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Ekelhaft

Ich hab ja keine Ahnung, ob der Schallhofer Wolfgang aus Wien, der kirchenweb.at betreibt, wirklich etwas mit der Kirche zu tun hat. Aber auf jeden Fall habe ich bei ihm eine Kochbuchseite gefunden, die noch verabscheuungswürdiger ist als die, die uns allen aus Deutschland bekannt ist. Bei Recherchen zu meinen Fischen bin ich dort nämlich zufällig auf Kochrezepte für Schildkröten gestoßen. Die Krönung ist das hier:

Schildkröten in Blutsauce:
Man hackt von denselben Kopf, Schweif und Füße weg und lässt sie gut ausbluten, fängt aber das Blut in einer Schale auf. Dann setzt man die Schildkröten in kaltem Salzwasser zum Feuer und lässt …

Zwar zitiert er dort angeblich aus einem vergriffenen Kochbuch aus den 1930er Jahren und warnt auch davor, dass man sich eventuell strafbar machen kann, wenn man geschützte Schildkröten verkocht. Das hält den Betreiber aber nicht davon ab, dass er sieben Rezepte vorstellt, die man über eine eingebaute Druckfunktion sauber auf Papier bringen kann.

Ekelhafter geht es ja wohl nicht mehr.

Rezepteseiten

Seit gestern ist die Abmahnung von Folkert Knieper vom Tisch, die dieser an René wegen der Verwendung eines Screenshots geschickt hatte. Als die Abmahnung publik wurde, wurden unter anderem von Lanu, Dieter oder Michael verschiedenen Seiten mit Bilddatenbanken gegründet, die kostenlos Fotos von Lebensmittel unter Creative Commons-Lizenz zur Verfügung stellen. Daneben gibt es noch die Foodfotos von der Hüttenhilfe, die bereits seit der ersten Abmahnwelle ihre Seite für wirklich kostenlose Rezepte betreiben und seitdem ihr Team immer wieder erweitern konnten.

Gestern habe ich nun eine Mail von “Chefkoch und Fotokünstler” Thomas R. P. Sixt aus Wien erhalten, in der er mir eine Pressemitteilung schickt. Keine Ahnung, wer das sein soll und eigentlich hätte ich die Mail auch direkt in dem Spamordner verschieben können, doch die Überschrift

Peperita! Chefkoch Thomas Sixt setzt mit kostenlosen Rezeptebildern für Internetseiten Zeichen gegen die Abmahnabzocke

machte mich neugierig. 1200 Rezepte verspricht er auf seiner Seite Peperita, doch als ich mir die Nutzungsbedingungen so ansah, war mir schnell klar, dass ich von diesen Fotos lieber die Finger lasse. Es wird ein Copyright-Hinweis und ein Link zu der Seite verlangt. Dazu dann der Vermerk “Dieses Angebot ist unsererseits jederzeit kündbar”. Das lässt nichts Gutes für die Zukunft erahnen.

Marions Kochbuch bei Heise

Ein wenig Licht ins Dunkel, wer denn nun wirklich Opfer und Täter in den vielen Abmahnungen durch Marions Kochbuch ist, bringt die c`t in Ihrer aktuellen Ausgabe. Den Bericht gibt es auch online und das Fazit für User, die kostenlose Kochrezepte suchen und nicht in Gefahr kommen wollen, eine Abmahnung von Volker Knieper zu erhalten, habe ich hier reinkopiert:

Rezepte und Bilder kostenlos
Es gibt im Web unzählige erstklassige Alternativen zu Marions Kochbuch. Cuisine.at zum Beispiel verzeichnet mehr als 200.000 Rezepte. Das Online-Kochbuch präsentiert Rezepte schmucklos ohne Bilder, dafür aber unter anderem im Mealmaster-Format, das sich einfach in andere Anwendungen importieren lässt.

Wer Bilder sucht, um seine Rezepte aufzupeppen, wird häufig bei Pixelio oder bei Stock Exchange fündig – auf beiden Sites findet man frei verwendbare Bilder zu etlichen Schlagworten. Da aber nicht alle die auf den beiden Plattformen verfügbaren Bilder beliebig verwendet werden dürfen, ist ein Blick in die Lizenzbedingungen vor der Verwendung Pflicht.

Ein Kochbuch, ein Rinderbraten und eine Abmahnung

Marion bietet auf Ihrer Webseite kostenlose Kochrezepte die man ausdrucken kann. Diese Rezepte sind alle mit Fotos illustriert, die teilweise recht gut sind. Die Seite finanziert sich offensichtlich mit Googlewerbung und erscheint für den Besucher als Hobby einer Hausfrau mit viel Zeit. Die Seite gibt einen den Eindruck (zumindest mir), hier würden Rezepte getauscht, wie es alle Hausfrauen bei jedem Kaffeekränzchen machen. Leider ist dem nicht so. Der Mann von Marion ist Folkert Knieper. Der ist Fotograf und hat all die gekochten Speisen und das viele Gemüse fotografiert. Jeder Fotograf möchte nicht, dass seine Fotos ungefragt verwendet werden. Das möchte auch Herr Knieper nicht. Kann man verstehen.

Marius von Maingold hatte in einem Betrag satirische Gemischte Doppel erstellt. Unter anderem hatte er folgende Paarung:

Rinderbraten - Printer raten

Da wo sich der Rinderbraten befand, war ein Foto von Herrn Knieper. Ihr wisst, was jetzt kommt? Richtig: Marius wurde abgemahnt. Und zwar mit einem Streitwert von 6000,- Euro. Leider habe ich das Foto von dem Rinderbraten nicht gesehen, aber 6000,- Euro für ein Foto von einem Stück Fleisch in der Größe ist in meinen Augen ein wenig arg abgehoben. Solche Fotos gibt es in Communities auch in Profiqualität kostenlos, in der Auflöung, in der es Marius verwendet hat gleich dutzendfach. Wenn man sich die ganze Geschichte durchliest und selbst ein wenig googelt, findet man schnell viele ähnliche Fälle und man könnte schnell annehmen, da steckt System dahinter. Da geht es wohl nicht mehr um das Recht am Foto, sondern um die schnelle Mark den schnellen Euro. Andernfalls hätte es eine Mail getan und das Problem wäre aus der Welt geschafft. Da schreibt Herr Knieper auf seiner Seite aber:

Eine Veröffentlichung ohne schriftliche Genehmigung und Quellenangabe wird von uns nicht toleriert. Wir haben bisher immer versucht, eine Einigung mit den betroffenen Webmastern zu erzielen, sind aber leider in fast allen Fällen gescheitert. Daher haben wir uns dazu entschieden, die Fälle unserem Rechtsanwalt zu übergeben.

Ob er wirklich jemand angeschrieben hat, nach ich nicht nachprüfen, Marius zählt wohl zu denjenigen, die gleich abgemahnt wurden. Er hat sich auf die Abmahnung nicht eingelassen und wird jetzt vor Gericht ziehen. Mal sehen was dabei rauskommt. Seine ganze Geschichte hier zum nachlesen: Abmahnung durch Folkert Knieper von Marions Kochbuch. Andere berichten auch über solche Fälle.

Bleibt nur zu hofffen, dass irgendwann ein Gesetz kommt, dass solche Bagatellen regelt, damit nur noch abgemahnt wird, wo wirklich eine absichtliche Verletzung des Gesetzes besteht oder wo jemand anderes wirklich einen finanziellen Vorteil zieht. Und damit meine ich nicht die 53 Cent, die eine Privatblogger pro Tag mit Adsense verdient. Immer wenn ich etwas über Abmahnungen höre, fällt mir sofort die Definition bei Kamelopedia ein:

Abmahnen ist eine Art Sozialhilfe für weniger begabte Anwälte, denen niemand richtige Fälle geben will. Um den Staat zu entlasten, wurde eine wahnsinnig komplizierte “Rechtsprechung�� etabliert, die die Kosten zufallsgesteuert auf einzelne Individuen verteilt.

Kern dieser Rechtsprechung ist, daß nicht der Mandant den Anwalt, sondern der Anwalt einen Mandanten auswählt. Normalerweise würde das keine Zahlungspflicht begründen, darum wurde zusätzlich das Instrument der “Geschäftsführung ohne Auftrag�� eingeführt.

Das funktioniert dann so, daß der Anwalt sich etwas ausdenkt, was jemand tut, das er aber nicht sollte und gegen das er sich einen Unterlassungsanspruch ausdenkt.

Statt diesen jetzt zu verklagen, schreibt der Abmahnanwalt dem jetzt, daß er ihn nicht verklagt, wenn er verspricht, das nie wieder zu tun und andernfalls viel, viel Geld zu bezahlen.

Nun verknoten wir unser Gehirn noch weiter und überzeugen uns davon, daß es ja für den Abgemahnten gut ist, nicht verklagt zu werden und schwupps, ist er der Mandant des Anwalts und muß diesen bezahlen. Die Höhe der Bezahlung richtet sich nach dem “Streitwert��, den der Anwalt sich vorher ausgedacht hat.

Normalerweise darf der Anwalt diese Form der Sozialhilfe nur in Anspruch nehmen, wenn er “legitimiert�� ist. Daher könnte der Anwalt sich einen Markeninhaber, Gebrauchtwagenhändler oder ein Fernsehgeschäft suchen und in deren Auftrag alle abmahnen, die eine “Marke verletzen��, “PS�� statt “kW�� schreiben oder “Zoll�� statt “cm��.

Er könnte auch die Einnahmen mit seinem Auftraggeber teilen, was aber verboten ist. Vermutlich, weil das des Anwalts Einnahmen schmälern würde.

Weitere Fälle von Abmahnungen durch Folkert Knieper von Marions Kochbuch:

http://www.bundesligaforen.de/board.php?boardid=203
http://www.bundesligaforen.de/thread.php?threadid=9014
http://www.bundesligaforen.de/thread.php?threadid=9006
http://www.finger.zeig.net/2007/01/10/nun-hats-mich-erwischt
http://www.mein-parteibuch.de/2007/01/12/fingerzeig-blog-wegen-broetchenfoto-abgemahnt/
http://www.nerdcore.de/wp/2007/01/13/marions-fotoscript/
http://www.ra-blog.de/2007/01/13/ein-brotchen-fur-6000-euro/
http://www.pcfreunde.de/artikel/detail-18-1/interview-marion-knieper-marions-kochbuch.html
http://www.firstbreeze.com/TI-Privatordner/Blogs/Hausbau/Archive/2006/12/froehliche-weihnachts-abmahnung
http://neinjaerledigtlos.wordpress.com/2007/01/14/abmahnung-gegen-fingerzeig/
http://abmahnung.blogger.de/stories/661809/
http://webthemen.de/16.01.2007.marions-kochbuch-im-abmahnwahn.html
http://grendelsen.net/tao/?p=337
http://www.jensscholz.com/2007/01/bldchenabmahnung.htm
http://eldersign.de/2007/01/13/byebye-marion/
http://zappi.wordpress.com/2007/01/12/ein-konigreich-fur-ein-brotchen/
http://www.woweezowee.de/2007/01/16/rinderbraten/