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Twittern im Augsburger Stadtrat verboten

Christian Moravcik ist Stadtrat in Augsburg. Stadtrat in einer Stadt, die letztens erst negativ aufgefallen ist, was den Umgang mit neuen Medien angeht. Christian Moravcik ist aber auch wohl das, was man einen Twitterjunkie nennt und während der Stadtratssitzungen bläst er das in seinen Account, was gerade so passiert. Und scheinbar wurde das jetzt seinen Stadtratskollegen zuviel und die haben daher beschlossen, dass aus den Sitzungen nicht mehr getwittert werden darf. Darüber regt sich Christian Moravcik jetzt auf. Mag sein, dass sie ihm sein Spielzeug weggenommen haben, mit einer Einschränkung der Meinungsfreiheit hat das aber rein gar nichts zu tun. Ich finde, dass es sich allein schon aus Anstand gegenüber den anderen in solchen Sitzungen nicht gehört, andere Dinge zu tun. Außerdem kann mir keiner erzählen, dass er als Abgeordneter richtig bei der Sache ist, wenn er nebenbei twittert. Das hat in meinen Augen eher was mit Geltungssucht zu tun.

Von daher kann ich den Beschluß seiner Kollegen nur begrüßen und hoffe, dass Christian Moravcik von nun an mit allen Sinnen bei den Sitzungen dabei ist und anschließend anständige Blogposts produziert.

Nachtrag: Weil es gerade zum Thema passt:

Räumungsverkauf bei Basic

Die Arroganz der Süddeutschen Zeitung

Man kann zum Blogverkauf von Basic Thinking stehen, wie man möchte. Ein gewisses Interesse hat die Versteigerung bei vielen geweckt. Robert Basic tingelte durch alle Medien, die ihn haben wollten und in so manchem wichtigen klassischen Medium, sprich Onlinepräsenz von Zeitung war etwas zu lesen. Was macht aber den Unterschied zwischen meinetwegen einer Zeit und einer Süddeutschen Zeitung aus? Während sich erstere herabläßt, auch ein Interview mit dem Verkäufer zu führen und dabei die betreffende Seite im Bericht dann auch zu verlinken (es wird ja auch Leute geben, die mit der Bloggerei nicht so viel anfangen können), bringt die SZ drei Beiträge, in denen sie es gerade einmal schafft, den Leser auf die Seite zu führen, um die es geht. Im heutigen “Abschlußbericht” gab es nicht einmal den richtigen Namen des Blogs, sondern nur eine Nennung des Domainnamens ohne Link dahinter. Aber was will man schon verlangen von einer Zeitung, die Kommentare nur zu Bürozeiten zuläßt? Nein, wie das mit dem Internet heutzutage funktioniert, müssen sie noch lernen bei der SZ. Mit Bilderklickstrecken, zum künstlichen erzeugen von Hits, ist es nämlich nicht getan.

Die Lügen des Krieges

Zu leicht tun wir uns, das zu glauben, was uns im Fernsehen vorgesetzt wird oder was uns eine Bundesregierung erzählt, die sich aus geschichtlicher Tradition hütet, auch nur ansatzweise Israel zu kritisieren. Schuld sind immer die Terroristen der Hamas und uns wird erzählt, wenn die Hamas erst einmal vernichtet ist, dann gibt es Frieden oder ist das Volk befreit. Telepolis hat gestern einen schönen Bericht vom ehemaligen Knesset-Abgeordneten Uri Avnery gebracht, wo erklärt wird, warum die Hamas nicht verlieren kann. Er zieht auch einen provozierenden Vergleich mit der Churchillbande. “Der Krieg – jeder Krieg – ist ein Lügenreich.” Wie wahr! Immer wenn dann eine Moschee oder ein Flüchtlingslager zerbombt wurde, erklärte man sofort, es wäre ein Stützpunkt der Terroristen gewesen. Wenn dann am Tag darauf die Wahrheit ans Licht und das Eingeständnis des Fehlers kommt, interessiert es schon keinen mehr. Dann wurde schon der nächste “Terrorkommandoposten” in einer Schule zerstört.

Foto: Amir Farshad Ebrahimi
Foto: Amir Farshad Ebrahimi

Gewalt bringt wieder Gewalt. Diese Wirklichkeit müßte doch mittlerweile schon jeder kapiert haben, würde man meinen. Und trotzdem will weder die eine noch die andere Seite die Spirale der Gewalt beenden. Heute morgen habe ich einen interessanten Beitrag in Bayern 2 gehört. Da wurde der Vergleich mit Nordirland gezogen. Der Bürgerkrieg zerstörte das Land und das Volk, bis dann irgendwann Tony Blair auf die Sinn Féin zuging und sie nicht mehr als Terrorgruppe abstempelte, sondern als Verhandlungspartner akzeptierte und so den Frieden ermöglichte.

Bei uns hört man nur, die Hamas sei als Verhandlungspartner unakzeptabel und müsse zerstört werden. Nun darf man aber nicht vergessen, dass diese demokratisch gewählt wurde und im Augenblick wird geschätzt, dass sie mindestens zu 30% Rückhalt in der palästinensischen Bevölkerung hat. Das wären dann gut 400.000 Menschen. Sind das alles Terroristen? Will Israel die alle erst töten? Nein, ein Frieden kann nur mit der Hamas in einem eigenen Palästinenserstaat entstehen, den auch Israel akzeptiert und nicht künstlich auf Steinzeitniveau hält, indem es die Grenzen blockiert.

Allerdings habe ich wenig Hoffnung, dass sich bei den Israeli etwas bewegt. Jetzt wo fast nur Hardliner zur Wahl stehen und auch noch die arabischen Parteien von der Wahl ausgeschlossen werden sollen. Sind ja schließlich alles Verbrecher bei den Arabern, die den Terror unterstützen. Nur zu Erinnerung: 20% der israelischen Bevölkerung sind arabischer Herkunft. 1947 gab es mal einen Teilungsplan der U.N. Bereits damals wurden dem jüdischen Staat viele Gebiete zugesprochen, die eigentlich palästinensisch waren. Der Grundstein für den Konflikt war gelegt. Israel hat sich dann noch so manchen Landstrich unter den Nagel gerissen und die aggressive Siedlungspolitik im palästinensischen Westjordanland tat den Rest.

Eines ist für mich sicher. Die Hamas wird gestärkt aus diesem Konflikt hervor gehen und der Frieden rückt mit jedem Tag der israelischen Bomben weiter in die Ferne. Meine Hoffnung setze ich auf den neuen amerikanischen Präsidenten, der die kriegsversessenen Boims, Aschkenasis, Baraks und wie sie alle heißen ein wenig in die Schranken weist. Und wenn ich höre, dass Israel letztes Jahr allen Ernstes bei den USA angefragt hat, ob sie Unterstützung für einen Angriff auf iranische Atomanlagen bekommen, könnte ich Galle spucken.

Und weil es zu dem Thema passt. Den André Marty hab ich seit knapp einem Jahr im Reader und bei der augenblicklichen Situation in palästinensischen Autonomiegebieten kann ich Euch nur nahelegen, ihn auch zu abonieren. Auch wenn er aufgrund der israelischen Zensur nicht in der ersten Reihe sein kann – kein anderer erscheint mir dieser Tage so glaubhaft, wie er. Heute hat ihn übrigens sogar der Robert Basic entdeckt. Und was ein Link von dem an Traffic bringen kann, habe ich selbst schon einmal verspürt. Wobei ich fürchte, dass die ganzen SEOs und (wie schreibt Matthias immer so schön?) WebZwoNullen dort, sich derzeit kaum für etwas anderes interessieren als eine bestimmte EBAY-Auktion. 😉