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Sprachprobleme?

Vor ein paar Wochen habe ich im Radio ein Interview mit dem schweizer Schriftsteller Nicola Bardola gehört, der seit langer Zeit in München lebt. Viel ist davon nicht in meinem Kopf hängengeblieben, aber ein Satz doch. Sinngemäß meinte er, dass es wohl für einen Deutschschweizer nichts Schlimmeres gäbe, als wenn er dem deutschen Fernsehen ein Interview in vermeindlichem Hochdeutsch gibt und das dann bei der Ausstrahlung trotzdem untertitelt wird.

Bildquelle: Wikipedia

Durch so manchen Besuch in St. Gallen (zugegeben, die Ostschweiz sehen viele Eidgenossen nicht Schweiz an) verstehe ich zumindest ein wenig Schwizzerdütsch und brauche mich in Geschäften nicht immer sofort als Ausländer outen. Muss ich dann nachfragen, schwenkt so mancher Schweizer sofort auf Hochdeutsch um. Dabei geht es ihnen nicht anders als so manchen Bayern, Franken oder Sachsen. Der Sprecher meint, er würde nicht mehr Dialekt reden, was natürlich fast nie stimmt.

In Zürich ist das wohl ein wenig anders. Das Bemühen der Schweizer, sich ihrem Gegenüber verständlich auszudrücken ist da nicht so verbreitet. Viele Tüütschi versuchen da scheinbar ihre Herkunft zu vertuschen. Daniela Jaschob beschreibt heute in der NZZ ihren Leidensweg als Exilhamburgerin in Zürich, ihr Beinahescheitern beim Bäcker und ihrer Isolierung vom Rest der Zürcher Bevölkerung. Konsequenz war natürlich ein Züritüütsch-Kurs. [lesenswert!]

In der Grundschule hatten wir eine Lehrerin aus dem hohen Norden, die meinte, uns das Bayerische abzuerziehen. Wir würden uns später viel leichter tun und vorallem leichter schreiben lernen. Mittlerweile weiß man, dass das Käse ist und man trotz gesprochenem Dialekt richtig schreiben kann. Nur im gesprochenen Wort kommt da die lokale Verwurzelung immer wieder durch. Als Beispiel möchte ich nur die Vereidigung unsere neuen Landesvaters Horst Seehofer anführen, der für diesen feierlichen Moment alle hochdeutschen Register zog, die ein Ingolstädter zu bieten hat.

Seit ich die Neue Züricher Zeitung (NZZ) im Feedreader habe, gibt es auch immer Floskeln, die man bei uns nicht kennt und bei denen man immer wieder kurz stutzt. Beispiel gefällig?

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann ans Bundesgericht in Lausanne gezogen werden.


Operation “Equipment retrieval”

Beim olivfarbenen Faschingsverein wollten sie mich ja Gott sei Dank nie haben. Den Herren bei der Bundeswehr hat es damals schon gereicht, dass meine beiden Brüder bei ihnen waren. Aber immer wieder wenn deutsche Wehrdienstleistende von ihrer Zeit beim Barras erzählen, hört man, wie penibel genau Patronen bei Ausgabe und Rücknahme gezählt werden und dass auch die abgegebenen Schüsse aufgeschrieben werden. Gibt es da eine Differenz, ist es ein riesiges Drama.

In der Schweiz geht es da schon wesentlich lockerer zu. Kurzerhand nimmt der Soldat nach seiner Wehrdienstzeit das Sturmgewehr mit nach Hause und behält es für einen möglichen Verteidigungsfall im Besitz. Da kann es schon mal passieren, dass einem ein Vaterlandsverteidiger mit Knarre im Zug begegnet, weil der vielleicht grad wieder zu einer der regelmäßigen Wehrübung einrücken muss.


Bild: Haaretz

Was ich aber heute bei André entdeckt habe, ist richtig heftig. Einmal im Jahr gibt es in Israel eine Aktion, wo jeder Israeli das abgeben kann, was er noch zu Hause hat, weil er irgendwann “vergessen” hat, es zurückzugeben. Ohne Angst vor Strafen kann man bei Armee oder Polizei das abgeben, was man zufällig noch zu Hause gefunden hat. Die diesjährige Operation “Equipment retrieval” ging heute zu Ende und es wurden Waffen im Wert von schlappen 1,2 Millionen Euro abgegeben.

Die Liste der im Militärdienst versehentlich mitgenommenen Ausrüstung: Uzi-Maschinenpistolen, AK-47 und M-16-Schnellfeuerwaffen, Panzerfäuste, schwere Maschinengewehre, Pistolen, Panzer-Ersatzteile. Eine brachte zwei Minenwerfer-Granaten zurück.

Man stelle sich in Deutschland vor, wenn jemand bei der Polizei anrufen und mitteilen würde, der Nachbar hat eine Panzerfaust und eine AK-47 im Keller. Anklage wegen Planung einer terroristischen Aktion wäre wohl das Mindeste. Vorausgesetzt, man würde überhaupt die vorherige Stürmung durch die Sondereinsatzkräfte überleben.

Millionärsschwemme

Während die Deutschen nach und nach verarmen und die Schere zwischen arm und reich schön langsam amerikanische Verältnisse bekommt, sind die Schweizer viel reicher als vermutet. Einer Studie von Barclays Wealth und der britischen Economist Intelligence Unit nach ist jeder fünfte Schweizer Dollarmillionär. Ok, der Dollar ist bald eh nichts mehr wert, aber trotzdem! Und es geht noch weiter:

Die Zahl der Haushalte mit 1 Mio. Franken Vermögen soll bis 2017 auf rund 970 000 ansteigen, was einem Zuwachs von 30% entspricht.

Also doch umziehen?

Wo ist nochmal Schlumpfhausen?

Kann mir mal ein geneigter schweizer Leser erklären, was da bei Euch Eidgenossen abgeht? Da gibt es die SVP, die man wohl am ehesten mit unseren Republikanern vergleichen kann. Weil keiner deren Parteichef Christoph Blocher mag, holt man ihn kurzerhand in die Regierung und hofft, ihm damit das Maul zu stopfen. Der opponiert aber trotzdem munter weiter. Bei der nächsten Wahl wird die SVP trotz oder wegen des Stänkerers Blocher stärkste Partei und da spricht man sich einfach hintenrum ab, das Eveline Widmer-Schlumpf (auch SVP) statt Blocher in den Bundesrat gewählt wird. Die Bündner SVP-Regierungsrätin nimmt die Wahl an und wird deswegen von der SVP-Fraktion rausgeworfen. Hab ich das so richtig verstanden? Ihr seid drauf!

Nachtrag: Wie man hier, hier, hier und hier lesen kann, freut man sich aber über Frau Schlumpf!