Schlagwort-Archive: Palästina

Das harte Brot der Moderation

Bisher sind bei mir kaum politische Fundamentalisten aufgeschlagen, die ihre Propaganda verbreiten wollten. Ich ärgere mich eher mit Backlinkjägern herum, deren Adressangaben ich dann einfach hierhin oder hierhin umbiege. Betreibt man ein Blog in einem der Krisengebiete dieser Welt, sieht das natürlich ganz anders aus. Wenn man dann noch regelmäßig im Fernsehen präsent ist erst recht.

André Marty bloggt bekanntlich aus Israel und den besetzten Palästinensergebieten. Dort wo offiziell zwar Waffenstillstand herrscht, gibt es scheinbar wenige, die noch klar und unvoreingenommen denken können. Bist Du nicht mein Freund, kannst Du nur mein Feind sein, ist leider meist das Motto. Und so muss sich André gelegentlich einiges gefallen lassen. Heute gibt es bei ihm einen Beitrag, wo er erklärt, warum er gelegentlich Kommentare nicht freischaltet. Bereits die Einleitung lässt tief blicken, was man ertragen muss, wenn man in Israel und Palästina nicht blind durchs Leben läuft.

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs,

nein, ich bin kein Arschloch, kein Israelfeind, kein Mossad-Agent und auch kein geistig einseitig Kastrierter.

Da bin ich dann doch wieder froh, dass ich mich nur mit Spammern rumärgern muss und freue mich, dass es Blogger wie André gibt.

Ein Vergleich der nicht hinkt

Der britisch-jüdische Parlamentsabgeordnete, Sir Gerald Kaufmann, vergleicht das israelische Massaker an den Palästinensern in Gaza mit den Nazis, die seine Vorfahren zwangen aus Polen zu flüchten.

[youtube qMGuYjt6CP8]

Ein Ausschnitt:

Auf Sky-News vor einigen Tagen, wurde die Sprecherin des israelischen Militärs, Major Avital Liebovich, über die Tötung von bis dahin 800 Palästinensern gefragt, die Summe ist jetzt 1.000. Sie antwortete sofort darauf, 500 von denen waren Militante. Das ist die Antwort eines Nazis. Ich nehme an, die Juden die im Warschauer Getto um ihr Leben kämpften, hätte man auch als Militante bezeichnen können.

Die ganze Übersetzung gibt es hier.

via Martin

Zeit für Sanktionen gegen Israel

Man könnte meinen, die israelische Führung glaubt, sie hätte Narrenfreiheit. Stand die westliche Weltöffentlichkeit anfangs ziemlich geschlossen hinter Israel, so ist diese Stimmung in den letzten Tagen langsam gekippt. Schuld waren sinnlose Angriffe auf Schulen, Flüchtlingslager und Moscheen. Denn obwohl Israel keine ausländischen Reporter ins Kriegsgebiet läßt, kamen immer wieder schreckliche Bilder vom israelischen Tun aus Gaza heraus. Reuters und Al Jazeera sei Dank. Weil man aber scheinbar mit dem Kampf gegen die Hamas nicht weiterkommt, verlegt man sich auf andere Gegner. Und so wurde heute dann zielgenau das Stockwerk beschossen, wo sich der technischen Kontrollraum von Reuters befand.

Der technischen Kontrollrau von Reuters, der sogenannte MCR, wird zerstört. Zwei Kameraleute werden verletzt, die anderen werden den heutigen Tag nie mehr vergessen. Alle Journalisten, Techniker und Kameraleute sind nun auf der Strasse, Reuters Gaza gibt es nicht mehr.

Kurz danach wurde dann das Hauptqurtier der U.N. beschossen und am Nachmittag, als unser Aussenminister Frank-Walter Steinmeier zusammen mit Tzipi Livni in einem Luxushotel beim Crème brulée sitzt, wird noch das Al-Aksa-Spital des Roten Kreuz bombardiert. Die israelische Armee ist technologisch bestens ausgestattet. Wer da noch an Versehen glaubt, muss naiv sein. Ich bin ja gespannt, wie lange sich die Welt noch auf der Nase herumtanzen lassen läßt.

Die Lügen des Krieges

Zu leicht tun wir uns, das zu glauben, was uns im Fernsehen vorgesetzt wird oder was uns eine Bundesregierung erzählt, die sich aus geschichtlicher Tradition hütet, auch nur ansatzweise Israel zu kritisieren. Schuld sind immer die Terroristen der Hamas und uns wird erzählt, wenn die Hamas erst einmal vernichtet ist, dann gibt es Frieden oder ist das Volk befreit. Telepolis hat gestern einen schönen Bericht vom ehemaligen Knesset-Abgeordneten Uri Avnery gebracht, wo erklärt wird, warum die Hamas nicht verlieren kann. Er zieht auch einen provozierenden Vergleich mit der Churchillbande. „Der Krieg – jeder Krieg – ist ein Lügenreich.“ Wie wahr! Immer wenn dann eine Moschee oder ein Flüchtlingslager zerbombt wurde, erklärte man sofort, es wäre ein Stützpunkt der Terroristen gewesen. Wenn dann am Tag darauf die Wahrheit ans Licht und das Eingeständnis des Fehlers kommt, interessiert es schon keinen mehr. Dann wurde schon der nächste „Terrorkommandoposten“ in einer Schule zerstört.

Foto: Amir Farshad Ebrahimi
Foto: Amir Farshad Ebrahimi

Gewalt bringt wieder Gewalt. Diese Wirklichkeit müßte doch mittlerweile schon jeder kapiert haben, würde man meinen. Und trotzdem will weder die eine noch die andere Seite die Spirale der Gewalt beenden. Heute morgen habe ich einen interessanten Beitrag in Bayern 2 gehört. Da wurde der Vergleich mit Nordirland gezogen. Der Bürgerkrieg zerstörte das Land und das Volk, bis dann irgendwann Tony Blair auf die Sinn Féin zuging und sie nicht mehr als Terrorgruppe abstempelte, sondern als Verhandlungspartner akzeptierte und so den Frieden ermöglichte.

Bei uns hört man nur, die Hamas sei als Verhandlungspartner unakzeptabel und müsse zerstört werden. Nun darf man aber nicht vergessen, dass diese demokratisch gewählt wurde und im Augenblick wird geschätzt, dass sie mindestens zu 30% Rückhalt in der palästinensischen Bevölkerung hat. Das wären dann gut 400.000 Menschen. Sind das alles Terroristen? Will Israel die alle erst töten? Nein, ein Frieden kann nur mit der Hamas in einem eigenen Palästinenserstaat entstehen, den auch Israel akzeptiert und nicht künstlich auf Steinzeitniveau hält, indem es die Grenzen blockiert.

Allerdings habe ich wenig Hoffnung, dass sich bei den Israeli etwas bewegt. Jetzt wo fast nur Hardliner zur Wahl stehen und auch noch die arabischen Parteien von der Wahl ausgeschlossen werden sollen. Sind ja schließlich alles Verbrecher bei den Arabern, die den Terror unterstützen. Nur zu Erinnerung: 20% der israelischen Bevölkerung sind arabischer Herkunft. 1947 gab es mal einen Teilungsplan der U.N. Bereits damals wurden dem jüdischen Staat viele Gebiete zugesprochen, die eigentlich palästinensisch waren. Der Grundstein für den Konflikt war gelegt. Israel hat sich dann noch so manchen Landstrich unter den Nagel gerissen und die aggressive Siedlungspolitik im palästinensischen Westjordanland tat den Rest.

Eines ist für mich sicher. Die Hamas wird gestärkt aus diesem Konflikt hervor gehen und der Frieden rückt mit jedem Tag der israelischen Bomben weiter in die Ferne. Meine Hoffnung setze ich auf den neuen amerikanischen Präsidenten, der die kriegsversessenen Boims, Aschkenasis, Baraks und wie sie alle heißen ein wenig in die Schranken weist. Und wenn ich höre, dass Israel letztes Jahr allen Ernstes bei den USA angefragt hat, ob sie Unterstützung für einen Angriff auf iranische Atomanlagen bekommen, könnte ich Galle spucken.

Und weil es zu dem Thema passt. Den André Marty hab ich seit knapp einem Jahr im Reader und bei der augenblicklichen Situation in palästinensischen Autonomiegebieten kann ich Euch nur nahelegen, ihn auch zu abonieren. Auch wenn er aufgrund der israelischen Zensur nicht in der ersten Reihe sein kann – kein anderer erscheint mir dieser Tage so glaubhaft, wie er. Heute hat ihn übrigens sogar der Robert Basic entdeckt. Und was ein Link von dem an Traffic bringen kann, habe ich selbst schon einmal verspürt. Wobei ich fürchte, dass die ganzen SEOs und (wie schreibt Matthias immer so schön?) WebZwoNullen dort, sich derzeit kaum für etwas anderes interessieren als eine bestimmte EBAY-Auktion. 😉

Alles nur gerecht?

Die Hamas ist der Erzfeind der Israelis. Weil man sie treffen wollte, wurden monatelang, ja jahrelang die Palästinenser im Gazastreifen ausgehungert. Die Treibstoff- und Stromlieferungen wurden immer wieder eingestellt und die Bewohner regelrecht ghettoisiert. Im Westjordanland wurden Mauern gezogen, die auf palästinensischen Gebiet stehen und einfach fremdes Land annektiert. Schaut man sich die israelische Statistik der Opferzahlen durch Terror an, so fällt vorallem auf, dass diese stark gesunken sind. Jetzt sind wieder ein paar Raketen der Hamas in Richtung Israel geflogen und schon fährt Israel alles auf, was der Militärapparat zu bieten hat. Bereits am ersten Tag der Luftoffensive haben die Israeli so viele Palästinenser umgebracht, wie umgekehrt im ganzen Jahr 2007.

Tote Israeli durch Terror

Jetzt steht der Einmarsch kurz bevor und es sind noch viel mehr Tote zu erwarten. Alles nur gerecht?

So ist Krieg: Israel and Gaza – The Big Picture

Weil es keiner wissen darf

Seit Monaten lässt Israel die palästinensische Bevölkerung in Gazastreifen hungern und verweigert medizinische Hilfe für Todkranke. Und wohl weil das ganze Elend keiner in der westlichen Welt mehr sehen soll, wird seit ungefähr zwei Wochen kein ausländischer Journalist mehr in den Gazastreifen reingelassen. Daher haben jetzt jede Menge Chefredakteure westlicher Medien in einem offenen Brief an Ehud Olmert gegen die israelische Zensur protestiert.

Dear Mr. Prime Minister,

 

We are gravely concerned about the prolonged and unprecedented denial of access to the Gaza Strip for the international media. For nearly two weeks, the Israeli authorities have prevented journalists accredited by the Israeli Government Press Office from crossing into Gaza. Israel has long facilitated international coverage of Gaza even during times of significant violence, including in the immediate vicinity of the Erez crossing.

 

We are particularly dismayed by the government’s decision to include international journalists among the categories now barred from crossing into Gaza. Throughout this period, Erez has remained open to some traffic. We would welcome an assurance that access to Gaza for international journalists will be restored immediately in the spirit of Israel’s longstanding commitment to a free press.

Sincerely,

 

– David Westin, President of ABC News 

– Pierre Louette, President Directeur Général de l‘AFP

– Tom Curley, President and CEO, The Associated Press

– Helen Boaden, Director of BBC News

– Parisa Khosravi, CNN Senior Vice-President of International Newsgathering.

– Robert Hurst, President of News, CTV – Canadian Television

– Bill Keller, Executive Editor, New York Times

– David Schlesinger, Editor-in-Chief, Reuters

– Nikolaus Brender, editor-in-chief of ZDF German Television, Mainz

– David Mannion, Editor-in-Chief, ITV News

– Jörg Schierenbeck, Managing Director, epa european pressphoto agency b.v.

– John Cruickshank, Publisher, CBC News

– John Walcott, Washington Bureau Chief, McClatchy Newspapers

– Russ Stanton, Editor, Los Angeles Times

– Fritz Raff, Chairman ARD German Radio TV

Israel muss besetzte Gebiete aufgeben

Wenn man diese Meldung im Tagesanzeiger liest, möchte man seinen Augen nicht trauen.

Israel muss laut Ehud Olmert besetzte Gebiete aufgeben, wenn es Frieden mit den Palästinensern und seinen arabischen Nachbarn schliessen möchte. «Wir müssen eine Vereinbarung mit den Palästinensern treffen, deren Bedeutung darin liegt, dass wir uns aus nahezu allen, wenn nicht sogar aus allen Gebieten zurückziehen», sagte Olmert der Zeitung «Jediot Achronot» anlässlich des heute Abend beginnenden jüdischen Neujahrsfests.

Viel Wahres steckt hinter diesen Sätzen, aber es ist ja nicht so, dass das einer fordert, der in der Vergangenheit recht viel für den Frieden getan hat. Im Gegenteil: Ehud Olmert war 33 Monate israelischer Premierminister. Während dieser Zeit hat er den Ausbau der israelischen Siedlungen im Palestinesergebiet forciert, wie kein anderer zuvor. Er hat einen schlecht geplanten, ja planlosen Krieg angefangen und ist letztlich darüber gestolpert, dass er zu oft die Hand aufgehalten hat. Am 21. September mußte er zurücktreten.

Wenn Olmert nun also zu einer späten Einsicht kommt, dass seine Politik ein großer Fehler war und Israel sogar das besetzte Ostjerusalem aufgeben soll, dann ist das schon ein starker Tobak für die israelische Öffentlichkeit, der ja nur zu gern Details vorenthalten werden, was die eigene Armee so treibt.