Microsoft vs Händler und Kunde

Bisher habe ich mich beharrlich geweigert, einen Rechner mit Windows Vista zu verkaufen. Alle Kunden konnte ich bisher zu XP bekehren und sie vor Schlimmeren bewahren. Vor ein paar Wochen blieb mir aber nichts anderes übrig und so ging ein Fujitsu Siemens Amilo mit Vista Home Premium in den Besitz einer Kundin über. Ein Officepaket wollte sie nicht dazu, eventuell könne sie nämlich eine Studentenversion über die Schule beziehen. Fast alle Computer von Markenhersteller sind seit Vista „Office Ready PC“. So auch dieses Notebook von FSC. Das Office ist vorinstalliert und wenn man es nutzen möchte, braucht man nur die gewünschte Lizenz kaufen, den Schlüssel eingeben und los gehts. Datenträger gibt es nur noch gegen Aufpreis, braucht man ja angeblich nicht, ist ja alles vorinstalliert.

Letzte Woche kam also meine Kundin wieder zu mir. Studentenversion ist nicht, sie braucht eine Pro-Version mit Access. Also einen entsprechenden Lizenzkit ohne Medien bestellt und gestern versucht den Schlüssel einzugeben. „Ihr Lizenzschlüssel ist leider ungültig“ blinkte mir da entgegen. Basic- und Studentenversion hieß es da in der Titelzeile des Assistenen. Na toll. Ich brauche also doch einen Datenträger. Immerhin ist auf der Verpackung der Lizenz der Link einer Bezugsquelle angegben, wo einen Datenträger anfordern kann, sofern der Kauf des Rechners und der Officelizenz nicht mehr als 90 Tage auseinander liegen. Nach der Eingabe der Umsatzsteuer-ID und des 25-stelligen Lizenzkeys darf man für 15,- Euro (incl. Porto) eine CD bestellen. Auf der nächsten Seite dann das hier:

Bitte beachten Sie, dass die Lieferung des Produkts bis zu 28 Tage in Anspruch nehmen kann.

Falls Sie die Installationsdateien unmittelbar benötigen, können Sie sie nun von der Microsoft-Website für Vorinstallationen herunterladen. Klicken Sie dazu auf diesen Link. Diese Option ist kostenlos. Falls der Downloadversuch fehlschlägt, bestellen Sie bitte die Sicherungsmedien. Die Sicherungsdatenträger werden innerhalb von 30 Tagen nach der Bestellung zugestellt.

28 Tage? Gehts noch? Natürlich habe ich dann die kostenlosen Installationsdateien heruntergeladen. Nun ist es aber auch nicht so, dass das mit dem Klick auf den Link geht. Erst wird noch eine Mail mit dem Downloadlink geschickt, die immerhin 20 Minuten brauchte, bis sie in meinem Postfach war. Nun konnte es endlich mit der sagenhaften Geschwindigkeit von 40 kb/s losgehen. Ein paar Stunden später hatte ich dann die benötigte Datei.

Liebe Mitarbeiter bei Microsoft. Mir ist klar, dass Ihr Euch gegen Raubkopierer schützen wollt. Aber glaubt Ihr wirklich, dass Ihr auf diesem Weg Erfolg habt? Gebt doch einfach wieder eine CD mit in die Packung. Ohne gültigen und aktivierten Key läuft doch sowieso nichts. Gecrackte Versionen kann sich der unbedarfteste User auf einfachste Weise im Web runterladen, wenn er möchte. Und der, der wirklich nicht weiß, wo er eine Crackversion herbekommen soll, der findet zumindest das hier: OpenOffice.org.

Macht es doch den Händlern und Endkunden ein wenig einfacher. Mit dieser ganzen Prozedur habe ich incl. Installation gut eine Stunde verbraten. Das zahlt mir kein Privatkunde, wenn er sowieso schon ein Heidengeld für die Software zahlt. Auf meinen Rechner installiere ich grundsätzlich ein Open Office. Damit haben die Kunden ein Officepaket, bei dem sie sich nicht umgewöhnen müssen und die Installation ist innerhalb fünf Minuten durch. Da komme ich als Händler besser weg, als wenn ich ein Microsoft Office verkaufe, an dem ich gerade mal 10 oder 20 Euro verdienen kann.

3 Gedanken zu „Microsoft vs Händler und Kunde“

  1. Man etabliert so den ESD-Vertrieb für sein Monster, indem man die Medien mit einer aberwitzigen Lieferzeit deklariert und nur gegen extra Kohle liefert. Mit Kopierschutz hat das denke ich wenig zu tun, da war ein Prozessoptimierer am Werk. 🙂 40kb/sec zum Download anzubieten ist mal wieder typisch.

  2. Selbst die beiden Lieblings-Anti-OOo-Argumente ziehen im Vergleich zu Office 2007 nicht mehr richtig („Da muss ich mich ja umgewöhnen.“ und „Das verwendet aber ein anderes Dateiformat“).

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