Musikalische Discounter?

Als seriöser EDV-ler ist man gelegentlich leicht angepisst, wenn man PCs reparieren soll, die im selben Geschäft erworben wurden, in dem der Kunde normalerweise Joghurt, Kartoffelchips oder Hundefutter kauft. Beim ersten Testlauf in der Werkstatt ist man sich dann aufgrund der Lautstärke manchmal auch nicht mehr sicher, ob es sich um einen Computer oder doch um einen Staubsauger handelt. Dass die Reparatur eines solchen Gerätes einen erhöhten Stundensatz nach sich zieht, ist eh schon lange Usus.

Jedes Wochenende stecken unzählige Werbeblätter diverser Lebensmitteldiscounter in unserem Briefkasten, wo solche Geräte angeboten werden. Im Normalfall landen die umgehend in der Papiertonne und werden nicht beachtet. Gestern wurde ich aber stutzig. Neben den üblichen „Schnäppchenrechnern“ wird nun scheinbar auch der Musikmarkt in Angriff genommen. Seit heute gibt es bei Norma alles, was der Hobbymusiker braucht. Neben dem E-Gitarren-Set für 149,- Euro oder dem Schlagzeug für 299,- Euro gibt es auch ein Klavier für 1.999,- Euro im Onlineshop. Alle Geräte sind von der Marke „Golden Ton“. Ob es als Dreingabe auch eine Gratispackung „Golden Toast“ gibt, glaube ich aber eher nicht.

*fassungslos*

4 Gedanken zu „Musikalische Discounter?“

  1. Tja, Du kannst ja auch mittlerweile beim Kaffeekauf bei Tchibo so nebenbei Deine Private Rentenversicherung zum günstigen Tchibo-Tarif abschließen. Das läuft nämlich langsam darauf hinaus, dass Du in einem Laden alles bekommst was Du im Leben brauchst, von der Zahnbürste bis zur Versicherung. Beim Kampf um den Kunden wird die Angebotespalette immer weiter erweitert und jeder Discounter versucht einen Schritt voraus zu sein. Ziel: Rundumversorgung, so dass der Kunde gar nicht in Versuchung kommt woanders hin zu gehen. Die Vielfalt und Individualität der Läden leidet darunter und irgendwann werden alle gleich aussehen und das gleiche anbieten, vielleicht nur eine Woche später. Wir bekommen da amerikanische Verhältnisse. Spezialisten und Fachgeschäfte werden es langsam immer schwerer haben, dass ihre Leistung geschätzt und auch dementsprechend honoriert (=bezahlt) wird. Armes Deutschland. Und an wem liegt´s?? Am lieben Kunden, möglichst billig soll es sein und bequem soll der Einkauf sein….. ja und wenn´s Probleme gibt, dann gibt´s ja noch den Fachmann, der soll ja auch noch ein bißchen was zu tun haben… bzw. man kann´s ja wegschmeißen, es war ja nicht teuer 😉

    Wenn ich ehrlich bin, würd mir dazu noch viel mehr einfallen. Ich les zur Zeit ein äußerst interessantes Buch mit dem Thema: Entwicklung der westlichen Länder, Zustandsbericht des Jetzt und Zukunftsaussichten. Der deutsche Auto geht dabei insbesondere natürlich auf Deutschland ein. Mein Fazit nach ca. 220 Seiten (ca. 2/3 des Buches): man kann nur hoffen, dass mal ein paar mehr Leute mal endlich aufwachen….

  2. Pingback: guitargeorge
  3. Ganz so pessimistisch sehe ich das nicht wie Smiley. Es gab schon immer Leute, die sich genau informieren, eine gute Beratung schätzen und gerne auch zum Spezialisten gehen. Beim genaueren Betrachten fällt nämlich auf, dass der Spezialist nicht wesentlich teurer sein muss. Ich denke die Billig-Lüge (und da fällt mir auch ein Buch ein) ist schon längst aufgefallen. Vergleiche einfach mal die Preise einer digitalen Spiegelreflex bei Saturn/Media und einem Foto-Fachgeschäft. Ich würde sagen, Deutschland ist noch nie „eingeschlafen“, nur denkt man, durch die agressive Werbung mancher Läden, es ginge nix mehr ohne Geiz und extrabreitem Sortiment.

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