Eine Mörderin wie alle anderen auch

So steht es bei Spon. Einige regen sich jetzt auf, weil die RAF-Terroristin Brigitte Monhaupt nun freikommen soll. Viele verstehen die Welt nicht, warum man bei 5x lebenslänglich trotzdem nach 24 Jahren freikommen kann. Sie rätseln an ihren Mathefähigkeiten oder wie lange ein Mensch normalerweise lebt. Unser Rechtssystem ist aber so und es ist gut, dass es auch in diesem Fall auch angewendet wird. Heute war nur zu entscheiden, ob sie noch eine Gefahr darstellt oder nicht. Der Punkt der Reue war nicht das Thema. Das wurde vor 24 Jahren verhandelt. Hätte sie sich damals anders verhalten, wäre sie vielleicht schon nach 15 Jahren frei gekommen. Sie hatte ihren Dickschädel und so war sie eben ein paar Jahre länger hinter Gittern.

Wer diesen Fall als besonders schwer einstuft, den möchte ich ein paar andere Beispiele nennen, wo Schwer- und Schwerstverbrecher doch recht schnell wieder in Freiheit und teilweise auch in hohe Ämter oder bedeutende Positionen kamen:

Friedrich Flick (Urteil: 7 Jahre – frei nach 3 Jahren)
Erhard Milch (Urteil: lebenslang – frei nach 7 Jahren)
Fritz Fischer (Urteil: lebenslang – frei nach 7 Jahren)
Franz Schlegelberger (Urteil: lebenslang – frei nach 5 Jahren). Noch heute erscheint “Das Recht der Gegenwart” unter dem Namen Franz Schlegelberger (ISBN 3800628597)

Ob die Monhaupt heute bereut, können wir nicht beurteilen. Das kann auch die Presse nicht, die eine öffentliche Entschuldigung bei den Angehörigen fordert. Denen (der Presse) wäre wahrscheinlich eine Entschuldigung vor laufender Kamera am liebsten. Bringen darf es dann der Sender, der am meisten dafür zahlt.

Bereuen kann man auch ohne öffentlichkeitswirksamen Auftritt. Wer hat nicht schon irgendwann mal etwas verbockt und dann wochen- oder monatelang Gewissensbisse gehabt? Welche Option für die Zukunft hat eine Brigitte Monhaupt wenn sie dann frei ist? Jeder zeigt mit dem Finger auf sie, keiner will sie in der Nähe haben, jeder wird sie ausgrenzen. Glaubt Ihr, ihr Leben wird in Freiheit viel besser sein? Ja, vielleicht sitzt sie irgendwann bei Kerner oder Jauch in der Sendung. Nun möchte ich aber wissen, wer es von Euch nicht tun würde, wenn er nach 24 Jahren ohne Kohle und Zukunftsperspektive aus dem Knast kommt. Es werden genug sehen wollen, was sie zu sagen hat und vielleicht, ja vielleicht, kriegt Ihr dann Euere Entschuldigung.

Nachtrag: Bevor ich jetzt als Freund der RAF abgestempelt werde, möchte ich nur erwähnen, dass ich mich an die Zeit damals kaum erinnern kann und mir Frau Monhaupt eigentlich auch relativ egal ist. Worum es mir geht, ist die Gleichheit vor dem Gesetz.

4 Gedanken zu „Eine Mörderin wie alle anderen auch“

  1. ich habe diese zeit damals noch sehr gut in erinnerung, vor allen dingen, weil schleyer quasi bei uns vor der haustür gefunden wurde.
    ich denke aber auch, das ein bestehendes rechtssystem keine unterschiede machen darf. ich glaube auch nicht, dass von einer nun schon etwas in die jahre gekommenen frau noch eine grosse gefahr ausgeht.
    und jetzt beginnt der grosse run der journalisten um die ersten bilder und interviews. die haben nämlich keine skrupel, dies alles noch einmal aufleben zu lassen…

  2. Ich muß mich der Argumentation vom ehemaligen Innenminister Baum anschließen: Die RAF reklamierte für sich, daß sie sich im Krieg befände, der Staat nahm das jedoch nie an und behandelte alle RAF-Terroristen wie “gewöhnliche” Verbrecher. Das bedeutet auch, daß diese die gleichen Rechte haben, inkl. vorzeitige Haftentlassung gemäß der Spielregel unseres Rechtsstaates…

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