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Gefangen im Mittelalter

Wenn ich mir so ansehe, was derzeit so abgeht, könnte man meinen, man ist im falschen Film. Während man hierzulande noch diskutiert, ob und wie man eine Gruppe zurückgebliebener Dickköpfe heim ins Reich holen soll oder nicht, regen sich ein paar prüde Amis über ein Mädchen im Bikini auf, das auf Flugzeuge der Airline Southwest gepinselt wurde. Softporno sei das angeblich!

Was aber jetzt in Brasilien passiert ist, macht mich fassungslos. Da wurde ein neunjähriges Mädchen vom Stiefvater vergewaltigt und dann schwanger. Die Ärzte waren sich einig, dass das Mädchen mit seinen 36 Kilogramm die erwarteten Zwillinge nicht austragen kann und es einem erheblichen gesundheitlichem Risiko ausgesetzt sei. Also entschied man sich zu einer Abtreibung. Das war für den katholischen Erzbischof Jose Cardoso Sobrinho ein Grund, das Mädchen zu exkommunizieren. Wehe ein kirchlicher Würdenträger kritisiert nochmal muslimische Kopftücher oder die Rolle der Frau in der arabischen Gesellschaft.

Seit über zwanzig Jahren zahle ich nun meinen Mitgliedsbeitrag an diesen katholischen Männerverein. Mit dem Geld was ich da Monat für Monat berappe, könnte ich mir auch einen Platz in einem teueren Golfclub leisten. Dazu haben wir im Bistum Regensburg einen Regionalfürsten an der Spitze, über den man sich sowieso ständig nur aufregen muss. Was mich bisher aber von einem Kirchenaustritt abhielt, war das caritative Engagement von diversen Verbänden, die mir schon unterstützenswert sind. Dazu die vielen wunderschönen und erhaltenswerten Kirchen in unserer bayerischen Kulturlandschaft, die ich zugegebenerweise aber meist nur bei Hochzeiten von innen sehe. Die Ereignisse der letzten Wochen haben mich aber jetzt dazu getrieben, mich mal zu informieren, an wen ich mein Austrittsschreiben schicken muss.

Versöhnung

Ihren Glauben zu leben, dürfte den Mitgliedern der katholischen Kirche wohl in Deutschland nirgends so verleidet werden, wie in der Oberpfalz. Der Diözese Regensburg steht mit Gerhard Müller ein Bischof vor, der sich als so lernresistent erwiesen hat, dass es keinen Vergleich gibt. Abgesehen von den vergraulten Laienhelfer wird ihm vorallem vorgeworfen, dass er sich bis heute nicht in Riekofen hat blicken lassen. Das ist die Gemeinde, in der er einen vorbestraften Kinderschänder als Pfarrer eingesetzt hatte, der sich dort gleich wieder an Ministranten vergriff. Bis heute weist Müller jede Mitschuld von sich, traut sich aber trotzdem nicht zu den Opfern.

Seit drei Tagen bekommt er nun das, was man in Bayern und Österreich als Gnackwatschn bezeichnet. Bayern-Bene Papst Benedikt spricht bei fast jeder Gelegenheit, die sich auf seiner USA-Reise bietet, die Mißbrauchsfälle durch die katholischen Priester in den Staaten an und bedauert diese. Gestern dann der Kniefall. Wofür sich unser Bischof Müller nämlich zu fein ist, das ist dem Oberhaupt der Kirche gerade gut genug. Benedikt hat sich mit den Opfern getroffen und mit ihnen geredet und gebetet. Unter Außschluß der Presse und ohne vorheriges Trara.

Nun tut sich der Papst da sicherlich leichter. Trägt er ja persönlich keine Mitschuld an den Vorfällen, die noch zur Zeit stattfanden, als seine Vorgänger im Amt waren. Trotzdem zeigt diese Geste, wofür die katholische Kirche eigentlich steht. Für Hilfe, Versöhnung und Nächstenliebe. Begriffe, die im Bistum Regensburg leider Fremdwörter sind.