Größenwahn auf fränkisch

Eigentlich war Gabi Pauli nach dem Königsmord an Edmund Stoiber ganz gut im Sattel. Als Landrätin von Fürth war sie akzeptiert und hätte diesen Job wohl auch bis zur Rente durchziehen können. Dann hat sie leider der Größenwahn gepackt. Zuerst hat sie angekündigt, dass sie sich nicht mehr als Landrätin wählen lassen wolle und stattdessen einen Posten in der Wirtschaft anstrebe. Dann kam es noch besser und sie gab ihre Kandidatur zum Parteivorsitz der CSU bekannt. Gegen Erwin Huber und gegen Roland Horst Seehofer.

Für so eine Kandidatur sollte man dann auch ein Programm haben. Wenn man Aussenseiter ist erst recht. Realistisch hatte sie bis gestern, trotz tatkräftiger Unterstützer, eine Chance auf maximal 10 Prozent der Stimmen. Wenn man also erkannt hat, dass man sowieso keinen Blumentopf gewinnt, kann man auch mal ruhig richtig auftragen und dicke Presse einkassieren. Was hat man schon groß zu verlieren? Anders kann ich mir den Vorschlag mit dem siebenjährigen Ehezeitvertrag nicht erklären. Gerade in der CSU, wo in manchen Kreisen eine Scheidung noch als Todsünde gilt, ist das ein gar böses, böses Faul. Aber was würde eine Ehe auf Zeit wirklich bringen? Eigentlich nichts, denn das Problem ist ja nicht die Scheidung an sich, sondern der damit verbundene Streit um den gemeinsamen Besitz. Den hätte man nach dem Ende des Zeitvertrages genauso.

So denkt wohl jeder zuerst. Interessant wird es aber, wenn es gehandhabt werden würde, wie im Fußball. Wenn der neue Verein Partner/LAG/Lover eine ordentliche Ablösesumme zahlen würde und der Spieler Ehepartner auf dem Transfermarkt anständig Kohle bringet – eine Überlegung wärs doch wert, oder? Die Verhandlungen zum Vereinswechsel Partnerwechsel dann auf Premiere und der Hintergrundtalk dazu am Sonntag im Kempinski auf DSF. Ich fürchte nur, der deutsche Markt wäre bald leergefegt, wenn die reichen Scheichs aus den Emiraten eingreifen. Wenn ich nur allein dran denke, wie viele Kamele man mir im Urlaub schon für meine – aber lassen wir das lieber. Wird nicht gewechselt, würde selbst eine Vertragsverlängerung die Wirtschaft ordentlich ankurbeln. Alle sieben Jahre eine ordentliche Hochzeitsfeier im Sportheim? Da kommt wieder Geld in die (Gast-)Wirtschaft und kein Wirt müßte mehr über das Rauchverbot jammern! Fr. Pauli, eigentlich bist Du genial!

11 Gedanken zu „Größenwahn auf fränkisch“

  1. Guter Bericht! Ich hab dich auch verlinkt. Aber eins macht mich stutzig: wieso heisst der Seehofer jetzt Roland mit Vornamen?

  2. Pingback: Gabriele Pauli (CSU) ist aus dem Rennen! « http://www.romanmoeller.de.vu
  3. Frau Pauli hat bestimmt bei Heinlein oder einem anderen SF-Autor geklaut. aber das sie damit in der CSU nicht vorwärts kommt, ist eigentlich klar.

  4. @StoiBaer: ist nicht weiter schlimm. So was ähnliches ist mir auch schon passiert.

    @Cyberdroid: Science-Fiction ist wohl die richtige Bezeichnung für den Vorschlag, wenn man ihn aus Sicht der CSU betrachtet. Aber halt: eigentlich ist es nur Fiction, als Wissenschaft kann man das wirklich nicht bezeichnen!

  5. Ansichtssache. Heinlein hat ein paar interessante Lebensgemeinschaftsmodelle entworfen. Um eine Gruppenehe mit einem halben Dutzend Ehepartner zu verstehen, muss man manchmal schon Wissenschaftler sein. *g*

    Das und warum die CSU diesen Vorschlag für absurd hält, ist völlig klar. Je mehr man sich an der Vergangenheit orientiert (und nichts anderes machen Konservative), desto weniger ist man für tiefgreifende Änderungen in der Zukunft bereit. Und das christliche Familienbild ist für die CSU nunmal ein Dogma.

  6. Deshalb habe ich auch umso mehr Respekt für Frau Pauli, dass sie ein solch futuristisches Familienbild den Konservenköpfen vor die Füße wirft. Es wird ihr zwar nichts bringen, aber wenigstens wurde es mal ausgesprochen, dass es auch anders gehen könnte.

  7. Ich finde es auch erfrischend, das mal jemand einen kontroversen Vorschlag in die Runde wirft und damit eine Diskussion auslöst – das kann ja nur positiv sein.

    Der Vorschlag selbst sollte aber sinnvoll sein – und das ist der Vorschlag von Frau Pauli auf keinen Fall. Jede Ehe ist anders. Das sie die Ehe pauschal in eine Schablone von sieben Jahren pressen will, ist Käse. Wie man eine Ehe eingeht und wann (wenn) man sich wieder trennt, sollte jeden selbst überlassen sein.

  8. @Romanmoeller: Natürlich ist jede Ehe anders. Aber „Lebenslänglich“ ist genauso eine Schablone wie „7 Jahre“. Allerdings finde ich die 7 Jahre wesentlich vernünftiger, weil sie einfach näher an der Realität ist. Hohe Scheidungsraten sind nunmal Realität, im Gegensatz zu einer lebenslangen Liebe.

    Die Menschen sind doch nicht dazu da, um den Ansprüchen der Politik oder einer bestimmten Partei zu genügen, sondern die Parteien sind dazu da, um sich für den Bürger einzusetzen (okay, inwieweit das realistisch ist, ist wiederum ein völlig anderes Thema).

  9. @Cyberdroid: Ja, das hast du recht! Lebenslänglich ist genauso eine Schablone. Eine Eheschließung macht wohl nur Sinn, wenn man sich bei selbiger ewige Treue schwört. Aber man wird seine Meinung doch hinterher noch ändern dürfen?

    Ob nun die Politik nun nach den Menschen richtet oder umgekehrt – da bin ich so langsam auch am Zweifeln.

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