Trüffel im Schlamm

Die Zeit stellt Blogs vor. Hat es mich auf den ersten Blick gewundert, wie die so einen guten Beitrag zustande bekommen, kam die Auflösung, als ich den Namen des Schreibers entdeckte. Stefan Niggemeier beschreibt auf jeden Fall, wie manchmal die Qualität der Blogs weit vor denen der „großen“ Medien ist. Am Beispiel der »Operation Himmel« stellt er den Lawblog von Udo Vetter vor und präsentiert anschließend das schwarze Schaf, das es wohl am weitesten nach vorne in den Blogrankings geschafft hat.

Eines der drastischsten Beispiele dafür ist die islamfeindliche Seite Politically Incorrect (PI), die es geschafft hat, mit einer üblen Mischung aus Ressentiments, Unwahrheiten und tatsächlich besorgniserregenden Nachrichten über im Namen des Islams begangene Untaten zu einem der größten deutschen Blogs zu werden. Beunruhigend ist die Wirkung von PI in zweierlei Richtungen: Die Halbwahrheiten verbreiten sich von hier in vermeintlich seriöse Medien. Und andererseits eskaliert die Diskussion in den Kommentaren von PI in atemberaubender Weise. Angespornt von den mit Schimpfwörtern durchsetzten Meldungen, entwickelt sich unter den Autoren ein Wettbewerb um die drastischste Meinungsäußerung, der gelegentlich in Mordfantasien mündet.

2 Gedanken zu „Trüffel im Schlamm“

  1. Den Artikel habe ich auch gelesen und fand ihn echt gut, bis eben den Verweis auf PI. Der war im Kontext wirklich vollkommen unnötig und hat im Gegenzug die Heißsporne bei PI mal wieder in ihrem paranoiden Weltbild bestärkt. Ich finde, wenn man über PI schreibt, dann sollte man immer konkret bleiben und Argumente sprechen lassen. So ein Seitenhieb mit den mittlerweile von vorne bis hinten bekannten Vorwürfen, ist da wenig dienlich und lockt noch eher Interessierte auf die Seite, die dann auf den ersten Blick gar nicht erkennen können, was am Aussprechen der „Stammtischwahrheit“ so schlimm sein soll. Denn trotz der allgegenwärtigen Ressentiments gibt sich PI nach außen ja immer als prosemitisch, westlich, liberal…, weswegen sie eben nicht die Dumpfbacken, sondern die etwas Gebildeteren ansprechen, die eine gewisse kritische Grundhaltung mitbringen und sich in der Politik ein wenig auszukennen glauben. Und bis die dann merken, auf welch braune Soße sie da gestoßen sind, haben sie die ein oder andere „Wahrheit“ schon wieder weitergegeben, siehe „Green Helmet Guy“, Obamas islamistische Vergangenheit oder Claudia Roths Hamas-Verbindungen. Lauter Gerüchte, die sich vorwiegend auf Parties, Studententreffen… verbreiten. Jeder will halt zeigen, dass er Informationen oder auch Geheimwissen hat, die der Andere noch nicht kennt.

    Damit will ich nicht sagen, dass man PI totschweigen soll aber wenn man sich mit denen auseinandersetzt, dann muss man sich eben auch die Zeit nehmen, das komplexe Konstrukt dieses verschrobenen Weltbildes ernsthaft auseinanderzunehmen. Niggemeier und leider auch die Mainstreammedien hauen immer wieder in die Rassismuskerbe und da sind die Jungs bei PI mittlerweile einfach immun. Erstens ist es tatsächlich kein Rassismus (von mir aus antiliberal, faschistoid, fremdenfeindlich, was auch immer, aber eben nicht rassistisch) und zweitens fühlen sie sich auch nicht als Rassisten, sondern eben wirklich als die Bewahrer westlicher Werte.

Kommentare sind geschlossen.