Hauptsache der Tank ist voll

Sicherlich kennt jeder von Euch noch Sprüche wie „Mit dem Essen spielt“ man nicht oder „In Afrika hungern die Kinder und Du ißt nicht auf“. Geprägt von einer Kindheit im oder nach dem Krieg wurden unsere Eltern noch ganz anders erzogen. Dann kam das Wirtschaftswunder. Alles gabs auf einmal wieder im Überfluß und erst mit dem Dämpfer der ersten Ölkrise kam das Einsehen, dass Wirtschaftwachstum vielleicht doch nicht endlos ist. Später kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als Milchsee und Butterberg fast täglich in den Nachrichten waren. Bedingt durch die ernormen Subenventionen innerhalb der EU und den enorm angestiegen Produktionsmengen durch Kunstdünger waren die Lager voll und die Preise im Keller. Die Bauern suchten sich nun neue Einnahmemöglichkeiten.

Mit dem Beginn unseres Bewußtseins für die Klimaerwärmung und dem Anstieg der Preise für fossile Brennstoffe wurde nach Alternativen gesucht, die uns die Energieversorgung für die Zukunft sichern können. Unter der rotgrünen Regierung wurde dann die Förderung aller möglichen Arten von alternativen Energiequellen eingeführt. Photovoltaik, Solarwärme, Biogas und Biosprit sollten uns aus der Misere bringen. Kaum ein Neubau mehr ohne Solaranlagen auf dem Dach, die Strom ins Leitungsnetz einspeisen oder zumindest die Heizung entlasten. Gerade Bauern pflasterten ihre Wohnhäuser, Ställe und Scheunen mit Photovoltaik zu. Bei Flächen dieser Größenordnung wurde das meist auch ein lukratives Geschäft.

Bei uns in der Gegend hat sich ein Unternehmen dem Biogas verschworen. Immer mehr neue Anlagen wurden in der Presse präsentiert und als die ökologische Alternative gepriesen. Die Firma baut in ganz Europa solche Anlagen zur Gaserzeugung und betreibt in Schwandorf zusammen mit E.on ein große Anlage mit 10 Megawatt Produktionsleistung. Dass Biogas mit ökologisch sinnvoll nicht viel zu tun hat, ist jedoch mittlerweile kein Geheimnis mehr. Zwar wird die Energie in kleinen Anlagen dezentral erzeugt und keine fossilen Stoffe verbrannt, aber die Monokulturen in der Landwirtschaft werden gefördert. Dazu kommen Getreide und Mais für die Vergasung in Schwandorf aus einem Umkreis von bis zu 60 Kilometer und werden mit dem Traktor oder LKW angefahren. Über die Geruchbelästigung der Umgebung möchte ich mich mal gar nicht auslassen.

In den Tanks unserer Fahrzeuge finden sich auch immer mehr alternative Kraftstoffe. Der „Bio“-Kraftstoff aus Raps treibt Dieselfahrzeuge an, während bei uns für Benzinfahrzeuge eher Autogas (LPG) verbreitet ist. In Südamerika schaut das ganz anders aus. Dort wird fast ausschließlich mit Ethanol-Kraftstoff gefahren. Dazu wird hauptsächlich Zuckerrohr vergoren, das auf riesigen Plantagen in Monokultur angebaut wird. Plantagen, für die ständig weiter Regenwälder abgeholzt werden.

Laut Weltbank sind in den letzten Jahren die Nahrungspreise um 83% gestiegen, für Weizen sogar um 180%. Neben der eben erwähnten Verbrennung/Vergasung von Weizen, Mais oder Reis zur Energiegewinnung spielen auch die Spekulationsgeschäfte der Hedgefonds eine große Rolle. Die haben nach den Verlusten am Immobilienmarkt nun die Nahrungsbörse in Chicago entdeckt und zocken dort nun ordentlich mit. Heute morgen war dazu Jean Ziegler im Interview. Er prangert in seinem Rundumschlag vorallem auch die Politik des IWF an, der den armen Ländern ständig Strukturprogramme aufdrängt, die rein auf Export ausgerichtet sind und den Ländern keinen Spielraum für die eigene Versorgung lassen. Sein Buch „Das Imperium der Schande“. Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung habe ich gleich geordert.

Die Ereignisse in Haiti der letzten Tage zeigen nun eines ganz deutlich. Was für uns reiche Europäer noch locker zu verkraften ist, bringt die armen Menschenin existenzielle Nöte. Wenn man statt zwei Tassen Reis eben nur noch eine pro Tag kaufen kann, dann ist das eine ganz andere Liga. Das sollten wir uns mal vor Augen halten, wenn bei uns wieder die Milchpreise in den Supermärkten ein wenig höher werden sollten. Nun war aber Haiti das erste Land, das es bei uns richtig in die Presse geschafft hat. Aufstände gab es bereits in Kairo, Jakarta oder auch auf den Philippinen.

Das war jetzt nur ein kleiner Anriss. Solche Baustellen gibt es noch viele. Da werden beispielsweise die Regenwälder gerodet um Soja oder Palmöl zu gewinnen oder gehen in Afrika die Textilbetriebe kaputt, weil unsere Altkleider den Markt überfluten.

Passt zwar jetzt nicht direkt zum Beitrag, ist aber ein ähnlicher Themenkomplex. Heute bei SpOn: Aldi und Co. tragen Mitschuld an Hungerlöhnen.

Nachtrag: Hab noch einen guten Artikel dazu gefunden: Das tägliche Brot

5 Gedanken zu „Hauptsache der Tank ist voll“

  1. und die Biokraftstoffverordnung wurde leider auch nur deshalb gekippt, weil so viele alte Scherben die Beimischung nicht verkraften würden, und nicht wegen der Umweltfolgen…

  2. Das Problem liegt darin, dass die meisten Politiker (siehe Herrn Gabriel) nichts als Aktionismus zeigen. Da wollen wir die Umwelt entlasten und subventionieren den Biosprit, verordnen noch schnell, dass 10% dem Benzin beigemischt werden muß, und erfahren dann, dass es ein Großteil der Auto nicht verkraftet und dann eben auf Super Plus umsteigen müßte, was den Spareffekt mehr als nur wett macht.
    Das geht leider durch alle Parteien so. Keiner scheint die Konsequenzen seines Handelns zu bedenken. Es ist doch klar, dass es zur Verknappung der Nahrungsmittel und damit zum Preisanstieg kommt, wenn ich die Agrafläche lieber zur Gewinnung subventierter Energie einsetzte. Und natürlich wird die Ackerfläche wo möglich auch auf Kosten von Wäldern vergrößert. Schließlich wollen wir Reichen ja nicht auf unsere dicken Schlitten verzichten.
    Wie wäre es beispielsweise mit einer radikalen Beschränkung der PKW-Motorenleistung? Wozu braucht ein PKW 300KW Motorleistung? Warum haben aktuelle Kleinwagen Motorleistungen, die frührer einem Porsche genügten? Hätte man die Entwicklung der Motoren nur in Richtung Benzinverbrauch optimiert, und nicht die Erfolge gleich wieder durch übertriebene KW-Zahlen zunichte gemacht, ginge es der Umwelt und den Ölreservern bedeutend besser.

  3. Pingback: Lieblnk.de

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