend ist es selbst für mich, dass wir ein wenig mit den Franken verwandt sein sollen. Gell Andi, bist hald doch fast ein Oberpfälzer!

Nordbairisch wird im größten Teil der Oberpfalz und im östlichen Oberfranken gesprochen, wobei in Regensburg (Stadt und Land) und in Teilen der Landkreise Regen (Niederbayern), Cham (Oberpfalz) und Kelheim (Niederbayern) Mischformen aus Nord-und Mittelbairisch verbreitet sind.

Das Nordbairische ist eine sehr urtümliche Variante des Bairischen, die noch viele Archaismen bewahrt, die anderswo längst ausgestorben sind. Es hat viele lautliche Eigenheiten und wird in anderen Gegenden Bayerns und Österreichs nur schlecht verstanden.

Schriftdeutsch a wird wie im Nordbairischen vollständig verdunkelt und klingt wie ein offenes o (z.B. bald = bold). Mittel- und Südbairisch oa erscheinen im Nordbairischen oft als oi (so klingt a kloana Stoa in der Oberpfalz wie a kloina Stoi).

Das Nordbairische / Oberpfälzische zeichnet sich besonders durch die „gestürzten Diphthonge“ aus; Dem standarddeutschen Bruder entspricht hier beispielsweise Broúda anstatt Bruáda wie im Bairischen südlich der Donau. Die Frühe, also der „frühe Morgen“, wird zur Fräih (mittelbair. Fruah oder Friah). Außerdem tritt hier das Personalpronomen dess/déés bzw. diá / diaz für die 2. Person Plural auf.

Verben mit Doppelvokalen wie au oder ei enden im Oberpfälzischen konsequent auf -a (schauen = schaua / freuen = (g)freia) .

L im Wortinneren wird anders als im Mittelbairischen (und genauso wie im benachbarten Fränkischen) nicht vokalisiert, sondern bleibt als Konsonant erhalten (z.B. Wald entspricht oberpfälzisch Wold, demgegenüber mittelbairisch Woid; spielen = spüln / spöln gegenüber mittelbairisch spuin / spüün).

Verkleinerungs- und Koseformen enden in der Mehrzahl meist auf -la („Moidla“ = (die) Mädchen)

Die Mundart im östlichen Mittelfranken (einschließlich Nürnberg) zeigt starken nordbairischen Einschlag und markiert damit ein bairisch-fränkisches Übergangsgebiet (so sagt man auch im benachbarten Nürnberger Land „es dout mi raia“, was so viel heißt wie „es reut mich“).

Das im südlichen Burgenland gesprochene Heanzische („Heinzisch“) geht auf das Oberpfälzische zurück, da die Region von Siedlern aus dem Fichtelgebirge und der nördlichen Oberpfalz bevölkert wurde. Dies ist noch heute am Wortschatz und lautlichen Übereinstimmungen leicht auszumachen. Die Süd- und Oststeirer sprechen den gleichen Dialekt, bezeichnen ihre Mundart aber lieber als „steirisch“. Sie rückten im Laufe der Zeit vom Eigennamen „Heanzen“ ab.

Das „Waidlerische“, wie man die Mundart des Bayerischen Waldes nennt, vereinigt nord- und donaubairische Merkmale, wobei das nordbairische Element überwiegt.

7 Gedanken zu „Die Sprache der Oberpfalz“

  1. Für mich als nach Oberfranken eingewanderten Ost-Hessen klingt das sowieso alles gleich. *g*

    Meine wichtigste Regel ist: Man darf niemals einen Franken als Bayern bezeichnen. Damit kann man sich arg in die Nesseln setzen.

  2. Ich habe es immer als kleinen Vorteil empfunden, Hochdeutsch zu sprechen, auch wenn das jetzt nach über 20 Jahren schon ein wenig die hiesige Färbung angenommen hat. Allerdings halten mich die Eingeborenen hier, die Dialektschwätzer, für arrogant, weil „isch noch der Schrift schwätze duh“.
    Komme ich aber in meine hochdeutsche Heimat, fällt allen meinen früheren Bekannten sofort auf, daß ich jetzt „bayrisch“ rede, obwohl der badisch-kurpfälzische Dialekt mit dem Bayerischen gar nix zu tun hat.

  3. Ich hab immer gedacht, dass ich hochdeutsch rede. Bis mir hier unten ein „leichter hessischer Dialekt“ attestiert wurde. *g*

    Seit ich hier wohne und mit Leuten aus der ganzen Republik zusammenarbeite, interessiere ich mich auch erst dafür. Durch die Beschäftigung mit Dialekten, Sprachgrenzen usw. bekommt man ein ganz anderes Bild auf die Republik.

  4. „Gell Andi, bist hald doch fast ein Oberpfälzer!“

    Hab ich Dir igendwas getan, dass Du mich dauernd beleidigen mußt? 🙂

    Ich hab schon mal gesagt, dass es die gestürzten Diphthonge sind, die uns unterscheiden! Die bei uns Franken sehr auffällige Konsonantenschwächung is dagegen weniger charakteristisch, denn diese wird eigentlich als „binnendeutsch“ bezeichnet!
    Wichtig vorallem beim Franken aus der Gegend um Nürnberg ist das L! Das wird hier nämlich interdental gesprochen!

    Prof. Dr. Franconia, Universität Riggaschdorrf (bei Laff)

  5. Für mich als Amberger klingen diese aufgezählten Begriffe mehr fränkisch oder nördlichst-oberpfälzisch als „heimatlich“.

    Ausserdem ist in dem Wikipedia-Artikel nicht die Rede davon, dass wir mit den Franken verwandt sind, sondern vielmehr heisst es:
    „Die Mundart im östlichen Mittelfranken (einschließlich Nürnberg) zeigt starken nordbairischen Einschlag und markiert damit ein bairisch-fränkisches Übergangsgebiet“

    Dort haben sich nämlich einst bairische Siedler aus dem Bistum Regensburg niedergelassen.

    Habe die Ehre

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