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Die letzten Amigos

Es gibt also noch ein paar unverbesserliche, die es einfach nicht gemerkt haben, dass die Zeiten vorbei sind, wo man seinen nahen Verwandten nebenbei die Euros zuschustern konnte. Bis zu 5500 Euro im Monat hat Georg Schmid seiner Ehefrau für Bürotätigkeiten auf Kosten der Steuerzahler vergütet. Daneben haben noch 16 weitere Abgeordnete der CSU ein Schlupfloch genutzt um ihren Angehörigen mehr oder weniger große Beträge für diverse Tätigkeiten zukommen zu lassen.

Aber auch bei der SPD haben Susann Biedefeld und Maria Noichl ihre Geschwister beschäftigt, ebenso Thomas Gehring von den Grünen. Einen prominenten Vertreter betrifft es bei den Freien Wählern. Dort  beschäftigt Chef Hubert Aiwanger seinen Schwager.

Was wirklich wichtig ist

Was ist diese Tage wirklich wichtig? In Afghanistan kommen drei bayerische Soldaten ums Leben. Naja, unserer Heimatzeitung war das ne Seite wert, in den überregionalen Medien hört man davon aber nur beiläufig. Gabs ja schon mehrmals. In Lybien geht das Volk auf die Straße und wird zum Hunderten erschossen. Gähn, ist ja schon das dritte Land, wo es einen Aufstand gegen das führende Regime gibt. Und Urlaub kann man da doch auch nicht machen, oder?

Nein, wirklich wichtig ist, ob die Doktorarbeit eines Ministers abgeschrieben ist oder nicht. Ich bin ganz bestimmt kein Freund vom Guttenberg, doch was da derzeit abgeht, ist so widerlich, dass einem schlecht werden könnte. Ich möchte mal behaupten, dass 90 Prozent der deutschen Bevölkerung das Thema am Allerwertesten vorbeigeht, doch die Medien machen das Thema zum Großpolitikum. Und während sich in der CDU alle Neider heimlich die Hände reiben, dass dem Emporkömmling mal ein wenig die Federn gerupft werden, macht sich die SPD gerade so lächerlich, dass alles zu spät ist. Statt dass man sich für den faulen Hartz IV Kompromiss schämt, macht man auf dicke Hose und fordert ein aktuelle Stunde im Bundestag zu den Plagiatsvorwürfen.

Sagt mal, habt Ihr nichts Wichtigeres zu tun? Und wehe es beschwert sich jetzt nochmal einer, das Volk wäre politikverdrossen.

Der SPD fehlt es an allem

Jetzt hat sie sich endgülitg gerächt, die Agenda 2010. Konnte sich die Partei bei der letzten Wahl noch retten, so hat sie jetzt den Denkzettel für die Rente mit 67 und vier farblose Jahre bekommen. Prozentwerte auf Bayernniveau und Oppositionsbank ist die logische Konsequenz. Eine gründliche Erneuerung ist angesagt. Aber klappt das mit einem Herrn Steinmeier? Eher wohl nicht und wenigstens hat Franz Müntefering gleich seinen Abschied bekannt gegeben. Das Dilemma ist nur, dass da keine Persönlichkeit in Aussicht ist, die charismatisch genug ist, die Nachfolge anzutreten. Einem Matthias Platzeck wurde das Amt bereits einmal zu viel, ein Klaus Wowereit wird sich hüten und in der Fraktion gibt es imho keinerlei geeignetes Personal.

Agenda 2010
(c) Klaus Stuttmann

Dazu die Frage, wie man sich zukünftig positionieren soll. Drei Legislaturperioden hat man sich immer mehr von sozialdemokratischer Politik entfernt und vergessen, wo einstmals die Wurzeln waren. Stattdessen wollte man in der Mitte punkten und meinte, der Union so Wähler abspenstig zu machen, was nur in die Hose gehen konnte. Wie soll man sich jetzt in der Opposition verhalten? Jahrelang hat man am Schreckgespenst der Linkspartei mitgestrickt und hat nur die ehemaligen SED-Funktionäre sehen wollen. Man war vergräzt, weil ein Oskar Lafontaine in einer neuen Partei wieder Erfolge feiern durfte. Ein Lafontaine, der als Verräter an der Partei gilt und in Wirklichkeit bei seinem Parteiaustritt doch nur die Werte vertrat, für die die SPD mal stand und die ein Schröder in die Tonne trat. Die SPD wird es schwer haben, jemals wieder hinzugewinnen zu können. Sie hat ihre soziale Glaubwürdigkeit vor Jahren verloren und an andere abgegeben. Umweltpolitisch kann sie gegen die Grünen sowieso nicht anstinken und wenn nicht irgendwann wenigstens wieder eine Persönlichkeit von Format kommt, dann prost Mahlzeit.

GM oder ein Land wird verarscht

Da sind sie die letzten Wochen alle zur Hochform aufgelaufen, die Steinbrücks und Guttenbergs. Rettungsaktionen für Traditionsunternehmen wie Opel kommen im Wahlkampf schließlich gut an und auch wenn man letztendlich gar nichts zu melden hat, kann man trotzdem so tun als ob. Wenn dann die Arbeitsplätze gesichert sind, lacht man in die Kamera und hat vielleicht ein paar Wählerstimmen gewonnen.

So hat man wochenlang verhandelt und Bieterkonzepte bewertet. Und diejenigen, die dann trotzdem alles entscheiden, nämlich die Chefs von General Motors, haben auf Zeit gespielt und verkünden jetzt, dass sie Opel behalten wollen. Das Ganze ist so traurig, dass es schon wieder zum lachen ist. So wundert es auch nicht, dass sich Torsten heute über die Geschichte ein wenig lustig macht:

26. August 2030, ein Montag:

Deutschland: Wie die Bundesregierung am heutigen Montag in einer offiziellen Stellungnahme mitteilte, liegen für die inzwischen auf Gummistiefel und Lakritzschnecken spezialisierte Adam Opel AG mit Sitz in Tallinn (Estland) weiterhin Übernahmeangebote von 187 verschiedenen Bieterfirmen vor. Wie innerhalb der letzten 21 Jahren täglich verkündet, wird innerhalb der nächsten Stunden eine verbindliche Entscheidung getroffen, wer zukünftiger Eigentümer von Opel werden wird. Regierungskreise sind sehr zuversichtlich, dass der neue Eigentümer der Opel AG den vollständigen Erhalt der aktuell noch 17 Mitarbeiter sicherstellen wird.

to be continued

Weiden ist bunt

Weiden ist bunt

Anläßlich eines braunen Auflaufs gestern in Weiden reagierte die Stadt kurzfristig und rief zu einem Fest der Demokratie in der Fußgängerzone auf. Der ganze Platz war gesteckt voll und drei Podiumsdiskussionen wurden von mehreren Künstlern und Künstlergruppen eingerahmt. An allerlei Ständen von Gewerkschaften, Parteien, Menschenrechtsgruppen und Schulen gab es farbige Anstecker und Luftballons, damit Weiden im wahrsten Sinne des Wortes bunt wurde. Wie groß der braune Mob letztendlich war, der vom Bahnhof in Richtung Allee und wieder zurück zog, kann ich nicht sagen. Außer der Polizei hat die wohl kaum einer mitbekommen. Als der Moderator dann verkündete, dass die braune Brut die Stadt wieder verlassen habe, ging ein Jubel durch die Menge und ich glaube, jeder hat gesehen, dass keiner die ewig gestrigen in der Stadt haben möchte.

Kanzlerinnenlogik

Geschlosssen waren sich CDU und SPD einig, dass Fahrten zur Arbeit erst ab dem zwanzigsten Kilometer abgerechnet werden dürfen. Die CSU war aus Wahlkampfgründen zwar angeblich dagegen, hat aber trotzdem brav mitgestimmt. Jetzt haben sie alle zusammen eine Klatsche vom Bundesverfassungsgericht bekommen und was sagt Frau Merkel, die bis dahin eifrigste Verfechterin der neugeregelten Penderlpauschale?

“Ich halte es für absolut richtig, dass wir das Geld angesichts der Wirtschaftslage jetzt den Menschen direkt zurückgeben.” Die Beibehaltung der alten Pendlerpauschale sei “die richtige Antwort auf die jetzige Wirtschaftssituation”, sagte sie am Dienstag in Warschau. Die Kanzlerin erklärte das Urteil damit quasi zum Konjunkturprogramm: Sie erwarte von den Milliarden-Rückzahlungen an Berufspendler einen Schub für den Konsum in Deutschland.

Wie ist das eigentlich? Darf man Politiker als verlogen bezeichnen, wenn sie so vom Stapel lassen?

Altersstarrsinn

40 Jahre war Wolfgang Clement in der SPD und hat uns unter Gerhard Schröder solche tollen Dinge wie Hartz IV gebracht. Seit rotgrün abgewählt wurde, ist der Lobbyist der Energiewirtschaft und alles weitere in Bezug auf Frau Ypsilon ist bekannt. Andere Meinungen in der Partei zu vertreten ist die eine Sache, die kaum zu beanstanden ist. Zur Nichtwahl der eigenen Partei aufzurufen ist aber eher nicht so toll.

Der ganze Zirkus der letzten Monate war dann ein weiterer Beitrag in der Selbstzerfleischungskampagne der SPD. Es wäre so einfach gewesen für Clement. Einmal “Sorry, kommt nicht wieder vor” gesagt und die Sache wäre vom Tisch gewesen. Aber nein, lieber macht man den Dickkopf und beteuert, das man ganz und gar im Recht ist. Und weil er vom Schiedsgericht der SPD nicht ganz und gar freigesprochen wurde, sondern eine Rüge erhalten hat, tritt er jetzt aus der SPD aus. Für die SPD ist das gut, nachweinen muss ihm die Sozialdemokratie sicher nicht. Schließlich stehen einige Wahlen an und ein unkalkulierbarer Ex-Minister kann nochmal ein paar Prozente extra kosten. In NRW nennen sie ihn Graf Rotz habe ich heute in Bayern 2 gehört. Kein Wunder denke ich. Im Alter werden Männer eben wieder zu Kindern heißt es. Trotzig und bockig.

Erdrutsch

Es langt zwar zusammen mit den Wendehälsen von der FDP noch immer für die CSU, aber dass Günther Beckstein und Erwin Huber jetzt eine Halbwertszeit von unter einer Woche haben, wird Ihnen heute Abend hoffentlich noch jemand klar machen. Mit dem Beckstein ist es irgendwie, wie beim Glubb. Letztes Jahr noch Pokalsieger, jetzt zweite Liga. Auf jeden Fall war meine Entscheidung richtig, die Domain beckenstein.de nicht zu reservieren. 😉

Dass es für die SPD noch schlimmer kommen konnte, habe ich echt nicht erwartet. Auch ein Maget kapiert jetzt vielleicht, dass er der Falsche ist. Wobei – heute war er im Interview super gelaunt. Als 60er Fan ist das wohl so. Da freut man sich über alles, da ist man leiden gewohnt.

Wahlkampfendspurt

Im BR diskutieren gerade die Chefs der Landtagsfraktionen. Georg Schmid für die CSU, Franz Maget für die SPD und Sepp Dürr für die Grünen machten gerade kurzzeitig den Eindruck, als würden sie sich die Köpfe einschlagen wollen. Pech nur, dass die Sendung parallel zum Trainingsspiel Pokalspiel zwischen dem FC Bayern Traingspartner von Werder Bremen und dem Glubb kommt. So wird kaum jemand mitbekommen, was die drei Herren zu sagen haben.

Eines merkt man die letzten Wochen, es herrscht ein wenig Wechselstimmung in Bayern. Etwas, was man in Bayern eigentlich nicht kennt. Ich kann mich noch gut an die Bundestagswahl 1998 erinnern. Da trat Helmut Kohl zum (gefühlt) 27. Mal als Spitzenkandidat der CDU an und irgendwie hatte ihn das Volk leid und wollte ihn loswerden. Da kam es gerade recht, dass die SPD mit Gerhard Schröder einen gut frisierten Gegenkandidaten mit flotten Sprüchen hatte.

Als Frau Pauli zum Königsmörder von Edmund Stoiber wurde und das farblose Duo Huber/Beckstein ihn beerben durfte, kam die CSU in die eigentliche Zwickmühle. Die Parteioberen wollten Stoiber entsorgen, dem CSU-Wähler gefiel er aber nach wie vor besser als ein Franke und ein lallender Niederbayer. Dann ein paar  unpopuläre Entscheidungen wie das Nichtraucherschutzgesetz und der Sinkflug in den Umfragen begann. Nun möchte das Wahlvolk Beckstein einfach wieder loswerden, einen Franken, der im Bierzelt einfach nicht begeistern kann. Ja, der gar eine Frau hat, die sich weigert ein Dirndl anzuziehen. Gehts noch? Und da liegt das Problem. In Bayern gewinnt man Wahlen am Stammtisch und im Bierzelt, nicht in hochgeistigen Diskussionen, in denen ein Beckstein vielleicht seine Vorteile hätte.

Totale Begeisterung bei der Rede von Günther Beckstein während der Eröffnung der A6
Totale Begeisterung bei der Rede von Günther Beckstein während der A6-Eröffnung.

Jetzt möchten viele zumindest keine absolute Mehrheit der CSU mehr oder wenigstens dieses Führungsduo entsorgen. Nun wechselt aber der CSU-Wähler nicht einfach zur SPD, schon gar nicht zu den Grünen. FDP? Gibts die in Bayern? Ich mußte grad wirklich erst googlen, um herauszufinden, wer da alles kandidiert. Nicht mal die Kandidaten aus meiner Oberpfalz sind mir jemals untergekommen. Nein, der CSUler möchte seine Stimme nicht verschenken, da hat er in der Vergangenheit dann doch lieber wieder CSU gewählt. Alternativen gab es ja keine. Dieses Jahr ist es anders. Die Freien Wähler haben aufgeholt und mit Frau Pauli auch eine Kandidatin, die man zumindest kennt und der man zutraut, dass sie dem Filz wieder ein wenig aufmischt.

47% soll die CSU noch bekommen, gemunkelt wird gar schon von 45%. So spannend wie dieses Jahr war es schon ewig nicht mehr. Die SPD hat nur Pech, dass sie mit Dauerloser Franz Maget einen Phantasten an der Spitze hat, den schon lange keiner mehr für voll nimmt. Allerdings war er wohl der einzige, der dumm genug war, diesen Job zu machen. Ein Christian Ude und ein Ulrich Maly wissen schon, warum sie lieber OB bleiben.

Sollte die CSU wirklich die absoluten Mehrheit verlieren – und das ist meine Prognose für die Landtagswahl – werden wir Beckstein oder Huber (oder beide) nicht mehr lange haben. Ein Horst Seehofer steht schon in den Startlöchern, ein Siegfried Schneider und ein Markus Söder wohl leider auch.

Nachtrag: Da fällt mir ein, den Pronold gäbs ja auch noch. Katha durfte den neulich interviewen. Dabei auch noch gefunden: CSU vom Thron schmeissen und Alles wird anders. In diesem Sinne: 50 – x!

Nachtrag 2: Einstweilen kümmert sich Renate Schmidt um die wirklich wichtigen Themen, dem Feuerwehrführerschein.

Maget gegen Beckstein

Nein, ich habe mir das Rededuell nicht angesehen. Rededuelle sind ja seit ein paar Jahre “in” und die beiden wird es gefreut haben, dass sie sich für eine Stunde richtig wichtig vorkommen durften. Wahlentscheidend wird das TV-Geplänkel nicht werden. Glaubt man der Süddeutschen, ist Franz Maget besser davon gekommen. Günther Beckstein hat sich wohl zu oft verhaspelt, Franz Maget war souverän. Etwas anderes war allerdings auch kaum zu erwarten. Der bessere Redner ist Maget schon immer, wenn er auch inhaltlich oft ein wenig die Phantasie mit ihm durchgeht. Als Herausforderer hatte er für so ein Rededuell sowieso die bessere Ausgangsposition. Aber ist er eigentlich ein Herausforderer? Heute kamen noch pünktlich neue Umfragewerte heraus. 47% soll die CSU noch kriegen, die SPD kaum mehr als die miserablen 21% bei der letzten Wahl. Auch wenn ein Wert unter 50% ein Debakel für die CSU sein wird, weiterregieren wird sie trotzdem. Im schlimmsten Fall muss sie eben mit der FDP koalieren, die angeblich auch wieder in den Landtag kommen soll. So ein schlechtes Wahlergebnis mag Beckstein und Huber zwar langfristig das Amt kosten, mit 47% gebe ich ihnen keine ganze Legislaturperiode, dem Machtanspruch der CSU wird das aber leider keinen Abbruch tun.

Nachtrag: Eine genaue Auswertung gibt es von Erwin Pelzig:

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Der deutsche Obama?

Zwar ist die SPD in aufgeklärteren bayerischen Gegenden relativ stark, doch dass sie auf Landesebene keinen Fuß auf den Boden bringt, liegt einerseits daran dass die Wähler im ländlichen Raum, noch immer meinen, dass das christlich in CSU auch etwas mit der Handlungsweise der Partei zu tun hat. Andererseits hat es die bayerische SPD auch seit Jahrzehnten nicht auf die Reihe gebracht, anständige Spitzenkandidaten aufzustellen. Die paar Politiker mit Ambitionen gehen entweder gleich nach Berlin oder wissen, dass sie fest im Bürgermeistersessel sitzen und eigentlich nur verlieren können, wenn sie nach Höherem streben. Und so freuen sich seit Jahren die Spitzenkandidaten der CSU, dass ihr von der SPD nur Franz Maget gegenüber steht. In jeder anderen Partei hätte man den wohl schon lange entsorgt. Zu oft hat er bewiesen, dass er an politischen Realitätsverlust leidet. Da nutzt auch ein Video bei YouTube nichts. Nein, er ist bestimmt kein deutscher Obama.

Die SPD und die Linke

Es ist schon ein Kreuz. Da gibt es linke Mehrheiten in Hessen und Hamburg und die SPD darf, will oder traut sie sich nicht nutzen. Frühzeitig hat man verkündet, dass man keinesfalls und sowieso nie und nimmer mit der Linken koalieren wird. Ich glaub ja die abgrundtiefe Verachtung mancher SPD-Politiker gründet nur darin, weil der Oskar seinerzeit der CDU- und wirtschaftsnahen Schröder-SPD den Rücken zugewandt hat. Ich konnte ihn damals eigentlich gut verstehen, warum er diesen Schritt getan hat.

Jetzt gibt es eine gesamtdeutsche Partei der Linken, die seit Jahren in Ostdeutschland etabliert ist und dort auch in verschiedenen Landesparlamenten mitregiert bzw. hat. Die Politiker wissen, wie Politik funktioniert und die Koalitionen funktionieren mehr oder weniger zuverlässig. Davon ist die Partei in den westlichen Bundesländern noch weit entfernt. Zwar gibt es auch hier einige Politiker, die das Zeug haben, solide Regierungs- oder Oppositionsarbeit zu machen, doch die reichten nicht, um die Wahllisten zu füllen. So wurde auf Personen zurückgegriffen, die man besser in ihren Höhlen hätte lassen sollen.

Frau Ypsilanti ist jetzt echt in der Zwickmühle. Die FDP möchte nicht mit ihr und den Grünen zusammen. Da tun sich die Liberalen leichter, lieber zu warten bis sich die roten Parteien weiter annähern. Dann können sie ordentlich auf die SPD eindreschen, statt selbst Verantwortung zu übernehmen. Bleibt also noch die Möglichkeit, der linkstolerierten Minderheitsregierung. Heute morgen in Bayern2 gab es dazu ein pro und contra von Heiner Müller und Rainer Volk. Dabei kamen ein paar Argumente, die ich gar nicht so schlecht fand. Eine Minderheitenregierung würde zur Demokratie in Reinform führen. SPD und Grüne müssten sich ständig neue Mehrheiten suchen. Für soziale Themen würde sich dann die Linke begeistern, mit Wirtschaftsthemen CDU und FDP. So würde Politik nicht im Regierungsausschuß gemacht und statt nur abnickender Abgeordneten würden die Themen breit diskutiert. Hätte auch was. Und außerdem würde das erstmal zum wichtigsten Ergebnis führen: Der Abwahl von Roland Koch, der sonst kommissarisch die Geschäfte weiterführen würde.

Langfristig werden SPD und Grüne nicht an der Linken vorbeikommen. Die Partei wird wohl nicht mehr aus dem politischen Geschehen verschwinden und bei fünf Parteien in einem Parlament wird es zukünftig nicht anders ausgehen. Außer man möchte ständig überall große Koalitionen bilden. Ich bin mir sicher, die Linke wird ihren Weg gehen und auch ein solider Partner werden, denn sie hat genug Politiker mit Erfahrung. Ob man mit der Politik einverstanden ist, wird ein anderes Thema sein. Ich darf aber nur mal an die Zeit erinnern, als die Grünen in den Bundestag einzogen. Die Sprüche von CDU und FDP unterschieden sich damals nicht viel von denen, die sie heute auf die Linkspartei anwenden. Und wenn heute die CDU in Hamburg mit den Grünen flirten darf, dann darf sich eine Andrea Ypsilanti erst recht von der Linken tolerieren lassen.

Wer ist jetzt hier verfassungsfeindlich?

Wenn Bundestagsabgeordnete für das Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung stimmen, weil sie sich nicht gegen die eigene Fraktion stellen trauen, ist das traurig aber leider nichts Neues. Armseelig, peinlich und imho verfassungsfeindlich ist es aber, wenn sie dann eine Zusatzerklärung (Anlage 4) als Rechtfertigung für ihr Handeln veröffentlichen, in der dieser Satz steht:

Eine Zustimmung ist auch deshalb vertretbar, weil davon auszugehen ist, dass in absehbarer Zeit eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts möglicherweise verfassungswidrige Bestandteile für unwirksam erklärt.

Die 26 Abgeordneten der SPD (darunter auch Parteivize Andrea Nahles) stimmten also wissentlich für ein Gesetz, von dem sie ausgehen, dass es gegen die Verfassung ist. Gehts noch?

via LawBlog

18 Jahre …

.. ist es her, seit ich zum ersten Mal wählen durfte. Von frühester Jugend an war ich ein großer Bewunderer von Helmut Schmidt und auch der WAA-Widerstand hat so manchen bei uns in der Gegend nachhaltig politisch geprägt. Ausnahmslos habe ich bei allen wichtigen Wahlen mein Kreuz bei der SPD gemacht. Selbst mit Gerhard Schröder als Kanzler und seiner Agenda 2010 hielt ich zu dieser Partei. Schließlich haben sein aufrechter Kurs gegen George W. Bush und dessen Angriffskrieg auf den Irak, uns vor einer Beteiligung in Nahen Osten bewahrt.

Heute wurde über das Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung abgestimmt. Von 222 Bundestagsabgeordneten der SPD haben heute nur 7 gegen das gestimmt, was die Bürger im Osten heute vor 18 Jahren los wurden, nämlich die fast lückenlose Überwachung ihres Lebens. Zwei weitere Abgeordnete haben sich enthalten, 37 waren nicht einmal im Bundestag.

Ironie des Schicksals ist wohl, dass einer meiner früheren “Hauptfeinde” gegen dieses Gesetz gestimmt hat. Peter Gauweiler war Umweltminister unter Franz Josef Strauß und dadurch einer der Hauptbefürworter der WAA. Im Widerstand wurde er damals nur Gauleiter genannt. Heute hat er aber Rückgrat bewiesen und mit “Nein” gestimmt. Das liegt vielleicht auch daran, dass er Rechtsanwalt ist und ein wenig über das nachgedacht hat, worüber er abzustimmen hatte.

Besonders enttäuscht bin ich dagegen von meiner Stimmkreisabgeordneten Marianne Schieder. Sie ist wohl eines der wenigen Mitglieder im Bundestag ohne Nebeneinkünfte und kommt aus der Ortschaft, in der auch ich aufgewachsen bin. Auch sie hat heute für dieses Gesetz gestimmt.

Seit Tagen habe ich darüber nachgedacht, wie ich mich nach dieser Abstimmung verhalten soll. Heute habe ich dann meine Unterstützung der Verfassungsbeschwerde abgeschickt und folgenden Entschluss gefasst: Ich werde die SPD nicht mehr wählen.

Nichtssagend

Politiker sind ja gemeinhin als alte Dampfplauderer bekannt. Fünf Minuten sprechen und dabei so wenig Inhalte wie möglich rüberzubringen, ist die Kür für so manchen Minister. Eine 6,0 in dieser Disziplin hat heute Bundes-Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul von der SPD vollbracht, als sie zum Weltentwicklungsbericht 2008 und mögliche Kürzungen für Pakistan befragt wurde. (Eigentlich kein) Hörbefehl.