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Spende – Raed Athamna aus dem Gazastreifen

Im Januar gab es von Trigami 90,- Euro für diesen Beitrag über das Affiliatenetzwerk Bee5. Dazu dann nochmal 54,- Euro für eine Rezension über Travelfeedback.com.

Wie schon erwähnt ging davon ein Zwanziger heute an Jens Weinreich gegen Zwanziger. Die restlichen 124,- Euro spende ich diesen Monat an Raed Athamna aus Beit Hanoun im Gazastreifen.

Raed Athamna
Raed Athamna in den Resten seines Hauses

Raed lebt im Gazastreifen. Dort hatte er ein Haus, bis die israelische Armee es zerstörte. Man kann nur spekulieren, welchen Grund die israelische Armee dafür gehabt hat. Vielleicht war es wirklich nur ein Versehen, dass die Geschosse der Artellerie ihr Ziel um Hunderte von Metern verfehlten und unter anderem 13 Mitglieder seiner Familie getötet haben. Der offizielle Bericht liest sich so:

Ein „rares und ernsthaftes technisches Versagen eines Feuerkontrollsystems“ seien, so der Untersuchungsbericht, die Ursache für die fehlgeleiteten Artillerie-Geschütze. Es handle sich nicht um Absicht. Aus diesem Grund sei keine weitergehende Untersuchung angebracht. Niemand sei verantwortlich zu machen.

Vielleicht wollte man aber auch seine Dienste für die Presse stoppen. Wer kann es schon sagen? Raed ist nämlich Taxifahrer. Mit seinem Auto riskierte er oft sein Leben, wenn er ausländische Journalisten fuhr. Mit diesen Jobs ernährte er zuletzt rund 50 Menschen. Aber eben nur bis zu dem Tag, als ein israelischer Panzer sein Taxi überrollte und ihm seine Einkommensgrundlage nahm.

Sicherlich ist Raeds Geschichte nur eine von vielen in Gaza. Doch ihn möchte ich unterstützen, damit er auch in Zukunft wieder dabei helfen kann, der Weltöffentlichkeit die Wahrheit über das Geschehen im Ghetto von Gaza zu berichten.

Wer von Euch mithelfen will, kann auf das Konto der Grünhelme unter dem Stichwort „Gaza“ Geld überweisen.
Die Kontonummer der GRÜNHELME lautet: 2000008
BLZ: 70070024
(Deutsche Bank München)
Bitte Stichwort „Gaza“ nicht vergessen.

Wer noch ein paar Infos mehr zu Raed haben möchte, findet einen Brief von Bettina Marx bei den Grünhelmen oder einen Beitrag bei André Marty.

Vom sinnlosen Töten und Zerstören

Raed Athamna

Nur eine Geschichte von vielen dürfte die von Raed Athamna sein. Aber sie ist beispielhaft für das, was sich seit Jahren im Gazastreifen abspielt. Bereits 2006 wurde ein Großteil seiner Familie durch eine fehlgeleitete israelische Artillerie-Granate getötet. Es gab keinerlei Entschuldigung seitens Israels.

Ein „rares und ernsthaftes technisches Versagen eines Feuerkontrollsystems“, befindet eine armee-interne Untersuchung. Keine Entschuldigung, kein Wort des Bedauerns. Schuld  für das „technische Versagen“ ist niemand.

Während der israelischen Offensive im Januar mußte Raed aus seinem Haus in Asbed Abed Rabo fliehen. Jetzt konnte er zurückkehren und was er vorgefunden hat, ist ein Dorf, das es nicht mehr gibt. Sein Haus, sein Taxi – alles von der isarelischen Armee systematisch mit Bulldozern plattgemacht oder gesprengt. Alles nur israelische Selbstverteidigung oder doch eher systematische Vernichtung?

via André Marthy: Eine Geschichte aus dem Gaza-Streifen

Ein Vergleich der nicht hinkt

Der britisch-jüdische Parlamentsabgeordnete, Sir Gerald Kaufmann, vergleicht das israelische Massaker an den Palästinensern in Gaza mit den Nazis, die seine Vorfahren zwangen aus Polen zu flüchten.

[youtube qMGuYjt6CP8]

Ein Ausschnitt:

Auf Sky-News vor einigen Tagen, wurde die Sprecherin des israelischen Militärs, Major Avital Liebovich, über die Tötung von bis dahin 800 Palästinensern gefragt, die Summe ist jetzt 1.000. Sie antwortete sofort darauf, 500 von denen waren Militante. Das ist die Antwort eines Nazis. Ich nehme an, die Juden die im Warschauer Getto um ihr Leben kämpften, hätte man auch als Militante bezeichnen können.

Die ganze Übersetzung gibt es hier.

via Martin

Zeit für Sanktionen gegen Israel

Man könnte meinen, die israelische Führung glaubt, sie hätte Narrenfreiheit. Stand die westliche Weltöffentlichkeit anfangs ziemlich geschlossen hinter Israel, so ist diese Stimmung in den letzten Tagen langsam gekippt. Schuld waren sinnlose Angriffe auf Schulen, Flüchtlingslager und Moscheen. Denn obwohl Israel keine ausländischen Reporter ins Kriegsgebiet läßt, kamen immer wieder schreckliche Bilder vom israelischen Tun aus Gaza heraus. Reuters und Al Jazeera sei Dank. Weil man aber scheinbar mit dem Kampf gegen die Hamas nicht weiterkommt, verlegt man sich auf andere Gegner. Und so wurde heute dann zielgenau das Stockwerk beschossen, wo sich der technischen Kontrollraum von Reuters befand.

Der technischen Kontrollrau von Reuters, der sogenannte MCR, wird zerstört. Zwei Kameraleute werden verletzt, die anderen werden den heutigen Tag nie mehr vergessen. Alle Journalisten, Techniker und Kameraleute sind nun auf der Strasse, Reuters Gaza gibt es nicht mehr.

Kurz danach wurde dann das Hauptqurtier der U.N. beschossen und am Nachmittag, als unser Aussenminister Frank-Walter Steinmeier zusammen mit Tzipi Livni in einem Luxushotel beim Crème brulée sitzt, wird noch das Al-Aksa-Spital des Roten Kreuz bombardiert. Die israelische Armee ist technologisch bestens ausgestattet. Wer da noch an Versehen glaubt, muss naiv sein. Ich bin ja gespannt, wie lange sich die Welt noch auf der Nase herumtanzen lassen läßt.

Die Lügen des Krieges

Zu leicht tun wir uns, das zu glauben, was uns im Fernsehen vorgesetzt wird oder was uns eine Bundesregierung erzählt, die sich aus geschichtlicher Tradition hütet, auch nur ansatzweise Israel zu kritisieren. Schuld sind immer die Terroristen der Hamas und uns wird erzählt, wenn die Hamas erst einmal vernichtet ist, dann gibt es Frieden oder ist das Volk befreit. Telepolis hat gestern einen schönen Bericht vom ehemaligen Knesset-Abgeordneten Uri Avnery gebracht, wo erklärt wird, warum die Hamas nicht verlieren kann. Er zieht auch einen provozierenden Vergleich mit der Churchillbande. „Der Krieg – jeder Krieg – ist ein Lügenreich.“ Wie wahr! Immer wenn dann eine Moschee oder ein Flüchtlingslager zerbombt wurde, erklärte man sofort, es wäre ein Stützpunkt der Terroristen gewesen. Wenn dann am Tag darauf die Wahrheit ans Licht und das Eingeständnis des Fehlers kommt, interessiert es schon keinen mehr. Dann wurde schon der nächste „Terrorkommandoposten“ in einer Schule zerstört.

Foto: Amir Farshad Ebrahimi
Foto: Amir Farshad Ebrahimi

Gewalt bringt wieder Gewalt. Diese Wirklichkeit müßte doch mittlerweile schon jeder kapiert haben, würde man meinen. Und trotzdem will weder die eine noch die andere Seite die Spirale der Gewalt beenden. Heute morgen habe ich einen interessanten Beitrag in Bayern 2 gehört. Da wurde der Vergleich mit Nordirland gezogen. Der Bürgerkrieg zerstörte das Land und das Volk, bis dann irgendwann Tony Blair auf die Sinn Féin zuging und sie nicht mehr als Terrorgruppe abstempelte, sondern als Verhandlungspartner akzeptierte und so den Frieden ermöglichte.

Bei uns hört man nur, die Hamas sei als Verhandlungspartner unakzeptabel und müsse zerstört werden. Nun darf man aber nicht vergessen, dass diese demokratisch gewählt wurde und im Augenblick wird geschätzt, dass sie mindestens zu 30% Rückhalt in der palästinensischen Bevölkerung hat. Das wären dann gut 400.000 Menschen. Sind das alles Terroristen? Will Israel die alle erst töten? Nein, ein Frieden kann nur mit der Hamas in einem eigenen Palästinenserstaat entstehen, den auch Israel akzeptiert und nicht künstlich auf Steinzeitniveau hält, indem es die Grenzen blockiert.

Allerdings habe ich wenig Hoffnung, dass sich bei den Israeli etwas bewegt. Jetzt wo fast nur Hardliner zur Wahl stehen und auch noch die arabischen Parteien von der Wahl ausgeschlossen werden sollen. Sind ja schließlich alles Verbrecher bei den Arabern, die den Terror unterstützen. Nur zu Erinnerung: 20% der israelischen Bevölkerung sind arabischer Herkunft. 1947 gab es mal einen Teilungsplan der U.N. Bereits damals wurden dem jüdischen Staat viele Gebiete zugesprochen, die eigentlich palästinensisch waren. Der Grundstein für den Konflikt war gelegt. Israel hat sich dann noch so manchen Landstrich unter den Nagel gerissen und die aggressive Siedlungspolitik im palästinensischen Westjordanland tat den Rest.

Eines ist für mich sicher. Die Hamas wird gestärkt aus diesem Konflikt hervor gehen und der Frieden rückt mit jedem Tag der israelischen Bomben weiter in die Ferne. Meine Hoffnung setze ich auf den neuen amerikanischen Präsidenten, der die kriegsversessenen Boims, Aschkenasis, Baraks und wie sie alle heißen ein wenig in die Schranken weist. Und wenn ich höre, dass Israel letztes Jahr allen Ernstes bei den USA angefragt hat, ob sie Unterstützung für einen Angriff auf iranische Atomanlagen bekommen, könnte ich Galle spucken.

Und weil es zu dem Thema passt. Den André Marty hab ich seit knapp einem Jahr im Reader und bei der augenblicklichen Situation in palästinensischen Autonomiegebieten kann ich Euch nur nahelegen, ihn auch zu abonieren. Auch wenn er aufgrund der israelischen Zensur nicht in der ersten Reihe sein kann – kein anderer erscheint mir dieser Tage so glaubhaft, wie er. Heute hat ihn übrigens sogar der Robert Basic entdeckt. Und was ein Link von dem an Traffic bringen kann, habe ich selbst schon einmal verspürt. Wobei ich fürchte, dass die ganzen SEOs und (wie schreibt Matthias immer so schön?) WebZwoNullen dort, sich derzeit kaum für etwas anderes interessieren als eine bestimmte EBAY-Auktion. 😉

Nichts als Propaganda

Censorship causes blindness

In diesem Konflikt die richtigen Worte zu finden ist nicht einfach. Einem Konflikt, in dem keine der beteiligten Parteien jemals wirklich Frieden wollte. Ein Volk, das dauernd unterdrückt wird, sich im Gegensatz zu asiatischen Bergvölkern aber nicht auf friedlichen Widerstand beschränkt. Je mehr dieses Volk gegängelt wird, je mehr ihm Land weggenommen wird, je mehr es hungern muss, desto mehr haben radikale Gruppierungen Zulauf. Israel muss sich also eigentlich nicht wundern, wenn die Hamas Gas gibt. Die kämpft indes mit ungleichen Waffen. Sie schießt im Prinzip mit auffrisierten Silvesterraketen, die ungelenkt ihre Ziele in Israel finden sollen, was sie ab und zu auch tun. Dagegen steht die hochausgerüstete israelische Armee, die mit feinster US-Technik zielgenau treffen könnte. Ich sage könnte, denn was ist nicht schon alles getroffen worden, was eigentlich kein Kriegsziel ist? Die Bombenlast der Israelis auf den Gazastreifen dürfte in der ersten Angriffswelle sowieso schon die der Hamas des ganzen letzten Jahres überstiegen haben. Von der Anzahl der Toten mal ganz zu schweigen.

Sich als Europäer zu informieren ist schwierig. Zu stark die israelische Zensur, schließlich dürfen Journalist nicht einmal rein nach Gaza. Könnten sie doch Dinge sehen, die schlecht fürs israelische Opferimage sind. Deshalb gibt es dann auch den Journalistenhügel am Kriegerdenkmal zwei Kilometer vor der Grenze zum Gaza-Streifen. Da tut es gut, wenn man wenigstens bei ein paar Kollegen mitlesen kann, die seit Jahren von dort berichten und ein wenig die Richtigkeit der vorgesetzten „Wahrheiten“ beurteilen können, die man von unseren Fernsehsendern vorgesetzt bekommt.

Ach’ übrigens: was wir Journalisten „an der Front“ Konkretes wissen über den Kriegsverlauf, über die Opferzahlen, über die „diplomatischen Bemühungen“? Kaum etwas.  Wir sind einem einmaligen Propaganda-Konzert ausgesetzt – immer wieder erstaunlich, wie viele Spokesperson’s so ein Krieg kreieren kann. Am Journalistenhügel stehen sie täglich bereit, brauchst bloss dein Mikrophon hinzuhalten, Armee, Aussenministerium, Government Press Office, Lobby-Organisationen wie The Israel Project, Zivilisten, religiöse Gruppierungen. Kannst sie in deutscher, russischer, spanischer, englischer, französischer Sprache haben – hebräisch spricht eh’ kaum einer der Journalisten.

Der Schal des Taliban

Mal abgesehen, dass es ein Mann und eine Frau sind, was ist wohl der Unterschied zwischen den beiden nachfolgenden Fotos?

Halstuch im ZDF

andre_sftv

Beide Reporter berichten über die israelische Bombardierung des  Gazastreifens. Auch im Mittleren Osten ist Winter und daher sind die beiden warm angezogen. Während das ZDF aber am Schal von Frau Storch nichts Verwerfliches entdecken kann, hat das Schweizer Fernsehen mit dem Halswärmer von André Marty ein Problem, das an Lächerlichkeit wohl kaum zu überbieten ist:

Derweil kommt aus der Redaktion in der fernen Schweiz die dringende Bitte, doch auf ein Halstuch zu verzichten, mache mich irgendwie zum Palästinenser, einer meint gar zum Taliban… – Feedback vom Feinsten.

André Marty arbeitet übrigens schon lange Zeit fürs Schweizer Fernsehen in Israel und Palästina, darf aber derzeit nicht aus dem Gazastreifen berichten. Die israelische Regierung sperrt die Journalisten, trotz richterlicher Verfügung aus. Ein Schelm wer Böses denkt.

Die beiden Standbilder sind übrigens vom Henusode-Blog

Weil es keiner wissen darf

Seit Monaten lässt Israel die palästinensische Bevölkerung in Gazastreifen hungern und verweigert medizinische Hilfe für Todkranke. Und wohl weil das ganze Elend keiner in der westlichen Welt mehr sehen soll, wird seit ungefähr zwei Wochen kein ausländischer Journalist mehr in den Gazastreifen reingelassen. Daher haben jetzt jede Menge Chefredakteure westlicher Medien in einem offenen Brief an Ehud Olmert gegen die israelische Zensur protestiert.

Dear Mr. Prime Minister,

 

We are gravely concerned about the prolonged and unprecedented denial of access to the Gaza Strip for the international media. For nearly two weeks, the Israeli authorities have prevented journalists accredited by the Israeli Government Press Office from crossing into Gaza. Israel has long facilitated international coverage of Gaza even during times of significant violence, including in the immediate vicinity of the Erez crossing.

 

We are particularly dismayed by the government’s decision to include international journalists among the categories now barred from crossing into Gaza. Throughout this period, Erez has remained open to some traffic. We would welcome an assurance that access to Gaza for international journalists will be restored immediately in the spirit of Israel’s longstanding commitment to a free press.

Sincerely,

 

– David Westin, President of ABC News 

– Pierre Louette, President Directeur Général de l‘AFP

– Tom Curley, President and CEO, The Associated Press

– Helen Boaden, Director of BBC News

– Parisa Khosravi, CNN Senior Vice-President of International Newsgathering.

– Robert Hurst, President of News, CTV – Canadian Television

– Bill Keller, Executive Editor, New York Times

– David Schlesinger, Editor-in-Chief, Reuters

– Nikolaus Brender, editor-in-chief of ZDF German Television, Mainz

– David Mannion, Editor-in-Chief, ITV News

– Jörg Schierenbeck, Managing Director, epa european pressphoto agency b.v.

– John Cruickshank, Publisher, CBC News

– John Walcott, Washington Bureau Chief, McClatchy Newspapers

– Russ Stanton, Editor, Los Angeles Times

– Fritz Raff, Chairman ARD German Radio TV