Erfroren im Sommer

Gestern waren wir zum Tauchen am Blindsee, der sich in unmittelbarer Nähe zur Zugspitze auf 1093 Meter befindet. Es hat geregnet wie aus Kübeln und bei 13 Grad Lufttemperatur ist man echt froh, wenn man ins 19 Grad “warme” Wasser kommt. Auch wenn meine Neoprenanzug 6,5 mm dick ist, friert man nach 45 Minuten trotzdem gewaltig und zwischen den beiden Tauchgängen wärmt bei dem schlechten Wetter nicht mehr richtig auf. Beim zweiten Tauchgang wurde es dann daher richtig frisch.

Warum schreibe ich das alles? Am Abend habe ich im Radio gehört, dass beim Zugspitzlauf reihenweise die Läufer umgekippt sind und sogar zwei Athleten erfroren sind. Ich mein, ich lauf ja auch nicht erst seit gestern und da frag ich mich dann schon, wie man so dämlich sein kann, sich bei strömenden Regen in kurzen Klamotten an den Start zu stellen. Jeder, der schon mal in den Bergen war, weiß daß es oben normalerweise gehörig kälter ist als unten. Wenn es also unten schon “Schnürlregen” hat, dann muss ich doch damit rechnen, daß es oben Schnee haben kann. Für die Topathleten ist das auch noch kein Problem, denn die laufen die Strecke durch und bleiben warm. Die vielen Hobbysportler gehen aber bei guten Bedingungen schon an ihre Grenze, sind vier oder mehr Stunden unterwegs und kriegen vielleicht noch einen Hungerast. Dann ist plötzlich der Akku leer und man friert aus.

Die Berglaufszene ist wie die der Ultralangläufer eine eingeschwore Gemeinschaft. Viele Läufer sind ständig bei solchen Events unterwegs und der Zugspitzlauf ist bei weitem nicht der härteste Lauf, den es in den Alpen gibt. Warum muss ich da an den Start gehen, wenn ich mich nicht perfekt darauf vorbereitet und vorher informiert habe? Ich wundere mich bei den Straßenmarathons schon immer, was da so unterwegs ist. Mit 30 Kilo Übergewicht schleppen sich da teilweise die Leute um die Strecke und regelmäßig kippen die dann um, wenn es zu heiß wird und der Körper nach fünf oder sechs Stunden dehydriert ist. Herausforderung schön und gut. Aber wenn dann bitte vorher ein paar Gedanken machen.

Im letzten Jahr wurde übrigens die Strecke kurzfristig gekürzt, weil das Wetter auch zu schlecht war. Es kamen zahlreiche Proteste und Beschwerden von Athleten, die sich geprellt fühlten. Und allen, die jetzt dem Veranstalter die Schuld geben wollen, sage ich nur, daß jeder Athlet selbst für sich verantwortlich ist.

4 Gedanken zu „Erfroren im Sommer“

  1. Jawoll, unanhängig von dir habe ich mich sehr ähnlich geäußert. Wer hinterher alles Bescheid weiß. Einmal richtig ausgerüstet ins Gebirge kann man jede Menge Touris sehen, die glauben, ihnen passiere nichts mit ihren Schühchen. Und gut trainiert dürften viele auch nicht gewesen sein.

Kommentare sind geschlossen.