No-go-Area Rudolstadt

Sechs Jahre lang haben sich die Mitglieder der Familie Neuschäfer beschimpfen und beleidigen lassen. “Deine Haut ist nicht richtig” oder “Du bist so braun, weil du dich mit Scheiße eingerieben hast”, musste sich Sohn Jannik in der Schule gefallen lassen. Wie es weiterging, ist bekannt. Die Pfarrersfamilie hat einen Schlußstrich gezogen und ist in dem Westen geflüchtet.

Nun ist es nicht unbedingt so, dass Rudolstadt zu den größten Problemgebieten in Ostdeutschland gehört. Die Arbeitslosenquoten ist weit unter dem Schnitt der ostdeutschen Bundesländer, die Stadt verkehrsmäßig gut erschlossen und auch einige Firmen haben ihren Sitz in der ehemaligen fürstliche Residenzstadt. Da würde man meinen, diese Anfeindungen würden hauptsächlich von ein paar Neonazis oder Skinheads kommen. Dem ist aber nicht so. Es waren auch die Kinder in der Schule. Kinder von “normalen” Bürgern der Stadt, die ja oft nur das nachreden, was sie zuhause bei ihren Eltern hören. Und gerade das ist das Erschreckende an der Sache. Der Fremdenhass ist mitten in der Bevölkerung angekommen.

5 Gedanken zu „No-go-Area Rudolstadt“

  1. So kann die Presse Menschen auch manipulieren. Ein Pfarrer der unchristlichen Hass schürt. Ein Pfarrer der zu sämtlichen Zeitungen und Medien rennt und Gerüchte verbreitet. Vor einem halben Jahr haben diese Menschen die Stadt verlassen und meinen nun die Stadt und deren Bürger beschimpfen zu müssen. Herr Neuschäfer sieht nicht mal Bedarf mit seiner eigenen Kirche diese Probleme zu diskutieren bevor er sie der Presse offen legt. Nichtmal Freunde und Bekannten wurde die Probleme mit den Bürgern geschildert – sehr merkwürdig… Es liegt auf der Hand, dass ein Interesse besteht einfach einen Ruf zu schädigen. Die Presse wittert natürlich eine geniale Story. Klingt doch gut: “Pfarrersfamilie flieht aus Ostdeutschland”. Für meine Begriffe eine peinliche Verleumdung und der Mopp fällt darauf rein!
    Natürlich gibt es Fremdenhass – in Rudolstadt, in Thüringen, in Ostdeutschland, Deutschland, England, Frankreich, Amerika — auf der ganzen Welt! Nur das Ausmaß hält sich in Rudolstadt Gott sei Dank nun wirklich in Grenzen! Jeder ist hier immer herzlich willkommen.

  2. Ich habe einige Jahre in Rudolstadt für eine Tageszeitung gearbeitet. Probleme mit Rechtsradikalen gab es immer, aber in erster Linie kam es von ausserhalb, weil die Szene sich die Stadt als Treffpunkt zu bestimmten Anlässen wie den Hitlergeburtstag auserwählt hatte. Ansonsten war die Stimmung immer recht friedlich und offen, was nicht zuletzt dem alljährlichen Tanz- und Folkfest geschuldet war, in das die ganze Stadt involviert ist. Aber leider ist es die gleiche Tendenz wie überall: Wenn es Probleme gibt, dann schaut man sich die Schwächsten als Sündenböcke aus. Und das quer durch die sozialen Schichten.

  3. Augenblicklich erscheinen mir die Aussagen eines Pfarrers glaubwürdiger, als die anonymen Beschuldigungen eines Bürgers aus Rudolstadt. Einer Stadt, die nun augenscheinlich nur um ihr Image bemüht ist.

  4. Hi,

    um die Debatte vielleicht doch etwas ausgewogener zu gestalten, wäre es vielleicht ganz sinnvoll, auch die Stellungnahmen der Kirchenleitung der Landeskirche zu dem ganzen Fall zur Kenntnis zu nehmen, in der Pfarrer Neuschäfer arbeitet. Dann würden vielleicht auch die Aussagen von Pfarrer Neuschäfer ein klein wenig nüchterner betrachtet.
    Wen es interessiert, der kann die Stellungnahmen auf meinem Blog unter Rudolstadt: Audiatur et altera pars nachlesen.

    Herzlich

    Walter Jungbauer

  5. Ich wohne in Rudolstadt und gehe jedes Jahr zum Tanzfest..
    Ich finde Rudolstadt nicht ausländerfeindlich..ganz und gar nicht..
    und NAZIS GIBT ES SCHLIESSLICH ÜBERALL..

    Ich finde es eine Frechheit was über unsere Stadt in den Medien ausgesagt wird..

    Klar wurde der Herr Neuschäfer ungerecht behandelt..aber das hätte ihn ÜBERALL in Deutschland passierren können..

    Ich sag nur: Kommt alle zum Tanzfest am ersten Juliwochenende diesen Jahres und überzeugt euch von Rudolstadt..

    und zu Stoibär: Nenn mir bitte EINE Stadt in Deutschland die nicht um ihr Image bemüht ist!

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