Fachkräftemangel

Lange genug hat es gedauert, dass die Diskussion wieder losgetreten wird. Seitdem es mit der deutschen Wirtschaft wieder nach oben geht, warte ich eigentlich schon darauf. Jetzt wo das Sommerloch schon fast vorbei ist, kommt also eine Studie raus, nach der es den deutschen Firmen allein im Jahr 2007 rund 20 Milliarden Euro kostet, dass sie zu wenig qualifiziertes Personal hat.

Dass dieser Zustand so ist, kann niemanden wundern. Die Schuldigen finden sich überall: Bei den Arbeitnehmern, die sich in Deutschland zu wenig fortbilden wollen. Bei der Wirtschaft, die sich Jahr für Jahr zu Tode jammert und es Jahr für Jahr wieder schafft, den Politikern einen faulen Ausbildungspakt unterzuschieben. Vehement wehrt man sich dagegen, ordentlich auszubilden. Schließlich kostet das Geld und seit die Hedgefonds heuschreckengleich in die deutschen Firmen eingefallen sind, zählen nur noch kurzfristige Ziele. Das Wort Ausbildung verspricht eben nur langfristige Rendite und die interessiert heutzutage nicht mehr. Und letztendlich zeigt sich jetzt auch der desolate Zustand der deutschen Bildungspolitik. Die Dauer der schulischen Ausbildung soll immer weiter reduziert werden und so wird nur noch weiter ausgesiebt. Gerade in Bayern, wo man lieber mit einem ausgeglichenen Haushalt prahlt, herrscht ein Lehrermangel, der nicht mehr vertretbar ist. Dafür spart man dann einfach das letzte Jahr am Gymnasium weg oder führt Studiengebühren ein, damit es sich nicht mehr jeder leisten kann, auf die Uni zu gehen. Aber Hauptsache, wir kriegen den Trasrapid, sind in 10 Minuten am äh Flughafen und behaupten unsere technische Vormachtstellung in äh Europa.

Die Gründe sind also vielfältig und was kann da helfen? Klar, man holt ausländische Fachkräfte ins Land. Nun frage ich mich nur, wer da kommen soll. Unsere eigenen guten Akademiker – allen voran die Ärzte – wanderen ins Ausland ab, weil sie in Deutschland zu wenig verdienen. Kann also nur jemand zu uns wollen, der aus einem „armen“ Land kommt und der sich in Deutschland eine wirtschaftliche Verbesserung versprechen kann. Diese Menschen sehen dann meist zwangsläufig fremdländisch aus und brauchen am besten auch gleich die Wohnung am Arbeitsplatz. Weil wenn die sich nämlich zu sehr auf die Straße trauen und sich integrieren wollen, jagt sie der rechte Pöbel, wie es gerade in Mügeln der Fall war. Halt nein, Herr Milbradt bezweifelt ja noch, dass es sich um rechte Gewalt handelte. Vielleicht meint er ja, dass es einfach nur das Hobby der Sachsen ist, Inder zu verkloppen. Schwierige Sache das alles.

Ein Gedanke zu „Fachkräftemangel“

  1. Das Problem wird nur sein, dass sich die ausländischen Fachkräfte mittlerweile schon kaum für Deutschland interessieren. Ingenieure verdienen hierzulande weniger bei 30% höheren Lebenshaltungskosten als z.B. in den USA oder Australien. Fachkräftehunger ist kein deutsches Phänonem.
    Ich finde allerdings den Salto spannend, den z.B. die DIHT-Mopels vollführen, wenn sie am Vortag noch die neue Vergleichbarkeit der Universitäten und die Verbesserung „durch Studiengebühren“ lobten und jetzt über Fachkräftemangel klagen.

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