Ob es die oberen Herren jemals kapieren?

Ich war auch mal bei der Telekom. Meine Lehre zum Kommunikationselektroniker habe ich noch bei Deutschen Bundespost gemacht. Nach der Lehre war ich 1991 als Entwicklungshelfer für 6 Monate in Meiningen und dann wieder als Servicetechniker in Regensburg. Damals ging es mit der Privatisierung los und wie immer in solchen Fällen werden erstmal Stellen abgebaut. Mit einer saftigen Abfindung wurde damals jeder belohnt, der freiwillig ging. Natürlich nahm ich dieses Geld mit und suchte mir einen anderen Job.

Der Servicebereich blutete damals schon aus, aber Hauptsache der Börsengang konnte gut losgehen. Fast jeder, der bei der Telekom ein wenig Ahnung hatte, warnte vor dem Abbau der Techniker, aber die oberen Herren hatten wie immer nur den kurzfristigen Profit im Kopf. Nur noch das Unwort Shareholdervalue geisterte dort durch alle Gehirne. Mit dem Platzen der Börsenblase ging es auch mit der Telekom bergab. Viele andere Anbieter kamen auf den Markt und da die Top-Manager ja nur Stellenabbau als Mittel zur Gewinnsteigerung kannten, kam es wie es kommen mußte. Der Service der Telekom ist nun am Ende, auf DSL-Anschlüsse wartet man derzeit fast wie früher im Osten auf einen Trabi. Hat man als Kunde ein Problem, steht man selbst als Geschäftskunde mit zusätzlichem Wartungsvertrag auf dem Abstellgleis.

Vor einiger Zeit wurde nun bekannt gegeben, dass die restlichen Servicemitarbeiter ausgelagert werden sollen. Sie sollen weniger Geld bekommen und dafür aber gefälligst mehr arbeiten. Klasse! Was wird das Ergebnis sein? Die guten Leute gehen zur Konkurenz, die weniger guten Mitarbeiter bleiben in der neuen Auffanggesellschaft der T-Com.

Einem langjährigen Mitarbeiter platze jetzt der Kragen und schrieb eine mehrseitige Mail an den Wasserkopf der T-Com. Die Mail ging natürlich auch bei den Mitarbeitern um und jetzt ist der Verfasser der Held aller T-Männchen. Ein Satz beeindruckt mich besonders, denn er trifft den Nagel auf den Kopf:

Wundern sie sich aber nicht, wenn sie, nachdem sie das immer schneller sinkende Schiff Telekom wie ihre Vorgänger sicherlich mit einer großzügigen Abfindung für ihre hervorragenden Verdienste für die Telekom verlassen haben, beim Blick in den Spiegel eine Heuschrecke sehen.

Wie unfähig muss man als Manager sein, um ein solch großes Unternehmen so konsequent zu Grunde zu richten? Ich werde es wohl nie verstehen.

Die Mail gibt es bei Heise zu lesen: Teil1 und Teil2. Bei Spiegel Online gibt es auch eine Betrachtung dazu.

2 Gedanken zu „Ob es die oberen Herren jemals kapieren?“

Kommentare sind geschlossen.