Ein Kochbuch, ein Rinderbraten und eine Abmahnung

Marion bietet auf Ihrer Webseite kostenlose Kochrezepte die man ausdrucken kann. Diese Rezepte sind alle mit Fotos illustriert, die teilweise recht gut sind. Die Seite finanziert sich offensichtlich mit Googlewerbung und erscheint für den Besucher als Hobby einer Hausfrau mit viel Zeit. Die Seite gibt einen den Eindruck (zumindest mir), hier würden Rezepte getauscht, wie es alle Hausfrauen bei jedem Kaffeekränzchen machen. Leider ist dem nicht so. Der Mann von Marion ist Folkert Knieper. Der ist Fotograf und hat all die gekochten Speisen und das viele Gemüse fotografiert. Jeder Fotograf möchte nicht, dass seine Fotos ungefragt verwendet werden. Das möchte auch Herr Knieper nicht. Kann man verstehen.

Marius von Maingold hatte in einem Betrag satirische Gemischte Doppel erstellt. Unter anderem hatte er folgende Paarung:

Rinderbraten - Printer raten

Da wo sich der Rinderbraten befand, war ein Foto von Herrn Knieper. Ihr wisst, was jetzt kommt? Richtig: Marius wurde abgemahnt. Und zwar mit einem Streitwert von 6000,- Euro. Leider habe ich das Foto von dem Rinderbraten nicht gesehen, aber 6000,- Euro für ein Foto von einem Stück Fleisch in der Größe ist in meinen Augen ein wenig arg abgehoben. Solche Fotos gibt es in Communities auch in Profiqualität kostenlos, in der Auflöung, in der es Marius verwendet hat gleich dutzendfach. Wenn man sich die ganze Geschichte durchliest und selbst ein wenig googelt, findet man schnell viele ähnliche Fälle und man könnte schnell annehmen, da steckt System dahinter. Da geht es wohl nicht mehr um das Recht am Foto, sondern um die schnelle Mark den schnellen Euro. Andernfalls hätte es eine Mail getan und das Problem wäre aus der Welt geschafft. Da schreibt Herr Knieper auf seiner Seite aber:

Eine Veröffentlichung ohne schriftliche Genehmigung und Quellenangabe wird von uns nicht toleriert. Wir haben bisher immer versucht, eine Einigung mit den betroffenen Webmastern zu erzielen, sind aber leider in fast allen Fällen gescheitert. Daher haben wir uns dazu entschieden, die Fälle unserem Rechtsanwalt zu übergeben.

Ob er wirklich jemand angeschrieben hat, nach ich nicht nachprüfen, Marius zählt wohl zu denjenigen, die gleich abgemahnt wurden. Er hat sich auf die Abmahnung nicht eingelassen und wird jetzt vor Gericht ziehen. Mal sehen was dabei rauskommt. Seine ganze Geschichte hier zum nachlesen: Abmahnung durch Folkert Knieper von Marions Kochbuch. Andere berichten auch über solche Fälle.

Bleibt nur zu hofffen, dass irgendwann ein Gesetz kommt, dass solche Bagatellen regelt, damit nur noch abgemahnt wird, wo wirklich eine absichtliche Verletzung des Gesetzes besteht oder wo jemand anderes wirklich einen finanziellen Vorteil zieht. Und damit meine ich nicht die 53 Cent, die eine Privatblogger pro Tag mit Adsense verdient. Immer wenn ich etwas über Abmahnungen höre, fällt mir sofort die Definition bei Kamelopedia ein:

Abmahnen ist eine Art Sozialhilfe für weniger begabte Anwälte, denen niemand richtige Fälle geben will. Um den Staat zu entlasten, wurde eine wahnsinnig komplizierte „Rechtsprechung�� etabliert, die die Kosten zufallsgesteuert auf einzelne Individuen verteilt.

Kern dieser Rechtsprechung ist, daß nicht der Mandant den Anwalt, sondern der Anwalt einen Mandanten auswählt. Normalerweise würde das keine Zahlungspflicht begründen, darum wurde zusätzlich das Instrument der „Geschäftsführung ohne Auftrag�� eingeführt.

Das funktioniert dann so, daß der Anwalt sich etwas ausdenkt, was jemand tut, das er aber nicht sollte und gegen das er sich einen Unterlassungsanspruch ausdenkt.

Statt diesen jetzt zu verklagen, schreibt der Abmahnanwalt dem jetzt, daß er ihn nicht verklagt, wenn er verspricht, das nie wieder zu tun und andernfalls viel, viel Geld zu bezahlen.

Nun verknoten wir unser Gehirn noch weiter und überzeugen uns davon, daß es ja für den Abgemahnten gut ist, nicht verklagt zu werden und schwupps, ist er der Mandant des Anwalts und muß diesen bezahlen. Die Höhe der Bezahlung richtet sich nach dem „Streitwert��, den der Anwalt sich vorher ausgedacht hat.

Normalerweise darf der Anwalt diese Form der Sozialhilfe nur in Anspruch nehmen, wenn er „legitimiert�� ist. Daher könnte der Anwalt sich einen Markeninhaber, Gebrauchtwagenhändler oder ein Fernsehgeschäft suchen und in deren Auftrag alle abmahnen, die eine „Marke verletzen��, „PS�� statt „kW�� schreiben oder „Zoll�� statt „cm��.

Er könnte auch die Einnahmen mit seinem Auftraggeber teilen, was aber verboten ist. Vermutlich, weil das des Anwalts Einnahmen schmälern würde.

Weitere Fälle von Abmahnungen durch Folkert Knieper von Marions Kochbuch:

http://www.bundesligaforen.de/board.php?boardid=203
http://www.bundesligaforen.de/thread.php?threadid=9014
http://www.bundesligaforen.de/thread.php?threadid=9006
http://www.finger.zeig.net/2007/01/10/nun-hats-mich-erwischt
http://www.mein-parteibuch.de/2007/01/12/fingerzeig-blog-wegen-broetchenfoto-abgemahnt/
http://www.nerdcore.de/wp/2007/01/13/marions-fotoscript/
http://www.ra-blog.de/2007/01/13/ein-brotchen-fur-6000-euro/
http://www.pcfreunde.de/artikel/detail-18-1/interview-marion-knieper-marions-kochbuch.html
http://www.firstbreeze.com/TI-Privatordner/Blogs/Hausbau/Archive/2006/12/froehliche-weihnachts-abmahnung
http://neinjaerledigtlos.wordpress.com/2007/01/14/abmahnung-gegen-fingerzeig/
http://abmahnung.blogger.de/stories/661809/
http://webthemen.de/16.01.2007.marions-kochbuch-im-abmahnwahn.html
http://grendelsen.net/tao/?p=337
http://www.jensscholz.com/2007/01/bldchenabmahnung.htm
http://eldersign.de/2007/01/13/byebye-marion/
http://zappi.wordpress.com/2007/01/12/ein-konigreich-fur-ein-brotchen/
http://www.woweezowee.de/2007/01/16/rinderbraten/

7 Gedanken zu „Ein Kochbuch, ein Rinderbraten und eine Abmahnung“

  1. Übrigens habe ich für den ersten Link in diesem Beitrag nach langem mal wieder das „nofollow“ Attribut benützen müssen.

  2. Alles gut und schön, soweit auch Zustimmung. Aber:

    Solche Fotos gibt es in Communities auch in Profiqualität kostenlos, in der Auflöung, in der es Marius verwendet hat gleich dutzendfach.

    Warum hat der Abgemahnte sich nicht einfach dort bedient?
    Mittlerweile dürfte es sich doch auch zum dümmsten Blogger der Welt und sogar bis nach Dessau herumgesprochen haben, daß es sowas wie ein Urheberrecht gibt. Und was der Urheber da fotografiert, und sei es nur das Loch im Käse, ist doch seine Sache. Urheberrecht ist Urheberrecht.
    Jede Mühe verdient ihren Lohn. Immerhin hat der Mann die Bilder gemacht und dann steht ihm bei der Verwendung und Nutzung auch eine Entschädigung zu. Prellt man ihn um dieses Honorar, darf man hinterher nicht meckern, wenn man eine Abmahnung bekommt.

    Soll ich mal anfangen abzumahnen? Zunehmend denke ich darüber nach. Sieh mal, ich lebe als Autor und Journalist davon, daß meine Geschichten und Bücher gedruckt und verkauft werden. Als Appetithappen veröffentliche ich hin und wieder einige Geschichten in meinem Blog. Nun werden diese aber schamlos kopiert und noch unter einem fremden Namen weiterverbreitet. Klar, darf man ja, war doch kostenlos im Internet und da ist ja sowieso alles frei…

    Derzeit macht mein Verleger und Agent nichts anderes, als die „Grabräuber“ anzuschreiben und darum zu bitten, den Text korrekt mit einem Copyright-Hinweis zu versehen oder zu löschen. Eine nicht enden wollende Arbeit bei über 4000 Fundstellen…

    Bin ich dann auch ein herzloser Abzocker und ein Internetschwein, wenn ich die Anwälte bitten würde, irgendwann einmal ernsthaft gegen die Leute vorzugehen, die sich mit fremden Federn schmücken?

  3. Wenn ich eine Seite ins Netz stelle, wo über 2000 Rezepte kostenlos zum runterladen sind, provoziere ich, dass jemand die Bilder verwendet. Wenn man lange Zeit zusieht und dann irgendwann anfängt abzumahnen, kommt mir das ein wenig vor wie Fallen stellen. Fotos die 300 Pixel groß sind und für eine private Seite ohne finanziellen Hintergrund verwendet werden und die dann für 6000,- Euro abgemahnt werden – sorry, da kann ich Dir nicht zustimmen, das steht in keinem Verhältnis. Da bin ich persönlich der Meinung, dass da System dahinter steckt. Vordergründig wird mit der ganzen Kochbuchseite der Anschein erweckt, dass da jemand Spaß am Rezepte schreiben hat und diese allen abgeben möchte. Wer liest schon das Kleingedruckte ins Detail? Warum kann man nicht stattdessen auf der Startseite einen Hinweis geben? Oder warum hat er nicht einfach ein Wasserzeichen ins Foto gemacht, wie es andere Fotografen machen?

    Was ist mit den ganzen YouTube Videos auf Deiner Seite? Bist Du sicher, dass da nicht am Anfang irgendeiner steht, dem es stinkt, dass die jemand da reingestellt hat und Du sie auch auf Deiner Seite verbreitest? Oder nimm die „doofe“ Blondine, die grad bei Dir auf der ersten Seite steht. Vielleicht sitzt die Dame gerade zu Hause und traut sich nicht mehr auf die Straße, weil irgendwer das Foto von ihr ins Netz gestellt hat. Was, wenn ihr das nicht passt, dass Du sie als doof bezeichnest? Vielleicht kommt nächste Woche die Abmahnung ins Haus und eine Beleidigungklage dazu?

  4. hallo zusammen,

    Urheberrechte sind einfach einzuhalten, Punkt

    Über die Höhe der Abmahnung läßt sich streiten bzw. diskutieren, was ist eigentlich so schwer daran, zuerst zu Fragen?

    Also lange Rede kurzer Sinn: Wer Foodbilder für seinen Blog benötigt kann sich nicht einfach so bedienen.

    Die Lösung ist eine einfache: Kontaktiert mich unter office@besterezeptesuche.de – da ich mehr als 20.000 Foodbilder in meiner Datenbank habe, wird sich auch für den einen oder anderen blogger etwas finden. Also, einfach anfragen – ich freue mich auf viele Blogger, die bilder von mir verwenden wollen.

    Gruß vom Chefkoch Thomas Sixt

    edit: Werbebacklink für kommerzielle Seite entfernt

  5. schon wo anders gepostet, aber ich denke die kopie lohnt sich:

    ich drücke mich mal ein wenig schwammig aus, weil ich sonst evtl.ein problem bekomme. folgende geschichte trug sich neulich in meiner küche zu (ich bin fotograf (u.a.)) und hatte ein tfp model für ein shooting in meiner küche stehen, ein bekannter war dabei:
    ich: (zum model) sinnvoll ist ein vertrag, damit die mündlichen absprachen auch hinterher nicht zu missverstanden werden und es probleme gibt.
    sie: quatsch wir kennen uns doch, das gibt kein problem…
    ich: besser ist…
    UND NUN KOMMT ES:
    er: (bekannter des models) mach mal lieber vertrag, mein onkel (!) hat auch ne seite und der hat dauernd probleme…
    ich: was mach er denn?
    er: so was mit kochen…
    ich: äh, rezepte? (eingebung)
    er: verwirrt: ja
    ich: ist er mit ner marion verheiratet?
    er: ja wieso?
    ich: die seite kenne ich, hast du da was mit zu tun?
    er: ja manschmal helfe ich ihm zu recherchieren und da gibt es welche die haben ihm schon das auto zerkratzt (naiv.modus an)
    ich an alle: die veranstaltung ist hier beendet, wenn du (model) noch bilder von dir magst kommst du ohne ihn, (zu ihm, trocken und kurz) verschwinde!

    fazit: sie ist noch mein model, er nicht mehr ihr bekannter (nachgespräch) und die feststellung das die welt einfach zu klein ist…

    wer jetzt ungläubig liest darf gern mal meinen denic eintrag (see2feel.de) mit dem von dem kochbuch vergleichen… 5 min mitm auto….

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