My Second Life

Angetrieben durch die vielen Presseartikel habe ich gestern und heute einen Ausflug nach „Second Life“ gemacht. Für die, die noch gar nichts mit dem Begriff „Second Life“ anfangen können empfehle ich die Beschreibung in Wikipedia:

Second Life (von Teilnehmern kurz „SL“ genannt) ist eine Web-3D-Simulation für eine große virtuelle Gemeinschaft. Die momentane Entwicklung ist vergleichbar mit der Anfangszeit des eigentlichen Internets. Verschiedene Personen und/oder Unternehmen können auf neue Weise miteinander in Kontakt treten und/oder sich gegenseitig Dienstleistungen anbieten. Das spezifisch Neue ist, dass die Anwendung den beschriebenen Austauschprozessen durch die 3D-Animationen und das inbegriffene Raumgefühl eine neue Tiefe verleihen. Interaktionen werden durch die Animationen besser sicht-, fühl- und erlebbar. Durch die Einbindung einer virtuellen Währung (L$, Linden Dollars), die in eine reale Währung (US-$) transferiert werden kann, ist Second Life auch in den realen Wirtschaftskreislauf eingebunden. Wie in den Anfangszeiten des Internets sind Glücksspiele und sexuelle Angebote die dominanten und wegbereitenden Dienstleistungen von Second Life. Darüberhinaus investieren viele Teilnehmer ihre Zeit und ihre Fähigkeiten, die virtuelle 3D-Welt durch neue Gegenstände (Kleidung, Accessoires, Wohnungen, Häuser, Landgestaltung etc.) permanent zu erweitern und partizipieren durch den Verkauf dieser virtuellen Gegenstände auch im realen Leben von ihrer Arbeit als Mit-Entwickler dieser Welt. Daneben fungiert Second Life als Plattform für soziale Interaktionen für verschiedenste Communitys, die sich auch durch Mitgliedschaften in diversen Clubs auszeichnet. Über den integrierten Instant Messenger ist man in die Kommunikation der Clubs direkt eingebunden. Die grafische Anlehnung an Computerspiele erlaubt den Teilnehmern, Second Life auch als eigenes Metaversum mit einem Eigenleben aufzufassen sowie als Onlinespiel zu nutzen und zu begreifen. Dennoch ist es falsch, wie häufig vorgenommen, das Programm auf den Charakter eines Onlinespieles zu reduzieren.

Das Onlinespiel gibt es nahezu für alle Betriebsysteme und die Registrierung auf der Webseite sowie die Installation (unter Windows) gestaltet sich sehr einfach. Bei der Anmeldung legt man sich auf ein Standardaussehen des eigenen Charakters fest und ich habe mir ein Outfit ausgesucht, dass wohl am ehesten mit „Harry Potter mit 30“ beschrieben werden kann. Beim ersten Eintritt in das „Metaversum“ findet man sich in einer Tutorialwelt wieder und lernt erst einmal die grundlegende Steuerung. Als Spieler von Egoshootern ist man von der Grafik her schon verwöhnt und wird daher in Second Life erst einmal enttäuscht. Der 3rd-Person Modus ist gewöhnungsbedürftig und auch die Steuerung ist recht indirekt und träge. Hinzu kommen auch viele Texturfehler und da ja jeder Bewohner an der Welt mitentwickeln kann, auch viele Architekturfehler in den Gebäuden. Da passiert es schnell einmal, dass sich Kopf und Rumpf in verschiedenen Stockwerken eines Hauses befinden.

Logo Second LifeNatürlich dreht sich auch in dieser Welt vieles nur ums liebe Geld. Da ich nicht bereit war, meine Kreditkartennummer anzugeben, startete ich mit einem Account ohne Guthaben und zog also pleite los. Auf der großen Übersichtskarte sieht man, wo sich gerade viele Leute aufhalten und mit einem Doppelklick kann man sich dort „hinbeamen“. In vielen Häusern gibt es sogenannten Freebies, wo man mehr oder weniger sinnvolle, aber dafür kostenlose Gimmics bekommt. Wenn man mittellos ist, kann man verschiedene Arbeiten annehmen. Teilweise bekommt man schon Geld, wenn man auf einer Parkbank rumsitzt. Das hat den Hintergrund, dass Leute eher auf der großen Übersichtsmap angelockt werden, wenn sich viele Spieler an einem Punkt aufhalten. Für 5 min rumsitzen erhält man dann 1 L(inden)$. An anderer Stelle kann man Tabledance machen und wird dafür bezahlt – mußte ich natürlich austesten. Also rein in die Strapse und ran an die Stange. Mit dem Vollbart meines Avatars war das natürlich ein besonders amüsanter Anblick. Während man also hart arbeitet und Geld verdient, nutzt man am besten nebenbei andere Dinge am PC tun oder geht Kaffee trinken. Irgendwann hatte ich dann also 10 L$ verdient und was macht man mit so einem Vermögen? Man verspielt es natürlich innerhalb kürzester Zeit beim Black Jack. In diesem speziellen Fall hatte ich den Eindruck, dass die Black Jack Automat cheatet und man gar nicht gewinnen kann.

Immer wenn man sich zu ein paar Leuten dazu gesellt, kann man mit diesen chatten. So kann man schnell ein paar Kontakte knüpfen und sich auch Tipps geben lassen. Meinem Englisch hat es auch recht gut getan, als ich bei ein paar Amis war. Oft geht es dabei auch um das echte Leben.

Mein Fazit nach ca. 7 Stunden in SL: Will man wirklich einsteigen in diese Welt, muss man Zeit ohne Ende mitbringen. Die Grafik ist noch sehr verbesserungswürdig und die Steuerung muss auch überarbeitet werden. Angesprochen werden eher Menschen sein, die gerne in Chatrooms sind. Ich fühlte mich nicht sonderlich angesprochen und werde wohl mein zweites Leben wieder beenden.

2 Gedanken zu „My Second Life“

  1. Da guck ich gar nicht erst nach! Ich habe damals schon das SIMs-Fieber gehabt, bis die Allerliebste anfing zu maulen.
    Wenn ich mal was spiele, dann Simulationsspiele (2 x im Jahr). Alles was ballert, nervt mich.

  2. Pingback: StoiBär » Blog Archiv » Macht “Second Life” überhaupt einen Sinn?

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