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Israel loves Iran

Die israelische Regierung versucht ja derzeit auf Teufel komm raus einen Krieg mit dem Iran anzuzetteln. Mit den eigenen Atomraketen im Rücken und den USA als Verbündeten an der Seite, fühlt man sich scheinbar in der Position, einen Angriffskrieg erfolgreich starten zu können. Als Grund wird immer wieder das angebliche Atomwaffenprogramm des Iran herangezogen, dessen Vorhandensein sogar innerhalb der CIA verneint wird. Wie war das damals noch mit den Massenvernichtungswaffen vom Irak, die dann nie gefunden wurden?

Andererseits, verständlich wäre der Drang nach Atomwaffen des Iran schon. Ich mein, ich bin ganz bestimmt kein Freund der Diktatoren im Iran oder von einem islamistischen Gottesstaat. Aber wenn ich mir nur kurz die Bedingungen im Nahen Osten vor Augen halte, wird die Haltung des Iran schon ein wenig verständlich. Man sitzt auf viel Öl, das die USA haben wollen. Der Irak im Westen wurde zuvor schon wegen des Öls überrollt. Genauso wurde Afghanistan im Osten besetzt, um die USA nach 9/11 zu „schützen“. Im Süden gibt es US-Militärbasen in Saudi-Arabien und im persischen Golf fahren atombestückte Flugzeuträger auf und ab. Da würde ich auch alles versuchen, um die Souveränität meines Landes zu bewahren.

Dazu die Tatsache, dass die USA schon mal einen Putsch im eigenen Land organisiert haben, um den damals (wirklich) demokratisch gewählten Präsidenten Mohammad Mossadegh durch eine Marionete zu ersetzen. Dieses Ereignis im Jahr 1953 ist für mich übrigens der Hauptgrund für die ganze Misere mit dem Iran in der wir uns heute befinden.

Die israelischen Gründe für einen Angriff mögen vielfältig sein. Sicherlich haben sie etwas zu tun mit den eigenen Expansionsbestrebungen der vergangenen Jahrzehnte und der Angst vor dem Verlust der Vormachtstellung als einzige lokale Atommacht.

Gott sei Dank sieht aber nicht die ganze israelische Bevölkerung den Iran als Feind an. Um ein Zeichen gegen den sich abzeichnenden Angriffskrieges zu setzen, wurde die Seite Israel loves Iran initiiert. Der eigentliche Grund für diesen Artikel.

Darum – guckst Du:

http://www.israelovesiran.com
oder
http://www.facebook.com/israellovesiran

Das harte Brot der Moderation

Bisher sind bei mir kaum politische Fundamentalisten aufgeschlagen, die ihre Propaganda verbreiten wollten. Ich ärgere mich eher mit Backlinkjägern herum, deren Adressangaben ich dann einfach hierhin oder hierhin umbiege. Betreibt man ein Blog in einem der Krisengebiete dieser Welt, sieht das natürlich ganz anders aus. Wenn man dann noch regelmäßig im Fernsehen präsent ist erst recht.

André Marty bloggt bekanntlich aus Israel und den besetzten Palästinensergebieten. Dort wo offiziell zwar Waffenstillstand herrscht, gibt es scheinbar wenige, die noch klar und unvoreingenommen denken können. Bist Du nicht mein Freund, kannst Du nur mein Feind sein, ist leider meist das Motto. Und so muss sich André gelegentlich einiges gefallen lassen. Heute gibt es bei ihm einen Beitrag, wo er erklärt, warum er gelegentlich Kommentare nicht freischaltet. Bereits die Einleitung lässt tief blicken, was man ertragen muss, wenn man in Israel und Palästina nicht blind durchs Leben läuft.

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs,

nein, ich bin kein Arschloch, kein Israelfeind, kein Mossad-Agent und auch kein geistig einseitig Kastrierter.

Da bin ich dann doch wieder froh, dass ich mich nur mit Spammern rumärgern muss und freue mich, dass es Blogger wie André gibt.

My first war

Während ein deutscher Soldat nicht in die Gefahr kommt, in seiner Zeit als Reservist, in den Krieg ziehen zu müssen, schaut das in Israel ganz anders aus. Immer wenn ein benachbartes Land angegriffen werden soll, müssen Ärzte, Studenten, Arbeiter oder Geschäftsleute ran. Als Israel im Zweiten Libanonkrieg 2006 (auch „33-Tage-Krieg“) die Hisbollah vernichten wollte, wurde auch der Filmemacher Yariv Mozer an die Front beordert. Er sollte einen Offizier ersetzen, der von der Front mit Angstattacken geflüchtet war. Mit der Kamera im Gepäck dokumentierte er die Planlosigkeit der israelischen Armeeführung, das Sterben seiner Kameraden und den Gegensatz zum normalen Leben in Tel Aviv, das gerade drei Stunden entfernt lag. Er filmte die Gefühle der normalen Soldaten und die Diskussionen der Offiziere zu dem verlorenen Krieg.

Herausgekommen ist der beeindruckende Dokumentarfilm „My first war“, der gerade auf ARTE lief. Wie immer kommt die Doku noch eine Woche im Internet auf ARTE +7. Ich kann Euch nur empfehlen sie anzusehen!

Spende – Raed Athamna aus dem Gazastreifen

Im Januar gab es von Trigami 90,- Euro für diesen Beitrag über das Affiliatenetzwerk Bee5. Dazu dann nochmal 54,- Euro für eine Rezension über Travelfeedback.com.

Wie schon erwähnt ging davon ein Zwanziger heute an Jens Weinreich gegen Zwanziger. Die restlichen 124,- Euro spende ich diesen Monat an Raed Athamna aus Beit Hanoun im Gazastreifen.

Raed Athamna
Raed Athamna in den Resten seines Hauses

Raed lebt im Gazastreifen. Dort hatte er ein Haus, bis die israelische Armee es zerstörte. Man kann nur spekulieren, welchen Grund die israelische Armee dafür gehabt hat. Vielleicht war es wirklich nur ein Versehen, dass die Geschosse der Artellerie ihr Ziel um Hunderte von Metern verfehlten und unter anderem 13 Mitglieder seiner Familie getötet haben. Der offizielle Bericht liest sich so:

Ein „rares und ernsthaftes technisches Versagen eines Feuerkontrollsystems“ seien, so der Untersuchungsbericht, die Ursache für die fehlgeleiteten Artillerie-Geschütze. Es handle sich nicht um Absicht. Aus diesem Grund sei keine weitergehende Untersuchung angebracht. Niemand sei verantwortlich zu machen.

Vielleicht wollte man aber auch seine Dienste für die Presse stoppen. Wer kann es schon sagen? Raed ist nämlich Taxifahrer. Mit seinem Auto riskierte er oft sein Leben, wenn er ausländische Journalisten fuhr. Mit diesen Jobs ernährte er zuletzt rund 50 Menschen. Aber eben nur bis zu dem Tag, als ein israelischer Panzer sein Taxi überrollte und ihm seine Einkommensgrundlage nahm.

Sicherlich ist Raeds Geschichte nur eine von vielen in Gaza. Doch ihn möchte ich unterstützen, damit er auch in Zukunft wieder dabei helfen kann, der Weltöffentlichkeit die Wahrheit über das Geschehen im Ghetto von Gaza zu berichten.

Wer von Euch mithelfen will, kann auf das Konto der Grünhelme unter dem Stichwort „Gaza“ Geld überweisen.
Die Kontonummer der GRÜNHELME lautet: 2000008
BLZ: 70070024
(Deutsche Bank München)
Bitte Stichwort „Gaza“ nicht vergessen.

Wer noch ein paar Infos mehr zu Raed haben möchte, findet einen Brief von Bettina Marx bei den Grünhelmen oder einen Beitrag bei André Marty.

Vom sinnlosen Töten und Zerstören

Raed Athamna

Nur eine Geschichte von vielen dürfte die von Raed Athamna sein. Aber sie ist beispielhaft für das, was sich seit Jahren im Gazastreifen abspielt. Bereits 2006 wurde ein Großteil seiner Familie durch eine fehlgeleitete israelische Artillerie-Granate getötet. Es gab keinerlei Entschuldigung seitens Israels.

Ein „rares und ernsthaftes technisches Versagen eines Feuerkontrollsystems“, befindet eine armee-interne Untersuchung. Keine Entschuldigung, kein Wort des Bedauerns. Schuld  für das „technische Versagen“ ist niemand.

Während der israelischen Offensive im Januar mußte Raed aus seinem Haus in Asbed Abed Rabo fliehen. Jetzt konnte er zurückkehren und was er vorgefunden hat, ist ein Dorf, das es nicht mehr gibt. Sein Haus, sein Taxi – alles von der isarelischen Armee systematisch mit Bulldozern plattgemacht oder gesprengt. Alles nur israelische Selbstverteidigung oder doch eher systematische Vernichtung?

via André Marthy: Eine Geschichte aus dem Gaza-Streifen

Ein Vergleich der nicht hinkt

Der britisch-jüdische Parlamentsabgeordnete, Sir Gerald Kaufmann, vergleicht das israelische Massaker an den Palästinensern in Gaza mit den Nazis, die seine Vorfahren zwangen aus Polen zu flüchten.

[youtube qMGuYjt6CP8]

Ein Ausschnitt:

Auf Sky-News vor einigen Tagen, wurde die Sprecherin des israelischen Militärs, Major Avital Liebovich, über die Tötung von bis dahin 800 Palästinensern gefragt, die Summe ist jetzt 1.000. Sie antwortete sofort darauf, 500 von denen waren Militante. Das ist die Antwort eines Nazis. Ich nehme an, die Juden die im Warschauer Getto um ihr Leben kämpften, hätte man auch als Militante bezeichnen können.

Die ganze Übersetzung gibt es hier.

via Martin

Zeit für Sanktionen gegen Israel

Man könnte meinen, die israelische Führung glaubt, sie hätte Narrenfreiheit. Stand die westliche Weltöffentlichkeit anfangs ziemlich geschlossen hinter Israel, so ist diese Stimmung in den letzten Tagen langsam gekippt. Schuld waren sinnlose Angriffe auf Schulen, Flüchtlingslager und Moscheen. Denn obwohl Israel keine ausländischen Reporter ins Kriegsgebiet läßt, kamen immer wieder schreckliche Bilder vom israelischen Tun aus Gaza heraus. Reuters und Al Jazeera sei Dank. Weil man aber scheinbar mit dem Kampf gegen die Hamas nicht weiterkommt, verlegt man sich auf andere Gegner. Und so wurde heute dann zielgenau das Stockwerk beschossen, wo sich der technischen Kontrollraum von Reuters befand.

Der technischen Kontrollrau von Reuters, der sogenannte MCR, wird zerstört. Zwei Kameraleute werden verletzt, die anderen werden den heutigen Tag nie mehr vergessen. Alle Journalisten, Techniker und Kameraleute sind nun auf der Strasse, Reuters Gaza gibt es nicht mehr.

Kurz danach wurde dann das Hauptqurtier der U.N. beschossen und am Nachmittag, als unser Aussenminister Frank-Walter Steinmeier zusammen mit Tzipi Livni in einem Luxushotel beim Crème brulée sitzt, wird noch das Al-Aksa-Spital des Roten Kreuz bombardiert. Die israelische Armee ist technologisch bestens ausgestattet. Wer da noch an Versehen glaubt, muss naiv sein. Ich bin ja gespannt, wie lange sich die Welt noch auf der Nase herumtanzen lassen läßt.

Die Lügen des Krieges

Zu leicht tun wir uns, das zu glauben, was uns im Fernsehen vorgesetzt wird oder was uns eine Bundesregierung erzählt, die sich aus geschichtlicher Tradition hütet, auch nur ansatzweise Israel zu kritisieren. Schuld sind immer die Terroristen der Hamas und uns wird erzählt, wenn die Hamas erst einmal vernichtet ist, dann gibt es Frieden oder ist das Volk befreit. Telepolis hat gestern einen schönen Bericht vom ehemaligen Knesset-Abgeordneten Uri Avnery gebracht, wo erklärt wird, warum die Hamas nicht verlieren kann. Er zieht auch einen provozierenden Vergleich mit der Churchillbande. „Der Krieg – jeder Krieg – ist ein Lügenreich.“ Wie wahr! Immer wenn dann eine Moschee oder ein Flüchtlingslager zerbombt wurde, erklärte man sofort, es wäre ein Stützpunkt der Terroristen gewesen. Wenn dann am Tag darauf die Wahrheit ans Licht und das Eingeständnis des Fehlers kommt, interessiert es schon keinen mehr. Dann wurde schon der nächste „Terrorkommandoposten“ in einer Schule zerstört.

Foto: Amir Farshad Ebrahimi
Foto: Amir Farshad Ebrahimi

Gewalt bringt wieder Gewalt. Diese Wirklichkeit müßte doch mittlerweile schon jeder kapiert haben, würde man meinen. Und trotzdem will weder die eine noch die andere Seite die Spirale der Gewalt beenden. Heute morgen habe ich einen interessanten Beitrag in Bayern 2 gehört. Da wurde der Vergleich mit Nordirland gezogen. Der Bürgerkrieg zerstörte das Land und das Volk, bis dann irgendwann Tony Blair auf die Sinn Féin zuging und sie nicht mehr als Terrorgruppe abstempelte, sondern als Verhandlungspartner akzeptierte und so den Frieden ermöglichte.

Bei uns hört man nur, die Hamas sei als Verhandlungspartner unakzeptabel und müsse zerstört werden. Nun darf man aber nicht vergessen, dass diese demokratisch gewählt wurde und im Augenblick wird geschätzt, dass sie mindestens zu 30% Rückhalt in der palästinensischen Bevölkerung hat. Das wären dann gut 400.000 Menschen. Sind das alles Terroristen? Will Israel die alle erst töten? Nein, ein Frieden kann nur mit der Hamas in einem eigenen Palästinenserstaat entstehen, den auch Israel akzeptiert und nicht künstlich auf Steinzeitniveau hält, indem es die Grenzen blockiert.

Allerdings habe ich wenig Hoffnung, dass sich bei den Israeli etwas bewegt. Jetzt wo fast nur Hardliner zur Wahl stehen und auch noch die arabischen Parteien von der Wahl ausgeschlossen werden sollen. Sind ja schließlich alles Verbrecher bei den Arabern, die den Terror unterstützen. Nur zu Erinnerung: 20% der israelischen Bevölkerung sind arabischer Herkunft. 1947 gab es mal einen Teilungsplan der U.N. Bereits damals wurden dem jüdischen Staat viele Gebiete zugesprochen, die eigentlich palästinensisch waren. Der Grundstein für den Konflikt war gelegt. Israel hat sich dann noch so manchen Landstrich unter den Nagel gerissen und die aggressive Siedlungspolitik im palästinensischen Westjordanland tat den Rest.

Eines ist für mich sicher. Die Hamas wird gestärkt aus diesem Konflikt hervor gehen und der Frieden rückt mit jedem Tag der israelischen Bomben weiter in die Ferne. Meine Hoffnung setze ich auf den neuen amerikanischen Präsidenten, der die kriegsversessenen Boims, Aschkenasis, Baraks und wie sie alle heißen ein wenig in die Schranken weist. Und wenn ich höre, dass Israel letztes Jahr allen Ernstes bei den USA angefragt hat, ob sie Unterstützung für einen Angriff auf iranische Atomanlagen bekommen, könnte ich Galle spucken.

Und weil es zu dem Thema passt. Den André Marty hab ich seit knapp einem Jahr im Reader und bei der augenblicklichen Situation in palästinensischen Autonomiegebieten kann ich Euch nur nahelegen, ihn auch zu abonieren. Auch wenn er aufgrund der israelischen Zensur nicht in der ersten Reihe sein kann – kein anderer erscheint mir dieser Tage so glaubhaft, wie er. Heute hat ihn übrigens sogar der Robert Basic entdeckt. Und was ein Link von dem an Traffic bringen kann, habe ich selbst schon einmal verspürt. Wobei ich fürchte, dass die ganzen SEOs und (wie schreibt Matthias immer so schön?) WebZwoNullen dort, sich derzeit kaum für etwas anderes interessieren als eine bestimmte EBAY-Auktion. 😉

Nichts als Propaganda

Censorship causes blindness

In diesem Konflikt die richtigen Worte zu finden ist nicht einfach. Einem Konflikt, in dem keine der beteiligten Parteien jemals wirklich Frieden wollte. Ein Volk, das dauernd unterdrückt wird, sich im Gegensatz zu asiatischen Bergvölkern aber nicht auf friedlichen Widerstand beschränkt. Je mehr dieses Volk gegängelt wird, je mehr ihm Land weggenommen wird, je mehr es hungern muss, desto mehr haben radikale Gruppierungen Zulauf. Israel muss sich also eigentlich nicht wundern, wenn die Hamas Gas gibt. Die kämpft indes mit ungleichen Waffen. Sie schießt im Prinzip mit auffrisierten Silvesterraketen, die ungelenkt ihre Ziele in Israel finden sollen, was sie ab und zu auch tun. Dagegen steht die hochausgerüstete israelische Armee, die mit feinster US-Technik zielgenau treffen könnte. Ich sage könnte, denn was ist nicht schon alles getroffen worden, was eigentlich kein Kriegsziel ist? Die Bombenlast der Israelis auf den Gazastreifen dürfte in der ersten Angriffswelle sowieso schon die der Hamas des ganzen letzten Jahres überstiegen haben. Von der Anzahl der Toten mal ganz zu schweigen.

Sich als Europäer zu informieren ist schwierig. Zu stark die israelische Zensur, schließlich dürfen Journalist nicht einmal rein nach Gaza. Könnten sie doch Dinge sehen, die schlecht fürs israelische Opferimage sind. Deshalb gibt es dann auch den Journalistenhügel am Kriegerdenkmal zwei Kilometer vor der Grenze zum Gaza-Streifen. Da tut es gut, wenn man wenigstens bei ein paar Kollegen mitlesen kann, die seit Jahren von dort berichten und ein wenig die Richtigkeit der vorgesetzten „Wahrheiten“ beurteilen können, die man von unseren Fernsehsendern vorgesetzt bekommt.

Ach’ übrigens: was wir Journalisten „an der Front“ Konkretes wissen über den Kriegsverlauf, über die Opferzahlen, über die „diplomatischen Bemühungen“? Kaum etwas.  Wir sind einem einmaligen Propaganda-Konzert ausgesetzt – immer wieder erstaunlich, wie viele Spokesperson’s so ein Krieg kreieren kann. Am Journalistenhügel stehen sie täglich bereit, brauchst bloss dein Mikrophon hinzuhalten, Armee, Aussenministerium, Government Press Office, Lobby-Organisationen wie The Israel Project, Zivilisten, religiöse Gruppierungen. Kannst sie in deutscher, russischer, spanischer, englischer, französischer Sprache haben – hebräisch spricht eh’ kaum einer der Journalisten.

Der Schal des Taliban

Mal abgesehen, dass es ein Mann und eine Frau sind, was ist wohl der Unterschied zwischen den beiden nachfolgenden Fotos?

Halstuch im ZDF

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Beide Reporter berichten über die israelische Bombardierung des  Gazastreifens. Auch im Mittleren Osten ist Winter und daher sind die beiden warm angezogen. Während das ZDF aber am Schal von Frau Storch nichts Verwerfliches entdecken kann, hat das Schweizer Fernsehen mit dem Halswärmer von André Marty ein Problem, das an Lächerlichkeit wohl kaum zu überbieten ist:

Derweil kommt aus der Redaktion in der fernen Schweiz die dringende Bitte, doch auf ein Halstuch zu verzichten, mache mich irgendwie zum Palästinenser, einer meint gar zum Taliban… – Feedback vom Feinsten.

André Marty arbeitet übrigens schon lange Zeit fürs Schweizer Fernsehen in Israel und Palästina, darf aber derzeit nicht aus dem Gazastreifen berichten. Die israelische Regierung sperrt die Journalisten, trotz richterlicher Verfügung aus. Ein Schelm wer Böses denkt.

Die beiden Standbilder sind übrigens vom Henusode-Blog

Alles nur gerecht?

Die Hamas ist der Erzfeind der Israelis. Weil man sie treffen wollte, wurden monatelang, ja jahrelang die Palästinenser im Gazastreifen ausgehungert. Die Treibstoff- und Stromlieferungen wurden immer wieder eingestellt und die Bewohner regelrecht ghettoisiert. Im Westjordanland wurden Mauern gezogen, die auf palästinensischen Gebiet stehen und einfach fremdes Land annektiert. Schaut man sich die israelische Statistik der Opferzahlen durch Terror an, so fällt vorallem auf, dass diese stark gesunken sind. Jetzt sind wieder ein paar Raketen der Hamas in Richtung Israel geflogen und schon fährt Israel alles auf, was der Militärapparat zu bieten hat. Bereits am ersten Tag der Luftoffensive haben die Israeli so viele Palästinenser umgebracht, wie umgekehrt im ganzen Jahr 2007.

Tote Israeli durch Terror

Jetzt steht der Einmarsch kurz bevor und es sind noch viel mehr Tote zu erwarten. Alles nur gerecht?

So ist Krieg: Israel and Gaza – The Big Picture

Weil es keiner wissen darf

Seit Monaten lässt Israel die palästinensische Bevölkerung in Gazastreifen hungern und verweigert medizinische Hilfe für Todkranke. Und wohl weil das ganze Elend keiner in der westlichen Welt mehr sehen soll, wird seit ungefähr zwei Wochen kein ausländischer Journalist mehr in den Gazastreifen reingelassen. Daher haben jetzt jede Menge Chefredakteure westlicher Medien in einem offenen Brief an Ehud Olmert gegen die israelische Zensur protestiert.

Dear Mr. Prime Minister,

 

We are gravely concerned about the prolonged and unprecedented denial of access to the Gaza Strip for the international media. For nearly two weeks, the Israeli authorities have prevented journalists accredited by the Israeli Government Press Office from crossing into Gaza. Israel has long facilitated international coverage of Gaza even during times of significant violence, including in the immediate vicinity of the Erez crossing.

 

We are particularly dismayed by the government’s decision to include international journalists among the categories now barred from crossing into Gaza. Throughout this period, Erez has remained open to some traffic. We would welcome an assurance that access to Gaza for international journalists will be restored immediately in the spirit of Israel’s longstanding commitment to a free press.

Sincerely,

 

– David Westin, President of ABC News 

– Pierre Louette, President Directeur Général de l‘AFP

– Tom Curley, President and CEO, The Associated Press

– Helen Boaden, Director of BBC News

– Parisa Khosravi, CNN Senior Vice-President of International Newsgathering.

– Robert Hurst, President of News, CTV – Canadian Television

– Bill Keller, Executive Editor, New York Times

– David Schlesinger, Editor-in-Chief, Reuters

– Nikolaus Brender, editor-in-chief of ZDF German Television, Mainz

– David Mannion, Editor-in-Chief, ITV News

– Jörg Schierenbeck, Managing Director, epa european pressphoto agency b.v.

– John Cruickshank, Publisher, CBC News

– John Walcott, Washington Bureau Chief, McClatchy Newspapers

– Russ Stanton, Editor, Los Angeles Times

– Fritz Raff, Chairman ARD German Radio TV

Operation „Equipment retrieval“

Beim olivfarbenen Faschingsverein wollten sie mich ja Gott sei Dank nie haben. Den Herren bei der Bundeswehr hat es damals schon gereicht, dass meine beiden Brüder bei ihnen waren. Aber immer wieder wenn deutsche Wehrdienstleistende von ihrer Zeit beim Barras erzählen, hört man, wie penibel genau Patronen bei Ausgabe und Rücknahme gezählt werden und dass auch die abgegebenen Schüsse aufgeschrieben werden. Gibt es da eine Differenz, ist es ein riesiges Drama.

In der Schweiz geht es da schon wesentlich lockerer zu. Kurzerhand nimmt der Soldat nach seiner Wehrdienstzeit das Sturmgewehr mit nach Hause und behält es für einen möglichen Verteidigungsfall im Besitz. Da kann es schon mal passieren, dass einem ein Vaterlandsverteidiger mit Knarre im Zug begegnet, weil der vielleicht grad wieder zu einer der regelmäßigen Wehrübung einrücken muss.


Bild: Haaretz

Was ich aber heute bei André entdeckt habe, ist richtig heftig. Einmal im Jahr gibt es in Israel eine Aktion, wo jeder Israeli das abgeben kann, was er noch zu Hause hat, weil er irgendwann „vergessen“ hat, es zurückzugeben. Ohne Angst vor Strafen kann man bei Armee oder Polizei das abgeben, was man zufällig noch zu Hause gefunden hat. Die diesjährige Operation „Equipment retrieval“ ging heute zu Ende und es wurden Waffen im Wert von schlappen 1,2 Millionen Euro abgegeben.

Die Liste der im Militärdienst versehentlich mitgenommenen Ausrüstung: Uzi-Maschinenpistolen, AK-47 und M-16-Schnellfeuerwaffen, Panzerfäuste, schwere Maschinengewehre, Pistolen, Panzer-Ersatzteile. Eine brachte zwei Minenwerfer-Granaten zurück.

Man stelle sich in Deutschland vor, wenn jemand bei der Polizei anrufen und mitteilen würde, der Nachbar hat eine Panzerfaust und eine AK-47 im Keller. Anklage wegen Planung einer terroristischen Aktion wäre wohl das Mindeste. Vorausgesetzt, man würde überhaupt die vorherige Stürmung durch die Sondereinsatzkräfte überleben.

Israel muss besetzte Gebiete aufgeben

Wenn man diese Meldung im Tagesanzeiger liest, möchte man seinen Augen nicht trauen.

Israel muss laut Ehud Olmert besetzte Gebiete aufgeben, wenn es Frieden mit den Palästinensern und seinen arabischen Nachbarn schliessen möchte. «Wir müssen eine Vereinbarung mit den Palästinensern treffen, deren Bedeutung darin liegt, dass wir uns aus nahezu allen, wenn nicht sogar aus allen Gebieten zurückziehen», sagte Olmert der Zeitung «Jediot Achronot» anlässlich des heute Abend beginnenden jüdischen Neujahrsfests.

Viel Wahres steckt hinter diesen Sätzen, aber es ist ja nicht so, dass das einer fordert, der in der Vergangenheit recht viel für den Frieden getan hat. Im Gegenteil: Ehud Olmert war 33 Monate israelischer Premierminister. Während dieser Zeit hat er den Ausbau der israelischen Siedlungen im Palestinesergebiet forciert, wie kein anderer zuvor. Er hat einen schlecht geplanten, ja planlosen Krieg angefangen und ist letztlich darüber gestolpert, dass er zu oft die Hand aufgehalten hat. Am 21. September mußte er zurücktreten.

Wenn Olmert nun also zu einer späten Einsicht kommt, dass seine Politik ein großer Fehler war und Israel sogar das besetzte Ostjerusalem aufgeben soll, dann ist das schon ein starker Tobak für die israelische Öffentlichkeit, der ja nur zu gern Details vorenthalten werden, was die eigene Armee so treibt.

Breaking the silence

Im mittlerweile jahrezehntelangen Konflikt zwischen Israel und der palästinensischen Bevölkerung wird von den westlichen Medien gerne da übliche Schwarzweißbild gemalt, das der Konsument leicht verstehen kann. Die Israelis sind die Guten und die Palästinenser sind die Schlechten. Dass diese einfache Sicht nicht der Realität entspricht, ist jedem klar, der sich ein wenig mit dem Konflikt beschäftigt.

Blick durch das Zielfernrohr eines israelischen Scharfschützen

Seit Beginn der Besetzung und Besiedelung der Palästinensergebiete hat es immer wieder israelische Soldaten gegeben, die ihr Schweigen gebrochen haben und erzählten, was die israelische Armee dort so verbrochen hat. Einige von ihnen haben sich in „Breaking the silence“ organisiert und führen Interessierte nach Hebron im Westjordanland. Dort bekommen sie das zu sehen, was man im israelischen Fernsehen nicht mehr zu sehen bekommt:

Siedler, die die Felder von palästinensischen Bauern abfackeln. Siedler, die einen Bauern an einen Pfahl binden und verprügeln. Häuser, eine Schule, die von der israelischen Armee zerstört werden. Soldaten, die zusehen, wenn die einheimische palästinensische Bevölkerung mit Fäkalien, mit Steinen oder Essensresten beglückt wird.

Natürlich sind solche Bilder in den hohen Regierungsstellen nicht gerne gesehen. Und so wundert es nicht weiter, wenn der Organisation verboten wird, nach Hebron zu fahren. Unter fadenscheinigen Vorwänden und wechselnden Begründungen werden sie an den Checkpoints abgewiesen. Vom Polizeichef wurden sie gar als „Extremisten“ und „Unruhestifter“ bezeichnet. Und wie es eben immer so ist: Vertuscht wird da, wo es etwas zu vertuschen gibt.

via André Marty

Friedenswillen schaut anders aus

Die Lage der Palästinenser kann man durchaus mit der der Tibeter vergleichen. Als der Staat Israel vor 60 Jahren gegründet wurde, vertrieb man einen großen Teil der palästinensischen Bevölkerung aus ihren Dörfern. Immer wieder baute Israel neue Siedlungen in Palästinensergebieten und verfolgte dabei eine Politik der vollendeten Tatsachen. Natürlich bestehen einige Unterschiede zu Tibet. Zum einen hatte Israel schon immer einen anderen Stand in der westlichen Welt, wie es vergleichsweise China die letzten Jahrzehnte hatte. Als Deutscher konnte (und kann) man sich von Haus aus kaum negativen Worte erlauben. Dazu hat Israel eine enorme strategische Bedeutung für die USA und so wundert es nicht, dass Israel von den Vereinigten Staaten mit Atomwaffen versorgt wird. Vor allem aber sind die Palästinenser kein so friedliches Volk wie die Tibeter und lassen sich die Unterdrückung nicht gefallen.

Seit Jahrzehnten schwelt also dieser Konflikt und immer wieder versuchen es verschiedene westliche Länder – meist unter der Führung der USA – zu vermitteln. 2003 wurde durch das „Nahost-Quartett” (UNO, USA, EU und Russland) eine Roadmap mit einem Friedensplan erarbeitet. Leider mag sich keine der Konfliktparteien so richtig daran halten. Der radikale Flügel der Palästinenser leugnet noch immer das Bestandsrecht Israels und setzt lieber auf Terrorismus. Jeden Anschlag der Hamas beantwortet Israel dann seinerseits wieder mit Militäraktionen und so dreht sich die Spirale der Gewalt weiter und weiter. Dazu wird das Volk im Gazastreifen gettoisiert, am Hungern gehalten und komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Und selbst jetzt, wo es wieder ein klein wenig ruhiger zu werden scheint, geht es gleich wieder mit neuerlichen Provokationen weiter. Entgegen der Vereinbarungen der Roadmap, plant Israel den Bau von 900 neuen Wohnungen in Ostjerusalem. Nein, echter Friedenswillen schaut anders aus.

Schimon Peres

ist neuer Staaatspräsident von Israel. Der ewige Zweite ist nun seit 48 Jahren Mitglied der Knesset und war während dieser Zeit mehrmals Minister. Zweimal wurde er als „Nachrutscher“ für kurze Zeit zum Ministerpräsidenten. Die entscheidenden Wahlen hat er aber immer verloren. Diesmal wählte man ihn direkt ins höchste Amt Israels und er tritt damit die Nachfolge des mutmaßlichen Vergewaltigers Mosche Katzaw an. Zusammen mit Jassir Arafat und Jitzhak Rabin hat Schimon Peres im Jahr 1994 den Friedensnobelpreis erhalten. Ansonsten ist er ein Verteidiger der israelischen Mauer Sperranlagen zum Westjordanland und streitet bis heute den türkischen Genozid an den Armeniern im Jahr 1915 ab.