Helmut Schmidt und die Demokratie

Am Dienstag war Besterbundeskanzlerallerzeiten bei Sandra Maischberger und hat ein wenig über China erzählt. Dabei erwähnte er auch dass Deutschland nicht so tun dürfe, als hätte es die Demokratie erfunden. Damit hat Helmut Schmidt sicherlich recht und das muss noch in viele Köpfe in Europa und Amerika rein. Die demokratische Staatsform ist nicht ein sofortiges Allheilmittel. Für die westliche Welt stimmt das sicherlich. Im Nahen Osten und in China aber eben wohl eher nicht. Ein Volk muss erst reif sein dafür, bzw reif gemacht werden. Selbst im Königreich Bhutan, wo der beliebte König Jigme Khesar Namgyel Wangchuck vor ein paar Wochen endgültig die Demokratie mittels Wahlen einführte, ging die Bevölkerung nur zur Wahl, weil der König sie dazu eindringlich aufforderte. Viel lieber hätten sie einfach denKönig als Chef behalten.

Im Irak konnten wir beobachten, wie ein Land im Chaos versank, als der Diktator nach der Intervention der USA abgesetzt wurde. Husseins Fehler war eben, dass er aussenpolitisch zu frech und als Öllieferant zu unsicher wurde. Für die Demokratie, die man dort jetzt aber einführen will, sehe ich auf Jahre keine Perspektive.

In Ägypten ist die Situation ähnlich wie im Irak vor dem Einmarsch der USA. Das Land hat mit Muhammad Husni Mubarak seit 1981 den gleichen Herrscher, der zwar die Opposition verfolgt und Wahlen manipuliert, aber zumindest werden die muslimischen Extremisten klein gehalten und das Land hat Stabilität. Ich bin mir fast sicher, würde dort wirklich frei gewählt, hätten wir innerhalb weniger Jahre eine ähnliche Situation wie jetzt im Iran und die Fundamentalisten würden sich durchsetzen. Für die Demokratie sehe ich in vielen islamischen Ländern keine große Zukunft, solange die Religion zu sehr mitmischt und es keine Trennung zwischen Staat und Kirche gibt.

3 Gedanken zu „Helmut Schmidt und die Demokratie“

  1. Zitat:

    „Für die Demokratie sehe ich in vielen islamischen Ländern keine große Zukunft, solange die Religion zu sehr mitmischt und es keine Trennung zwischen Staat und Kirche gibt.“

    Zitatende.

    Für die direkte Demokratie sehe ich in Deutschland keine Chance, seit Angela Merkel meinte, sich äußern zu müssen: „Deutschland hat kein Grundrecht auf Demokratie auf Ewigkeit…“

    Man möge bitte die Quellen im Internet suchen.
    Die Suchmaschine des geringsten Misstrauens ist sicher hilfreich.

    Franz Müntefehring:
    „Wer arbeitet soll essen, wer nicht arbeitet braucht auch nicht essen.“

    Also, erstmal Demokratie in Deutschland bitte.

    Zornig, Gerrit

  2. Das in Ägypten die Islamisten kleingehalten werden ist ein Trugschluss. Auch dort wächst ihr Einfluss stetig, wenn auch in den Touristengebieten unbemerkt. Vor ein paar Jahren hätten verschleierte Frauen von Generälen bei Truppenparaden noch Proteste hervorgerufen, heute sind sie an der Tagesordnung. Außerdem werden vermeintlich unislamische Umtriebe in Ägypten ebenfalls reichlich geahndet. Das ist im Grunde eine ähnliche Entwicklung wie im Irak vor dem Einmarsch, dort näherte sich Saddams säkulares Baath-Regime ebenfalls an die Islamisten an – wenn auch freilich nicht so stark, wie in den Wunschvorstellungen mancher amerikanischer Politiker.

    Im Übrigen ist die Formulierung „Staat und Kirche“ falsch. Das Problem im Umgang mit dem Islam ist ja, das es keine organisierte Form im Sinne der christlichen Kirchen gibt. Eine Trennung nach westlichem Vorbild zu suggerieren funktioniert schlicht nicht, weil Religion und Gesellschaft viel enge miteinander verwoben sind.

  3. Ich frage mich nur, ob es automatisch schlecht ist, wenn die Islamisten auch offiziell an der Macht sind (und nicht nur de-facto).
    Zum einen dürfte es für west-Außenpolitik nach Gutsherrenart dann immer weniger Rückhalt geben. Zum Anderen halte ich die These „Demokratie muss sich erst verdienen“ für zumindest gewagt oder falsch.
    Nur weil die Hamas nicht unser Wunschkandidat war, sind die Palästinenser nicht unreif für Demokratie. Ich fürchte wir im Westen reden uns zu viel schön.

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