Nichts als Propaganda

Censorship causes blindness

In diesem Konflikt die richtigen Worte zu finden ist nicht einfach. Einem Konflikt, in dem keine der beteiligten Parteien jemals wirklich Frieden wollte. Ein Volk, das dauernd unterdrückt wird, sich im Gegensatz zu asiatischen Bergvölkern aber nicht auf friedlichen Widerstand beschränkt. Je mehr dieses Volk gegängelt wird, je mehr ihm Land weggenommen wird, je mehr es hungern muss, desto mehr haben radikale Gruppierungen Zulauf. Israel muss sich also eigentlich nicht wundern, wenn die Hamas Gas gibt. Die kämpft indes mit ungleichen Waffen. Sie schießt im Prinzip mit auffrisierten Silvesterraketen, die ungelenkt ihre Ziele in Israel finden sollen, was sie ab und zu auch tun. Dagegen steht die hochausgerüstete israelische Armee, die mit feinster US-Technik zielgenau treffen könnte. Ich sage könnte, denn was ist nicht schon alles getroffen worden, was eigentlich kein Kriegsziel ist? Die Bombenlast der Israelis auf den Gazastreifen dürfte in der ersten Angriffswelle sowieso schon die der Hamas des ganzen letzten Jahres überstiegen haben. Von der Anzahl der Toten mal ganz zu schweigen.

Sich als Europäer zu informieren ist schwierig. Zu stark die israelische Zensur, schließlich dürfen Journalist nicht einmal rein nach Gaza. Könnten sie doch Dinge sehen, die schlecht fürs israelische Opferimage sind. Deshalb gibt es dann auch den Journalistenhügel am Kriegerdenkmal zwei Kilometer vor der Grenze zum Gaza-Streifen. Da tut es gut, wenn man wenigstens bei ein paar Kollegen mitlesen kann, die seit Jahren von dort berichten und ein wenig die Richtigkeit der vorgesetzten “Wahrheiten” beurteilen können, die man von unseren Fernsehsendern vorgesetzt bekommt.

Ach’ übrigens: was wir Journalisten „an der Front“ Konkretes wissen über den Kriegsverlauf, über die Opferzahlen, über die „diplomatischen Bemühungen“? Kaum etwas.  Wir sind einem einmaligen Propaganda-Konzert ausgesetzt – immer wieder erstaunlich, wie viele Spokesperson’s so ein Krieg kreieren kann. Am Journalistenhügel stehen sie täglich bereit, brauchst bloss dein Mikrophon hinzuhalten, Armee, Aussenministerium, Government Press Office, Lobby-Organisationen wie The Israel Project, Zivilisten, religiöse Gruppierungen. Kannst sie in deutscher, russischer, spanischer, englischer, französischer Sprache haben – hebräisch spricht eh’ kaum einer der Journalisten.

6 Gedanken zu „Nichts als Propaganda“

  1. “Ich sage könnte, denn was ist nicht schon alles getroffen worden”

    Ich schenke den Bildern und Berichten nicnt uneingeschränktes Vertrauen, weil gerade die radikalen Gruppen – zynisch gesagt – froh sein dürften über jedes zivile Opfer, da es ihnen weiteren Zulauf bringt. Menschliche Schutzschilde haben schon im Irak-Krieg 1991 zu zivilen Opfern geführt, die dann weltweit in den Nachrichten zu sehen waren und Stimmung gegen die Angriffe verursachten. Ich finde es arg auffällig, dass die Israelis sehr genau zielen (oder eben zielen dürften), dann aber immer als erstes zivile Opfer beklagt werden. Krankenwägen haben auch schon Terrorkommandos transportiert, ich weiß leider nur nicht mehr, wo ich diesen kurzen Film diese Woche im Internet gesehen habe.

    Mir fällt es aber auch sehr schwer, mir ein Urteil in diesem Konflikt zu bilden, obwohl ich versuche, sehr viele verschiedene Quellen zu lesen.

  2. Dadurch dass die Israelis so zensieren ist es ja grad so schwierig, an wahre Informationen zu kommen. Der Verdacht liegt aber nahe, dass sie etwas zu vertuschen haben. Warum sollten sie sonst den ausländischen Journalisten verweigern, in den Gazastreifen einzureisen?

  3. Seit 1991 sind gefilterte Informationen zum Normalfall geworden, ich weiß nicht, ob ich das als Normalfall bezeichnen soll, nachvollziehbar finde ich es, da sich niemand in die Karten schauen lassen will.
    Auf der anderen Seite sind die Bilder aus den Palästinensergebieten auch viel Propaganda, sodass ich weder den einen noch den anderen traue. Die mediale Kriegsführung ist nicht zu unterschätzen, da sind die Islamisten große Könner.

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