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Die übliche Routine

Nach Emsdetten, Freising und Erfurt hat es jetzt in Winnenden die vierte Bluttat an einer Schule gegeben. Alle reden von einem Amoklauf, was eigentlich nicht stimmt, da es ja keine unkontrollierte Tat aus blinder Wut war, sondern eher ein geplantes Verbrechen (vergleiche auch “künstliches Koma”). Aber das ist letztendlich egal, jeder weiß was gemeint ist.

Und wieder ist der Ablauf nach der Tat der gleiche, wie die letzten Male. Zuerst Fassungslosigkeit und alle Politiker dürfen im Fernsehen ihr Mitgefühl ausdrücken. Spätestens einen Tag nach der Tag geht es dann ans politische Ausschlachten. Und wie immer, wenn man einen First Person Shooter auf der Festplatte des Täters gefunden hat, kommen sofort die Forderungen nach einem Verbot von Killerspielen. Ist ja alles so einfach. Natürlich ist das Computerspiel schuld an dem Drama, die 16 legalen Schusswaffen im Schrank des Vaters sind da nicht mehr so wichtig. Aber das sind wir ja gewohnt.

Einstweilen laufen die berichtenden Medien zur Hochform auf. Allein von der SZ hatte ich heute elf Artikel zu dem Thema im Feedreader. Alle Onlinemedien bieten Klickstrecken mit trauernden Menschen, Videos von der Trauerfeier oder interaktive Karten vom Schulgelände. Aus dem “Schüler” wurde bereits “Tim K.” und morgen wird man dann wohl auch den Nachnamen erfahren. Wie bescheuert neuigkeitsgeil Journalisten sein können, zeigt dieses Beispiel von der Twitterin “tontaube”

Hat sich eigentlich schon einmal jemand gefragt, ob es nicht die mediale Aufmerksamkeit ist, die Jugendliche zu solchen Taten bewegt? Eine Castingshow nach der anderen redet uns ein, wir wollen, sollen oder müssen berühmt sein. Jugendliche machen sich zum Affen, nur um ins Fernsehen zu kommen. So wie jetzt über diese Tat berichtet wird, da kann jeder Superkaspar und jedes Topmoppel einpacken. Was man so liest, soll Tim K. keine gescheiterte Existenz gewesen sein. Vielleicht war es eine andere Situation, die ihm aussichtslos erschien. Wir werden es sicherlich erfahren. Für die Zukunft sehe ich aber schon die Gefahr von frustrierten Jugendlichen, die sich durch solche Taten wenigstens einmal im Leben Ruhm erhoffen. Und darum glaube ich, wir brauchen eher eine Wertediskussion im Fernsehen und im Miteinander, als Forderungen nach neuen Waffengesetzen, Killerspielverboten oder abgeriegelten Schulen, in die man nur mit Chipkarte reinkommt.

Nachtrag: Genau sowas meinte ich im letzten Absatz.