Wunhenge = Plastikhenge in Wunsiedel

Seit drei Tagen ringe ich um Fassung. Da habe ich nämlich bei der Sennerin gelesen, was der Unternehmer Kai Hammerschmidt in Wunsiedel machen möchte. Dachte ich zuerst noch, die Sennerin macht eine Satire, mußte ich schnell feststellen, dass es bitterernst ist.

Ein keltisches Dorf, ein Druidenwald, ein Hügelgrab und das mitten an der B 303 in der Nähe der Luisenburg? Wenn es nach dem Unternehmer Kai Hammerschmidt geht, soll bis spätestens Mitte 2010 dort ein oberfränkisches Stonehenge entstehen.

Mit künstlichen Pflanzen, Bäumen und Felsen haben der Wunsiedler Unternehmer und sein Geschäftspartner Klaus Gohl bereits Erfahrung. Ob in der Therme Obernsees, in der Dominikanischen Republik oder im Zoo von Wuppertal: überall sind ihre Kunstfelsen gefragte Elemente, um Landschaften zu gestalten. Nun also das Fichtelgebirge.

Für alle, die Wunsiedel nur von den Neonaziaufmärschen her kennen: Die Stadt liegt im Fichtelgebirge und ihre Luisenburg-Festspiele sowie das Felsenlabyrinth sind beliebte Ausflugsziele. Die ganze Gegend ist durch Granit geprägt, überall sieht man immer wieder große Blöcke, die frei aus Wald und Berggipfel ragen. Was soll also Wunhenge, eine Nachbildung von Stonehenge aus Kunstfelsen, wenn ich schon ein echtes Felsenlabyrinth habe?

Dass ein Unternehmer sein Produkt publikumswirksam präsentieren möchte, ist vielleicht noch verständlich. Als positives Beispiel kann man da den Teichfolienhersteller Naturagart nennen, der in Ibbenbüren einen künstlichen Tauchsee baute. Was aber Plastikfelsen in einer Gegend zu suchen haben, die durch echte Granitfindlinge geprägt ist, ist mir schleierhaft. Wie gesagt, den Unternehmer kann ich vielleicht noch verstehen. Wenn aber der Stadtrat beim Projekt Wunhenge mitziehen möchte, kann ich nur den Kopf schütteln. Wie war das nochmal mit den Schildbürgern?

3 Gedanken zu „Wunhenge = Plastikhenge in Wunsiedel“

  1. Ja, manchmal bekommt man hier das Fremdschämen. Bin schon gespannt, was als nächstes aus dem Hut gezogen wird, ich denke am Besten schon mal den Ausreiseantrag an.

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