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Buchtipp: Putins Demokratur

Im Urlaub bin ich endlich mit “Putins Demokratur. Wie der Kreml den Westen das Fürchten lehrt” von Boris Reitschuster fertig geworden.

Zwanzig Jahre nach der Perestroika ist die Demokratie in Russland gescheitert. Wie zu Sowjetzeiten setzt Wladimir Putin auf die “Vertikale der Macht “. Das heißt: auf einen allmächtigen Staatsapparat, nationalistische Parolen, die Manipulation von Medien und auf den Geheimdienst. Die im Kreml herrschende Denkweise a´la KGB, kaum verhüllte Großmachtambitionen und die Abhängigkeit des Westens vom russischen Gas und Öl machen die Atommacht immer mehr zum außen- und energiepolitischen Unsicherheitsfaktor.

Boris Reitschuster lüftet den Propaganda-Vorhang des Kreml und beschreibt die Politik der neuen Herrscher, die Lebenswirklichkeit im heutigen Rußland und dessen Rolle gegenüber der europäischen Staatengemeinschaft.

Reitschuster lebt seit 13 Jahren in Moskau und ist Leiter des dortigen FOCUS-Büros. Das Buch ist zwar nicht gerade leicht zu lesen und fürs deutsche Weltbild alles andere als angenehm. Desöfteren wird einem bewußt, wie falsch Russland teilweise wahrgenommen wird, wenn man sich auf die deutschen Medien verläßt. Man glaubt einfach nur zu leicht, was einem in der Presse vorgekaut wird. Und wenn auch Reitschuster vielleicht manchmal ein wenig überteiben mag und die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt, so muss einem als Europäer da schon Himmelangst vor der Macht im Osten werden. Gerade in der Energiepolitik fahren wir uns derzeit in eine Abhängigkeit, die uns nicht gleichgültig sein darf. Nachvollziehen kann ich jetzt auch, was Krusenstern seinerzeit zu seiner unschmeichelhaften Bezeichnung für unseren Ex-Kanzler Gerhard Schröder bewog.

==> Leseempfehlung

Kein Buchtipp: Sex ist dem Jakobsweg sein Genitiv

Urlaubslektüre darf auch mal gerne ein wenig seicht sein. Auf Ihrer Vorbereitungstour durch den Buchladen hat mir meine Liebste auch etwas mitgebracht. Im praktischen Taschenformat kommt “Sex ist dem Jakobsweg sein Genitiv” von Harald Schmidt daher. Als alter Fan von Dirty Harry sollte das also passen. Beim Vorwort hab ich dann auch gleich geschmunzelt, als ich las:

Es handelt sich hierbei um Verschenkliteratur, eine Kategorie, die in den Bestsellerlisten leider noch nicht geführt wird.

Bei Geschenkliteratur geht es einzig und allein darum, dasss sie gekauft wird. Deshalb wird sie in praktischer Höhe in Bahnhofs- und Flughafenbuchhandlungen gestapelt. Ein Fernsehgesicht auf dem Buchdeckel ist nahezu unerlässlich.

Dachte ich aber zuerst noch, es handle sich um einen typischen Schmidt-Witz, musste ich bald feststellen, dass dies wirklich der Sinn des Buches ist. Auf 180 Seiten finden sich die gesammelten Kolumnen, die Harald Schmidt für den Focus geschrieben hat. Schmidt kommentiert zwar bissig und gut das Tagesgeschehen von anno dazumal, größtenteils aber alles alter Käse. Teilweise kapiert man auch nicht mal mehr, auf was er sich bezogen hat. Ein wenig kommt es mir vor, als würde man in einem Blog Beiträge lesen, die schon zwei Jahre alt sind. Dann auch noch jedes Kapitel nur um die 300-400 Wörter lang, Lesespaß kann also gar nicht aufkommen, geeignet ist sowas eher als Klo- denn als Urlaubslektüre.

Mein Fazit: Einziges Ziel des Buches ist es, dem Leser mit alten Kamellen nochmal 7,95 Euro aus der Tasche zu ziehen, indem man ein populäres Gesicht aufs Cover packt.

==> keine Leseempfehlung