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Österreich verbietet Gen-Mais

Warum geht das nicht auch bei uns Herr Seehofer? Ist die Gentechnik-Lobby zu zahlungskräftig?

Österreich hält nun bei sieben Verboten von in der EU zugelassenen Gentech-Pflanzen. Neben MON863-Mais und den drei Rapslinien Ms8, Rf3 und Ms8xRf3 ist auch der Anbau der Gentech-Maissorten MON810 und T25 sowie der Import der gentechnisch veränderten Rapssorte GT73 verboten.

Ein kleiner Teilerfolg gegen Monsanto

GEN-Mais-Bauer Reinhard Dennerlein aus Oberbreit im Landkreis Kitzingen verzichtet auf den Anbau von MON810 auf 50 Hektar seiner Ackerfläche. Damit beläuft sich die Ackerfläche im Landkreis Kitzingen, die für MON810 verwendet werden soll nur noch auf rund 10 Hektar. Zustande kam das Umdenken wohl auf Druck der Öffentlichkeit und von Freiherr Crafft von Crailsheim. Von Letzterem hat Reinhard Dennerlein die Ackerflächen gepachtet. Mehr Infos.

Tag der Erde im Gentechniklandkreis Kitzingen

Ausgerechnet am Tag der Erde (Earth day) startet in Bayern die Aussaat von MON810, dem Genmais der US-Firma Monsanto. Für 96 Hektar wurde in Bayern die Genehmigung erteilt. 90 Hektar davon sind allein in Unterfranken, fast alles im Landkreis Kitzingen geplant. Die Weingegend am Untermain wird dadurch zum Gentechniklandkreis Nummer 1. Nun ist es aber nicht so, dass der Landkreis maßgeblich hinter dieser Entwicklung steht. Im Gegenteil, die Bevölkerung und der große Teil der Bauern sind strikt gegen genmanipulierten Mais. So befürchten beispielsweise Imker eine Verunreinigung ihres Honigs, Bienen halten sich schließlich nicht an Abstandsflächen, die ja ihrerseits nur alibimäßig eingeführt wurden und eine Verunreinigung der Nachbarfelder duch Pollen des Genmais nicht verhindern können.

Richtig hart trifft es die Gemeinde Oberbreit, wo der Landwirt wohnt, der scheinbar für Monsanto die Speerspitze in Deutschland bilden soll. Bauer Reinhard Dennerlein will großflächig Genmais anbauen, weil er diesen zur Schweinemast einsetzen möchte und im benachbarten Rödelsee einen weiteren Schweinemastbetrieb für 2500 Tiere plant. Für eine Gemeinde ist es natürlich eine schwere Hypothek, wenn sie so einen Landwirt im Gemeindegebiet hat. Gerade die kleinen Gemeinden Oberreit und Rödelsee möchten eigentlich mit der idyllischen Lage in den Weinbergen Besucher anlocken. Eine stinkende Schweinemastfabrik und Maisfelder mit Genmais sind da alles andere als förderlich.

Derweil erkennt man scheinbar auch in der Politik die Fehler, die man gemacht hat. Hatte Landwirtschaftsminister Horst Seehofer im vergangenen Dezember erst noch der Weg für den Anbau von Genmais geebnet, kritisiert er nun plötzlich die Nahrungsmittelkonzerne und wirft ihnen ihr Streben nach Gewinnmaximierung vor.

„Wir brauchen eine Renaissance der Landwirtschaft, einen Ausbau der Agrarproduktion in Deutschland, der gesamten EU und vor allem in den Entwicklungsländern“, sagte Seehofer der Zeitung. „Wir müssen weltweit mehr Nahrungsmittel produzieren, um weitere Preissprünge zu verhindern.“ In der EU seien 3,8 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche stillgelegt worden, um Überschüsse bei Milch, Butter, Wein und Fleisch zu bekämpfen. „Diese Flächen müssen möglichst rasch wieder genutzt werden.“

Fähnchen im Wind sag ich da nur.

Das GenBuch Lebensmittel

Derzeit lese ich das „Das GenBuch Lebensmittel“ von Max Annas und Gregor Bornes, das einen kleinen Status Quo zum Thema Gentechnik in Lebensmittel darstellt. Meint man ja bei uns gemeinhin, in Deutschland noch relativ sicher genfrei einkaufen zu können, so wird man doch eines Schlechteren belehrt. Ein kleiner Auszug:

Gentechnisch manipuliertes Fleisch muss weder in der Fleisch- und Wurstproduktion nachgewiesen werden noch von der Milchwirtschaft mit ihren breiten Produktpaletten. Allerdings ist es sehr wohl möglich, gentechnikfreies Proteinfutter aus Soja oder Mais zu erwerben, wie eine österreichische Großmolkerei (Anmerkung: gemeint ist die NÖM AG) unlängst bewiesen hat und ihre Fütterung umstellte. Damit steht sie im direkten Widerspruch zu Firmen wir Müller Milch oder Campina, die behaupten, dass der Einkauf von nicht gentechnisch verändertem Futter gar nicht mehr möglich sei. Die Nachricht aus Österreich beschert keiner Hochleistungskuh ein stressfreies Leben, aber es untergräbt das Monopol der Vermarktung durch Verunreinigung.

„Das GenBuch Lebensmittel“ kostet gerade mal 9,90 Euro. Zwar ist es schon ein Jahr alt und nicht mehr am allerneuesten Stand, trotzdem kann ich es Euch nur empfehlen. Ein paar weitere Infos zum Thema Gentechnik in Milchprodukten gibt es bei Greenpeace: Gentechnik ist, wenn es Landliebe ist!