Schlag gegen Kinderpornografie

Nach gut zweijährigen Ermittlungen hat die Polizei ein internationales Pädo-Kriminellen-Netzwerk aufgedeckt. Die Fahnder des Landeskriminalamtes (LKA) in Bayern ermittelten Daten von Tausenden Usern aus 98 Staaten, die zwei Kinderpornos bei einem Provider im Bereich Konstanz heruntergeladen hatten. Auf den Videos würden ein zehn- und ein zwölfjähriges Mädchen jeweils massiv missbraucht, erklärte ein Polizeisprecher.

Rund 7500 Verbindungsdaten deuteten auf Nutzer aus Deutschland hin, allerdings konnten nur 987 Verdächtige ermittelt werden, weil laut Polizei damals noch keine Pflicht zur Vorratsdatenspeicherung existierte.

Ich hoffe nur, die Jungs vom LKA haben diesmal weniger schlampig gearbeitet, als beim letzten Mal und es wird nicht wieder so eine Blamage wie die Operation Himmel, wo am Ende nur heiße Luft übrig blieb.

6 Gedanken zu „Schlag gegen Kinderpornografie“

  1. Das hoffe ich auch, denn Kinderpornografie ein widerwärtiges Verbrechen. Andererseits finde ich es auch beruhigend, wenn man sieht, dass der Rechtsstaat funktioniert, selbst wenn dabei Verbrecher entkommen. Denn bei all der Abscheu, die man für die Täter empfindet, müssen auch diese verläßliche Rechte haben. Warum? Diese Frage verliert sofort an Bedeutung, wenn man als Unschuldiger in Verdacht gerät. Das geht schneller als man glaubt. Es reicht, wenn z.B. dem Provider die IP-Adresse falsch übermittelt wurde, oder wenn dieser das Datum verdreht, und des statt 4.3. den 3.4, auswertet …

  2. Nebenbei bemerkt war „OP Himmel“ gar nicht so der Reinfall, wie er dort dargestellt wurde. Das Problem war die unterschiedliche Auswertung der Daten. Während in NRW grundsätzlich alle Daten in der Tonne gelandet sind, haben andere Länder die Logs ausgewertet und bewertet. Wo sich Hinweise darauf ergaben, dass sich jemand längere Zeit auf einer Seite aufgehalten hat, gab es dann auch einen Tatverdacht, der eine Hausbesuch rechtfertigte und auch tatsächlich einen hohen Treffer-Anteil erbrachte.

    Zum Kommentar 1: Bei Massendaten werden schon lange keine händischen Übermittlungen durchgeführt. Insofern sind Zahlendreher vernachlässigbar. Es ist ja auch so, dass es im RL zu einem Tatverdacht bei Unschuldigen kommen kann. Wenn ein Räuber zufällig die gleichen Klamotten anhatte wie ich, kann es durchaus sein, dass sich die Polizei für mich interessiert, wenn ich mich gerade im gleichen Stadtteil aufhalte. Näheres dazu findet man mit den Stichworten Tatverdacht, einfacher Tatverdacht, dringender Tatverdacht, Tatverdächtiger, Beschuldigter, Angeschuldigter

  3. Gerade das Beispiel beim Lawblog zeigt, dass viele unbescholtene Bürger in Verdacht gerieten, die rein gar nichts damit zu tun hatten. Es wurden Wohnungen ohne ausreichendes Verdachtsmoment durchsucht. Auf diese Weise ist ganz schnell der Ruf von rechtschaffenden Bürger ruiniert werden.

  4. Habe ich das gerade richtig gelesen ?

    Die Fahnder des Landeskriminalamtes (LKA) in Bayern ermittelten Daten von Tausenden Usern aus 98 Staaten, die zwei Kinderpornos bei einem Provider im Bereich Konstanz heruntergeladen hatten….

    .. bei so einem hohen Ermittlungsaufwand muss doch mehr beweiskräftiges Material herauskommen, als zwei Videos ?!

  5. Hoffen wir nur, dass es diesmal wirklich Videos sind und nicht irgendwelche animierte GIFs. Die Fotos mit Kinderpornografie entpuppten sich im oben erwähnten Fall auch nur als Thumbnails.

    Nicht dass wir uns falsch verstehen: Kinderporno ist das Allerhinterletzte, aber jemanden ohne Beweise anzuzeigen und es öffentlich zu machen (was es bei einer Hausdurchsuchung immer wird), ist fast genauso schäbig.

  6. Es geht hier immer noch um den Tatverdacht. Wenn zum Beispiel ein Durchsuchungsbeschluss erst dann beschlossen werden würde, wenn Beweise vorliegen, bräuchte man ihn ja auch nicht mehr.

    @Tom
    Ich lese auch gerne den Lawblog. Aber man darf nicht vergessen, wer ihn verfasst. Der Autor ist Rechtsanwalt. Seine Aufgabe ist es, das Ganze aus der Sicht seiner Mandanten zu sehen.

    Er legt Verdachtsmomente dann anders aus als die Ermittler, dann der Staatsanwalt und schliesslich der Richter, der den Durchsuchungsbeschluss erlässt.

    @Dürrbi
    Zwei Filme können ja ohne weiteres vielfach kopiert werden. Es ist ja jeder Besitz von Kinderpornografie verboten. Also sind es nicht nur zwei Fälle.

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