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Wer nichts zu verbergen hat …

“Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten”. War das nicht immer das Lieblingsargument von Wolfgang Schäuble, wenn es um die Einführung von Überwachungsmaßnahmen, Terrorabwehr und Vorratsdatenspeicherung ging? Scheinbar ist dieser Grundsatz bei seiner Ministerkollegin Ursula von der Leyen nie angekommen. Weil die hat nämlich Angst vor der Presse und möchte sie gerne von Ihren Wahlkampfauftritten aussperren.

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via XSized, Oldblog und Nicht spurlos

Nichts als Propaganda

Censorship causes blindness

In diesem Konflikt die richtigen Worte zu finden ist nicht einfach. Einem Konflikt, in dem keine der beteiligten Parteien jemals wirklich Frieden wollte. Ein Volk, das dauernd unterdrückt wird, sich im Gegensatz zu asiatischen Bergvölkern aber nicht auf friedlichen Widerstand beschränkt. Je mehr dieses Volk gegängelt wird, je mehr ihm Land weggenommen wird, je mehr es hungern muss, desto mehr haben radikale Gruppierungen Zulauf. Israel muss sich also eigentlich nicht wundern, wenn die Hamas Gas gibt. Die kämpft indes mit ungleichen Waffen. Sie schießt im Prinzip mit auffrisierten Silvesterraketen, die ungelenkt ihre Ziele in Israel finden sollen, was sie ab und zu auch tun. Dagegen steht die hochausgerüstete israelische Armee, die mit feinster US-Technik zielgenau treffen könnte. Ich sage könnte, denn was ist nicht schon alles getroffen worden, was eigentlich kein Kriegsziel ist? Die Bombenlast der Israelis auf den Gazastreifen dürfte in der ersten Angriffswelle sowieso schon die der Hamas des ganzen letzten Jahres überstiegen haben. Von der Anzahl der Toten mal ganz zu schweigen.

Sich als Europäer zu informieren ist schwierig. Zu stark die israelische Zensur, schließlich dürfen Journalist nicht einmal rein nach Gaza. Könnten sie doch Dinge sehen, die schlecht fürs israelische Opferimage sind. Deshalb gibt es dann auch den Journalistenhügel am Kriegerdenkmal zwei Kilometer vor der Grenze zum Gaza-Streifen. Da tut es gut, wenn man wenigstens bei ein paar Kollegen mitlesen kann, die seit Jahren von dort berichten und ein wenig die Richtigkeit der vorgesetzten “Wahrheiten” beurteilen können, die man von unseren Fernsehsendern vorgesetzt bekommt.

Ach’ übrigens: was wir Journalisten „an der Front“ Konkretes wissen über den Kriegsverlauf, über die Opferzahlen, über die „diplomatischen Bemühungen“? Kaum etwas.  Wir sind einem einmaligen Propaganda-Konzert ausgesetzt – immer wieder erstaunlich, wie viele Spokesperson’s so ein Krieg kreieren kann. Am Journalistenhügel stehen sie täglich bereit, brauchst bloss dein Mikrophon hinzuhalten, Armee, Aussenministerium, Government Press Office, Lobby-Organisationen wie The Israel Project, Zivilisten, religiöse Gruppierungen. Kannst sie in deutscher, russischer, spanischer, englischer, französischer Sprache haben – hebräisch spricht eh’ kaum einer der Journalisten.

Der Schal des Taliban

Mal abgesehen, dass es ein Mann und eine Frau sind, was ist wohl der Unterschied zwischen den beiden nachfolgenden Fotos?

Halstuch im ZDF

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Beide Reporter berichten über die israelische Bombardierung des  Gazastreifens. Auch im Mittleren Osten ist Winter und daher sind die beiden warm angezogen. Während das ZDF aber am Schal von Frau Storch nichts Verwerfliches entdecken kann, hat das Schweizer Fernsehen mit dem Halswärmer von André Marty ein Problem, das an Lächerlichkeit wohl kaum zu überbieten ist:

Derweil kommt aus der Redaktion in der fernen Schweiz die dringende Bitte, doch auf ein Halstuch zu verzichten, mache mich irgendwie zum Palästinenser, einer meint gar zum Taliban… – Feedback vom Feinsten.

André Marty arbeitet übrigens schon lange Zeit fürs Schweizer Fernsehen in Israel und Palästina, darf aber derzeit nicht aus dem Gazastreifen berichten. Die israelische Regierung sperrt die Journalisten, trotz richterlicher Verfügung aus. Ein Schelm wer Böses denkt.

Die beiden Standbilder sind übrigens vom Henusode-Blog