Frühsommerliches Kasperltheater

Noch rund ein Jahr ist es hin, bis der Bundespräsident neu gewählt werden muss. Nun hat der Präsident in Deutschland, im Gegensatz zu anderen Ländern, eigentlich rein gar nichts zu melden. Auf dem Papier ist er zwar das Staatsoberhaupt unseres Landes, in Wirklichkeit darf aber nur gelegentlich mal ein wenig den Zeigefinger heben, wenn er das Wort zum Sonntag Ansprachen zum neuen Jahr oder zu diversen Feiertagen hält. Verweigert er nämlich wirklich mal die Unterschrift unter einem verabschiedeten Gesetz, sind die Vertreter in Bundestag und Bundesrat gleich eingeschnappt und reden von Machtmissbrauch. Das alles mag dazu beitragen, dass sich bisher nur dann renomierte Politiker wählen ließen, wenn sie das Amt quasi als Altenteil bekamen. Zweimal wurden auch schon ehemalige NSDAP-Mitglieder in das höchste deutsche Staatsamt gewählt. In letzter Zeit werden aber von den Parteien auch gerne politische Nobodys ins Gespräch gebracht, die kaum einer kennt. Roman Herzog war so einer, Horst Köhler erst recht.

Gesine Schwan (bitte nicht verwechseln mit Annette Schavan) dürfte ebenfalls den allerwenigsten ein Begriff sein. Und wenn, dann nur, weil sie vor vier Jahren schon einmal die SPD-Kandidatin fürs Präsidentenamt war. Willy Brandt hatte sie 1984 bereits aufs Abstellgleis gestellt, weil sie den angeblichen Kuschelkurs mit den kommunistischen Ländern kritisierte. Nach der verlorenen Wahl vor vier Jahren hörte man wieder nichts von ihr bis eben jetzt, wo sie wieder gegen Köhler antreten möchte.

Und damit ging das ganze Theater los. Die SPD möchte natürlich mal wieder Profil zeigen und das Amt nicht kampflos der CDU schenken. Die CDU ihrerseits mokiert sich, wie es denn der Koalitionpartner überhaupt wagen kann, einen Gegenkandidaten aufzustellen. Die Schwesterpartei CSU tut sich ja schon immer ein wenig schwer, wenn es um demokratische Wahlen geht. Zuletzt wurde ja Horst Seehofer schon fast als Parteimörder hingestellt, weil er es gewagt hatte, gegen Erwin Huber als Parteivorsitzender anzutreten. Da hat es schon erst ein paar Wochen gedauert, bis man kapiert hatte, dass das ja eigentlich eine Demokratie ausmacht. Und so wundert es nicht, wenn man jetzt schon wieder mal von einer schwere Krise in der großen Koalition liest.  

Die Generalsekretäre von Parteien müssen gelegentlich mal über die Stränge schlagen, ordentlich einheizen und dabei mehr oder weniger Unsinn reden. Das hat insbesondere bei der CSU lange Tradition und Markus Söder hat das fast bis zur Perfektion gebracht. Christine Haderthauer, die eher blasse Nachfolgerin von Söder läuft sich langsam warm und meint gleich, die SPD könne “niemandem erklären, warum sie gegen einen so populären und erfolgreichen Bundespräsidenten wie Horst Köhler einen Gegenkandidaten aufstellt“. Na wenn das nur ein Popularitätswettkampf ist, dann bin ich allerdings der Meinung, die SPD sollte bei Günther Jauch und nicht bei Thomas Gottschalk anfragen.

Fast könnte man meinen, es ist schon wieder Sommerloch. Oder wollen die etwa doch nur alle vom Armutsbericht ablenken?

2 Gedanken zu „Frühsommerliches Kasperltheater“

  1. Scheint heute so das der (fast) ex CSU chef huber jetzt wieder weich wird. O Ton „die CSU steht zu dieses bundesregierung bis zum wahl im jahre 2009“.

    Mag schon sein, aber sicher nicht mehr mit ein CSU chef der huber heißt….

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