Ende des kirchlichen Schmusekurses

Als Joseph Ratzinger zum neuen Staatsratsvorsitzenden Oberhirten der katholischen Kirche gewählt wurde, hatten viele die Hoffnung, dass der erzkonservative Hardliner mit dem neuen Amt ein wenig milder werden würde. Zuerst sah es auch danach aus und bei seinem Besuch in Bayern jubelte das Volk Papst Benedikt zu. Schön langsam müssen wir uns aber bewusst werden, dass unser Bayernratze doch nicht aus seiner Haut kann.

In Ratzingers ehemaligen Heimatstadtdiözese Regensburg regiert Bischof Gerhard Ludwig Müller mit eiserner Hand. Dieser hat gegen zahlreiche kritische Elemente in seinem Bezirk schon disziplinarische Massnahmen eingeleitet. Pfarrer Hans Trimpl oder Andreas Schlagenhaufer können da ein Liedchen dazu singen. Als ihm die demokratisch gewählten Laienverbände zu aufmüpfig wurden, hat Müller diesen kurzerhand abgeschafft und persönlich neu besetzt. Die Pfarrgemeinderäte hat er neu geordnet und beschlossen, dass der Pfarrer grundsätzlich der Vorsitzender ist. Die Regensburger Regionalzeitung (Mittelbayerische Zeitung) konnte Müller jedoch nicht in den Griff bekommen und strafte sie daher für ihre kritischen Berichte mit einem Entzug des Weihnachtsgrußes ab. Der Weihnachtsgruß des jeweiligen Bischofs hat seit Jahrzehnten Tradition.

Den ehemalige Dekanatsratsvorsitzenden Dr. Johannes Grabmeier hatte gegen einige dieser Missstände vor dem höchsten Gericht der römischen Kurie Beschwerde eingereicht. Diese Beschwerde ließ Benedikt nun verwerfen, weil sie „offensichtlich jeglicher Grundlage entbehrt“. Ob Benedikt nun aus diesem Grund ein Denkmal vor dem Regensburger Dom erhalten soll, kann jeder für sich spekulieren.

Gestern hat der Papst nun einen apostolischen Brief veröffentlicht und alle Schritte hin zu einer Modernisierung der Kirche zunichte gemacht. Ganz klar erteilt er Hoffnungen auf eine Abschaffung des Zölibats, Frauenpriesterinnen oder einer gemeinsamer Eucharistie von Katholiken und Protestanten eine Absage. Zusätzlich hat er noch eine Überraschung parat und kündigt eine Wiedereinführung der Messe in lateinischer Sprache an:

,,Es ist gut, wenn außer den Lesungen, der Predigt und den Fürbitten der Gläubigen die Feier in lateinischer Sprache gehalten wird

Damit wird er noch den letzten denkenden Christ aus dem Sonntagsgottedienst vergraulen und der Rest wird dann erst recht einschlafen oder vom anschließenden Frühschoppen träumen. Ob das Einparteiensystem Katholische Kirche mit solchen Aktionen eine Zukunft in Deutschland haben wird, bezweifle ich stark und bin der Meinung, dass das böse Erwachen spätestens kommen wird, wenn Benedikts Nachfolger das Amt antritt und der Hype um den deutschen Papst dann beendet sein wird.

4 Gedanken zu „Ende des kirchlichen Schmusekurses“

  1. Ich hab so das Gefühl, dass nach dem Mega-Event Papstbesuch in Bayern und der allg. übertriebenen Euphorie „Wir sind Papst“ bei den meisten der Blick für die Wirklichkeit vernebelt ist. Keiner sieht, wie die kath. Kirche immer mehr zu ihren alten antiquierten Ritualen zurückkehrt und klammheimlich eines nach dem anderen wieder eingeführt wird. Hätt mich sowieso gewundert, wenn es unter Papst Benedikt anders abgelaufen wäre, nachdem er ja als Hardliner bekannt ist. Er ist nicht der kuschelige Plüschpapst zu dem ihn die Medien und die Werbemaschinerie letztes Jahr gemacht haben. Wie gesagt, das böse Erwachen wird noch kommen!

  2. Wie soll denn die katholische Kirche wirklich moderner oder aufgeschlossener werden. Da verliert sie ja ihre ganze Grundlage. Und dieses „Wir sind..“ find ich scheußlich, egal ob nun Papst, Fussball, Deutschland oder – tja was kommt als nächstes? Und warum sind wir’s immer gleich alle? So über einen Kamm meine ich, also ich will nicht!!!

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