Plage Callcenter

Callcenter sind in meinen Augen eine der schlimmsten Geiseln der Gegenwart. Während normale Spammails im Filter des Mailprogramms landen und automatisch gelöscht werden, ist man durch die Belästigung dieser Anrufer kaum gefeit. Durch die Unterdrückung der Rufnummernanzeige, wie es eigentlich nur unseriöse Unternehmen machen, kann man nicht so einfach ausselektieren, ob man den Anruf ignoriert oder nicht. Schließlich könnte es auch jemand aus dem Bekanntenkreis sein und den möchte man ja nicht ins Leere laufen lassen. Außerdem bringt das Ignorieren dieser Nervensägen recht wenig, denn die nehmen einen ja auf Wiedervorlage, wenn sie nicht durchkommen.

Vor ungefähr einem halben Jahr hatte ich mal einen am Rohr, der mir unbedingt ein Gewinnspiel verkaufen wollte. Als Abonnent der TV-Movie könne er mir ein super Exclusivangebot machen, eben weil ich ja so ein treuer Bezieher der Zeitschrift sei. Der Typ hatte es wirklich gut drauf und so habe ich eine Weile mitgespielt. 10 Minuten schwerster Überzeugungsarbeit durch ihn und viel Geplänkel, wo man mit dem gewonnenen Geld in Urlaub hin könnte, ließen ihn wohl schon auf einen Abschluß hoffen. Dann ließ ich ihn auflaufen und brach das Gespräch ab: „Sie machen das recht gut, aber sollte ich noch einmal einen Anruf von Ihnen bekommen, kündige ich mein Abo. Guten Abend!“. Zurück kam dann – ungelogen – „Arschloch“. Wahscheinlich ist das das Schlimmste für die Bande, wenn sie viel Zeit investieren und dann trotzdem keinen Abschluß kriegen. Hätte ich einfach zu Beginn gleich aufgelegt, wäre es wohl normal für ihn gewesen.

Soviel Zeit investiere ich normalerweise aber auch gar nicht und bei den Drückern, die mich als Privatmann anrufen, sage ich immer gleich zu Beginn: „Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass ich das Gespräch aufzeichne“. Das hilft eigentlich immer, damit sie von selbst auflegen.

Sicherlich, die Mitarbeiter, die in einem Callcenter arbeiten, haben es nicht einfach. Oftmals als Aushilfsjob oder als Rettung vor Hartz IV müssen sie ihren Mitbürgern den Abend versauen und ihnen irgendwelche Produkte andrehen, die sie nicht brauchen. Günter Wallraff war daher mal wieder Undercover unterwegs und hat sich für das Callcenter CallOn prostituiert. Einen Teil seiner Erfahrungen kann man online bei „Die Zeit“ nachlesen.

Am 1. Juli ging der Blog vom Callcenter Agent an den Start. Darin bloggt der Schreiber über seinen neuen Job im Callcenter, den er gerade angenommen hat. Ich bin gespannt, ob wir da ähnliche Erfahrungen zu lesen kriegen, wie bei Günter Wallraff. Die ersten Beiträge versprechen einiges. Bemerkenswert auch die Feststellung im dritten Beitrag:

– jedem ist bewusst, dass unsere Arbeit illegal ist

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Ein Gedanke zu „Plage Callcenter“

  1. Der Callcenter Agent – Blog ist interessant.

    Beängstigend, aber macht irgendwie Spaß sich durch die Texte zu wühlen.

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