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Operation “Equipment retrieval”

Beim olivfarbenen Faschingsverein wollten sie mich ja Gott sei Dank nie haben. Den Herren bei der Bundeswehr hat es damals schon gereicht, dass meine beiden Brüder bei ihnen waren. Aber immer wieder wenn deutsche Wehrdienstleistende von ihrer Zeit beim Barras erzählen, hört man, wie penibel genau Patronen bei Ausgabe und Rücknahme gezählt werden und dass auch die abgegebenen Schüsse aufgeschrieben werden. Gibt es da eine Differenz, ist es ein riesiges Drama.

In der Schweiz geht es da schon wesentlich lockerer zu. Kurzerhand nimmt der Soldat nach seiner Wehrdienstzeit das Sturmgewehr mit nach Hause und behält es für einen möglichen Verteidigungsfall im Besitz. Da kann es schon mal passieren, dass einem ein Vaterlandsverteidiger mit Knarre im Zug begegnet, weil der vielleicht grad wieder zu einer der regelmäßigen Wehrübung einrücken muss.


Bild: Haaretz

Was ich aber heute bei André entdeckt habe, ist richtig heftig. Einmal im Jahr gibt es in Israel eine Aktion, wo jeder Israeli das abgeben kann, was er noch zu Hause hat, weil er irgendwann “vergessen” hat, es zurückzugeben. Ohne Angst vor Strafen kann man bei Armee oder Polizei das abgeben, was man zufällig noch zu Hause gefunden hat. Die diesjährige Operation “Equipment retrieval” ging heute zu Ende und es wurden Waffen im Wert von schlappen 1,2 Millionen Euro abgegeben.

Die Liste der im Militärdienst versehentlich mitgenommenen Ausrüstung: Uzi-Maschinenpistolen, AK-47 und M-16-Schnellfeuerwaffen, Panzerfäuste, schwere Maschinengewehre, Pistolen, Panzer-Ersatzteile. Eine brachte zwei Minenwerfer-Granaten zurück.

Man stelle sich in Deutschland vor, wenn jemand bei der Polizei anrufen und mitteilen würde, der Nachbar hat eine Panzerfaust und eine AK-47 im Keller. Anklage wegen Planung einer terroristischen Aktion wäre wohl das Mindeste. Vorausgesetzt, man würde überhaupt die vorherige Stürmung durch die Sondereinsatzkräfte überleben.

Ab wann ist ein Krieg ein Krieg?

Verteidigungsminister Jung vermeidet es in jedem Interview, das Wort Krieg auch nur in den Mund zu nehmen. Stattdessen betont er immer wieder, das deutsche Engagement sorge für eine “vernetzte Sicherheit” in Afghanistan. Die Soldaten müssten helfen, schützen und vermitteln, gegebenenfalls aber auch kämpfen, um Sicherheit zu gewährleisten. Ein Krieg ist das in seinen Augen anscheinend aber nicht, was wohl nicht nur mir komisch anmutet. In der Radiowelt heute morgen hatte Thomas Dänzer-Vanotti daher ein Interview mit Andreas Paulus, dem Professor für Völkerrecht an der Universität Göttingen.

[audio:http://www.br-online.de/imperia/md/audio/podcast/import/2008_10/2008_10_22_09_30_32_podcastatdrandreaspaulus_a.mp3]

Leider brachte das Gespräch keine Klärung. Der Herr Professor verstand es perfekt, sich so auszudrücken, am Ende jeder wieder so schlau war wie vorher. Unweigerlich mußte ich an einen Beitrag von Larko letzte Woche denken: German language should be banned

Wesentlich aufschlußreicher war da schon der gestrige  Tagesschau-Chat mit Christian Thiels. Der Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio Berlin, zuständig für die Themen Verteidigung und Äußeres, stellte sich zahlreichen Fragen zur Lage der Bundeswehr in Afghanistan. Zum Beispiel:

Wie erleben die Soldaten vor Ort die Situation?

Christian Thiels: Für die Soldaten ist das ein Krieg, in dem sie stehen. Für sie ist es unwichtig, wie die Politik das nennt.

Hose voll?

Man könnte meinen, die deutschen Soldaten haben die Hosen voll, denn warum sonst wurde für die Bundeswehr im vergangenen Jahr 800 Millionen Rollen Klopapier beschafft? Ich mein, am Hindukusch holt man sich schnell mal nen Durchfall und die Taliban können einem auch ordentlich Angst machen. Aber 10 Rollen Klopapier für jeden Soldaten pro Tag ist dann doch ein wenig übertrieben, oder?

Grund war in Wirklichkeit aber, dass man bei der Berechnung den Rechenschieber nicht richtig bedienen konnte:

Der parlamentarische Staatssekretär Christian Schmidt (CSU) räumte jetzt ein, bei der Umrechnung von “Gebindegrößen (Rolle-Blatt, Blatt- Packung)” seien Fehler unterlaufen. Tatsächlich hätten die Untergebenen des CDU-Ministers Franz Josef Jung statt 800 Millionen Rollen nur 800 Millionen Blatt benötigt: “Damit errechnet sich ein Verbrauch an Toilettenpapier von 8,8 Blatt je Mitarbeiter und Arbeitstag.” (SpOn)

via Thomas