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Alles Gute Helmut Schmidt!

Helmut Schmidt hat 90. Geburtstag

Er ist der erste Politiker, an den ich mich aus meiner Kindheit erinnern kann und in meinen Augen auch gleichzeitig der letzte seiner Art aus deutschen Landen, vor dem man wirklich Respekt haben muss. Nichts was nach ihm kam, kann dem Bestenbundeskanzlerallerzeiten auch nur ansatzweise das Wasser reichen. Heute wird Helmut Schmidt neunzig Jahre. Alles Gute!

Nachtrag: Gestern Abend kam im Ersten noch eine Biografie namens Helmut Schmidt – Mein Jahrhundert (ein Film von Reinhold Beckmann und Christoph Weinert). Aufgrund von vorweihnachtlichen Stress habe ich nur die letzten 15 Minuten gesehen. Irgendwie kam das Ganze rüber, als würde er nicht Geburtstag feiern, sondern wäre schon gestorben. Die Musikauswahl war alles andere als gelungen.

Mehr um die Nachbarn kümmern

Gestern war Helmut Schmidt bei Beckstein Beckmann und ich war überrascht, wie gut in Form “Besterbundeskanzlerallerzeiten” war. Gut gelaunt und geradezu jugendlich präsentierte sich der älteste Kettenraucher Deutschlands, der wohl mittlerweile auch der größte Werbeträger von Pöschl´s Gletscherprise (Schmalzler/ hochdt: Schnupftabak) sein dürfte. Lediglich als Jehan al Sadat, die Witwe des ermordeten Anwar as-Sadat eingeblendet wurde und Helmut Schmidt über den Schellnkönig lobte, wurde der kurzzeitig sentimental. Sadat bezeichnete er als sehr großen Freund und Held, von dem er viel über den Islam gelernt hatte. Direkt danach forderte er mehr Toleranz gegenüber anderen Religionen, schließlich basieren die drei monotheistischen Religionen alle auf dem gleichen Fundament. Den Kirchen gab er eine Mitschuld daran, dass weltweit eine Abneigung gegen alles herrscht, was anders ist.

Und dann gab es noch eine kleine Schelte für die deutsche Aussenpolitik. Man solle sich mehr um die direkten Nachbarn kümmern. Wichtiger als Georgien sei doch für die Deutschen Polen oder Frankreich. Die hätten daher auch mehr Aufmerksamkeit verdient. Eine Natositzung in Georgien abzuhalten empfand er als Provokation gegenüber Rußland und erinnerte daran, dass sich sowas der Warschauer Pakt in Kuba früher nie hätte trauen dürfen.

Alles in allem sah man einen sehr entspannten und offenen Helmut Schmidt, der weit lockerer daherkam als in den vielen früheren Interviews mit Sandra Maischberger. Mit dem Beckmann kann er scheinbar besser. Zum Ende gab es dann noch ein paar Videobotschaften von Gerhard Schröder, Valéry Giscard d’Estaing und Angela Merkel. Dabei war letztere fast ein wenig peinlich anzusehen, reden kann sie einfach nicht.

Wiederholungen der Sendung (wenn auch zu unmöglichen Zeiten) gibt es übrigens einige:

Montag, 22. September, 1.00 Uhr (NDR)
Dienstag, 23. September, 9.35 Uhr (MDR)
Dienstag, 23. September, 0.40 Uhr (rbb)
Freitag, 26. September, 10.15 Uhr (3sat)
Samstag, 27. September, 7.45 Uhr (hr-fernsehen)

Helmut Schmidt und die Demokratie

Am Dienstag war Besterbundeskanzlerallerzeiten bei Sandra Maischberger und hat ein wenig über China erzählt. Dabei erwähnte er auch dass Deutschland nicht so tun dürfe, als hätte es die Demokratie erfunden. Damit hat Helmut Schmidt sicherlich recht und das muss noch in viele Köpfe in Europa und Amerika rein. Die demokratische Staatsform ist nicht ein sofortiges Allheilmittel. Für die westliche Welt stimmt das sicherlich. Im Nahen Osten und in China aber eben wohl eher nicht. Ein Volk muss erst reif sein dafür, bzw reif gemacht werden. Selbst im Königreich Bhutan, wo der beliebte König Jigme Khesar Namgyel Wangchuck vor ein paar Wochen endgültig die Demokratie mittels Wahlen einführte, ging die Bevölkerung nur zur Wahl, weil der König sie dazu eindringlich aufforderte. Viel lieber hätten sie einfach denKönig als Chef behalten.

Im Irak konnten wir beobachten, wie ein Land im Chaos versank, als der Diktator nach der Intervention der USA abgesetzt wurde. Husseins Fehler war eben, dass er aussenpolitisch zu frech und als Öllieferant zu unsicher wurde. Für die Demokratie, die man dort jetzt aber einführen will, sehe ich auf Jahre keine Perspektive.

In Ägypten ist die Situation ähnlich wie im Irak vor dem Einmarsch der USA. Das Land hat mit Muhammad Husni Mubarak seit 1981 den gleichen Herrscher, der zwar die Opposition verfolgt und Wahlen manipuliert, aber zumindest werden die muslimischen Extremisten klein gehalten und das Land hat Stabilität. Ich bin mir fast sicher, würde dort wirklich frei gewählt, hätten wir innerhalb weniger Jahre eine ähnliche Situation wie jetzt im Iran und die Fundamentalisten würden sich durchsetzen. Für die Demokratie sehe ich in vielen islamischen Ländern keine große Zukunft, solange die Religion zu sehr mitmischt und es keine Trennung zwischen Staat und Kirche gibt.

Bitte die Kirche im Dorf lassen

Dass ich das Rauchverbot in Gaststätten gut finde, habe ich ja schon ausgiebig kund getan. Was die Süddeutsche da heute aber veranstaltet kann ich nicht recht nachvollziehen. Da wird über Besterbundeskanzlerallerzeiten Helmut Schmidt ein Artikel mit Abstimmung geschrieben, weil es sich nicht an das Rauchverbot gehalten hat. Klar ist er damit nicht das Vorbild, das man sich wünscht und vielleicht muss er deswegen auch ein paar Euro Bußgeld zahlen. Aber was soll das bitte auf der Homepage der SZ? Steigt man jetzt groß ins Denunziatengeschäft ein? Finden wir nächste Woche ein Foto von Helmut Kohl beim Falschparken und eine Abstimmung dazu, ob das ehemaligen Kanzlern erlaubt werden soll?

Mentor der Nation

Theo Sommer gestern in “Helmut Schmidt ausser Dienst” über Besterbundeskanzlerallerzeiten:

wenn er 30 Jahre jünger wäre, würden ihn 80 Prozent der Deutschen zum Kanzler wählen.

Ansonsten eine super Doku, wie sie nie im Unterschichtenfernsehen entstehen könnte. Manchmal verstehe ich wieder, warum ich an die GEZ zahle.

Helmut Schmidt bei Maischberger

Gestern war *Bestbundeskanzlerallerzeiten* bei Sandra Maischberger (übrigens nicht Sandra Meischberger) und hat, zusammen mit Richard von Weizsäcker, Rede und Antwort gestanden. Wohl als einziger TV-Kettenraucher, hat er einmal mehr bewiesen, dass er mit seinen 87 Jahren noch weit mehr auf dem Kasten hat, als der Großteil die Gesamtheit unserer derzeitigen Politiker. Auf jede der Fragen kamen Antworten, die man treffender kaum hätte geben können. Eine Wohltat, solche Menschen in Talkshows zu sehen. Über jeden Zweifel erhaben, hat er es einfach nicht mehr nötig, sich ständig zu profilieren und auf andere zu einzudreschen. Er zeigt das, was man bei den derzeitgen Politikern vermisst: Anstand und Respekt gegenüber anderen.

Woche für Woche sieht man bei Christiansen und Co. Politiker der zweiten und dritten Reihe, die sich für nichts zu schade sind. So wandert mein Daumen bei Talkshows mit Abstellgleisbesetzer Söder, Kreischsäge Roth oder Nurkritisierer Westerwelle mittlerweile fast automatisch auf den Not-Aus-Schalter der Fernbedienung.

Wer sich Sabine Christiansen am Sonntag angetan hat, der hat einmal mehr gesehen, wie weit das Niveau gesunken ist.