Überwachtes Nachtleben

Am Samstag kam auf VOX ein Spiegel TV Special.

Jede Generation hat ihr spezielles Saturday-Night-Verhalten. Outfit, Musik und Tanzstil drücken immer auch ein besonderes Lebensgefühl aus – Partykultur als Spiegel der Gesellschaft.

In der Reportage wurden verschiedene Partygänger begleitet. Unter anderem eben auch die Eisenacher Großraumdisco „MAD„. Hauptsächlich ging es um die Probleme der Türsteher, des Klomanns und der Barkeeper. War recht interessant. Dann wurde der Geschäftsführer in seinem Überwachungsbüro interviewt. Der erzählte von den zahlreichen Kameras, die es ihm ermöglichen die Disco lückenlos zu überwachen. Die Filmaufnahmen werden gespeichert und die Polizei hätte auch ständig Zugriff darauf. Wenn gegen jemand Anzeige erstattet wird, bekommt dann die Polizei zusätzlich auch gleich das Video geliefert.

Richtiggehend entsetzt war ich allerdings, als er von den Eintrittsmodalitäten erzählte. Jeder Gast braucht eine Kundenkarte, für die er sich legitimieren muss. Erst wenn er die besitzt kann er Getränke kaufen. Allerdings ist die Karte nicht nur als Altersnachweis für Jugendliche gedacht, sondern auch zur Bezahlung der Speisen und Getränke. Als Nebeneffekt werden alle konsumierten Güter der vergangen Wochen in eine Datenbank gespeichert. Rund 13.000 Kundendaten haben die Discobetreiber so schon gesammelt. Und natürlich werden die Daten auch gleich sinnvoll verwendet. Jeder Barmann bekommt auf seinem Kassendisplay sofort angezeigt, was der entsprechende Gast in der letzten Zeit konsumiert hat. Dazu noch den genauen Geburtstag damit man rechtzeitig vorgewarnt wird. So könne man rechtzeitig mal nachfragen, wo denn der Gast seinen Ehrentag verbringen wird. Vielleicht kann man ihn ja dazu bewegen, im „MAD“ zu feiern.

Natürlich habe ich mir dann mal die Webseite der Disco angesehen, welche Datenschutzhinweise man da bekommt. Natürlich gar keine. Dafür habe ich in den FAQ folgende Passage gefunden:

Dürfen Ausländer ins MAD?
Natürlich, das MAD ist keineswegs ausländerfeindlich. Ausländer sind ebenso gern gesehene Gäste wie Inländer. Da es aber in der Vergangenheit gelegentlich Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen bestimmten Ausländer- bzw. Zuwanderergruppen gab welche negative Auswirkungen hatten, wird am Abend nur einem gewissen Prozentsatz an bestimmten Ausländern/Migranten der Einlaß gewährt und der Ausweis während des Aufenthaltes bei der Security aufbewahrt. Dies soll eine Identifizierung möglicher Störer sowie die Sicherung zivilrechtlicher Ansprüche gewährleisten bzw. erleichtern. Hier ist prinzipiell entscheidend, ob diese Personen beim Sicherheitspersonall bekannt sind und ob sie von der Kleidung und vom Auftreten her, zu unserer Gästestruktur passen.

Man ist also keineswegs ausländerfeindlich. Gegenfrage: Darf dann auch nur ein gewisser Prozentsatz an Deutschen rein? Müssen die dann auch ihren Ausweis bei der Security abgeben? Sollte ich jemals nach Eisenach kommen, kann ich Euch schon heute ganz genau sagen, was ich nicht tun werde: Diese Disco besuchen.

7 Gedanken zu „Überwachtes Nachtleben“

  1. wird am Abend nur einem gewissen Prozentsatz an bestimmten Ausländern/Migranten der Einlaß gewährt

    Das sollte man aber in Zeiten des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes besser nicht öffentlich schreiben…

  2. Pingback: MAD! | NYblog
  3. Hahahaha sehr geil.
    Habe mir diese tolle Reportage angesehen, abgesehen von dem vermittelten Bild der Partygesellschaft, hat mich aber vielmehr die von dir angesprochenen Überwachung erschrocken.

    Wie es Herr S. bei sich schon wieder schön provokant 😉 formuliert hat „Ja, der Osten […]“, ist es mal wieder typisch. Personen mit Migrationshintergrund werden aufgrund ihres Verhaltens, primär jedoch sicher nur wegen ihres Aussehens, nur in gewissem Umfang eingelassen. Entsprechende inländische Gruppierungen, die aufgrund ihrer äußerlichen Erscheinung schon als Unruhestifter oder Verursacher von Streitigkeiten mit anderen Kulturen bekannt sind, werden jedoch nicht in ihrer Freizeitgestaltung im MAD eingeschränkt.

    Da verwundert es kaum wenn in thüringischen Städten entsprechendes Securitypersonal der dortigen Clubs eindeutig dem rechten Spektrum zuzuordnen ist…

  4. Mit xenophoben Türstehern hatte lt. Max Goldt ja sogar schon Joan Baez zu kämpfen als sie einmal mit Mitgliedern ihrer Band eine Mannheimer Discothek besuchen wollte.

  5. Habe die Reportage nicht gesehen, doch Dein Bericht darüber reicht, um meinen Hals anschwellen zu lassen. Ich kenne Kneipen, Discos in denen ich mir wünschen würde, man würde auf einige zahlende Gäste verzichten, egal welcher Nationalität …

  6. Nur dass da kein falscher Eindruck entsteht: Sowas gibt es nicht nur im Osten.
    Vorsicht vor einseitiger Berichterstattung!
    Zur Zeit ist eine Disco in Freiburg in den Schlagzeilen, die demnächst neu öffnen will. Auch hier haben die Betreiber im Vorfeld im Internet angekündigt, nur einem bestimmten Prozentsatz an Ausländern Einlass gewähren zu wollen. Ausländer die ohne Probleme rein wollen, sollen besser eine Club-Card beantragen.
    Lesen kann man das hier:
    http://fudder.de/artikel/2008/04/03/musikarena-a5-auslaender-soll...

    Als es den Medien-Aufruhr gab, hat der Betreiber versucht, alles ein wenig zu glätten:
    http://fudder.de/artikel/2008/04/07/auslaenderquote-in-der-musika...

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