Tümlich kommt von „so tun als ob“

Das ZDF hat die „Lustige Musikanten“ abgesetzt und Terrorscheich Heino stellt dem Sender schon ein Ultimatum deswegen. Angeblich meint Radiomoderator Karl Heinz Schweter vom WDR auch, dass „In Sendegebieten, in denen Hörer und Zuschauer nicht das bekommen, was sie sehen und hören möchten, sollte man überlegen, ob man die GEZ-Zahlungen boykottiert.“

Ich persönlich begrüße die Absetzung der Sendung sehr, denn das was da oft als bayerische Volksmusik verkauft wird, hat mit eben dieser oft gar nichts zu tun. Vielmehr bedient es genau das falsche Klischee, das die Bayern in manchen Teilen der Republik haben.

Von klein auf haben sich die Gebrüder Well der bayerischen Volksmusik verschrieben. Unter dem Namen Biermösl Blosn verbinden sie bayerische Musik mit bissigen Texten. Die Biermösl habe ich zum ersten Mal beim Anti-WAA-Festival in Burglengenfeld gehört und seitdem immer mal wieder, wenn sie in der Gegend gespielt haben. Selbst beschreiben sie ihr Tun so:

Die Well-Buam spielen seit fünfundzwanzig Jahren zum Tanz auf. Für diese Art von Volksmusik war und ist es normal, auch Tänze aus fremden Ländern aufzunehmen und zu bajuwarisieren.

Auf ihrer Seite schreibt Hans Well unter dem Titel „Weder Kitsch noch Museum“ eine persönlich Standortbestimmung in Sachen Volksmusik, die ich jedem nur mal ans Herz legen kann. En Auszug:

Der Auftritt des Musikantenstadels 1996 in Südafrika ist schon in die Annalen der alpenländischen Fernsehkulturgeschichte eingegangen und wurde inzwischen mindestens zweimal wiederholt. Während der Sendung hielt mich nur das Prinzip Hoffnung aufrecht, daß die zahlreichen Bildstörungen auf Kabelattacken irgendwelcher Pygmäenstämme zurückzuführen waren, die sich diesen vom BR zu verantworteten Angriff auf die menschliche Kultur nicht länger mitanschauen wollten. Eine Live – Sendung von über zweieinhalb Stunden aus Südafrika, in der dann nur Voll – Playback gesungen und musiziert wird, ist – ganz abgesehen von den Kosten – schon irgendwie ziemlich absurd. Noch schlimmer aber war, daß diese Peinlichkeit live im Südafrikanischen Fernsehen übertragen wurde. Was werden sich wohl die Zulus dabei gedacht haben, als Heino Schwarzbraun ist die Haselnuß playbackte und die Raataldirndln erkennbar synchronjodelten ? Wahrscheinlich haben sie sich gewundert. Warum nach den „Stadln“ in Australien, Kanada, Moskau und Kapstadt als nächstes nicht eine Livesendung mit Marianne und Michael von der Raumstation „Mir san Mir“, um das Bild vom Alpenländischen Kulturweltburger auch Außerirdischen zuteil werden zu lassen? Die Kulturarbeit der Goethe – Institute wird mit jeder dieser Sendungen um Jahrhunderte zurückgeworfen, so daß das Schließen vieler Insitute insofern nur konsequent ist. Freilich hat es Kitsch zu allen Zeiten gegeben. Bemerkenswert scheint mir allerdings die Dominanz dieser stupiden, teilweise debilen Musik, ohne daß offensichtlich der sonst nicht unbeträchtliche politische Einfluß im Interesse einer vielfältigeren kulturellen Selbstdarstellung geltend gemacht wird.

Wer die Biermösl noch nicht kennt, der sollte ein wenig auf der Seite rumstöbern und ein paar Liedln anhören. Mit Gott mit Dir Du Land der BayWa haben sie sich übrigens zum ersten Mal mit der bayerischen Staatsregierung angelegt.