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Breaking the silence

Im mittlerweile jahrezehntelangen Konflikt zwischen Israel und der palästinensischen Bevölkerung wird von den westlichen Medien gerne da übliche Schwarzweißbild gemalt, das der Konsument leicht verstehen kann. Die Israelis sind die Guten und die Palästinenser sind die Schlechten. Dass diese einfache Sicht nicht der Realität entspricht, ist jedem klar, der sich ein wenig mit dem Konflikt beschäftigt.

Blick durch das Zielfernrohr eines israelischen Scharfschützen

Seit Beginn der Besetzung und Besiedelung der Palästinensergebiete hat es immer wieder israelische Soldaten gegeben, die ihr Schweigen gebrochen haben und erzählten, was die israelische Armee dort so verbrochen hat. Einige von ihnen haben sich in “Breaking the silence” organisiert und führen Interessierte nach Hebron im Westjordanland. Dort bekommen sie das zu sehen, was man im israelischen Fernsehen nicht mehr zu sehen bekommt:

Siedler, die die Felder von palästinensischen Bauern abfackeln. Siedler, die einen Bauern an einen Pfahl binden und verprügeln. Häuser, eine Schule, die von der israelischen Armee zerstört werden. Soldaten, die zusehen, wenn die einheimische palästinensische Bevölkerung mit Fäkalien, mit Steinen oder Essensresten beglückt wird.

Natürlich sind solche Bilder in den hohen Regierungsstellen nicht gerne gesehen. Und so wundert es nicht weiter, wenn der Organisation verboten wird, nach Hebron zu fahren. Unter fadenscheinigen Vorwänden und wechselnden Begründungen werden sie an den Checkpoints abgewiesen. Vom Polizeichef wurden sie gar als „Extremisten“ und „Unruhestifter“ bezeichnet. Und wie es eben immer so ist: Vertuscht wird da, wo es etwas zu vertuschen gibt.

via André Marty

Friedenswillen schaut anders aus

Die Lage der Palästinenser kann man durchaus mit der der Tibeter vergleichen. Als der Staat Israel vor 60 Jahren gegründet wurde, vertrieb man einen großen Teil der palästinensischen Bevölkerung aus ihren Dörfern. Immer wieder baute Israel neue Siedlungen in Palästinensergebieten und verfolgte dabei eine Politik der vollendeten Tatsachen. Natürlich bestehen einige Unterschiede zu Tibet. Zum einen hatte Israel schon immer einen anderen Stand in der westlichen Welt, wie es vergleichsweise China die letzten Jahrzehnte hatte. Als Deutscher konnte (und kann) man sich von Haus aus kaum negativen Worte erlauben. Dazu hat Israel eine enorme strategische Bedeutung für die USA und so wundert es nicht, dass Israel von den Vereinigten Staaten mit Atomwaffen versorgt wird. Vor allem aber sind die Palästinenser kein so friedliches Volk wie die Tibeter und lassen sich die Unterdrückung nicht gefallen.

Seit Jahrzehnten schwelt also dieser Konflikt und immer wieder versuchen es verschiedene westliche Länder – meist unter der Führung der USA – zu vermitteln. 2003 wurde durch das „Nahost-Quartett” (UNO, USA, EU und Russland) eine Roadmap mit einem Friedensplan erarbeitet. Leider mag sich keine der Konfliktparteien so richtig daran halten. Der radikale Flügel der Palästinenser leugnet noch immer das Bestandsrecht Israels und setzt lieber auf Terrorismus. Jeden Anschlag der Hamas beantwortet Israel dann seinerseits wieder mit Militäraktionen und so dreht sich die Spirale der Gewalt weiter und weiter. Dazu wird das Volk im Gazastreifen gettoisiert, am Hungern gehalten und komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Und selbst jetzt, wo es wieder ein klein wenig ruhiger zu werden scheint, geht es gleich wieder mit neuerlichen Provokationen weiter. Entgegen der Vereinbarungen der Roadmap, plant Israel den Bau von 900 neuen Wohnungen in Ostjerusalem. Nein, echter Friedenswillen schaut anders aus.